Kollektive Meinungsfindung an Tom’s Fritten oder der erste Berliner Pommesluvstammtisch

Für den ersten Berliner Pommesluvstammtisch luden wir an einem sonnigen Spätsommer Samstag (seit der neuen Staffel Schwiegertochter gesucht bin ich süchtig nach Alliterationen)  zu einem denkwürdigen Ort: Tom´s Fritten an der Oranienburger Straße. In Berlin Mitte, genauer zwischen Tacheles, Synagoge und Straßenstrich liegt hier ein Kleinod der hauptstädtischen Pommesszene.

Hintergrund des Treffens war ein im Sommer entbrannter Streit im Pommesluv Team über Tom’s Kartoffelkunst. Nikolas, ein externer Tester, bewertete sie mit ganzen 4 1/2 Pommes, die eine Hälfte der Korrespondenten protestierte und behauptete es seien die schlechtesten Pommes überhaupt. Die andere Hälfte betonte den kultigen Charakter der Traditionsbude und die Frische der Kartoffeln. Ratlos vereinbarten wir diesen Fall vorerst auf die Bank zu schieben und zu einem späteren Zeitpunkt zu Tom zurückzukehren.

Kommt Zeit, kommt Rat: Warum nicht die Pommescrowd zum Testen einladen und online geheim abstimmen? Idee für gut befunden, Pommesluver eingeladen, online Questionnaire aufgesetzt, Tischwipfel gebastelt, Dackelwelpen eingesteckt – Los ging das kulinarische Abenteuer!

Dackelwelpe und Tischwipfel – Wer kann da dem Pommestest widerstehen?

Um den traditionsreichen Food-Truck herum befindet sich mittlerweile eine kleine Garten- und Pavillionlandschaft, die uns zum gemütlichen Verzehr einlud. Nach und nach trudelten unsere Pommestester (n=13 + zwei, die sich der online Abstimmung entzogen haben) ein und bestellten unterschiedlichste Frittenvarianten à la carte.

Pommesluverin Marlene und die Qual der Wahl der Pommessauce

Nun endlich zu der FRITTE und den Ergebnissen der Abstimmung:

Der Geschmack der Fritte (also Intensität, Frische und Salzgrad) wurde von der Crowd mit 3,6 Pommes (auf einer Skala von 1 sehr schlecht und 5 sehr gut) bewertet. Die Fritten wurden aus frischen Kartoffeln gemacht, das war sofort ersichtlich. Doch zwei Pommesluver wiesen darauf hin, dass das Frittierfett noch etwas frischer sein könnte. Grundsätzlich gilt bei diesem Ergebnis im guten Mittelfeld jedoch auch, dass innerhalb des Testes die Fritten sehr unterschiedlicher Qualität waren.

Wer die Kartoffel nicht ehrt, ist die Fritte nicht wert!

Pommesluverin X: „Köstliches Produkt!

Etwas schlechter schnitten Tom’s Fritten in der Kategorie Aussehen ab. Nur 3,3 Pommes für Form und Farbe. Dieses Ergebnis ist ebenfalls der großen Varianz zu zurechnen. Mal gab es sehr krosse, braune Pommeskrümel, mal schöne goldgelbe Frittenstangen.

Ein goldgelber Traum!

Krosse, krümelige Kartoffelreste

Ein hervorragendes Ergebnis erzielten die Fritten mit 4,5 Pommes im Crunch. Eine labbrige Pommes ward von keinem unserer Tester gesichtet!

Auch die Saucen- und Getränkeauswahl wurde mit 4,5 Pommes sehr geschätzt! Probiert wurden von uns Chili-Hot, Indisch Curry, Sambal Hot Mayo, Knoblauch Mayo (sehr empfehlenswert!), holländische Frittensauce (sehr gut!), Kartoffelcreme (die Metaebene unter den Pommessaucen), Grüne Oliven Mayo, Barbecue Mayo, Spezial (leider mit zuwenig Zwiebeln) und Oorlog. Mit anderen Worten: Ein Feuerwerk der Sinne und eine Reise um die Welt der Frittensaucen. Herrlich!

Oorlog – niederländisch für Krieg – bedeutet auf der Fritte Mayo + Zwiebeln + Erdnusssauce!

Große Portion Pommes mit Chili- Hot Sauce

Die Metabebene für Kartoffelfans: Kartoffelcreme

Frites Speciaal -doch nur ein kleiner Zwiebelhauch 😦

Geheimtip: scharfe Mayo

Der Service konnte an diesem Nachmittag leider nicht punkten. Zwar war der Profi-Fritteur vorher informiert, doch ging es ihm nach eigenen Angaben nicht so gut. Der Frittenansturm konnte dementsprechend nicht in der üblichen Geschwindigkeit abgewickelt werden. Das kostete Tom`s Fritten eine Wertung von 3,2 Fritten für den Service. Ich konnte ihm die Verpeiltheit mit seiner Entschuldigung verzeihen, andere gingen härter ins Gericht:

„Uncharmante Bedienung, wirkt teils sehr gestresst!“

„Servierdauer zu lang!“

Prominente Fans vertrauen auf Tom’s Fritten!

Bernhard Hoecker und Ralf Bauer sind ebenfalls Fans der Bude

Das Preis-Leistungsverhältnis liegt mit 3,6 Pommes im Mittelfeld. Eine kleine Portion Pommes kostete 2,00€, eine große 3,00€. Saucen variieren zwischen 30 Cent und 70 Cent.

Besonders positive Erwähnung fanden noch: die „berliner“ Atmosphäre und charmante Lage  (das wurde von einem anderen Tester ebenfalls positiv bewertet jedoch ausgedrückt als „die Nähe zum Straßenstrich„) sowie das nette Publikum.

Pommesluverin Diana im Partnerlook mit Tom’s Maskottchen.

Ein Ambiente indem man gemütlich hitzige Debatten über Pommes führen kann!

Der Fritte auf der Spur – die Crowd.

Negativ fielen auf: „Zu viele Mittehipster„, Touristen und das Nichtvorhandensein eines WCs (das indische Restaurant daneben kann jedoch mit recht attraktiven Pissoirs aufwarten, erzählte sich die männliche Testerschaft am Tisch).

Alles in allem stellt Tom`s Fritten eine solide Pommesstation in Berlin dar. Für die Saucenauswahl und die Atmosphäre lohnt sich ein gelegentlicher Besuch. Die Gesamtwertung lautet: 3,9 Pommes! 

 

Was denkt ihr? Habt ihr andere Erfahrungen mit Tom´s Fritten gemacht? Oder stimmt ihr uns zu? Schreibt es in die Kommentare!

Tom’s Fritten

Oranienburger Str. 43a

10117 Berlin (Mitte)

Öffungszeiten: So-Do 12-1 Uhr, Fr, Sa 12-4 Uhr


Für alle, die jetzt nicht genug der Fritten haben, haben wir noch ein kleines Special über die Beschaffenheit der Pommescrowd vorbereitet:

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Einen ehemaligen Tom´s Fritten Fan konnten wir auch für den Test zurückgewinnen. Bereits vor zehn Jahren war er dort nächtlicher Stammkunde. Er konnte natürlich mit sehr guten Insights aufwarten! Sein Tip: die Sambal Hot Mayo Sauce!

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Unsere Pommescrowd war weiblich dominiert. Leider haben wir zu wenige Informationen über den Frittengeschmack von anders-geschlechtlichen. Wir suchen diesbezüglich weiter und planen ein investigatives Special (evt. in Kooperation mit der Fachschaft für Gender Studies an der HU)…

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Mehrheitliche Pommes-Profis…

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… mit Herz für die Fritte!

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Klarer Favorit: Belgien

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Philip im Pommesglück

Mittagszeit – das Ende der Sommerpause – das Ende einer Zeit vollkommen bewertungsloser Hingabe zur frittierten Kartoffel.
Nun jedoch von Oben die Anweisung – ‚get back in the game, content digga, wir brauchen content!‘

Mir war klar – die Frittenbude am Eck würde es diesmal nicht tun. Bis hierhin war mir noch nicht klar, dass ich auf einen kartoffeligen Hochgenuss treffen sollte. Ich ließ den Unikram ruhen und machte mich auf zum Hans im Glück in der Friedrichstrasse. Ja, richtig, Münch’ner Burgerkette – die Skepsis groß, erfahren doch die Pommes in solch Läden meist nicht so viel luv wie der fleischige Gegenpart.
Ich trete ein. Birkenstämme und schmale Bänke, gesprächiges Treiben, Szenemitte trifft auf Businessmitte.

Da ist das Ding - Mittagslunch

Fairer Deal – Mittagslunch im Hans im Glück

Sogleich am Platz, werden wir vom Kellner angewiesen, das Lunch Menu zu nehmen – „it’s just better“. Burger, Pommes, Getränk und Espresso zur Verdauung, zu einem fairen Preis – ich bin angetan.
Nach guten 15 Minuten (bei vollem Haus) kommen die Burger. Die Schale Pommes hat eine gute Größe, die Pommes strahlen mich goldgelb an – could this be it?
Lecker Pommes

Der Burger macht keine sonderlich gute Figur – ok das Ding. Aber die Pommes…
Ich beiße rein. Kross außen, innen mehlig, und mit einem wahnsinnigen Kartoffelaroma. Der Salzungsgrad ist zart, eine Komplementierung zur Kartoffel – so wie es sein sollte. Es stimmt einfach alles – wow, was für eine Fritte.
Zweite, dritte, vierte. Ich greife zur Hausmayo, und in meinem Mund spielt sich ein kartoffeliges Geschmacksinferno ab. Ich entleere die Schale ohne dem Burger groß Beachtung zu schenken. Meine Pommessucht befriedigt, widme ich mich dem Burger – ok, aber keine Überraschung.
Nun da ich diesen Text tippe, ist alles was mir bleibt, die Erinnerung an den ersten Bissen in den Kartoffelstab.
Vielleicht war meine Schale nicht wie jede andere, vielleicht der Sommer zu lang, um den harten Pommesluvbewertungsmaßstab aufrecht zu erhalten.
Fest steht, ich werde wiederkommen, um mich zu vergewissern, dass dies kein Zufall war.
Bis dahin gibt es von mir dafür 4 von 5 zu diesem Zeitpunkt bereits verputzte Fritten und das Gütesiegel – Philip im Pommesglück im Hans in Glück.

Pommesglück im Hans im Glück

Pommesglück im Hans im Glück

Hans im Glück
Mo – So: 11:00 – Ende offen
Friedrichstraße 101
10117 Berlin

Im Schrein der Fritten

Der Brüsseler Sommer gibt sein Bestes- es ist Mitte Juni, 21 Grad und die Wolken scheinen bereits auch im Urlaub zu sein. Die übriggebliebenen grauen Schleier am Himmel sind auch zu faul ihren Regen über der Stadt loszuwerden. Das ist ähnlich mit der Eurokratie der Stadt: Obwohl mal wieder der Grexit ansteht, sind die meisten Räder der Brüsseler Maschine bereits an die französische Riviera oder nach Sylt verschwunden. Die, die geblieben sind haben auch zu nichts mehr Lust. Brüsseler Wolken und Bürokraten haben nicht nur ihre Arbeitszeiten gemeinsam sondern auch die gleiche Farbe: Das Grau des Himmels harmonisiert äußerst gut mit den Anthrazit Tönen der Eurokraten-Anzüge.

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Dies ist die beste Zeit sich an den Schrein der belgischen Frittenkultur anzupirschen: Am Place Jourdan, dort wo sich das EU Sofitel, belgischer Plattenbau und  flämische Gründerzeithäuser Gute Nacht sagen, ist Maison Antoine zu finden. Die Bude existiert seit 1946 und ist unter Brüsselern, Eurobrüsselern, Touristen und auch eigentlich im Rest von Belgien als Epizentrum der belgischen Pommes bekannt. Eine Institution, wie keine andere. Wenn von hier aus zur Lage der Fritte gesprochen wird, horcht das Land auf. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Vorstoß die belgische Pommes zum UNESCO Weltkulturerbe zu erklären vom Place Jourdan kam. Bisher hat dieser Vorstoß innerhalb der Vereinten Nationen wenig Anklang gefunden, jedoch sollte an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt werden, dass Pommesluv hinter dieser Idee steht.

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Nun genug der Lorbeeren- auch diese Fritten müssen erst einmal unseren kritischen Gaumen überzeugen. Als Begleitung habe ich Fernando dabei- mexikanischer Franko-Amerikaner, Polyglott und Pommesexperte für Südamerika. Wir kommen Mittags bei Antoine an und haben das Glück, dass die sich Euroblase gerade über die neuen Papiere von Varoufakis ärgert oder sich in der Sonne räkelt. Auch die Touristen scheinen heute ihre Reiseführer vergessen zu haben. Also sind wir nach geschlagenen 5 Minuten an der Reihe. Zu Stoßzeiten können dies auch mal 40 Minuten werden, ich spreche aus eigener Erfahrung. Der erste Blick auf die Speisetafel setzt bereits Standards: Etwa 15 verschiedene Saucen stehen zur Auswahl. Bei den Fritten gibt es entweder Groß oder Klein( es sei jedoch vermerkt, dass eine kleine Tüte ein Mittagessen und Käse-Sahne-Torte ersetzen). Antoine beeindruckt ebenfalls bei den Beilagen. Klassiker, wie Kroketten oder Kaassouffle sind selbstverständlich. Wir halten uns jedoch an die Spezialität des Hauses: Brochettes– oder auch frittierte Grillspieße. Diese gibt es in jeder erdänklichen Kombination: Für Exilfranzosen ist Provencale nennenswert mit Paprika, Gewürz und Schweinefleisch. Wer einen zu niedrigen Cholesterinspiegel hat, dem sei Ardennaise, im wahrsten Sinne des Wortes, ans Herz gelegt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Bacon und paniertem Schweinefleischwürfeln.

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Wir bestellen Brochette und Pommes, setzen uns in eines der umliegenden Cafés und bestellen helles Bier. Die Pommestüte von Antoine fungiert dabei als VIP-Karte für die Terrassen der umliegenden Kneipen.

Der Preis pro Tüte mit Sauce, liegt bei 2,90€, was für Brüsseler Verhältnisse absolut akzeptabel ist. Bei der Wahl der Sauce besteht die Möglichkeit a apart oder auf den Pommes zu bestellen. Ja, an solchen Feinheiten erkennt man die Klasse einer Bude. Wir rollen unsere Tüten auf und es strahlen uns goldgelbe Fritten an, die in der Farbe nicht zu überbieten sind. Vom ersten bis zum letzten Biss wird deutlich, dass hier Standards gesetzt werden: Die Pommes sind außen krosser, als der Tan nach einem Sonnenbad mit Hawaiian Tropic und innen so kartofellig, wie es eben geht.

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Geschmacklich schmeckt man den Sterne-Fritteur: Die Essenz des ersten Frittierganges ist perfekt erhalten und bildet mit einem satten Kartoffelgeschmack ein wahres Frittenfeuerwerk. Auch unsere Beilagen ergänzen diesen Geschmack perfekt. Bei so viel Lob sei jedoch Folgendes erwähnt: Das Schälchen Sauce reicht bei weitem nicht aus für Beilage und Fritten. Das macht unzufrieden, das gibt Abzug! Deshalb schneidet Antoine mit 4,75 von 5 Fritten ab.

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Maison Antoine

Place Jourdan 1

1040 Etterbeek, Hauptstadtregion Brüssel

Eigentlich immer offen, so bis 23:00

Die Jupperia – Ein kulinarischer Ausflug ins Münsterland

Bereits Wochen im Voraus bereitete mich meine Reisebegleitung auf das versprochene Pommes-Highlight des Münsterlands, die Juppschale, vor.

Er, aufgewachsen im Münsterland und seines Zeichens ebenfalls Frittenliebhaber, konnte mir zwar nicht genau erklären, was sich in einer Juppschale verbarg, doch sehr gute Pommes und Gyros seien Bestandteile. Ich war vorfreudig-gespannt, aber auch kritisch. Die Anreise verzögerte sich durch eingeschlafene Ortskenntnisse meines Locals (wir machten zwischendurch noch auf einem Flugplatz halt, doch das war ein falscher Imbiss, der statt Pommes überwiegend Blechkuchen führte) und den Umzug des Treckeberg Grills von Haltern am See nach Lüdinghausen nun Jupperia.

Angelos Vorgarten ist besonders im Sommer ein netter Ort um nach der Jupp Schale noch auf ein, zwei Bierchen zu bleiben. Stammgäste, Camper und Biker geben sich hier die Klinke in die Hand. Eine lebendige Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Ich hakte noch einmal nach „Pizzeria? Sind wir wirklich richtig hier?“. Bereits etwas entnervt wurde mir versichert, dass Frittenspezialitäten und Pizza sich nicht ausschließen. Ich konterte damit, dass „internationale Spezialitäten“ nie etwas Gutes verheißen würden. Ich riss mich zusammen und betrat das charmant-rustikal eingerichtete Lokal.


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Wir wurden in Windeseile  von der Wirtin (Angelos Frau) begrüßt und mit Speisekarten ausgestattet. Hinter den Salaten verbarg sich der versprochene Insider die Jupp Schale  und die Django Schale. Ich wählte die Jupp Schale also Pommes, Gyros, Krautsahne und Mayo. Meine Begleitung entschied sich für Django mit Chili-sauce und Tzatziki. Als wir die Berge auf den Tellern sahen, war klar der Preis von  4€-4,50€ ist mehr als fair!

  

Nach dem ersten Biss konnte die Euphorie für diese Frittenode nur teilen. Diese Komposition funktioniert wirklich ganz wunderbar: der knuspriger Gyros, das frische aber sahnige Kraut, bissfeste Pommes und viel cremige Mayo. Wenn ich davon schreibe, bekomme ich glatt wieder Appetit.

Die Portion ist riesig und doch möchte man den ganzen Teller leeren. Zugegeben danach setzte ein Gefühl zwischen unendlicher Glückseligkeit und einer ad-hoc Herzverfettung ein. Dies würde mich jedoch nie von noch einer erneuten Portion abhalten! Von der Django Schale wurde ebenfalls in höchsten Tönen geschwärmt. Doch hier sei der Pommesliebhaber gewarnt: Es ist sehr scharf! 

Die Django Schale – ein feuriges Vergnügen!

Mhmmm… Eine Jupp Schale aus nächster Nähe! 


Nach den getanem Werk haben wir noch ein wenig mit der herzlichen Wirtin geplaudert. Eigentlich wollten sie bereits in den Ruhestand gehen, doch Angelo juckt es einfach immer wieder in den Fingern. Deshalb haben sie ihren neuen Laden eröffnet. Wir finden, das ist eine sehr gute Entscheidung. Die Jupp Schalen sollten der Pommeswelt nicht vorenthalten werden!

Unser Urteil: Insgesamt echt stark! Super Atmosphäre und allein die Komposition muss belohnt werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch kaum zu überbieten. Der Pommesexperte muss trotz alledem etwas Abzug für die Industriefritten und -mayo geben. Daher 3 1/2 Pommes für die Jupperia – die Empfehlung dort unbedingt hinzugehen gilt dennoch uneingeschränkt!

Jupperia bei Angelo

17:00-22.00

Leversum 85

58349 Lüdinghausen

Frittin‘ awesome – Curry 36 am Mehringdamm

Ich habe mich gesträubt. Ich habe mich lange geweigert. Curry 36 zu testen war wirklich nicht meine Idee. So ein Lonley-Planet-Stand, wo hunderte von einsamen Touristen ihre Pommes bestellen? Ein Stand, bei dem man Pullover mit „I love Curry 36“-Aufdruck kaufen kann? Nein, danke.

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Im Ernst? Pommes an einem der behaupteten Must-Eat-Spots von Berlin? Ich weiß nicht so recht.

Daneben auch noch die lange Schlange vor Mustafas Döner. Das ruft bei mir doppeltes Unverständnis hervor. Erstens stehe ich weder für Döner noch für Pommes an und schon gar nicht – zweitens – für das behauptete Must-Eat eines mittelklassigen Reiseführers. Nee, is ja lieb gemeint und so, aber, ich esse lieber Pommes Schranke in abgeranztem Buden-Ambiente!

Schließlich landen wir doch dort, weil wir mir einen Pommes-Moustache verpassen wollten und der Mehringdamm den verabredeten Kompromiss zwischen unseren Anfahrtswegen in Berlin darstellt.

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Na gut, einen Versuch ist es wert.

Na gut, ich bestelle mir wie immer Pommes rot-weiß. Alternativ hätte es auch noch Salatmayo gegeben. Für Pommessaucen einerseits ein überschaubares Angebot. Andererseits ja auch mal schön, nur mit schlichten Menükarten konfrontiert zu werden, auch vor dem Hintergrund, dass bei Curry 36 Durchgangsverkehr herrscht. Der Laden ist direkt am U-Bahnhof Mehringdamm gelegen und hier isst, wer vorbei kommt. Einladend oder schön ist es hier nicht, vor den wenigen  Edelstahl-Stehtischen schieben sich Touristenmassen entlang. Auf dem Mehringdamm rauscht der Verkehr vorbei. Die Friteusen-Hitze staut sich unter der roten Markise von Curry 36. Das Pommesessen muss hier schnell gehen, viele Saucen unerwünscht.

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Ein hübsches Schalenelement und Pommes-Pieker an der Seite. Mein Lächeln verrät: Das gibt Pluspunkte!

Curry 36 gibt es zwei Mal in Berlin. Einmal am Mehringdamm, einmal am Bahnhof Zoo. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 40 Mitarbeiter, die die Läden jeden Tag zwischen neun und fünf Uhr morgen offen halten. Hier geht alles „zackizacki“, wie die Verkäuferin mir zuruft. Mehr sagt sie auch nicht. Sie arbeiten im Akkord, jeder Handgriff sitzt. Fritten am laufenden Meter.

Die Pommes werden mir über den Tresen gereicht und dann das: Pommes wie sie sein sollen! Klassisch im Pappschälchen serviert, Pommes-Pieker an den Rand gesteckt. Die kleine Portion für einen Euro, dreißig Cent. Wer will da meckern?

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Die Pommes an sich: Doppelt frittiert, nicht zu viel Paprikasalz. Der Crunch könnte ausgeprägter sein, aber das ist Geschmackssache. Kross sind sie in jedem Fall. Der Ketchup ist nach eigenem Rezept und schmeckt erfrischend, nicht zu süß. Die Mayonnaise matscht nicht in die Pommes. Zugegeben: Wirklich lecker. Meine kritischen Co-Tester Nils und Felicia (hinter der Kamera) waren derselben Ansicht.

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Kritiker-Blicke vor der ersten Fritte

Mit jeder weiteren Fritte, die ich verspeise, muss ich sukzessive meine Vorurteile hinterfragen. Vielleicht ist solche Fließbandarbeit dem Geschmack im Fall von Fastfood zuträglich, denke ich und beiße in die nächste Pommes. Vielleicht bekommt Curry 36 einfach auch soviel Feedback, dass sie die Rezeptur und Herstellung immer weiter optimieren konnten. Auf jeden Fall sind das fünf von fünf Fritten im Test.  Aber, oh je, schon alle aufgegessen. Denkt Euch also einfach fünf:

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Pommes unter Denkmalschutz im Ruhrpott-Biotop Dorsten

Nach der letzten pommesluv Ausgabe über das Bochumer Bratwursthaus geht es in der heutigen Ruhrpott-Edition in den Norden des Ruhrgebiets – nach Dorsten. 1911 begann der Kohleabbau und somit die industrielle Entwicklung der knapp 80.000 Einwohnerstadt und endete nur 90 Jahre später mit der Schließung der Zeche Fürst Leopold im Jahr 2001. Doch Dorsten ist weit davon entfernt sich des tristen Schicksals vieler Ruhrgebietsstädte anzunehmen und findet seine Bestimmung in der – kein Witz – gehobenen Gastronomie. Der 2-Sterne und Fernsehkoch Frank Rosin betreibt in Dorsten ein Restaurant, genauso wie sein Fernsehkochkollege und WDR-Vorkoster Björn Freitag. Und eben jener Frank Rosin führt mich heute an den Glückauf-Grill nach Dorsten-Hervest.


Kult ist der Hervester GlückAuf-Grill allemal. 1976 übernahm die Mutter Rosins die ehemalige Milchbude und eröffnete dort eine Pommesbude. In den 1980er Jahren wird das Gebäude als Teil der Zechensiedlung unter Denkmalschutz gestellt und gehört damit bis heute wohl zu einer der wenigen denkmalgeschützten Pommesbuden Deutschlands!

Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Man muss sich den Glückauf-Grill, seine Bewohner, seinen Mikrokosmos wie ein scheues Reh vorstellen: Versucht man diesen Kosmos in einem Photokompositum einzufangen, verfliegt das Bild, und die Atmosphäre ist nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Hier ist noch nichts gentrifiziert, die Pommes noch nicht kommodifiziert oder Teil einer Hipsterkultur, hier ist noch alles echt; der Grill als realer Treffpunkt von Freunden, Familien, Nachbarn. Man möchte das Spektakel nicht stören. Deswegen – liebe Leserin, lieber Leser – kann kein Photo dieses Zusammenwirken wiedergeben; es muss vor Ort erlebt werden.

Von außen ist der Grill eigentlich recht unauffällig. Zur rechten Seite hängt noch einer dieser kultigen Zigarettenautomaten, die es eigentlich schon gar nicht mehr gibt, „so zum Zigaretten ziehen“. An der linken Seite sitzen zwei Männer bei einem Pils, nur durch einen grünen Stuhl voneinander getrennt, und starren in die Ferne. Rechts daneben eine handbeschriebene Aktionstafel: Zwiebelschnitzel und Pommes für sieben Euro. Wir treten ein.


Vor uns eröffnet sich das konservierte Ruhrgebiet: der Bestelltresen, dahinter die Frittier- und Grillutensilien, darüber eine handgeschriebene Menükarte. Pommes für 1,60 € und Mayo für 0,40 €  –  das ist mehr als akzeptabel. Links neben dem Tresen befindet sich die Theke mit hausgemachten Frikadellen und selbstgeschnittenem Krautsalat. Die Wände sind bescheiden holzvertäfelt, ein Wimpel zum Gedenken an den glorreichen UEFA-Cup Sieg des FC Schalke 04 1997 hängt an der Seite. Im Halbdunkel erblicken wir einen dieser fast ausgestorbenen, wild blinkenden Spieleautomaten. Schnell wird klar: Für die Kunden des Glückauf-Grills, so scheint es, ist Pommes essen kein postmodernes Hobby, sondern wichtiger Bestandteil ihres Lebens, down-to-earth, quasi wie die Kneipe ums Eck, dafür aber mit frisch gemachten Frikadellen und natürlich Pommes.

Die Bedienung mit ihrer freundlichen und strahlenden Art macht selbst die schwärzesten Tage ihrer Kunden heiter. Sie lacht, macht „Späßken“ und schäkert mit ihrer an diesem Tag aus jung und alt bestehenden Kundschaft. Sich der Bestellung vergewissernd und die Mayonnaise umtopfend, ruft sie charmant-entwaffnend: „Sie waren jetzt die Currywurst plus Doppel-Mayo und Sie nur die Pommes-Mayo, ne?“ Nein, das ist kein Imbiß-Deutsch-Sketch, sondern die pure Realität. Wir setzen uns in den Außenbereich und bekommen die Pommes sogar „nach draußen gebracht“.

Der Eindruck


Serviert wird die Pommes-Mayo in einem tiefen Suppenteller, untypisch, aber okay. Vor uns eröffnet sich ein Anblick aus schöner, goldgelben Pommes und Mayonnaise. Die Pommes sind nicht fettig, sondern à point. Beim ersten Bissen wird klar: Alter, diese Pommes! Unser Kollege DaymDrops würde es mit dem Satz beschreiben: „You bite the fry, the fry bites back“. Sie ist von außen auf den Punkt frittiert, von innen noch schön saftig und einen guten Kartoffelgeschmack. Keine schwarzen Flecke, sondern perfekt in der Farbgebung. Im Gegensatz zu Bochum ist sie hier größer, die Crunchiness bleibt aber solide, auch die Ränder sind nicht hart, sondern geben beim Beißen zart nach. Die filigrane Salzung holt nochmal alles aus dem Geschmackserlebnis raus.


Jetzt die Kombination: Die Mayonnaise ist zu fettig, man muss nachspülen. Leider nimmt sie das Geschmackerlebnis und zwar big time. Sie ist zu dickflüssig, zu präsent. Auch nach dem Verlassen des Lokals bleibt sie noch etwas cremig im Mund. Schade eigentlich.

Verdict.

 

Das Ambiente und die Pommes sind einzigartig und das konservierte Ruhrgebiet rundet den Eindruck ab. Dazu der unschlagbare Preis. Das wären ganz lockere 4 Sterne – wenn, ja wenn nicht diese Mayonnaise wäre. Die ist leider zu fetthaltig und zu präsent. Und Pommes in Suppentellern? Naja. Man muss hier Abzug in der B-Note geben. Deswegen gibt es insgesamt für die denkmalgeschützten Pommes im Glückauf-Grill eine solide und mayonaisige 3,5 Pommes-Wertung mit der ausdrücklichen Empfehlung, selber einmal vor Ort vorbeizuschauen – gerne dann mit weniger Mayo.
Glückauf-Grill
Glück-Auf-Straße 89a
46284 Dorsten

LGBT-Fritten am Wittenbergplatz

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Pommes testen will gelernt sein.

Es ist Freitag, Dienstschluss – ich streife mit Pommesluv-Mitgründerin Skrollan die Urania runter, vorbei an der Landeszentrale für politische Bildung Berlin.

Der Bildungsgott ist mit uns – an diesem Tag sind alle Bücher kostenlos zur Mitnahme. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass mein erster Beitrag für pommesluv ins Haus steht. Wir schlagen ein in Richtung Kurfürstenstraße. Skrollan schaut mich an. Ich schlage vor, man könne am Wittenbergplatz doch was essen – eine Portion Pommes bei Witty’s. Sie winkt ab:

„Nee, nee, daraus machen wir direkt n neuen Beitrag!“

und steuert auf die mit Regenbogen gezierte Pommesbude namens ‚Fritz & Co.‚ gegenüber zu.

Jetzt erklärt sich der Titel des Posts

Zehn Minuten später stehe ich, genau wie sie, vor einer Portion Pommes, meine in süß-saurer Chilisoße (er)tränkt, ihre begraben unter hausgemachter Knoblauchmayonnaise. Die Pommesfrau hat nicht gespart bei den Soßen, das fällt sofort auf. Schnell wird mir nun auch klar, dass die Currywurst, die ich mir dazu bestellt habe, nur zu einem Nebenschauplatz wird.

Die Soßenvielfalt

Ich will zum Pommesspieß greifen, da sehe ich, dass es hier nicht nur um Geschmacklichkeiten geht. Das iPhone in mehreren Abständen über die Frittenportion schwenkend, sehe ich Skrollan dabei zu, wie man Pommes richtig in Szene setzt. Auch ich greife fachmännisch zum Handy, knall den HDR Filter drauf und ab geht die Knipserei.

Drei Minuten später geht es endlich ans Eingemachte. Die Pommes kommen im natürlichen Look daher, mit Schalenelementen, wie Skrollan vermerkt. Die Portion ist nicht zu groß, nicht zu klein, gesundes Mittelmaß. Kostenpunkt: Mit Soße landet man bei 3 Euronen und 10 Cent.

Die bunten Farben der Pommesbude lenken uns nicht von unserer eigentlichen Arbeit ab.

Der Salzgrad stimmt. Das Meersalz, auch wenn man den Unterschied zum normalen Salz hier nicht schmeckt, gibt der Fritte einen angenehmen Geschmack – das gefällt. Der Crunch jedoch kommt nur bei Eckstücken der selbstgeschälten Pommes wirklich durch, und lässt ansonsten zu Wünschen übrig. „Zu wenig Unterschied zwischen Außen- und Innentextur“ bemängelt Skrollan mit kritischen Blick. Bei mir macht sich die Vermutung breit, es handelt sich bei den Kartoffeln um die Gattung „vorwiegend festkochend„.

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Sowohl Chili- als auch Knoblauchsoße sind in rauen Mengen auf dem gelben Gold vorhanden.

Die Soßen überdecken, wie eingangs erwähnt, den Großteil der Pommes. Im Verlauf und mit fortschreitendem Rückgang des Pommesbestandes auf meiner Pappe wird klar, dass die unteren Pommes der süß-sauren Chilisoße aus der Tube erlegen sind. Skrollan sieht in der hausgemachten Knoblauchsoße eher eine Remoulade mit starkem Dill-Einschlag. Ich find’s lecker und klaue weiter von ihrer Portion. Skrollan bemerkt, dass sich die LGBT-Fritten und die Pommes bei Witty’s gegenüber kaum unterscheiden. Hier wäre investigatives Nachhaken gefragt gewesen.

Ich schaue auf den ertränkten Rest meiner Frittenportion und stelle klar fest – den Soßenpunkt kann ich hier leider gar nicht geben. Auch beim Crunch gibt es Abzug. 45 Sekunden länger in der Fritteuse hätten hier schon einen Unterschied bewirkt. Der gute Salzgrad und der Verzicht auf Paprikagewürz können diesen Manko nicht mehr wirklich aufwiegen.
Das Personal ist freundlich, Portion und Preis stimmen.

Aus diesem Grunde landen die LGBT-Fritten bei 3 von 5 Pommes.

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Drei von fünf – grundsolides Mitelmaß

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Auch wenn’s nich so dolle war – pommesluver Skrollan zufrieden mit der Fritte und einem Neuzugang für die pommesluv-crew

Fritz & Co.
Wittenbergplatz
10789 Berlin (Schöneberg)
Öffnungszeiten:

Mo-Sa 11-24 Uhr, So 12-24 Uhr
Mittagszeiten: durchgehend

Bitcoins und Paprika Pommes im Room 77

An einem sonnigen Maiwochenende kann man sich wahrlich nichts Schlimmeres vorstellen, als inmitten Kreuzköllns, der Reuterstraße nämlich, einen ruhigen Patz in einem Café zu ergattern – Kinderwägen und Nachbarn, die innig miteinander auf dem Bürgersteig plauschen, so den Weg versperren und mit ihren selbstausgerichteten Blasmusikkonzerten (Ja, das sahen wir wirklich!) ihre dörflich-spießige Idylle mit Filzpantoffeln an den Füßen in Kreuzberg leben.

Ih, Zottelkissen!

Ih, Zottelkissen!

Welch‘ Glück, da kommt uns der Rebell dieses Paradieses, das amerikanische Restaurant Room 77 (Untertitel: Restaurant at the end of capitalism: warm beer, cold women and fast food made slow)  mit anmutendem Raucherbereich innen und außen und der wirklich großartigen Bezahlungsoption Bitcoins doch gerade recht!

Nachdem unnötiges und hinderliches Dekor (ein verfilztes Zottelkissen) entfernt wurde, folgt ein Blick auf die Speisekarte:

Es offenbart sich zunächst eine große Bier- und Softdrinkauswahl.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Saucenauswahl: Mit hausgemachter Knoblauch Mayo, Sour Cream, Ketchup ( wir ließen ihn auf der Zunge zergehen und sagten beide im Chor „Heinz!“) und Salsa als Auswahl kann man nichts falsch machen. Uns ist klar: Der Stellenwert der Pommes wird durch die Saucen unterstrichen.

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„Tiefsinnige“ Systemkritik an der Wand

Auch neben den (oft auch gelobten) Burgern des Hauses, drängen sich besonders die hausgemachten Potato Wedges des Room 77 in den Vordergrund der nicht geringen Essensauswahl. Schön, dass ein Restaurant die sonst oft als Beilage abgetane Kartoffel noch schätzt. Unschön hingegen, dass es nur Potato Wedges (obwohl sie wie Pommes aussehen) gibt und keine normalen Pommes Frites.

Mehr Pommesvielfalt wäre wünschenswert.

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Zwei Berge „Wedges“


Der Burger - Fantastico!

Der Burger – Fantastico!

Nun zur nahen Verwandten der Pommes an sich: Die Optik lässt schnell erkennen, dass diese Wedges in der Tat selbstgemacht sind – variantenreich in ihrer Form, schmücken sie den wirklich großen Teller. Die Kartoffel kommt hier mit Schale, was uns auch gefällt. Leider sticht bereits auf den ersten Blick der überaus großzügige Umgang mit dem Paprikagewürz ins Auge. Orange bis feuerrot- nicht goldgelb leuchtet es.

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Zum Geschmack sei zu sagen, dass die Kartoffel authentisch, kartoffelig daherkommt, im Geschmack wirklich nicht falsch, im Crunch allerdings nur mittelmäßig. Allerdings mag dieser bei einem Wedge auch schwerer zu erreichen sein. Der Salzgrad ist vollkommen in Ordnung.

Nach dem Teller ist uns ein wenig schlecht – vielleicht lag es an der signalfarbenen Ton und der Überwürzung der Wedges.

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Pommes oder Wedge? Das ist hier die Frage!

Unser Urteil: Alles in allem sind wir zufrieden und geben den Wedges des Room 77 2 1/2 Pommes von 5.
(Die Burger waren, wie eben oft von anderen beschworen, sehr gut.)

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Room 77

Graefestraße 77

10967 Berlin

030 31102260

Ein bisschen Belgien in Paris?

Wenn man Franzosen über Belgien befragt, werden den meisten schlechte Witze über den wallonischen Akzent einfallen und der ein oder andere wird sich daran erinnern, dass er eine Leonidas Filiale neben seinem Supermarkt hat. Es werden jedoch Wenige dem Nachbarn kulinarische Kultur bescheinigen.

Doch, wie wir bereits in früheren Beiträgen festgestellt haben, ist Belgien ohne Zweifel das momentane Epizentrum europäischer Frittenkultur. Seit einiger Zeit macht sich die Frittenbudenkette De Clercq- Les Rois de la Frite als Botschafter von belgischen Fritten einen Namen in Paris. Als erweiterter Teil der EU Bubble, treibt es mich zwar öfters nach Brüssel, Hauptstadt Europas und der Fritte, aber leider bleibt selten Zeit meiner Leidenschaft für belgische Pommes nachzukommen. Der Gedanke, eine belgische Pommesbude vor der Haustür zu haben, katapultierte mich umgehend über die Spitze meiner maslowschen Pyramide hinweg.

IMG_20150410_194311_hdrDe Clercq hat in Paris drei Standorte: Im 5e, um hungrige Sorbonnestudenten ohne strikten Diätplan abzugreifen, im 13e für alle Bewohner, die nicht schon wieder Wok-to-go aus Chinatown wollen und im 2e, in der Nähe des Boulevard Montmatre, für after-Bar Heißhungerattacken. Es ist ein lauer Frühlingsabend und wir entscheiden uns für die Bude 2e, um die Fritten anschließend am Fuß von Montmatre zu verköstigen. Als Unterstützung für diesen Test kann ich diesmal auf Leah, US-Ostküstenexpertin mit einer Schwäche für Curly Fries, zählen.

Beim betreten von De Clercq wird deutlich, dass in diesem Etablissement keine Kompromisse gemacht werden. Rot-schwarze Wände, gelbe Stehtische, eine offene Frittierküche. Die meisten Belgier würden sich hier dennoch eher unwohl fühlen. Dies liegt weniger an den nicht vorhandenen Sitzmöglichkeiten, sondern an der komplizierten Beziehung der Belgier zu ihrer Identität und ihren Nationalfarben. Dem fortwährenden Zwist zwischen Wallonen und Flamen fällt häufig auch die Fritte zum Opfer, denn beide Seiten reklamieren die bessere Machart für sich. Solche Konflikte versteht aber nicht wirklich jemand außerhalb des Landes und deshalb kann man das Interieur als zweckmäßig und passend beschreiben. An der Kasse werden sämtliche französischen Vorurteile über den kleinen Nachbarn bestätigt: Eine rundliche Frau mit roter Kappe rechnet betont unfreundlich ab, entlarvt sich, durch ihr französisches „quatre-vingt-dix centimes“ (anstatt des belgischen „nonantes“),  allerdings nur als Belgien-Attrappe.

IMG_20150410_194613Wir bestellen zwei Portionen Pommes mit zwei Mal Sauce Andalouse, eine Frikandel und Croquette. Mit 2,90€ für eine Portion ist die Bude zwar ein wenig teurer, als in Belgien, aber für Pariser Verhältnisse erschwinglich. De Clercq überzeugt mit einem Menü für Experten: 3 verschiedene Portionsgrößen( von 300 Gramm bis zu einem vollen Kilo), eine reiche Auswahl an originalgetreuen Saucen und Beilagen, die jedes Frittologenherz höher schlagen lassen: Frikandel, Croquettes und Gehaktballen. Ebenfalls verfügbar ist ein Burgermenü, aber das ist Nebensache. Burger kriegt man heutzutage ja überall.

Ausgestattet mit einer großen, fettigen Frittentüte machen wir uns per Fahrrad auf den Weg zu einer bequemen Parkbank mit Blick. Unsere Erwartungen sind hoch; die Ernüchterung folgt auf den Punkt. Beim Blick in die Tüte wird deutlich, dass De Clercq offensichtlich Croquettes für Cheese Fingers hält. Aus frittiertechnischer Sicht ein absoluter Fauxpas. Geschmacklich sind sie zwar in Ordnung, jedoch kostet die falsche Etikettierung Punkte. Auch unsere Frikandelbeilage kann nicht überzeugen. Obwohl die Würze in Ordnung ist, ist die frittierte Gehacktwurst (manche munkeln das Geheimnis sei ein 50/50 Anteil aus Pferde- und Eselfleisch) zu trocken. Ein solcher Fehler entsteht, wenn der Fritteur, unter Druck von Kunden mit schlechtem Gewissen, die Frikandel nach dem Frittieren zu lange von heißem Fett abklopft.

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Die Fritten sind geschmacklich ohne Zweifel nach belgischer Machart. Das doppelte Frittierverfahren und das klassische Rindernierenfett hinterlassen ihren markanten Geschmack. Auch die Form und Farbe überzeugt: Dick und dunkelgelb, wie man es bei gehobener Frittenkunst in Belgien finden sollte. Jedoch wird bei der Frittierung der Pommes deutlich, das Amateure am Werk waren. Außen labbrig, innen zu kross: Ein klassischer Fehler, durch zu lange Pausen zwischen den Frittergängen. Auch mehr Salz hätte den Pommes gut getan.

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So müssen wir abschließend feststellen, dass De Clercq zwar das Beste tut, um belgische Frittenkultur in Paris zu etablieren. Dennoch wäre das Angebot nicht mal in kulinarischen Internierungslagern, wie Chaleroi, wettbewerbsfähig. Zu schwach die Frittierleistung, zu eklatant der Verstoß gegen die Croquetten-Etikette. Für Pariser Standards ist De Clercq dennoch ein kleiner Schritt nach vorne. Deshalb gibt es am Ende 2.5 von 5 Pommes.

De Clercq- Les Rois de la Frite

169 Rue Montmatre

75002 Paris

http://www.lesroisdelafrite.com/

Das „Burgers Berlin“ und die vernachlässigte Pommes

Freitag Abend 21:30 in Charlottenburg

An der Pestalozzistraße, einer Seitenstraße der Einkaufsmeile und Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße, steht eine Traube junger Menschen vor einem Lokal mit Bierbänken, witziger Tafelspeisekarten und hippen Limos.

Um was könnte es sich anderes handeln als um einen Burgerschuppen?

In Hoffnung auf einen guten Pommesfang gesellen wir uns dazu. Atmosphärisch ist das Burgers Berlin im Industrie//Amerika- bei Westwing-eingekauft-Stil gehalten. Die Wände sind mit „lustigen Sprüchen“ in unterschiedlichen Schriftarten und kurioser Orthografie bemalt. Da ich mich ein wenig geniert habe den Spruch „Burger statt Bourgeoisie“ zu fotografieren, gibt es hier kein Bild davon.  Mit Blick auf das bruzzelnde Rindfleisch bestellen wir am Tresen.

Die Karte macht sofort klar: Pommes sind hier nur ein „Xtra“. Wir bestellen dem Cheesy Cheese und Beef & Bacon Burger und dazu Fries mit Mayo und die Chilli-Cheese-Fries (3€), die nicht auf der Karte, dafür aber auf der Tafel stehen.

Die Wartezeit von 20 Minuten (es war wohl Burger-Rush-Hour) vertreiben wir uns mit einem kühlen Augustiner. Eigentlich wäre es auch nett in so einem Laden mal zu Schultheiss oder einem Berliner Kindl gezwungen zu werden. Immer diese bayrischen Etepetete-Importe…

    

Pommes und Burger werden in kleinen, roten Plastikkörben serviert. Als Kind der 90er Jahre habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Plastikerzeugnissen. Der frühere Stoff der Zukunft hat heute den Beigeschmack von fadem Konsumismus.  Also wenn ich die Wahl habe, darf es für mich doch klassisch der Porzellan oder Keramikteller sein.

Die Pommes haben einen goldgelben Ton, der könnte allerdings noch etwas dunkler sein. Die Form der Fritte verrät das Industrieerzeugnis. Diese Pommes sind definitiv nicht selbstgemacht. Der Biss ist hart, jedoch nicht knusprig. Von einem Crunch kann kaum die Rede sein. Leider ist auch der Geschmack fad und sie sind nicht ausreichend gesalzen. Erschwerend kommt noch das Preis-Leistungs-Verhältnis hinzu: Der Preis von 2€ bzw. 3€ für die Chilli-Cheese-Fries ist üppig für dieses Häufchen Pommes.

Die Mayo hat eine cremige Konsistenz und schimmert in einem schönen Cremeweiß. Doch auch sie schmeckt süßlich und konservig, leider nicht frisch. Der Ketchup schmeckt ebenfalls nach dem 10-Liter-Eimer-Klassiker aus der Metro. Hier noch ein preisliches Kuriosum: Wohingegen der Ketchup auf dem Tisch zur freien Verfügung steht, zahlt man für die Portion Mayo extra 30 Cent. Die Chilli-Cheese-Sauce ist nasty-käsig-scharf aber auch nicht frisch. Die frischen Jalapeños fallen dazwischen positiv auf.

Im Gegensatz zu den vernachlässigten Beilagenpommes konnten die Burger wirklich punkten. Die Brötchen hatten eine perfekte Konsistenz, sind beim Essen nicht zerbröselt und waren knursprig. Das Rindfleisch schien manchmal noch zartrosa durch (mhmmm) und spielte saftig mit dem frischen Salat zusammen. Die Burger zählen definitiv zu den besten Berlins.

  

Unser Fazit: Leider nur 2 von 5 möglichen Pommes. Das Burgers Berlin ist – nomen est omen- eine mehr als solide Adresse für Burger. Doch leider nicht für Pommes. Hier ist definitiv noch Luft nach oben!

Burgers
Pestalozzistrasse 25
10627 Berlin