Auf eine isländische Fritte in Tommis Burger Joint

Auf der Suche nach den besten Fritten der Hauptstadt hat es uns an einem nasskalten Februarsonntag nach BerlinMitte verschlagen.

Genauer in den Teil zwischen Rosenthaler Platz, Nordbahnhof und Hauptbahnhof auf die Invalidenstraße. Irgendwie ist das schon seit 10 Jahren eine komische Ecke: früher leer und irgendwie verschlafen, wehte dort der traurige Wind der Grenze durch die Gassen und sie war zumindest gefühlt mehrheitlich  besiedelt durch Ostrentner, die sich von ihrer kleinen Rente fleischige Schlemmerwaren im Angebot des Metzgers der Ackerhalle kauften. Dann kamen etliche Baustellen und die Ecke Berlins war kaum mehr zu erreichen.

  

Es gab allerdings auch keinen Grund dazu. Nun stehen dort einige Luxusbüros, die nach 18.00 Uhr die Gegend wieder leer stehen lassen. In den neuen Urban Loft Living Eigentumswohnungen wohnen Neureiche, die ihre Kinder auf multilinguale Privatschulen schicken und in hippen Restaurants essen. Dort vermischen sie sich mit den alteingessesenen Berlin-Mitte-Gammlern, die mal kamen um sich  selbst zu verwirklichen, nach Jahrzehnten auf mehr oder minder große Erfolge zurückblicken können und ihren Lebensstil vor Ort durch alte Mietverträge und ein geschäftige Airbnbverwaltung derer erhalten. Ihre Mieter frequentieren ebenso die hippen Restaurants. Und so gesellten wir uns zu dieser Mischung dazu um, jaja schon gut, von der Hater- Sozialstudie abzurücken und die Fritten in Tommis Burger Joint auf Herz und Nieren zu testen.

Es handelt sich um eine Filiale einer isländischen Burger-Kette mit einem bärtigen Gründer. Als Testteam habe ich Diana, ihrerseits politischer Pommes Profi und Mitte Jünger J. (Er wünscht nicht namentlich erwähnt zu werden) gewinnen können. Beide sind vom Samstag noch etwas angeschlagen, aber dafür umso hungriger. Wie legen also los mit einer Bestellung, die die halbe Speisekarte umfasst. Burger, Pommes, extra Béarnaise (wow) und extra Chipotle Sauce.  
Die Getränkeauswahl ist ok, ich genehmige mir ein Bier zum späten Nachmittag, die anderen beiden trinken Cola und einen mega mächtigen Milkshake (Alter Schwede – ein ausgewachsenes Dessert. Da hatte sich J. etwas überschätzt. Die Hälfte blieb zurück).

Wir setzten uns an einen Tisch am Fenster und liessen unseren Blick schweifen. Dunkelgrau gestrichene Wände und Decken, alte Fliesen und Holzvertäfelung treffen auf einen leicht gammeligen Studentenlook. Angepinnte Poster mit Fettflecken, Lichterketten und Sticker erinnern an die erste WG-Küche.
  
Und wir stellen begeistert fest: Ein Trivial Pursuit Spiel gibts hier auch. Ernüchterung setzt ein als wir sehen, dass das ne englische Ausgabe ist. Nee, das ist uns jetzt doch zu anstrengend, obwohl wir drei eigentlich keine Gelegenheit auslassen um Recht zu haben und in Spielen zu gewinnen.

Wir werden gerufen und holen unser Essen. Ich stelle mäkelnd fest:“Es gibt hier aber nur Ketchup auf den Tischen und die Mayo ist hier so unprofessionell im Korb gelandet.“
J. gesteht „Das mit der Mayo war ich. Die Mitarbeiter haben mich auch abschätzig abgeschaut. Da hinten ist so eine Saucen-Selbstbedienungsbar.“

   

Meine Augen werden groß, ich gebe die Aufsicht über den Dackel ab und eile zur Saucenstation. Dieser Überfluss – ich bin begeistert und unentschlossen zugleich. Heinz, Knorr, Kühne, Asiasauce, Essiggurken,  Röstzwiebeln.

 Was brauche ich denn für den perfekte Pommesgenuss?

Während ich mir diese riesen Auswahl so betrachtete, dachte ich „eigentlich nur sine gute Mayo und ne gelungene Béarnaise“. Unverricheter Dinge ging ich zurück an den Tisch und verputze meine Fritten mit eben diesen. Die Mayo war allerdings durchschnittlich und in der Béarnaise fehlte irgendwas. Auch die Chipotle Sauce war nicht so, dass ich jetzt sagen würde „mega geil“.


Bei den Pommes handelt es sich nach der Form zu urteilen um dünne Tiefkühlfritten. Die Farbe war gelb knusprig, der Crunch leider ungleich verteilt. Zwar gab es einige Fritten mit Bestnoten jedoch waren andere wabbelig. J. merkte sofort nach dem ersten Bissen an, dass sie nicht salzig genug seien und griff zum Salzstreuer. Ich fand den Salzgrad ok, aber insgesamt waren wir uns einig, dass es sich bei Tommis Fritten um eine Wertung im Mittelfeld handelt.


Daher erhält Tommis Burger Joint 3 von 5 Fritten als Wertung. Geile Aktion mit der Saucenbar. Die Burger in Rosinenbrötchen-Bun waren auch lecker. Gemütliche Atmosphäre, aber die Pommes sind eben nur so lala.
Tommi’s Burger Joint  
Invalidenstr.160

10115 Berlin

Offen von 12:00 bis 22:00

Kapitalismuskritik und koreanische Pommes

Ich habe Besuch und wir haben Pläne gemacht für Freitagabend. Federico, mein Kumpan aus Pariser Zeiten ist in der Stadt und möchte Bilderbuch-Amerika kennenlernen. Ihn hat es, genauso wie mich, zu Beginn des Jahres auf die andere Seite des Atlantiks getrieben. Auch wenn es ihm in Washington D.C. gefällt, irgendwie hat er noch keine Wolkenkratzer und Leuchtreklamen gefunden. Das kann ich bieten und deshalb habe ich ihn nach New York eingeladen.

Um ihn direkt in die richtige Stimmung zu bringen, haben wir einen Termin im Herzen der freien Welt und eigentlich der gänzlichen Galaxie (vorausgesetzt die Amis kriegen jetzt mal langsam ihre Fahne auf den Mars): Wir haben Broadway Tickets für eine Show unweit des Time Squares. Die Bedeutung dieses Ortes steht in direkter Linie mit anderen historischen Plätzen der westlichen Welt: Olymp- Forum Romanum- Concorde- Times Square. Alles was Amerika überlegen macht an einem Platz: Der Disney Flagship Store, die Rekrutierungsstation der US Armee und Boobie Girls, auch wenn denen um diese Jahreszeit ein bisschen zu kalt ist.

All das eingerahmt in ein Meer von Licht und Glitzer. Während dieser Ort alle Errungenschaften des Kapitalismus zum Besten gibt, ist er auch Sinnbild für sein eigenes Scheitern: Wer sich hier auf die Suche nach einer vernünftigen Fritte macht, wird sich mit blassen, labbrigen und ungesalzenen Magerstangen in einem der unzähligen Kettenrestaurants abgeben müssen. Wir sind hungrig vorm Theater aber beim Anblick der Pommes rund um den Times Square werden wir schnell zu Kapitalismuskritikern. Wie in früheren Posts bereits erwähnt, sollte sich eine Kultur immer daran messen lassen, wie sie mit ihren Fritten umgeht. Im Sinne des amerkanischen Vorwahlkampfes wird uns deutlich: The system is broken!“

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Wir haben noch ein wenig Zeit vor Beginn der Show und entfliehen ins nahgelegene K-Town. Wir sind nicht wirklich in der Stimmung auf Kimchi und oder koreanisches BBQ. Zwei Blocks vom Empire State Building entfernt stoßen wir auf eine Lokalität, die unserem frittierten Appetit gerecht wird: Turntable Chicken&Jazz. Die Karte verspricht ein gewagtes Crossover, aus amerikanischen Klassikern (verschiedenste Varianten von fried Chicken) und koreanischer Küche. Versteckt im ersten Stock, über einem 99ct Pizza Shop, befindet sich Turntable Chicken&Jazz. Der Barbereich ist überfüllt mit hippen Anzugträgern aus Midtown, die während des Afterwork-Drinks über ihre 75 Stunden Woche klagen. Es ist dunkel und aus den Lautsprechern dröhnt ein Crossover von Elektromusik und Chartsmusik. Bis zum Ende unseres Besuchs werden wir uns fragen, was der Jazz im Namen verloren hat. Wir werden von einer professionell, schlecht gelaunten Kellnerin an einen Tisch gelotst und bestellen koreanisches Lagerbier.

Nach einer Weile beobachten wir, wie eine Gruppe neben uns durchsichtige Bierfässer mit wahlweise pinker, hellblauer oder grüner LED-Beleuchtung auf den Tisch gestellt bekommt. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, was das Highlight jeder koreanischen Kegelparty sein muss.12751707_10208701059553758_1151890328_o Unsere Entscheidung fällt schnell auf eine mittlere Portion Chicken Wings und Fritten. Wir werden vorgewarnt, es könne bis zu 40 Minuten dauern- alles sei frisch. Wir finden das nicht okay, nehmen es aber in Kauf bei einem Kurs von $10 für Chicken Wings und Fritten pro Person. Am Nachbartisch sitzt ein Date. Es ist definitiv ein Date, denn er weiß viele essentials noch nicht über sie. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie diesen Ort für das Treffen ausgewählt hat, denn sie erklärt ihm die Karte in allen Details und einer Lautstärke, dass ich Material für einen neuen Blogpost hätte. Unser Essen kommt früher als erwartet und ab diesem Punkt spielen die Gespräche am Nebentisch keine Rolle mehr. Ich kann nicht wirklich viel sehen, aber was ich schmecke ist unerwartet, aber sehr überzeugend. 12751896_10208692157211205_995535418_oDie Pommes sind selbstgemachte, geschnittene Kartoffeln mit einer erstaunlichen Präzision in ihrer Machart. Außen sehr kross, innen immer noch eine ganze Kartoffel. Selten gab es eine hausgemachte Fritte mit einem solchen effait.

12528583_10208692171051551_553341240_o12776928_10208701060953793_50760115_o   Wie sich beim Photo herrausstellt, ist auch die Farbe mehr als gekonnt- ein goldbrauner Genuss. Amerika ist bekannt als Land der Mayo-Verächter, nicht so bei Turntable Chicken&Jazz, denn es gibt ungefragt Trüffelmayonnaise zu den Pommes. So etwas passiert selten und verdient Pluspunkte. Ein paar Worte sollten auch über die Chicken Wings verloren werden. Diese sind ebenfalls sehr gut frittiert äußerst scharf und werden mit koreanischen Kohl begleitet, der zur Milderung der Schärfe beiträgt.

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Insofern sei geschlussfolgert, unerwartet, aber verdient: K-Town in New York produziert nicht nur scharfes aus Fernost, sondern hat auch Pommes zu bieten, die Standards setzen. Die Fritten selber verdienen 4 von 5 Pommes, es gibt jedoch Abzüge für die Chartsmusik (-0.5) und für den mittelmäßigen Service (-0.5). Dafür gibt es jedoch einen Extrapunkt für die komplementäre Trüffelmayonnaise. Also 4 von 5. Was lernen wir aus diesen Test?- Sauce does matter. A lot!

 

Turntable Chicken&Jazz

314 5th Avenue

10001 New York, NY

http://www.turntablenyc.com/

 

 

Im Grunewald ist Pommes Auktion

Zugegeben ein ziemlich hanebüchener Griff der Überschrift nach dem Gassenhauer Im Grunewald ist Holzauktion Der Leser möge Gnade walten lassen. Wir hatten eine lange Pommes-Berichterstattungs-Abstinenz und müssen uns wohl erst einmal wieder in den frittig-fettigen Jargon reinfinden.

Ich hatte jüngst einen schweren Anfall von Prokrastination (die Klausuren nahen und andere Deadlines sitzen mir auch im Nacken) und so entschied ich mich schlechten Gewissens für einen Tagesausflug zum Grunewaldsee. Den Dackel unter den Arm geklemmt, stieg ich in den Bus und fuhr vorbei an schönen Stadtvillen und teuren 1960er Jahre Bunkern zum Roseneck. Diesem verschlafenen Seniorenidyll mit hervorragendem Tortenangebot kann ich einiges abgewinnen. Früher gab es dort direkt am Platz auch so eine Luxus-Bude, die Currywurst, Scampi und Schampus vereinen wollte. Das konnte sich wohl selbst im goldensten Westen nicht durchsetzen. So blieben die Luxus-Preise der Bude, aber die Pommes können mich bis heute nicht überzeugen.

Viel besser ist es direkt eine Bude am Grunewaldsee aufzusuchen. In meinen Kindertagen gab es immer urige Buden direkt am Hundestrand, die für 50 Pfennige Tee und Kaffee, für eine Mark runzelige Bratwurst anboten und stets schlecht gelaunt waren. Ob der Euro oder der Wandel zur Service Mentalität die Ursache ihres Verschwindens waren, lässt sich heute wohl nicht mehr zurückverfolgen.

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Die gepflegte Pommeshütte

Deshalb war ich natürlich misstrauisch als ich das gepflegte Holzhäuschen mit Pommesangebot vor dem Jagdhaus Paulsborn erspähte. Das gute alte Verschlafene sucht man in Berlin zunehmend vergebens.

Neben der Pommeshütte steht auch noch eine weitere Hütte, die Delikatess-Hundefutter verscherbelt. Als Berliner „kricht man da natürlich nen Föhn“ und fragt sich, ob das nun endgültig München ist. Aber kein Hund trug MCM oder Moncler.

Ein trüber Januartag – zum Glück gibt es Pommes!

Genug des Hates – das Jagdhaus ist wirklich ein schönes Restaurant und auch der Hof ist gepflegter als in den guten alten Zeiten.

Ich bestellte einmal Pommes mit Bratwurst, während mein Dackel Frieda damit beschäftigt war drei Terrier gleichzeitig zu belästigen. Im Rückblick (auch in Anbetracht der Preistafeln) kann ich mir nicht erklären, weshalb ich für eine Pommes, eine Bratwurst und einen Kaffee zusammen nur fünf Euro gezahlt habe. Es war jedenfalls ein Schnäppchen und das Service Personal war nett.

Sehr positiv fiel mir auch auf, dass Ketchup und Mayo zur freien Verfügung angeboten werden. Diese Eine-Sauce-kostet 50-Cent-Politik nervt mich ohnehin. Ich habe einfach eine Schwäche für Mayo und deckte mich dementsprechend großzügig ein.

Welch hervorragendes Pommesgelb!

Die Pommes machten schon rein äußerlich viel her. Ein perfektes Frittengelb, ein guter Salzgrad und eine gleichmäßige Form. Der Kenner weiß dementsprechend sofort: es handelt sich um Industriefritten. Das muss allerdings nichts schlechtes sein. Eine gute, knackige Industriefritte kann 1000 mal besser sein, als eine wabbelige Ökofritte. Und so war es dann auch. Die Pommes konnten geschmacklich überzeugen. Der kartoffelige Geschmack mischte sich mit frischem Fett und einer knusprig-crunchigen Konsistenz.

Der Ketchup schmeckte klassisch nach Heinz. Bei der Mayo handelte es sich um eine Mischung aus der bewährten Schwimmbad-Mayonnaise und McDonalds-Mayo. Ein Mix, der mir persönlich sehr gut mundet.

Mayo – doppelt hält besser!

Hier muss ich noch ein paar Worte zu der Bratwurst verlieren. Die war wirklich gut gewürzt. Ein feiner Kümmelgeschmack durchzog die knusprige Wurst. Das war der perfekte Begleiter zur Portion Pommes!

Auch die Wurstqualität überzeugt- hier der Kümmel in Nahaufnahme

 

Salzige Pommes – ein Traum

Dünne Beine zum Beweis, dass ich trotz der Pommesliebe nicht dick bin

Unser Urteil: 3 1/2 von 5 Fritten. Ich empfehle die Bude. Selbst als nörgeliger Berliner kann ich mich diesen Pommes nicht entziehen. Was nun noch fehlt sind nasty Extrasaucen (die auch einen extra Preisaufschlag rechtfertigen) und noch frische Pommes als Zusatzangebot.

Unser Urteil: Geile Fritten

 

Der ultimative „Kann ich Pommes in dem Irish Pub um die Ecke essen?“ Test

Es war einmal ein verkaterter Samstag Mittag, Stefan aka DJ Frank Freshness kündigte sich in Charlottenburg als Pommestester Assistant an und weigerte sich diese eine berüchtigte Taxifahrer-Wurstbude zu testen, die ich schon seit langem auf der Agenda habe.

Seine langjährige Arbeit im White Trash mache aus ihm einen Pommes-Burgerexperten, deshalb sollten wir nach einem Burger Ausschau halten. Natürlich habe ich die Burgerbuden in meinem direkten Umfeld schon abgegrast, er schlug vor das Experiment zu wagen und Pommes bei dem Irish Pub um die Ecke zu essen. Ich bin kritisch, aber auch verdammt hungrig. Wir setzten uns in den Vorgarten des Irish Harp (wie könnte der Schuppen auch anders heißen?).

Wir sitzen relativ einsam in der Herbstsonne, nur zwei andere Gäste warten ebenfalls auf das Mittagsmenü. Stefan und ich fachsimpeln über die beste Zeit um Essen zu gehen. Ich denke, jetzt dürfte in der Küche nicht so viel los sein, unser Burger und Pommes also besondere Aufmerksamkeit des Kochs genießen. Der Gastroprofi Stefan ernüchtert mich mit seinen Ausführungen wie es in Burger-Küchen zugeht. Bestellungen über den Tag nerven eher das Küchenpersonal, da sie bereits alles für den Abend schnippeln und vorbereiten wollen. Daher gäbe es das beste Essen, wenn die Küche abends auf Hochtouren läuft und jeder seine gekonnte Routine abspielt. Klingt plausibel.

Stefan spielt den Vorfall nach – immer noch traumatisiert vom Food-Blog-Horror

In der Vergangenheit hat Stefan eher schlechte Erfahrungen mit Bloggern gemacht. Nach einem geschäftigen Abend und mit dem Service unzufriedenen internetaffinen Gästen, brach ein regelrechter Shitstorm über ihn hinein. Seine Geschichte erinnert mich ein wenig an diese mega gelungene letzte Southparkfolge zum Thema Yelping.  Er versichert mir, dass dies sein einziges Food-Blog-Gastspiel wird. Ich fühle mich geehrt.

Wir bestellen einen Cheese-Burger, einen Gravy Roasted Burger, Pommes und viel Cola. Die Bedienung ist freundlich. Wir beginnen ein tiefgründiges Gespräch über Pommes. Was versteht Stefan unter der perfekten Fritte? Gleichmässig geschnitten und kross sollen sie sein. Er lässt sich auch zu einem überraschenden Geständnis zu Tiefkühlfritten hinreissen (schaut euch das Video an):

Endlich kommen unsere Fritten und Burger. Das Küchenpersonal scheint doch hauptsächlich am Vorbereiten für den Abend gewesen zu sein 😉

Die Portion ist ordentlich und die Pommes leuchten goldgelb. Die Optik ist schon mal spitze. Der Ketchup ist klassisch von Heinz, das erschmecken wir beide gleichzeitig.

Doch wir vermissen Mayo und bestellen diese nach. Die Bedienung bringt eine Sauce und fügt hinzu „nicht wundern wegen der Farbe. Die Mayo ist selbstgemacht.“. Wir werfen einen Blick auf den Saucentopf und erschaudern tatsächlich.

Was ist das? Die sonst weiß-creme-gelbliche Farbe der Mayonnaise wurde hier mit einem stechenden Kurkuma-Senfton vertauscht. Auch der Geschmack ist so gar nicht Mayonnaisig und ähnelt ebenfalls keiner mir bekannten Pommessauce.

Nun ja zurück zu den Pommes. Wir sind uns beide einig, dass wir stark nach salzen müssen. Stefan hebt den natürlichen Geschmack der Pommes hervor. Ich finde sie zu hart und irgendwie einfach fad. Der Burger ist auch nur so lala und so wird die anfängliche Freude über die Portion zum Fluch. Ich schaffe es kaum, Stefan verputzt seinen Teller und schmiert sich noch einmal extra viel von der gelben Mayo ins Gesicht für das Foto:

Unsere Wertung: 2 1/2 von 5 Pommes! Naja also man kann schon im Irish Pub um die Ecke Fritten essen. Aber so ein richtiges Feuerwerk der Sinne war es nicht. Höchstens diese quitschgelbe „Mayo“ – aber auch eher im negativen „mir-fällt-in-Kreuzberg-ein-Böller-auf-den-Kopf“-Sinn. Stefan hat sich dennoch als super Test Begleitung erwiesen. Wir kommen bestimmt noch einmal auf seine Expertise zurück!

The Harp

Giesebrechtstraße 15

10629 Berlin

Fernsehempfehlung: Reisen für Genießer – Die belgische Fritte

An dieser Stelle möchten wir gerne auf ein aktuelles Fundstück aus der Arte Mediathek hinweisen: Es geht (worum auch sonst) um die FRITTE!

Genauer gesagt um belgische Fritten und um die Nationalkultur der frittierten Kartoffel. In Belgien gibt es nicht nur die traditionellen Buden namens „Fritkot“, sondern auch eine eigene von Pommes inspirierte Kunstschule und die passende Wanderausstellung. Wir wünschen viel Vergnügen auf diesem Ausflug zum Herz der Pommeskultur!

http://www.arte.tv/guide/de/048561-015/reisen-fuer-geniesser

Kollektive Meinungsfindung an Tom’s Fritten oder der erste Berliner Pommesluvstammtisch

Für den ersten Berliner Pommesluvstammtisch luden wir an einem sonnigen Spätsommer Samstag (seit der neuen Staffel Schwiegertochter gesucht bin ich süchtig nach Alliterationen)  zu einem denkwürdigen Ort: Tom´s Fritten an der Oranienburger Straße. In Berlin Mitte, genauer zwischen Tacheles, Synagoge und Straßenstrich liegt hier ein Kleinod der hauptstädtischen Pommesszene.

Hintergrund des Treffens war ein im Sommer entbrannter Streit im Pommesluv Team über Tom’s Kartoffelkunst. Nikolas, ein externer Tester, bewertete sie mit ganzen 4 1/2 Pommes, die eine Hälfte der Korrespondenten protestierte und behauptete es seien die schlechtesten Pommes überhaupt. Die andere Hälfte betonte den kultigen Charakter der Traditionsbude und die Frische der Kartoffeln. Ratlos vereinbarten wir diesen Fall vorerst auf die Bank zu schieben und zu einem späteren Zeitpunkt zu Tom zurückzukehren.

Kommt Zeit, kommt Rat: Warum nicht die Pommescrowd zum Testen einladen und online geheim abstimmen? Idee für gut befunden, Pommesluver eingeladen, online Questionnaire aufgesetzt, Tischwipfel gebastelt, Dackelwelpen eingesteckt – Los ging das kulinarische Abenteuer!

Dackelwelpe und Tischwipfel – Wer kann da dem Pommestest widerstehen?

Um den traditionsreichen Food-Truck herum befindet sich mittlerweile eine kleine Garten- und Pavillionlandschaft, die uns zum gemütlichen Verzehr einlud. Nach und nach trudelten unsere Pommestester (n=13 + zwei, die sich der online Abstimmung entzogen haben) ein und bestellten unterschiedlichste Frittenvarianten à la carte.

Pommesluverin Marlene und die Qual der Wahl der Pommessauce

Nun endlich zu der FRITTE und den Ergebnissen der Abstimmung:

Der Geschmack der Fritte (also Intensität, Frische und Salzgrad) wurde von der Crowd mit 3,6 Pommes (auf einer Skala von 1 sehr schlecht und 5 sehr gut) bewertet. Die Fritten wurden aus frischen Kartoffeln gemacht, das war sofort ersichtlich. Doch zwei Pommesluver wiesen darauf hin, dass das Frittierfett noch etwas frischer sein könnte. Grundsätzlich gilt bei diesem Ergebnis im guten Mittelfeld jedoch auch, dass innerhalb des Testes die Fritten sehr unterschiedlicher Qualität waren.

Wer die Kartoffel nicht ehrt, ist die Fritte nicht wert!

Pommesluverin X: „Köstliches Produkt!

Etwas schlechter schnitten Tom’s Fritten in der Kategorie Aussehen ab. Nur 3,3 Pommes für Form und Farbe. Dieses Ergebnis ist ebenfalls der großen Varianz zu zurechnen. Mal gab es sehr krosse, braune Pommeskrümel, mal schöne goldgelbe Frittenstangen.

Ein goldgelber Traum!

Krosse, krümelige Kartoffelreste

Ein hervorragendes Ergebnis erzielten die Fritten mit 4,5 Pommes im Crunch. Eine labbrige Pommes ward von keinem unserer Tester gesichtet!

Auch die Saucen- und Getränkeauswahl wurde mit 4,5 Pommes sehr geschätzt! Probiert wurden von uns Chili-Hot, Indisch Curry, Sambal Hot Mayo, Knoblauch Mayo (sehr empfehlenswert!), holländische Frittensauce (sehr gut!), Kartoffelcreme (die Metaebene unter den Pommessaucen), Grüne Oliven Mayo, Barbecue Mayo, Spezial (leider mit zuwenig Zwiebeln) und Oorlog. Mit anderen Worten: Ein Feuerwerk der Sinne und eine Reise um die Welt der Frittensaucen. Herrlich!

Oorlog – niederländisch für Krieg – bedeutet auf der Fritte Mayo + Zwiebeln + Erdnusssauce!

Große Portion Pommes mit Chili- Hot Sauce

Die Metabebene für Kartoffelfans: Kartoffelcreme

Frites Speciaal -doch nur ein kleiner Zwiebelhauch 😦

Geheimtip: scharfe Mayo

Der Service konnte an diesem Nachmittag leider nicht punkten. Zwar war der Profi-Fritteur vorher informiert, doch ging es ihm nach eigenen Angaben nicht so gut. Der Frittenansturm konnte dementsprechend nicht in der üblichen Geschwindigkeit abgewickelt werden. Das kostete Tom`s Fritten eine Wertung von 3,2 Fritten für den Service. Ich konnte ihm die Verpeiltheit mit seiner Entschuldigung verzeihen, andere gingen härter ins Gericht:

„Uncharmante Bedienung, wirkt teils sehr gestresst!“

„Servierdauer zu lang!“

Prominente Fans vertrauen auf Tom’s Fritten!

Bernhard Hoecker und Ralf Bauer sind ebenfalls Fans der Bude

Das Preis-Leistungsverhältnis liegt mit 3,6 Pommes im Mittelfeld. Eine kleine Portion Pommes kostete 2,00€, eine große 3,00€. Saucen variieren zwischen 30 Cent und 70 Cent.

Besonders positive Erwähnung fanden noch: die „berliner“ Atmosphäre und charmante Lage  (das wurde von einem anderen Tester ebenfalls positiv bewertet jedoch ausgedrückt als „die Nähe zum Straßenstrich„) sowie das nette Publikum.

Pommesluverin Diana im Partnerlook mit Tom’s Maskottchen.

Ein Ambiente indem man gemütlich hitzige Debatten über Pommes führen kann!

Der Fritte auf der Spur – die Crowd.

Negativ fielen auf: „Zu viele Mittehipster„, Touristen und das Nichtvorhandensein eines WCs (das indische Restaurant daneben kann jedoch mit recht attraktiven Pissoirs aufwarten, erzählte sich die männliche Testerschaft am Tisch).

Alles in allem stellt Tom`s Fritten eine solide Pommesstation in Berlin dar. Für die Saucenauswahl und die Atmosphäre lohnt sich ein gelegentlicher Besuch. Die Gesamtwertung lautet: 3,9 Pommes! 

 

Was denkt ihr? Habt ihr andere Erfahrungen mit Tom´s Fritten gemacht? Oder stimmt ihr uns zu? Schreibt es in die Kommentare!

Tom’s Fritten

Oranienburger Str. 43a

10117 Berlin (Mitte)

Öffungszeiten: So-Do 12-1 Uhr, Fr, Sa 12-4 Uhr


Für alle, die jetzt nicht genug der Fritten haben, haben wir noch ein kleines Special über die Beschaffenheit der Pommescrowd vorbereitet:

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Einen ehemaligen Tom´s Fritten Fan konnten wir auch für den Test zurückgewinnen. Bereits vor zehn Jahren war er dort nächtlicher Stammkunde. Er konnte natürlich mit sehr guten Insights aufwarten! Sein Tip: die Sambal Hot Mayo Sauce!

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Unsere Pommescrowd war weiblich dominiert. Leider haben wir zu wenige Informationen über den Frittengeschmack von anders-geschlechtlichen. Wir suchen diesbezüglich weiter und planen ein investigatives Special (evt. in Kooperation mit der Fachschaft für Gender Studies an der HU)…

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Mehrheitliche Pommes-Profis…

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… mit Herz für die Fritte!

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Klarer Favorit: Belgien

Philip im Pommesglück

Mittagszeit – das Ende der Sommerpause – das Ende einer Zeit vollkommen bewertungsloser Hingabe zur frittierten Kartoffel.
Nun jedoch von Oben die Anweisung – ‚get back in the game, content digga, wir brauchen content!‘

Mir war klar – die Frittenbude am Eck würde es diesmal nicht tun. Bis hierhin war mir noch nicht klar, dass ich auf einen kartoffeligen Hochgenuss treffen sollte. Ich ließ den Unikram ruhen und machte mich auf zum Hans im Glück in der Friedrichstrasse. Ja, richtig, Münch’ner Burgerkette – die Skepsis groß, erfahren doch die Pommes in solch Läden meist nicht so viel luv wie der fleischige Gegenpart.
Ich trete ein. Birkenstämme und schmale Bänke, gesprächiges Treiben, Szenemitte trifft auf Businessmitte.

Da ist das Ding - Mittagslunch

Fairer Deal – Mittagslunch im Hans im Glück

Sogleich am Platz, werden wir vom Kellner angewiesen, das Lunch Menu zu nehmen – „it’s just better“. Burger, Pommes, Getränk und Espresso zur Verdauung, zu einem fairen Preis – ich bin angetan.
Nach guten 15 Minuten (bei vollem Haus) kommen die Burger. Die Schale Pommes hat eine gute Größe, die Pommes strahlen mich goldgelb an – could this be it?
Lecker Pommes

Der Burger macht keine sonderlich gute Figur – ok das Ding. Aber die Pommes…
Ich beiße rein. Kross außen, innen mehlig, und mit einem wahnsinnigen Kartoffelaroma. Der Salzungsgrad ist zart, eine Komplementierung zur Kartoffel – so wie es sein sollte. Es stimmt einfach alles – wow, was für eine Fritte.
Zweite, dritte, vierte. Ich greife zur Hausmayo, und in meinem Mund spielt sich ein kartoffeliges Geschmacksinferno ab. Ich entleere die Schale ohne dem Burger groß Beachtung zu schenken. Meine Pommessucht befriedigt, widme ich mich dem Burger – ok, aber keine Überraschung.
Nun da ich diesen Text tippe, ist alles was mir bleibt, die Erinnerung an den ersten Bissen in den Kartoffelstab.
Vielleicht war meine Schale nicht wie jede andere, vielleicht der Sommer zu lang, um den harten Pommesluvbewertungsmaßstab aufrecht zu erhalten.
Fest steht, ich werde wiederkommen, um mich zu vergewissern, dass dies kein Zufall war.
Bis dahin gibt es von mir dafür 4 von 5 zu diesem Zeitpunkt bereits verputzte Fritten und das Gütesiegel – Philip im Pommesglück im Hans in Glück.

Pommesglück im Hans im Glück

Pommesglück im Hans im Glück

Hans im Glück
Mo – So: 11:00 – Ende offen
Friedrichstraße 101
10117 Berlin

Im Schrein der Fritten

Der Brüsseler Sommer gibt sein Bestes- es ist Mitte Juni, 21 Grad und die Wolken scheinen bereits auch im Urlaub zu sein. Die übriggebliebenen grauen Schleier am Himmel sind auch zu faul ihren Regen über der Stadt loszuwerden. Das ist ähnlich mit der Eurokratie der Stadt: Obwohl mal wieder der Grexit ansteht, sind die meisten Räder der Brüsseler Maschine bereits an die französische Riviera oder nach Sylt verschwunden. Die, die geblieben sind haben auch zu nichts mehr Lust. Brüsseler Wolken und Bürokraten haben nicht nur ihre Arbeitszeiten gemeinsam sondern auch die gleiche Farbe: Das Grau des Himmels harmonisiert äußerst gut mit den Anthrazit Tönen der Eurokraten-Anzüge.

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Dies ist die beste Zeit sich an den Schrein der belgischen Frittenkultur anzupirschen: Am Place Jourdan, dort wo sich das EU Sofitel, belgischer Plattenbau und  flämische Gründerzeithäuser Gute Nacht sagen, ist Maison Antoine zu finden. Die Bude existiert seit 1946 und ist unter Brüsselern, Eurobrüsselern, Touristen und auch eigentlich im Rest von Belgien als Epizentrum der belgischen Pommes bekannt. Eine Institution, wie keine andere. Wenn von hier aus zur Lage der Fritte gesprochen wird, horcht das Land auf. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Vorstoß die belgische Pommes zum UNESCO Weltkulturerbe zu erklären vom Place Jourdan kam. Bisher hat dieser Vorstoß innerhalb der Vereinten Nationen wenig Anklang gefunden, jedoch sollte an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt werden, dass Pommesluv hinter dieser Idee steht.

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Nun genug der Lorbeeren- auch diese Fritten müssen erst einmal unseren kritischen Gaumen überzeugen. Als Begleitung habe ich Fernando dabei- mexikanischer Franko-Amerikaner, Polyglott und Pommesexperte für Südamerika. Wir kommen Mittags bei Antoine an und haben das Glück, dass die sich Euroblase gerade über die neuen Papiere von Varoufakis ärgert oder sich in der Sonne räkelt. Auch die Touristen scheinen heute ihre Reiseführer vergessen zu haben. Also sind wir nach geschlagenen 5 Minuten an der Reihe. Zu Stoßzeiten können dies auch mal 40 Minuten werden, ich spreche aus eigener Erfahrung. Der erste Blick auf die Speisetafel setzt bereits Standards: Etwa 15 verschiedene Saucen stehen zur Auswahl. Bei den Fritten gibt es entweder Groß oder Klein( es sei jedoch vermerkt, dass eine kleine Tüte ein Mittagessen und Käse-Sahne-Torte ersetzen). Antoine beeindruckt ebenfalls bei den Beilagen. Klassiker, wie Kroketten oder Kaassouffle sind selbstverständlich. Wir halten uns jedoch an die Spezialität des Hauses: Brochettes– oder auch frittierte Grillspieße. Diese gibt es in jeder erdänklichen Kombination: Für Exilfranzosen ist Provencale nennenswert mit Paprika, Gewürz und Schweinefleisch. Wer einen zu niedrigen Cholesterinspiegel hat, dem sei Ardennaise, im wahrsten Sinne des Wortes, ans Herz gelegt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Bacon und paniertem Schweinefleischwürfeln.

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Wir bestellen Brochette und Pommes, setzen uns in eines der umliegenden Cafés und bestellen helles Bier. Die Pommestüte von Antoine fungiert dabei als VIP-Karte für die Terrassen der umliegenden Kneipen.

Der Preis pro Tüte mit Sauce, liegt bei 2,90€, was für Brüsseler Verhältnisse absolut akzeptabel ist. Bei der Wahl der Sauce besteht die Möglichkeit a apart oder auf den Pommes zu bestellen. Ja, an solchen Feinheiten erkennt man die Klasse einer Bude. Wir rollen unsere Tüten auf und es strahlen uns goldgelbe Fritten an, die in der Farbe nicht zu überbieten sind. Vom ersten bis zum letzten Biss wird deutlich, dass hier Standards gesetzt werden: Die Pommes sind außen krosser, als der Tan nach einem Sonnenbad mit Hawaiian Tropic und innen so kartofellig, wie es eben geht.

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Geschmacklich schmeckt man den Sterne-Fritteur: Die Essenz des ersten Frittierganges ist perfekt erhalten und bildet mit einem satten Kartoffelgeschmack ein wahres Frittenfeuerwerk. Auch unsere Beilagen ergänzen diesen Geschmack perfekt. Bei so viel Lob sei jedoch Folgendes erwähnt: Das Schälchen Sauce reicht bei weitem nicht aus für Beilage und Fritten. Das macht unzufrieden, das gibt Abzug! Deshalb schneidet Antoine mit 4,75 von 5 Fritten ab.

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Maison Antoine

Place Jourdan 1

1040 Etterbeek, Hauptstadtregion Brüssel

Eigentlich immer offen, so bis 23:00

Die Jupperia – Ein kulinarischer Ausflug ins Münsterland

Bereits Wochen im Voraus bereitete mich meine Reisebegleitung auf das versprochene Pommes-Highlight des Münsterlands, die Juppschale, vor.

Er, aufgewachsen im Münsterland und seines Zeichens ebenfalls Frittenliebhaber, konnte mir zwar nicht genau erklären, was sich in einer Juppschale verbarg, doch sehr gute Pommes und Gyros seien Bestandteile. Ich war vorfreudig-gespannt, aber auch kritisch. Die Anreise verzögerte sich durch eingeschlafene Ortskenntnisse meines Locals (wir machten zwischendurch noch auf einem Flugplatz halt, doch das war ein falscher Imbiss, der statt Pommes überwiegend Blechkuchen führte) und den Umzug des Treckeberg Grills von Haltern am See nach Lüdinghausen nun Jupperia.

Angelos Vorgarten ist besonders im Sommer ein netter Ort um nach der Jupp Schale noch auf ein, zwei Bierchen zu bleiben. Stammgäste, Camper und Biker geben sich hier die Klinke in die Hand. Eine lebendige Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Ich hakte noch einmal nach „Pizzeria? Sind wir wirklich richtig hier?“. Bereits etwas entnervt wurde mir versichert, dass Frittenspezialitäten und Pizza sich nicht ausschließen. Ich konterte damit, dass „internationale Spezialitäten“ nie etwas Gutes verheißen würden. Ich riss mich zusammen und betrat das charmant-rustikal eingerichtete Lokal.


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Wir wurden in Windeseile  von der Wirtin (Angelos Frau) begrüßt und mit Speisekarten ausgestattet. Hinter den Salaten verbarg sich der versprochene Insider die Jupp Schale  und die Django Schale. Ich wählte die Jupp Schale also Pommes, Gyros, Krautsahne und Mayo. Meine Begleitung entschied sich für Django mit Chili-sauce und Tzatziki. Als wir die Berge auf den Tellern sahen, war klar der Preis von  4€-4,50€ ist mehr als fair!

  

Nach dem ersten Biss konnte die Euphorie für diese Frittenode nur teilen. Diese Komposition funktioniert wirklich ganz wunderbar: der knuspriger Gyros, das frische aber sahnige Kraut, bissfeste Pommes und viel cremige Mayo. Wenn ich davon schreibe, bekomme ich glatt wieder Appetit.

Die Portion ist riesig und doch möchte man den ganzen Teller leeren. Zugegeben danach setzte ein Gefühl zwischen unendlicher Glückseligkeit und einer ad-hoc Herzverfettung ein. Dies würde mich jedoch nie von noch einer erneuten Portion abhalten! Von der Django Schale wurde ebenfalls in höchsten Tönen geschwärmt. Doch hier sei der Pommesliebhaber gewarnt: Es ist sehr scharf! 

Die Django Schale – ein feuriges Vergnügen!

Mhmmm… Eine Jupp Schale aus nächster Nähe! 


Nach den getanem Werk haben wir noch ein wenig mit der herzlichen Wirtin geplaudert. Eigentlich wollten sie bereits in den Ruhestand gehen, doch Angelo juckt es einfach immer wieder in den Fingern. Deshalb haben sie ihren neuen Laden eröffnet. Wir finden, das ist eine sehr gute Entscheidung. Die Jupp Schalen sollten der Pommeswelt nicht vorenthalten werden!

Unser Urteil: Insgesamt echt stark! Super Atmosphäre und allein die Komposition muss belohnt werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch kaum zu überbieten. Der Pommesexperte muss trotz alledem etwas Abzug für die Industriefritten und -mayo geben. Daher 3 1/2 Pommes für die Jupperia – die Empfehlung dort unbedingt hinzugehen gilt dennoch uneingeschränkt!

Jupperia bei Angelo

17:00-22.00

Leversum 85

58349 Lüdinghausen

Frittin‘ awesome – Curry 36 am Mehringdamm

Ich habe mich gesträubt. Ich habe mich lange geweigert. Curry 36 zu testen war wirklich nicht meine Idee. So ein Lonley-Planet-Stand, wo hunderte von einsamen Touristen ihre Pommes bestellen? Ein Stand, bei dem man Pullover mit „I love Curry 36“-Aufdruck kaufen kann? Nein, danke.

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Im Ernst? Pommes an einem der behaupteten Must-Eat-Spots von Berlin? Ich weiß nicht so recht.

Daneben auch noch die lange Schlange vor Mustafas Döner. Das ruft bei mir doppeltes Unverständnis hervor. Erstens stehe ich weder für Döner noch für Pommes an und schon gar nicht – zweitens – für das behauptete Must-Eat eines mittelklassigen Reiseführers. Nee, is ja lieb gemeint und so, aber, ich esse lieber Pommes Schranke in abgeranztem Buden-Ambiente!

Schließlich landen wir doch dort, weil wir mir einen Pommes-Moustache verpassen wollten und der Mehringdamm den verabredeten Kompromiss zwischen unseren Anfahrtswegen in Berlin darstellt.

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Na gut, einen Versuch ist es wert.

Na gut, ich bestelle mir wie immer Pommes rot-weiß. Alternativ hätte es auch noch Salatmayo gegeben. Für Pommessaucen einerseits ein überschaubares Angebot. Andererseits ja auch mal schön, nur mit schlichten Menükarten konfrontiert zu werden, auch vor dem Hintergrund, dass bei Curry 36 Durchgangsverkehr herrscht. Der Laden ist direkt am U-Bahnhof Mehringdamm gelegen und hier isst, wer vorbei kommt. Einladend oder schön ist es hier nicht, vor den wenigen  Edelstahl-Stehtischen schieben sich Touristenmassen entlang. Auf dem Mehringdamm rauscht der Verkehr vorbei. Die Friteusen-Hitze staut sich unter der roten Markise von Curry 36. Das Pommesessen muss hier schnell gehen, viele Saucen unerwünscht.

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Ein hübsches Schalenelement und Pommes-Pieker an der Seite. Mein Lächeln verrät: Das gibt Pluspunkte!

Curry 36 gibt es zwei Mal in Berlin. Einmal am Mehringdamm, einmal am Bahnhof Zoo. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 40 Mitarbeiter, die die Läden jeden Tag zwischen neun und fünf Uhr morgen offen halten. Hier geht alles „zackizacki“, wie die Verkäuferin mir zuruft. Mehr sagt sie auch nicht. Sie arbeiten im Akkord, jeder Handgriff sitzt. Fritten am laufenden Meter.

Die Pommes werden mir über den Tresen gereicht und dann das: Pommes wie sie sein sollen! Klassisch im Pappschälchen serviert, Pommes-Pieker an den Rand gesteckt. Die kleine Portion für einen Euro, dreißig Cent. Wer will da meckern?

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Die Pommes an sich: Doppelt frittiert, nicht zu viel Paprikasalz. Der Crunch könnte ausgeprägter sein, aber das ist Geschmackssache. Kross sind sie in jedem Fall. Der Ketchup ist nach eigenem Rezept und schmeckt erfrischend, nicht zu süß. Die Mayonnaise matscht nicht in die Pommes. Zugegeben: Wirklich lecker. Meine kritischen Co-Tester Nils und Felicia (hinter der Kamera) waren derselben Ansicht.

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Kritiker-Blicke vor der ersten Fritte

Mit jeder weiteren Fritte, die ich verspeise, muss ich sukzessive meine Vorurteile hinterfragen. Vielleicht ist solche Fließbandarbeit dem Geschmack im Fall von Fastfood zuträglich, denke ich und beiße in die nächste Pommes. Vielleicht bekommt Curry 36 einfach auch soviel Feedback, dass sie die Rezeptur und Herstellung immer weiter optimieren konnten. Auf jeden Fall sind das fünf von fünf Fritten im Test.  Aber, oh je, schon alle aufgegessen. Denkt Euch also einfach fünf:

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