Die beste Fritte Brüssels- Die Entscheidung

Brüssel ist eine geteilte Stadt. Abgesehen davon, dass es zwei offizielle Sprachen, 4 Parlamente und 19 Bürgermeister gibt, sind bei der Frage, wo der besten Fritten Brüsseler gespaltener als Amerika nach den Wahlen. Traditionell verläuft die Frontlinie dabei zwischen Maison Antoine am Place Jourdan und Frit Flagey am gleichnamigen Place Flagey. Die Konkurrenz zwischen beiden Etablissements ist so hoch, dass sich der Brüsseler Rundfunk im Jahr 2014 entschied ein jährlichen „Fritometre“ zu publizieren. Die erste Frittenkrone ging mit klarem Abstand an Maison Antoine, jedoch lag im folgenden Jahr Flagey vorne. 2016 zeigte, der Kampf gegen das Establishment macht auch vor der Fritte nicht Halt. Ein  Underdog aus dem nördlichen Stadtteil Randbeek schaffte es auf den ersten Platz.

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Dennoch: Bei der Frage, ob Flagey oder Antoine geht es um mehr als Pommes. Es ist eine Identitätsfrage. Am Place Flagey, gelegen im mondänen Teil des Viertels Ixelles, trifft man solche, die immer schon lieber Jacques Brel als Stromae gehört haben und gerade dabei sind ihre Art Nouveau Wohnung zu renovieren. Der Place Jourdan mit seiner Brüsseler Mischung aus grauen 70er Jahre Bauten, Parkplatz und etwas heruntergekommenen Bars bewirtschaftet eine Mischung aus lokalen Urgensteinen, Touristen, Eurokraten und Regierungschefinnen, denen der Magen während des Europäischen Rates knurrt.

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Nach unserem Test bei Antoine hatten die Fritten neue Maßstäbe für unser Bewertungsschema gesetzt. Um das Duell der Brüsseler Pommestitanen neu anzuheizen legt Pommesluv nun nach. Wir testeten die Pommes am Place Flagey. Dabei war klar, dass nur die höchsten Teststandards genügen würden.  Unterstützt wurde Pommesluv diesmal von einer Ikone der skandinavischen Frittierkultur.20161104_140649.jpg Alva, die selbst jahrelange Erfahrung mit der Brüsseler Pommesszene hat, fühlte sich äußerst geehrt als Expertin konsultiert zu werden: „Dieser Test wird alles ändern. Diese Entscheidung wird Generationen von Pommesluvern nachhaltig beeinflussen und wahrscheinlich unsere Sicht auf die Fritte neu definieren.“ Um den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden, erlaubten wir Alva vor dem Test keine Zeit in Brüssel, zu groß war die Gefahr den Test  durch den Geschmack anderer Frittenbuden zu verzerren. Deshalb sparte Pommesluv keinen Kosten und Mühen.
Wir flogen Alva, die eigentlich gerade als Sprecherin der schwedischen Pommes die verkorkste Frittenkultur Dänemarks aufrüttelt, direkt aus Kopenhagen ein. Dass es ihr ernst war, wurde uns klar, als wir sie am Place Flagey mit Rollkoffer trafen: „Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen, so kann ich mich jeder Fritte individuell widmen.“ Ganz im Sinne der alten frittologischen Weisheit „Eine Frittentüte muss dich bei jeder Pommes neu gewinnen.“

Wir schritten also zur Tat und freuten uns, dass für die Mittagszeit eine nicht zu lange Schlange vor der Bude stand.20161104_140641.jpg Ganz im Kontrast zum Place Jourdan, wo bereits ein findiger EU-Lobbyist den Spruch prägte: „Die echten Deals werden in der Schlange bei Antoine gemacht.“  Wir entscheiden uns für eine große Portion mit klassischer Sauce Andalouse. Preislich ähnlich zum Place Jourdan. Auch die Größe der Portion scheint mit der Konkurrenz koordiniert.

Die Fritten an sich präsentierten sich einem satten Goldton, der seinesgleichen sicherlich nur in den Wandapplikationen des Trump-Towers findet. Beim ersten Biss wird uns klar, dass es ein enges Rennen werden wird. Der satte Geschmack der doppelten Frittierveredelung ist auf den Punkt, die Pommes haben ein exzellentes Verhältnis zwischen äußerem Crunch und weichem Innenleben. Die Würzung ist schlicht perfekt, vielleicht sogar perfekter als bei Antoine. Die Flagey-Pommes haben jedoch einen minimal geringeren Fettanteil. Der Fettungsgrad der Pommes ist eine bis heute höchst umstrittene Kategorie. Zwar kann ein Hauch mehr Fett der Pommes einen volleren Geschmack geben. Doch bei geringem Abschütteln der Fritten droht die Gefahr, dass die Pommes zu labbrig werden. Das perfekte Verhältnis des Fettes in den Pommes beim Schütteln zu entwickeln ist ein Spiel mit dem Feuer. Zwar sollte sorgfältiges Abschütteln das Gebot der Stunde bei den meisten Buden sein, doch bei diesem Duell kostet es Flagey einen leichten Abzug.received_10154737537840280.jpeg

Zur Sauce ist zu sagen, dass die Andalouse wohlschmeckend pikant ist und das Verhältnis vom Mayonnaise und Gewürzen auf den Punkt sind. Ebenfalls wichtig: Der Klecks reicht für eine ganze Portion. So schließen die Pommes bei der Sauce leicht wieder auf. Jedoch ist zu bemerken, dass Frites Flagey nur 15 Saucen im Angebot hat im Kontrast zu Antoine mit 28. Klar ist: Die Extras zur Fritte werden den Unterschied machen. Als Beilage wählen wir eine Frikandel- geschmacklich und frittiertechnisch zwar einwandfrei, jedoch bietet Flagey keine Spieße auch Brochette genannt. Diese dürfen normalerweise bei einem Besuch am Place Jourdan nicht fehlen. Besonders dann nicht, wenn man sich in einem der umliegenden Bars zu einem Bier niederlässt. Und wo sind eigentlich die pommesfreundlichen Bars hier?

Wir müssen mit einer Parkbank vorliebnehmen und an diesem Punkt entscheidet sich auch unser Test.20161104_142027.jpg Frit Flagey liefert eine beeindruckende Fritte die mit 4,5/5 Pommes viele Konkurrenten in den Schatten stellt. Im entscheidenden Stadtduell aber zieht sie den Kürzeren.

 

Frit Flagey

Place Eugène Flagey

1050 Ixelles

Hauptstadregion Brüssel

 

 

Die Stunde der Chili-Cheese-Fritten aus Brooklyn

Es ist Sonntag in der großen Stadt und für Pommesluv ist klar- heute muss eine New Yorker Institution die Frittentauglichkeit bestehen. Für die vollkommen überarbeiteten Bewohner aller Boroughs ist der Brunch die einmal wöchentliche Gelegenheit sich über das Leben des engeren Freundeskreises zu updaten und sich gegenseitig dabei zu beobachten, wie man Unmengen von Kalorien verspeist.

Wir sind verabredet in Prospect Heights-Heimat für hippe Familien und aufstrebende Young Professionals. Das perfekte Pflaster, um der Brunchkultur näherzukommen. Wir sind für 12 Uhr verabredet und wollen uns spontan für eine Lokalität entscheiden. So weit so gut- wäre da nicht die notorisch unzuverlässige Subway, die am Wochenenden eine Anreise von einem Teil Brooklyns zum Anderen zu einem gefühlten Transatlantikflug macht. So treffen wir gänzlich ausgehungert gegen halb 3 an der Flatbush Avenue zusammen. Uns ist klar, Egg Benedict und Fritten sind jetzt zu wenig: Wir müssen die Königsklasse Amerikanischer Protein- und Kohlenhydratkultur in Angriff nehmen- das Barbecue. New York ist nicht zum BBQ-Belly der USA, aber die Qualität hat sich Dank der neuen Brooklyner Bart- und Craft-Beer-Eliten in den letztem Jahren deutlich verbessert. Morgan’s Barbecue ist all das, was man aufgrund seiner Location und Spezialisierung erwartet. Holzbänke, Industrielampen, Bier aus Gurkengläsern und Biofleisch aus lokaler Produktion (wo zum Teufel kann man eigentlich in NYC Ökoschweine halten?)

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Wir bestellen eine große Portion Brisket, einen Haufen Schweinerippchen und einen Berg Pulled Pork. Dazu eine Portion normale Fritten und wie uns gesagt wird die Spezialität des Hauses: Chili-Cheese Fries.

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Bevor wir ans Eingemachte bei den Fritten gehen, sollte erwähnt werden, dass das Fleisch sämtliche unserer Erfahrungen mit BBQ an der Nordostküste sprengt: Das Brisket war unvergleichlich zart und saftig. Die Rippchen konnten mit einer sehr exquisiten texanischen Marinade aufwarten.

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Unsere Fritten werden serviert in Pappschalen und es fällt schnell auf, dass sich die Fritten farblich kaum von ihrem Behältnis unterscheiden. Auch geschmacklich hat man eher das Gefühl auf Altpapierstreifen zu kauen, als Kartoffeln im Mund zu haben. Wir halten enttäuscht fest, dass diese Fritten nicht nur äußerlich, sondern auch geschmacklich schlicht pappig sind.  Bei den Chili Cheese Fries wird hingegen deutlich, dass bei Morgan’s vor allem darauf gesetzt wird die Fritten als Träger der äußerst gelungenen Käse-Chili-Zwiebelsauce zu verwenden. Dazu gibt es zarte Schweinefiletstücke. Sehr überzeugend!

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Das gibt der Gesamtbewertung zwar einen Extrapunkt, aber da die Pommes an sich schlicht enttäuschend war reicht es für Morgan’s nur zu 2/5 Fritten.

Wir wollen aber mal nicht so sein uns sprechen dennoch eine Empfehlung für das BBQ aus. Allerdings sollten Fritten nur in der Chili-Cheese-Variante konsumiert werden.

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Morgan’s Barbecue

267 Flatbush Avenue

Brooklyn, NY

http://morgansbrooklynbarbecue.com/

 

 

 

 

 

 

Kapitalismuskritik und koreanische Pommes

Ich habe Besuch und wir haben Pläne gemacht für Freitagabend. Federico, mein Kumpan aus Pariser Zeiten ist in der Stadt und möchte Bilderbuch-Amerika kennenlernen. Ihn hat es, genauso wie mich, zu Beginn des Jahres auf die andere Seite des Atlantiks getrieben. Auch wenn es ihm in Washington D.C. gefällt, irgendwie hat er noch keine Wolkenkratzer und Leuchtreklamen gefunden. Das kann ich bieten und deshalb habe ich ihn nach New York eingeladen.

Um ihn direkt in die richtige Stimmung zu bringen, haben wir einen Termin im Herzen der freien Welt und eigentlich der gänzlichen Galaxie (vorausgesetzt die Amis kriegen jetzt mal langsam ihre Fahne auf den Mars): Wir haben Broadway Tickets für eine Show unweit des Time Squares. Die Bedeutung dieses Ortes steht in direkter Linie mit anderen historischen Plätzen der westlichen Welt: Olymp- Forum Romanum- Concorde- Times Square. Alles was Amerika überlegen macht an einem Platz: Der Disney Flagship Store, die Rekrutierungsstation der US Armee und Boobie Girls, auch wenn denen um diese Jahreszeit ein bisschen zu kalt ist.

All das eingerahmt in ein Meer von Licht und Glitzer. Während dieser Ort alle Errungenschaften des Kapitalismus zum Besten gibt, ist er auch Sinnbild für sein eigenes Scheitern: Wer sich hier auf die Suche nach einer vernünftigen Fritte macht, wird sich mit blassen, labbrigen und ungesalzenen Magerstangen in einem der unzähligen Kettenrestaurants abgeben müssen. Wir sind hungrig vorm Theater aber beim Anblick der Pommes rund um den Times Square werden wir schnell zu Kapitalismuskritikern. Wie in früheren Posts bereits erwähnt, sollte sich eine Kultur immer daran messen lassen, wie sie mit ihren Fritten umgeht. Im Sinne des amerkanischen Vorwahlkampfes wird uns deutlich: The system is broken!“

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Wir haben noch ein wenig Zeit vor Beginn der Show und entfliehen ins nahgelegene K-Town. Wir sind nicht wirklich in der Stimmung auf Kimchi und oder koreanisches BBQ. Zwei Blocks vom Empire State Building entfernt stoßen wir auf eine Lokalität, die unserem frittierten Appetit gerecht wird: Turntable Chicken&Jazz. Die Karte verspricht ein gewagtes Crossover, aus amerikanischen Klassikern (verschiedenste Varianten von fried Chicken) und koreanischer Küche. Versteckt im ersten Stock, über einem 99ct Pizza Shop, befindet sich Turntable Chicken&Jazz. Der Barbereich ist überfüllt mit hippen Anzugträgern aus Midtown, die während des Afterwork-Drinks über ihre 75 Stunden Woche klagen. Es ist dunkel und aus den Lautsprechern dröhnt ein Crossover von Elektromusik und Chartsmusik. Bis zum Ende unseres Besuchs werden wir uns fragen, was der Jazz im Namen verloren hat. Wir werden von einer professionell, schlecht gelaunten Kellnerin an einen Tisch gelotst und bestellen koreanisches Lagerbier.

Nach einer Weile beobachten wir, wie eine Gruppe neben uns durchsichtige Bierfässer mit wahlweise pinker, hellblauer oder grüner LED-Beleuchtung auf den Tisch gestellt bekommt. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, was das Highlight jeder koreanischen Kegelparty sein muss.12751707_10208701059553758_1151890328_o Unsere Entscheidung fällt schnell auf eine mittlere Portion Chicken Wings und Fritten. Wir werden vorgewarnt, es könne bis zu 40 Minuten dauern- alles sei frisch. Wir finden das nicht okay, nehmen es aber in Kauf bei einem Kurs von $10 für Chicken Wings und Fritten pro Person. Am Nachbartisch sitzt ein Date. Es ist definitiv ein Date, denn er weiß viele essentials noch nicht über sie. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie diesen Ort für das Treffen ausgewählt hat, denn sie erklärt ihm die Karte in allen Details und einer Lautstärke, dass ich Material für einen neuen Blogpost hätte. Unser Essen kommt früher als erwartet und ab diesem Punkt spielen die Gespräche am Nebentisch keine Rolle mehr. Ich kann nicht wirklich viel sehen, aber was ich schmecke ist unerwartet, aber sehr überzeugend. 12751896_10208692157211205_995535418_oDie Pommes sind selbstgemachte, geschnittene Kartoffeln mit einer erstaunlichen Präzision in ihrer Machart. Außen sehr kross, innen immer noch eine ganze Kartoffel. Selten gab es eine hausgemachte Fritte mit einem solchen effait.

12528583_10208692171051551_553341240_o12776928_10208701060953793_50760115_o   Wie sich beim Photo herrausstellt, ist auch die Farbe mehr als gekonnt- ein goldbrauner Genuss. Amerika ist bekannt als Land der Mayo-Verächter, nicht so bei Turntable Chicken&Jazz, denn es gibt ungefragt Trüffelmayonnaise zu den Pommes. So etwas passiert selten und verdient Pluspunkte. Ein paar Worte sollten auch über die Chicken Wings verloren werden. Diese sind ebenfalls sehr gut frittiert äußerst scharf und werden mit koreanischen Kohl begleitet, der zur Milderung der Schärfe beiträgt.

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Insofern sei geschlussfolgert, unerwartet, aber verdient: K-Town in New York produziert nicht nur scharfes aus Fernost, sondern hat auch Pommes zu bieten, die Standards setzen. Die Fritten selber verdienen 4 von 5 Pommes, es gibt jedoch Abzüge für die Chartsmusik (-0.5) und für den mittelmäßigen Service (-0.5). Dafür gibt es jedoch einen Extrapunkt für die komplementäre Trüffelmayonnaise. Also 4 von 5. Was lernen wir aus diesen Test?- Sauce does matter. A lot!

 

Turntable Chicken&Jazz

314 5th Avenue

10001 New York, NY

http://www.turntablenyc.com/

 

 

Im Schrein der Fritten

Der Brüsseler Sommer gibt sein Bestes- es ist Mitte Juni, 21 Grad und die Wolken scheinen bereits auch im Urlaub zu sein. Die übriggebliebenen grauen Schleier am Himmel sind auch zu faul ihren Regen über der Stadt loszuwerden. Das ist ähnlich mit der Eurokratie der Stadt: Obwohl mal wieder der Grexit ansteht, sind die meisten Räder der Brüsseler Maschine bereits an die französische Riviera oder nach Sylt verschwunden. Die, die geblieben sind haben auch zu nichts mehr Lust. Brüsseler Wolken und Bürokraten haben nicht nur ihre Arbeitszeiten gemeinsam sondern auch die gleiche Farbe: Das Grau des Himmels harmonisiert äußerst gut mit den Anthrazit Tönen der Eurokraten-Anzüge.

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Dies ist die beste Zeit sich an den Schrein der belgischen Frittenkultur anzupirschen: Am Place Jourdan, dort wo sich das EU Sofitel, belgischer Plattenbau und  flämische Gründerzeithäuser Gute Nacht sagen, ist Maison Antoine zu finden. Die Bude existiert seit 1946 und ist unter Brüsselern, Eurobrüsselern, Touristen und auch eigentlich im Rest von Belgien als Epizentrum der belgischen Pommes bekannt. Eine Institution, wie keine andere. Wenn von hier aus zur Lage der Fritte gesprochen wird, horcht das Land auf. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Vorstoß die belgische Pommes zum UNESCO Weltkulturerbe zu erklären vom Place Jourdan kam. Bisher hat dieser Vorstoß innerhalb der Vereinten Nationen wenig Anklang gefunden, jedoch sollte an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt werden, dass Pommesluv hinter dieser Idee steht.

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Nun genug der Lorbeeren- auch diese Fritten müssen erst einmal unseren kritischen Gaumen überzeugen. Als Begleitung habe ich Fernando dabei- mexikanischer Franko-Amerikaner, Polyglott und Pommesexperte für Südamerika. Wir kommen Mittags bei Antoine an und haben das Glück, dass die sich Euroblase gerade über die neuen Papiere von Varoufakis ärgert oder sich in der Sonne räkelt. Auch die Touristen scheinen heute ihre Reiseführer vergessen zu haben. Also sind wir nach geschlagenen 5 Minuten an der Reihe. Zu Stoßzeiten können dies auch mal 40 Minuten werden, ich spreche aus eigener Erfahrung. Der erste Blick auf die Speisetafel setzt bereits Standards: Etwa 15 verschiedene Saucen stehen zur Auswahl. Bei den Fritten gibt es entweder Groß oder Klein( es sei jedoch vermerkt, dass eine kleine Tüte ein Mittagessen und Käse-Sahne-Torte ersetzen). Antoine beeindruckt ebenfalls bei den Beilagen. Klassiker, wie Kroketten oder Kaassouffle sind selbstverständlich. Wir halten uns jedoch an die Spezialität des Hauses: Brochettes– oder auch frittierte Grillspieße. Diese gibt es in jeder erdänklichen Kombination: Für Exilfranzosen ist Provencale nennenswert mit Paprika, Gewürz und Schweinefleisch. Wer einen zu niedrigen Cholesterinspiegel hat, dem sei Ardennaise, im wahrsten Sinne des Wortes, ans Herz gelegt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Bacon und paniertem Schweinefleischwürfeln.

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Wir bestellen Brochette und Pommes, setzen uns in eines der umliegenden Cafés und bestellen helles Bier. Die Pommestüte von Antoine fungiert dabei als VIP-Karte für die Terrassen der umliegenden Kneipen.

Der Preis pro Tüte mit Sauce, liegt bei 2,90€, was für Brüsseler Verhältnisse absolut akzeptabel ist. Bei der Wahl der Sauce besteht die Möglichkeit a apart oder auf den Pommes zu bestellen. Ja, an solchen Feinheiten erkennt man die Klasse einer Bude. Wir rollen unsere Tüten auf und es strahlen uns goldgelbe Fritten an, die in der Farbe nicht zu überbieten sind. Vom ersten bis zum letzten Biss wird deutlich, dass hier Standards gesetzt werden: Die Pommes sind außen krosser, als der Tan nach einem Sonnenbad mit Hawaiian Tropic und innen so kartofellig, wie es eben geht.

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Geschmacklich schmeckt man den Sterne-Fritteur: Die Essenz des ersten Frittierganges ist perfekt erhalten und bildet mit einem satten Kartoffelgeschmack ein wahres Frittenfeuerwerk. Auch unsere Beilagen ergänzen diesen Geschmack perfekt. Bei so viel Lob sei jedoch Folgendes erwähnt: Das Schälchen Sauce reicht bei weitem nicht aus für Beilage und Fritten. Das macht unzufrieden, das gibt Abzug! Deshalb schneidet Antoine mit 4,75 von 5 Fritten ab.

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Maison Antoine

Place Jourdan 1

1040 Etterbeek, Hauptstadtregion Brüssel

Eigentlich immer offen, so bis 23:00

Trending Fastfood: Die Entwicklungen der Budenkost in den letzten 200 Jahren

Einen hippen Blog zu schreiben erfordert nicht nur ganz viel Kreativität und Authenzität, sondern auch ein cooles Thema. Man kann dabei ganz nach Bauchgefühl gehen und einfach mal was zu gesunden Rezepten oder Berliner Streetstyle schreiben. In einem solchen Fall ist mittelmäßiges Interesse für den geschriebenen Inhalt garantiert und es bleibt nur zu hoffen, dass man sich durch seine Attraktivität bei Instagram in Szene setzen kann, um wenigstens ein bisschen traffic für den Blog zu generieren.

Wer jedoch wirklich wissen möchte, ob er am Puls der Zeit schreibt, dem sei Google’s Ngram Tool ans Herz gelegt. Mit der Superpower von Google kann man hier Millionen von Büchern nach einem bestimmten Schlagwort durchforsten und so herausfinden, wie hip der Begriff von 1800 bis heute bei Autoren war. Also quasi eine trending topic timeline der letzten 200 Jahre.

So haben wir uns auch dem Test gestellt und uns gefragt, wie hip ist unser Thema eigentlich.  Deshalb haben wir unsere Schlagwörter „Fritten“ und „Pommes“ durch Ngram gejagt und dabei kam folgendes heraus:

Fritten, Pommes

Mit einem Blick auf die Statistik können wir uns also auf die Schulter klopfen. Im deutschen Sprachraum scheint die Fritte deutlich auf dem Vormarsch. Gleichzeitig wird jedoch auch deutlich, dass der Begriff Fritte deutlich seltener Verwendung findet.  Der Geruch von frittierter Freiheit in der Nachkriegszeit verschafft der Pommes ihren Durchbruch. Danach erlebt die Pommes ein auf und ab, genauso, wie die junge Bundesrepublik. Ende der 90er erlebt die Pommes einen Steigerung, die jeden Hobbyanleger der New Economy neidisch gemacht hätte. Dieser Aufstieg hält immer noch an und macht deutlich, dass die Pommes gesamtgesellschaftlich ein unaufhaltsamer Trend ist. International ist die Entwicklung noch bemerkenswerter. Seit Mitte der 70er Jahre verzeichnen fries einen exponentiellen Anstieg. Seit 2003 ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Jedoch gehen Experten davon aus, dass diese Eintrübung vor allem eine natürliche Sättigung nach dem schlagartigen Fastfoodhype in Osteuropa nach dem Fall der Mauer darstellt. Die globale Rolle von fries sei jedoch gerade mit dem Blick auf emerging markets noch lange nicht ausgeschöpft.

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Uns interessierte natürlich auch, wie sich die Pommes eigentlich im Vergleich zu anderen Fastfoodprodukten schlägt. Zu Beginn sei angemerkt, dass in der deutschen Statistik der Begriff „Burger“ nicht auftaucht, da sein Gebrauch auch häufig mit dem „Bürger“ verwechselt wird und somit die angezeigte Relevanz nicht akkurat ist. Ebenfalls nicht vergleichbar ist Pizza, da sich hier wahre Schlachten über ihren wahren Charakter  führen lassen. Denn sowohl die Verfechter der amerikanischen, als auch der italienischen Variante würden ihre Art als unterschiedliche Produkte bezeichnen .

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Das Schnitzel war über ein Jahrhundert hinweg unangefochten an der Spitze der fastfood Produkte. Auch wenn Deutschland nach wie vor den Ruf als Schnitzelland hat, ist die Pommes mittlerweile klarer Spitzenreiter – Tendenz steigend. Denn gleichzeitig können Döner, Currywurst und Bratwurst bei Weitem nicht mithalten. Zu vermerken ist jedoch das Wachstum von Tofu, welches sich mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Currywurst liefert.

Auch im internationalen Vergleich sind fries der klare Favorit des globalen Gaumens.

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Burger machten zwar Mitte der 70er Jahre der Pommes deutlich Konkurrenz, jedoch ist seit Beginn des neuen Milleniums ein klarer Knick bei der Relevanz des Burgers zu erkennen. Sollte jemand der Leser mit dem Gedanken spielen über Burger zu bloggen oder gerne einen Biofleischburgerladen eröffnen wollen, sei ihm mit dieser Statistik davon abgeraten. Ebenfalls beachtlich ist die Rolle von Tofu im globalen Vergleich. Dieser vegetarische Ersatz für alles macht dem Burger erheblich zu schaffen. Der Trend zugunsten von vegetarischem Fastfood ist jedoch nicht garantiert: Viele asiatische Schwellenländer sind noch nicht in der Gourmetburgerphase angekommen und somit haben klassische Burgergiganten noch Wachstumspotenzial. Die Rolle des Woks und des Bagels stagnierte in den letzten Jahren. Ebenso auffällig ist, dass Kebabs und Burritos, fastfood-Leibspeise weltoffener Amerikaner, in den letzten Jahren auch nicht deutlich an Relevanz gewinnen konnten.

Es bleibt festzuhalten: Wir wussten es von Anfang an – Pommes sind schon seit langem das Trendigste, was es da draußen an fastfood gibt.

Ein bisschen Belgien in Paris?

Wenn man Franzosen über Belgien befragt, werden den meisten schlechte Witze über den wallonischen Akzent einfallen und der ein oder andere wird sich daran erinnern, dass er eine Leonidas Filiale neben seinem Supermarkt hat. Es werden jedoch Wenige dem Nachbarn kulinarische Kultur bescheinigen.

Doch, wie wir bereits in früheren Beiträgen festgestellt haben, ist Belgien ohne Zweifel das momentane Epizentrum europäischer Frittenkultur. Seit einiger Zeit macht sich die Frittenbudenkette De Clercq- Les Rois de la Frite als Botschafter von belgischen Fritten einen Namen in Paris. Als erweiterter Teil der EU Bubble, treibt es mich zwar öfters nach Brüssel, Hauptstadt Europas und der Fritte, aber leider bleibt selten Zeit meiner Leidenschaft für belgische Pommes nachzukommen. Der Gedanke, eine belgische Pommesbude vor der Haustür zu haben, katapultierte mich umgehend über die Spitze meiner maslowschen Pyramide hinweg.

IMG_20150410_194311_hdrDe Clercq hat in Paris drei Standorte: Im 5e, um hungrige Sorbonnestudenten ohne strikten Diätplan abzugreifen, im 13e für alle Bewohner, die nicht schon wieder Wok-to-go aus Chinatown wollen und im 2e, in der Nähe des Boulevard Montmatre, für after-Bar Heißhungerattacken. Es ist ein lauer Frühlingsabend und wir entscheiden uns für die Bude 2e, um die Fritten anschließend am Fuß von Montmatre zu verköstigen. Als Unterstützung für diesen Test kann ich diesmal auf Leah, US-Ostküstenexpertin mit einer Schwäche für Curly Fries, zählen.

Beim betreten von De Clercq wird deutlich, dass in diesem Etablissement keine Kompromisse gemacht werden. Rot-schwarze Wände, gelbe Stehtische, eine offene Frittierküche. Die meisten Belgier würden sich hier dennoch eher unwohl fühlen. Dies liegt weniger an den nicht vorhandenen Sitzmöglichkeiten, sondern an der komplizierten Beziehung der Belgier zu ihrer Identität und ihren Nationalfarben. Dem fortwährenden Zwist zwischen Wallonen und Flamen fällt häufig auch die Fritte zum Opfer, denn beide Seiten reklamieren die bessere Machart für sich. Solche Konflikte versteht aber nicht wirklich jemand außerhalb des Landes und deshalb kann man das Interieur als zweckmäßig und passend beschreiben. An der Kasse werden sämtliche französischen Vorurteile über den kleinen Nachbarn bestätigt: Eine rundliche Frau mit roter Kappe rechnet betont unfreundlich ab, entlarvt sich, durch ihr französisches „quatre-vingt-dix centimes“ (anstatt des belgischen „nonantes“),  allerdings nur als Belgien-Attrappe.

IMG_20150410_194613Wir bestellen zwei Portionen Pommes mit zwei Mal Sauce Andalouse, eine Frikandel und Croquette. Mit 2,90€ für eine Portion ist die Bude zwar ein wenig teurer, als in Belgien, aber für Pariser Verhältnisse erschwinglich. De Clercq überzeugt mit einem Menü für Experten: 3 verschiedene Portionsgrößen( von 300 Gramm bis zu einem vollen Kilo), eine reiche Auswahl an originalgetreuen Saucen und Beilagen, die jedes Frittologenherz höher schlagen lassen: Frikandel, Croquettes und Gehaktballen. Ebenfalls verfügbar ist ein Burgermenü, aber das ist Nebensache. Burger kriegt man heutzutage ja überall.

Ausgestattet mit einer großen, fettigen Frittentüte machen wir uns per Fahrrad auf den Weg zu einer bequemen Parkbank mit Blick. Unsere Erwartungen sind hoch; die Ernüchterung folgt auf den Punkt. Beim Blick in die Tüte wird deutlich, dass De Clercq offensichtlich Croquettes für Cheese Fingers hält. Aus frittiertechnischer Sicht ein absoluter Fauxpas. Geschmacklich sind sie zwar in Ordnung, jedoch kostet die falsche Etikettierung Punkte. Auch unsere Frikandelbeilage kann nicht überzeugen. Obwohl die Würze in Ordnung ist, ist die frittierte Gehacktwurst (manche munkeln das Geheimnis sei ein 50/50 Anteil aus Pferde- und Eselfleisch) zu trocken. Ein solcher Fehler entsteht, wenn der Fritteur, unter Druck von Kunden mit schlechtem Gewissen, die Frikandel nach dem Frittieren zu lange von heißem Fett abklopft.

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Die Fritten sind geschmacklich ohne Zweifel nach belgischer Machart. Das doppelte Frittierverfahren und das klassische Rindernierenfett hinterlassen ihren markanten Geschmack. Auch die Form und Farbe überzeugt: Dick und dunkelgelb, wie man es bei gehobener Frittenkunst in Belgien finden sollte. Jedoch wird bei der Frittierung der Pommes deutlich, das Amateure am Werk waren. Außen labbrig, innen zu kross: Ein klassischer Fehler, durch zu lange Pausen zwischen den Frittergängen. Auch mehr Salz hätte den Pommes gut getan.

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So müssen wir abschließend feststellen, dass De Clercq zwar das Beste tut, um belgische Frittenkultur in Paris zu etablieren. Dennoch wäre das Angebot nicht mal in kulinarischen Internierungslagern, wie Chaleroi, wettbewerbsfähig. Zu schwach die Frittierleistung, zu eklatant der Verstoß gegen die Croquetten-Etikette. Für Pariser Standards ist De Clercq dennoch ein kleiner Schritt nach vorne. Deshalb gibt es am Ende 2.5 von 5 Pommes.

De Clercq- Les Rois de la Frite

169 Rue Montmatre

75002 Paris

http://www.lesroisdelafrite.com/

Koschere Fritten im Marais

Als Rabbi Jacob 1973 von New York nach Paris aufbrach, war der cheese cake sicherlich nicht die einzige kulinarische Herausforderung, die er seiner französischen Mischpoke präsentiert haben muss.

Fakt ist: Amerikanische Esskultur ist heutzutage fester Bestandteil der Pariser Küche.

Der Leser wird jetzt vielleicht einen Aufsatz über die brutale Verdrängung traditionellen französischen Bistros und kulinarischer Vielfalt durch imperialistische Big Macs, Whopper und Chicken Wings erwarten. Aber weit gefehlt, die Résistance steht. Keine Neueröffnung einer Fastfoodfiliale mit Spielzeugkollektion vergeht, ohne den Widerstand von besorgten Müttern eines Nachbarschaftskommittees und massiven Protesten, die das Ende der französischen Republik vorhersagen. Diese Abneigung ist jedoch eher geprägt von der drohenden Amerikanisierung durch menschenverachtende Großkonzerne. Denn eigentlich wissen die Franzosen Berge von Fleisch mit einer guten Portion Kohlehydrate und Sauce in ihrer Küche sehr wohl zu schätzen. So ist es also auch kein Wunder, dass in den letzten Jahren in Paris exquisite Burgerrestaurants aus dem Boden sprießen.  Regionale Zutaten, Biofleisch, handgemachte Saucen und wenigstens 10 Jedermann unbekannten Biermarken sind das Standardprogramm. Nicht, dass die Pariser damit einen grundlegend exquisiteren Geschmack hätten, die selben Komponenten sind heute die Erfolgsfaktoren für jeden Burgershop in den globalen Gentrifizierungsepizentren.

Das alte jüdische Viertel Marais, hat sich in den letzten Jahren auch auf die Seite der globalen cool kids geschlagen und bietet heute alles, was das Yuppie Herz begehrt. Mitterweile macht der Spruch die Runde, das einzig jüdische, was dem Marais geblieben sei, wären die Sonntagsöffnungszeiten der Modeketten. Dennoch ist auf der Rue des Rosiers nach wie vor das Herz von jüdischer Kultur in Paris zu finden.

Einer der alteingesessenen Lokalitäten des Marais ist Mickey’s Deli. Seit 5755 (oder auch 1995) ist Mickey’s eine gefragte Adresse für koschere Fastfoodkultur. Dabei hat sich der Deli dem zeitgenössischen Trend angepasst und jeder anspruchsvolle Fastfoodkenner wird sich zwischen den standardmäßigen Backsteinwänden und der offenen Küche sehr wohlfühlen. Zur Abwechslung zu anderen Gentrifizierungsschuppen, wird man jedoch beim Essen von Portraits mit grimmigen Rabbis beobachtet und es finden sich geschmackvolle Retro-Reklamen oder Hygienehinweise auf Hebräisch.

Nun aber zum Essentiellen: Ich habe das Glück heute von Jonathan, einem der kritischsten Kritiker der westfälischen Fastfoodgemeinde begleitet zu werden. Beim Blick auf die Karte stellen wir beide fest, dass sich nicht nur das Interieur dem Publikum angepasst hat, sondern auch der Preis im Marais Mittelmaß liegt. Für 15€ -19€ gibt es einen Burger mit Fritten.  Wir entscheiden uns für einen spicy Hamburger und einen Mickey’s Burger. Dazu gibt es israelisches Maccabee Bier, welches seine französischen Konkurrenz ziemlich alt aussehen lässt und Mickey’s schon mal seinen ersten Pluspunkt beschert.

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Als unsere Burger kommen, relativiert sich der Preis: Vor uns liegt ein Zentralmassiv von Pommes und ein äußerst saftiger Burger mit Spiegelei und Gurke als extra. Als der Kellner realisiert, dass wir uns im Besonderen für das Frittierte des Hauses interessieren, wird uns schnell deutlich gemacht, dass diese Fritten „homemade“ sein. Ein wichtiges Qualitätsschlagwort für den geneigten Yuppie. Es besteht kein Zweifel, dass es sich tatsächlich um solche handelt. Als langjähriger Selbstfrittierer weiß ich, dass der schnellste und faulste Weg zur Fritte darin besteht ungeschälte Kartoffeln in Streifen zu schneiden und diese so wie sie sind in die Friteuse zu befördern. Nur so entsteht die unverwechselbare „homemade“ Fritte mit ihrem besonders braunen Ton, sehr kartoffeligen Geschmack und schimmernder Kartoffelschale unter der Fettversiegelung. Diese Fritte hat zwar bei weitem nichts mit den sauber geschnittenen, mehrfach frittierten Pommes der hohen Schule zu tun, aber geschmacklich ist sie trotzdem ein Hit und ein wenig Nostalgie zu meiner alten Black Princess weckt sie auch in mir. Abgesehen vom Geschmack besteht die Kür bei dieser Art von Fritten darin, einen akzeptablen Knuspergrad zu erreichen. Die einmalige Frittierung macht dies meist sehr schwer. In dieser Hinsicht schaffen es Mickey’s Fritten nicht besonders weit, was nicht weiter erstaunlich ist, denn „homemade fries“ ist in vielen Institutionen leider auch ein Synonym für einen faulen oder unerfahrenen Friteur. Das wirkliche Highlight dieser koscheren Fritten findet sich allerdings in einem kleinen Klecks zwischen Burger und Frittenberg: Eine Auberginencreme-Mayomischung, auch als Baba Ghanouj bekannt. Im Zusammenspiel mit den Pommes ergibt dies eine äußerst abwechslungsreiche Variation. Bei dieser Sauce vergisst man, dass auf dem Tisch sowohl richtige Mayo, als auch eine große Flasche Ketchup verfügbar sind.

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Außer Frage steht, dass man Mickey’s Deli hungrig verlassen wird. Der leckere Burger und die etwas schlabbrigen „homemade“ Fritten das wunderbare Baba Ghanouj sind ein stabiles und leckeres Gesamtkonzept, um einen Kater zu überwinden oder ungesund in den Abend zu starten.

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Aus frittologischer Sicht sind Mickey’s Fritten zwar durchaus lecker und ergeben zusammen mit der orientalischen Sauce ein stimmiges Konzept, jedoch kann man nicht über die technischen Mängel der Fritte hinwegsehen: Mit einer höheren Crunchyness würden es diese Pommes auf jeden Fall auf eine Spitzenwertung bringen, aber in ihrer aktuellen Verfassung schaffen sie es nur auf 3,5 von 5 Fritten.

Mickey’s Deli

23 bis Rue des Rosiers

75004 Paris

Öffnungszeiten: 12:00- 23:00 Uhr