Bitcoins und Paprika Pommes im Room 77

An einem sonnigen Maiwochenende kann man sich wahrlich nichts Schlimmeres vorstellen, als inmitten Kreuzköllns, der Reuterstraße nämlich, einen ruhigen Patz in einem Café zu ergattern – Kinderwägen und Nachbarn, die innig miteinander auf dem Bürgersteig plauschen, so den Weg versperren und mit ihren selbstausgerichteten Blasmusikkonzerten (Ja, das sahen wir wirklich!) ihre dörflich-spießige Idylle mit Filzpantoffeln an den Füßen in Kreuzberg leben.

Ih, Zottelkissen!

Ih, Zottelkissen!

Welch‘ Glück, da kommt uns der Rebell dieses Paradieses, das amerikanische Restaurant Room 77 (Untertitel: Restaurant at the end of capitalism: warm beer, cold women and fast food made slow)  mit anmutendem Raucherbereich innen und außen und der wirklich großartigen Bezahlungsoption Bitcoins doch gerade recht!

Nachdem unnötiges und hinderliches Dekor (ein verfilztes Zottelkissen) entfernt wurde, folgt ein Blick auf die Speisekarte:

Es offenbart sich zunächst eine große Bier- und Softdrinkauswahl.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Saucenauswahl: Mit hausgemachter Knoblauch Mayo, Sour Cream, Ketchup ( wir ließen ihn auf der Zunge zergehen und sagten beide im Chor „Heinz!“) und Salsa als Auswahl kann man nichts falsch machen. Uns ist klar: Der Stellenwert der Pommes wird durch die Saucen unterstrichen.

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„Tiefsinnige“ Systemkritik an der Wand

Auch neben den (oft auch gelobten) Burgern des Hauses, drängen sich besonders die hausgemachten Potato Wedges des Room 77 in den Vordergrund der nicht geringen Essensauswahl. Schön, dass ein Restaurant die sonst oft als Beilage abgetane Kartoffel noch schätzt. Unschön hingegen, dass es nur Potato Wedges (obwohl sie wie Pommes aussehen) gibt und keine normalen Pommes Frites.

Mehr Pommesvielfalt wäre wünschenswert.

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Zwei Berge „Wedges“


Der Burger - Fantastico!

Der Burger – Fantastico!

Nun zur nahen Verwandten der Pommes an sich: Die Optik lässt schnell erkennen, dass diese Wedges in der Tat selbstgemacht sind – variantenreich in ihrer Form, schmücken sie den wirklich großen Teller. Die Kartoffel kommt hier mit Schale, was uns auch gefällt. Leider sticht bereits auf den ersten Blick der überaus großzügige Umgang mit dem Paprikagewürz ins Auge. Orange bis feuerrot- nicht goldgelb leuchtet es.

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Zum Geschmack sei zu sagen, dass die Kartoffel authentisch, kartoffelig daherkommt, im Geschmack wirklich nicht falsch, im Crunch allerdings nur mittelmäßig. Allerdings mag dieser bei einem Wedge auch schwerer zu erreichen sein. Der Salzgrad ist vollkommen in Ordnung.

Nach dem Teller ist uns ein wenig schlecht – vielleicht lag es an der signalfarbenen Ton und der Überwürzung der Wedges.

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Pommes oder Wedge? Das ist hier die Frage!

Unser Urteil: Alles in allem sind wir zufrieden und geben den Wedges des Room 77 2 1/2 Pommes von 5.
(Die Burger waren, wie eben oft von anderen beschworen, sehr gut.)

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Room 77

Graefestraße 77

10967 Berlin

030 31102260

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Das „Burgers Berlin“ und die vernachlässigte Pommes

Freitag Abend 21:30 in Charlottenburg

An der Pestalozzistraße, einer Seitenstraße der Einkaufsmeile und Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße, steht eine Traube junger Menschen vor einem Lokal mit Bierbänken, witziger Tafelspeisekarten und hippen Limos.

Um was könnte es sich anderes handeln als um einen Burgerschuppen?

In Hoffnung auf einen guten Pommesfang gesellen wir uns dazu. Atmosphärisch ist das Burgers Berlin im Industrie//Amerika- bei Westwing-eingekauft-Stil gehalten. Die Wände sind mit „lustigen Sprüchen“ in unterschiedlichen Schriftarten und kurioser Orthografie bemalt. Da ich mich ein wenig geniert habe den Spruch „Burger statt Bourgeoisie“ zu fotografieren, gibt es hier kein Bild davon.  Mit Blick auf das bruzzelnde Rindfleisch bestellen wir am Tresen.

Die Karte macht sofort klar: Pommes sind hier nur ein „Xtra“. Wir bestellen dem Cheesy Cheese und Beef & Bacon Burger und dazu Fries mit Mayo und die Chilli-Cheese-Fries (3€), die nicht auf der Karte, dafür aber auf der Tafel stehen.

Die Wartezeit von 20 Minuten (es war wohl Burger-Rush-Hour) vertreiben wir uns mit einem kühlen Augustiner. Eigentlich wäre es auch nett in so einem Laden mal zu Schultheiss oder einem Berliner Kindl gezwungen zu werden. Immer diese bayrischen Etepetete-Importe…

    

Pommes und Burger werden in kleinen, roten Plastikkörben serviert. Als Kind der 90er Jahre habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Plastikerzeugnissen. Der frühere Stoff der Zukunft hat heute den Beigeschmack von fadem Konsumismus.  Also wenn ich die Wahl habe, darf es für mich doch klassisch der Porzellan oder Keramikteller sein.

Die Pommes haben einen goldgelben Ton, der könnte allerdings noch etwas dunkler sein. Die Form der Fritte verrät das Industrieerzeugnis. Diese Pommes sind definitiv nicht selbstgemacht. Der Biss ist hart, jedoch nicht knusprig. Von einem Crunch kann kaum die Rede sein. Leider ist auch der Geschmack fad und sie sind nicht ausreichend gesalzen. Erschwerend kommt noch das Preis-Leistungs-Verhältnis hinzu: Der Preis von 2€ bzw. 3€ für die Chilli-Cheese-Fries ist üppig für dieses Häufchen Pommes.

Die Mayo hat eine cremige Konsistenz und schimmert in einem schönen Cremeweiß. Doch auch sie schmeckt süßlich und konservig, leider nicht frisch. Der Ketchup schmeckt ebenfalls nach dem 10-Liter-Eimer-Klassiker aus der Metro. Hier noch ein preisliches Kuriosum: Wohingegen der Ketchup auf dem Tisch zur freien Verfügung steht, zahlt man für die Portion Mayo extra 30 Cent. Die Chilli-Cheese-Sauce ist nasty-käsig-scharf aber auch nicht frisch. Die frischen Jalapeños fallen dazwischen positiv auf.

Im Gegensatz zu den vernachlässigten Beilagenpommes konnten die Burger wirklich punkten. Die Brötchen hatten eine perfekte Konsistenz, sind beim Essen nicht zerbröselt und waren knursprig. Das Rindfleisch schien manchmal noch zartrosa durch (mhmmm) und spielte saftig mit dem frischen Salat zusammen. Die Burger zählen definitiv zu den besten Berlins.

  

Unser Fazit: Leider nur 2 von 5 möglichen Pommes. Das Burgers Berlin ist – nomen est omen- eine mehr als solide Adresse für Burger. Doch leider nicht für Pommes. Hier ist definitiv noch Luft nach oben!

Burgers
Pestalozzistrasse 25
10627 Berlin

Paris Bar – Die beste Frittenbude Berlins?

Die legendäre Paris Bar ist vor allem für drei Dinge bekannt:

  1. Als „Institution und Treffpunkt der erfolgreichen Kunst- und Filmszene“ mit exzentrischem Künstler-Wirt
  2. Die mal mehr, mal minder prominenten Gäste
  3. Der rau-schnoddrige Ton des Personals

Doch Kenner wissen: Es gibt noch eine vierte Dimension.

     4.  Pommes. Manch einer behauptet, es seien die besten der Stadt.

Das prüfe ich heute gemeinsam mit meiner charmanten Pommes-Test-Assistentin Luna. Als gebürtige Westkids haben wir beide natürlich eine gemeinsame Vergangenheit mit diesem Lokal. Auch wenn die Gäste mehrheitlich aus betuchten Best-Agern bestehen, kann man hier, vielleicht besonders als junger Mensch, sehr unterhaltsame Abende verbringen. Garant für solche Nächte sind kulturelle Ereignisse im Einzugsgebiet (bspw. Berlinale) oder wenn Wirt und Künstler Michel bei guter Laune das gesamte Restaurant bis in die späten Morgenstunden unterhält.

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Den Pommestest führen wir an dem kleinen, „loungigen“ Katzentisch neben den Toiletten durch. Das mag sich erst einmal nicht besonders vorteilhaft anhören, doch der Tisch ist einer meiner Lieblingsplätze. Zwangsläufig kommt jeder Gast wie Mitarbeiter an einem vorbei, man hat einen guten Überblick über das Geschehen und sitzt gemütlich auf der tiefen Ledercouch. Neben uns hängt ein überdimensionales Portrait von Yves Saint Laurent, darüber schmuddelig-ordinäre Mangakunst. In jeder Ecke hängt und steht irgendein skurriles Werk, ist man gefangen in einer langweiligen Konversation, kann man sich damit herrlich die Zeit vertreiben…

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Wir bestellen also Pommes mit Sauce Béarnaise und Ketchup. Und sie sind tatsächlich vorzüglich. Eine perfekte Salzung, strahlendes goldgelb und ein guter Crunch. Die Holzpiekser verleihen dem ganzen die wahre Pommesatmosphäre. Wir merken sofort: Wir haben es hier mit Profi-Friteuren zu tun. Auffällig ist, dass die Paris Bar ihre französichen Anteile hochhält und dünne Streifenpommes serviert, wie sie normalerweise westlich des Rheins zu finden ist.  Maximilians Geschichte von dem Untergang der französischen Fritte können wir hier ganz und gar nicht bestätigen.

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Nun zu den Saucen: Die Sauce Béarnaise ist definitiv die beste Berlins und damit auch den stattlichen Preis von 3,50€ wert! Ein Zaubertrank aus Butter, Weißwein und Estragon. Auch die Konsistenz überzeugt. Ganz groß!!! Dagegen bleibt der Ketchup leider eher durchschnittlich. Zwar tomatig, aber da ist geschmacklich noch Platz nach oben.

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Luna

Unser Urteil: Die Paris Bar rangiert ganz sicher unter den besten Frittenbuden Berlins. Der Crunch war gut, aber es geht noch knuspriger. Unsere Empfehlung ist sie daher „extra knusprig“ zu bestellen. In der Sauce Béarnaise könnten wir baden, der Ketchup bleibt nur leider enttäuschend. Daher vergeben wir 4 von 5 Pommes.

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Paris Bar

Kantstr.152

10623 Berlin

Tel. +49 (30) 313 80 52

Hausgemachter Frittengenuss im Windburger 

Es gibt Tage, an denen man sich einfach mal von den Strapazen des Alltags erholen muss:

Einen Tag im Bett verbringen, Serien streamen, das Haus nur in der Jogginghose und vorallem nur für die Pommesration ums Eck verlassen.

Mein lokaler Pommesversorger liegt am Stuttgarter Platz. Noch in den 90ern galt die Gegend als übles Pflaster: Spielhallen, Prostitution und eine schmuddelige Drogenszene prägten das Straßenbild. „Deine Mutti steht am Stutti!“ ist jedoch weitestgehend ein Diss aus vergangenen Zeiten. Heute ist das Gebiet um die Leonhardt- und Windscheidstraße ein gemütliches Biotop für spätgebärende, westdeutsche Akademikerpaare, die bereit sind 14€ kalt den Quadratmeter zu zahlen.

Positiver Nebeneffekt dieser Entwicklung ist auch mein Lieblingsburgerschuppen Windburger. Dem habe an einem solchen Bett-Tag einen Besuch abgestattet und die Pommes auf Herz und Nieren geprüft!

Der Windburger wartet mit einem großen Burger- und noch wichtiger Pommes-Sortiment auf. Die Grundsatzentscheidung zwischen Tiefkühl und hausgemachten Pommes kann natürlich nur in finanziellen Engpässen auf erstere fallen. Es ist Monatsanfang- Ich bestelle eine kleine Portion der Hausgemachten.

Sehr zu empfehlen ist ebenfalls die Käsesoße, die allerdings recht mächtig ist und wie American, Veggie oder Mexican Fries die Pommes zu einem reichhaltigen Hauptgericht werden lässt. Gemessen am Sättegrad sind die Preise ebenfalls verhältnismässig.

Diese frischen Pommes brillierten durch eine hervorragende Knusprigkeit. Chrunchiges Highlight und Beweis, dass es sich tatsächlich um ein Kartoffelprodukt handelt, ist die bewusst belassene Kartoffelschale. Die verstärkt in jedem Falle noch einmal den intensiven Geschmack und das perfekte Verhältnis von Aussen- und Innentextur.

Positiv aufgefallen sind ebenfalls die freiverfügbaren Ketchup- und  Mayospender. So muss man sich als souveräner Pommeskonsument nicht mehr auf das kleinliche Saucendiktat der Bedienung verlassen. Qualitativ sind beide Saucen solide, aber nicht herausragend.

Falsche Schärfe – aber geiler Burger

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Eigentlich glücklich mit der Pommes, aber leider zu sehr im Gammelmode für emotionale Bilder. Daher nur ein gequältes. Aber Pommes waren super!

Auch der Cheeseburger (zugegeben mir war nicht nach Experimenten zu Mute) konnte überzeugen: Saftiges-sauciges Inneres, gutes Fleisch, knuspriges Brötchen. Ich war mehr als satt nach Burger und kleiner Portion Pommes.

Auch die Getränkeauswahl wartet mit ein paar Specials auf. Ganz im Stil der benachbarten, überteuerten Kinderausstattern werden hier den Finns, Almas und Maximilians etliche Biolimonaden und Säfte angeboten. Meine Favoriten liegen beim Almdudler, der Orangina und der klassischen Coca-Cola (die in einem solchen Umfeld generell unterschätzt wird und in zu kleiner Flaschengröße auftritt).

Unsere Wertung: 4 von 5 Pommes. Sehr geil, aber bei den Saucen ist noch Luft nach oben.

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Windburger

Mo. bis Sa. 12.00 – 22.00
Windscheidstraße 26
10627 Berlin
Tel: (030) 43727177

Auch die „Leipziger Ladys“ (vermutlich der unabhängige Kegeltrupp) feiern den Windburger. Ob der Koch auch eine Postkarte von der Mallorca Fahrt bekommt? 

Hasenecke – Champagner und Pommes am Savignyplatz

Wir sind wieder im goldenen Westen unterwegs. Diesmal hat uns die investigative Pommes-Recherche an den Savignyplatz zur Hasenecke geführt. Direkt zwischen Kiffer-Grünanlage und der viel befahrenen Lebensader Charlottenburgs, der Kantstraße, steht der kleine Pommes-Pavillon. Das Häuschen war vermutlich mal eine öffentliche Toilette bevor die neokapitalistischen 90er Jahre mit der City Toilette die allermenschlichsten Bedürfnisse kommerzialisierten. In diesem Falle soll es uns Recht sein, denn diese urige Bude hat durchaus Charme.

Update: Wir haben das mit der vermeintlichen Toiletten-Vergangenheit recherchiert und fanden heraus: Nein. Die Bude war kein Klo – Sie ist sogar denkmalgeschützt und von 1907.

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Die patente „Curry Mamsell“ bedient seit Jahrzenten mit erprobter Berliner Schnauze. Es geht raubeinig zu, aber dafür mit einem großen Herz für die Frittierwaren. Ganz City-West ist natürlich nicht nur die Coca-Cola im Angebot, sondern auch der Piccolo Champagner. Von Jaques Quart Champagner hat zwar noch nicht mal Google gehört, aber ist die Marke auf dieser Verkehrsinsel wirklich von Bedeutung? Wir finden: Hauptsache es prickelt!

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Wir bestellen eine Portion Pommes mit Mayo und ne Currywurst. „Mit Darm oder ohne?“ – Die Curry Mamsell schaut uns kritisch an. „Mit!“ Keine halben Sachen…

Nun zu den Pommes: Unser erster Eindruck war, dass sie sehr blass sind. Es war sofort klar, dass wir es hier nicht mit dem klassischen Eckbuden Paprika-Pommes Gewürz zu tun hatten. Stattdessen lautete die Devise: Weniger ist mehr und normales Salz reicht auch.

Processed with VSCOcam with c1 presetProcessed with VSCOcam with g3 presetProcessed with VSCOcam with c1 presetGeschmacklich wurden Kindheitserinnerungen wach. Es handelte sich um die klassische Freibad-Pommes. Eins zu eins. Auch die Mayo zu hell, frisch, aber ohne jeden Geschmack. Machten wir die Augen zu, roch es nach einer Mischung aus Chlor, Sonnencreme und Schweiß von dicken Männern in zu engen Speedo-Buchsen und die Füße brannten auf dem heißen Asphalt der Pommes-Schlange des Prinzenbades. Das war atemberaubend.

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Leider waren die Pommes nicht so spektakulär wie die Erinnerungen, die sie weckten. Der Crunch war in Ordnung, kein ausgeprägter Kartoffel oder sonstiger Geschmack. Die Wurst schnitt eigentlich sogar besser ab als die Pommes.

Unsere Wertung deshalb: 2 1/2 von möglichen 5 Pommes. Kann man mal im Vorübergehen machen, muss man aber nicht.

Processed with VSCOcam with c1 preset Zwei unerwartete Highlights gab es dann allerdings doch noch:

1. Was sind aufblasbare Bärchen und warum verkauft die Pommesbude Holzfiguren?

2. Kann man „Curry-Mamsell“ – Imbiss-Fachverkäuferin Nachwuchskraft werden. Aber nur auf deutsch und mit „berlinerischem Verkaufstalent“. Teilzeit oder Mehr… – Jetzt oder Nie!

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Gemischte Gefühle und geile Aioli im Soho House Berlin

Die Hotel und Membership-Kette „Soho House“ unterhält seit 2011 auch eine Filiale in Berlin Mitte.

Ideologisch gibt man sich als exklusiver Ort der Coolen und Kreativen. In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Westdeutsche privilegierte Kids treffen hier auf alteingesessene Mitte-Urgesteine, die sich schon seit 20 Jahren mit vielen Parties und Projekten über Wasser halten. Mir wurde auch berichtet, dass in der letzten Zeit die Zahl von Büromäusen (auf der Suche nach dem großen Fang) extrem zugenommen habe: „Stichwort: Samenraub„. Ich nickte verständnisvoll…

Eine weitere Zumutung ist das seit vier Jahren konstant inkompetente Personal. Nie ist jemand zuständig. Ich bestelle zwei Mal den gleichen Drink (Moscow Mule), bei zwei unterschiedlichen Barmännern und bekomme den zweiten mit Aperol (Irks) als „britische Version“ verkauft.

Auch das Essen ist seit jeder ein Streitpunkt im Soho House. Früher galt die Regel- umso gesünder desto schlimmer. Salate, jegliches Grün und Fisch galten als ungenießbar. Ein sicherer Hafen war damals Macaroni and Cheese. Ansonsten waren meine Favoriten alle Arten von Pizza, der Burger, das Clubsandwich und Pommes. Mittlerweile hat sich die Qualität eingependelt, auch der Fisch ist wieder bestellbar. Mein Steak Tartar war auch so, wie es sein sollte…

Die Pommes gehörten schon immer zu den positiv auffallenden Speisen auf der Karte. Und sie sind noch besser geworden. Ein knusprig-krosser Härtegrad, richtig gesalzen in perfekter Form.

Ein Insidertipp kam von meinem Tischnachbarn:“ Bestell extra Aioli!“. An dieser knoblauchigen Traumsauce stimmte einfach alles! Die Konsistenz, der Geschmack- fantastisch. Ich muss wirklich sagen, diese Geschmacksfeuerwerk war eine Überraschung.

Deshalb bemerkte ich leider auch erst, als ich schon alle Pommes aufgegessen hatte, dass mir vier Pommes für die Wertung fehlten.

Unser Urteil (deshalb ohne Bild): 4 von 5 Pommes!

Es gibt im Übrigen auch nicht nur Contra-Argumente für eine Mitgliedschaft im Soho House (ich habe selbst schon oft darüber nachgedacht):

  1. Schönes Kino im Keller (sonntags wird dort Tatort gezeigt)
  2. Die Dachterrasse mit Pool im Sommer
  3. Die Sauna im Winter
  4. Das geschmackvolle Fitnessstudio (ich halte mich jedoch strikt an No Sports )
  5. Die Preisreduktion für U-27 Mitglieder (Sonntag-Montag)
  6. Und jetzt geile Aioli.

Pommesjenuss im Goldenen Westen

Wir starten heute unser Pommesuniversum mit einem Ausflug an den Wittenbergplatz, neben das Kadewe, in den goldenen Westen.

Unser Ziel: Die goldgelb frittierten Erdäpfel der Qualitäts-Bio-Bude Witty’s.

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Witty's Saucenvielfalt

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Glückliches Nachsalzen

Knoblauch-Dill-Mayo mit Kleks scharfem Asiazeugs

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Unter Touristen wie Ortsansässigen gleichermaßen beliebt, befindet sich stets eine kleine Traube Menschen vor der Bude. Im Wind spielten die Servietten, hefteten sich an Seniorensohlen und wurden davon getragen. Auch uns spielte das graue, windige Regenwetter in die Karten, so mussten wir nicht lange anstehen.

Der Laden führt eine große Auswahl an Bio Limonaden, die mir alle zu kalt für das Wetter waren. Ein Glühwein wäre wohl das Richtige gewesen. Besonders erwähnenswerte ist die Saucenvielfalt der Bude. Wir überzeugten uns von der frischen Knoblauch-Dill-Majo („Natürlich nur empfehlenswert wenn man nicht mehr knutschen will.“ – Ein Evergreen-Spruch aller Döner- und Imbissbudenverkäufer…) und der regulären frischen Majo.

Die bio Pommes plus Sauce kosteten jeweils 3,50€ also Premiumsegment. Was kann man gegenüber vom Kadewe anderes erwarten? Die Pommes sahen sehr gut aus und geschmacklich waren sie auch eine Freude. Ein bisschen knuspriger hätten sie noch sein können und salziger. Das nahm ich dann selbst in die Hand.

Abzug gab es ebenfalls für die skurrilen Illustrationen auf der Budenverkleidung. Verzerrte Fratzen, aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Unser Urteil: 

3 1/2 von 5 Pommes

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Witty’s

Wittenbergplatz (Ecke Ansbacher Straße, gegenüber dem KaDeWe)
Montag bis Samstag von 11:00 bis 24:00 Uhr Sonn- und Feiertags von 12:00 bis 24:00 Uhr

http://wittys-berlin.de/