Auf eine isländische Fritte in Tommis Burger Joint

Auf der Suche nach den besten Fritten der Hauptstadt hat es uns an einem nasskalten Februarsonntag nach BerlinMitte verschlagen.

Genauer in den Teil zwischen Rosenthaler Platz, Nordbahnhof und Hauptbahnhof auf die Invalidenstraße. Irgendwie ist das schon seit 10 Jahren eine komische Ecke: früher leer und irgendwie verschlafen, wehte dort der traurige Wind der Grenze durch die Gassen und sie war zumindest gefühlt mehrheitlich  besiedelt durch Ostrentner, die sich von ihrer kleinen Rente fleischige Schlemmerwaren im Angebot des Metzgers der Ackerhalle kauften. Dann kamen etliche Baustellen und die Ecke Berlins war kaum mehr zu erreichen.

  

Es gab allerdings auch keinen Grund dazu. Nun stehen dort einige Luxusbüros, die nach 18.00 Uhr die Gegend wieder leer stehen lassen. In den neuen Urban Loft Living Eigentumswohnungen wohnen Neureiche, die ihre Kinder auf multilinguale Privatschulen schicken und in hippen Restaurants essen. Dort vermischen sie sich mit den alteingessesenen Berlin-Mitte-Gammlern, die mal kamen um sich  selbst zu verwirklichen, nach Jahrzehnten auf mehr oder minder große Erfolge zurückblicken können und ihren Lebensstil vor Ort durch alte Mietverträge und ein geschäftige Airbnbverwaltung derer erhalten. Ihre Mieter frequentieren ebenso die hippen Restaurants. Und so gesellten wir uns zu dieser Mischung dazu um, jaja schon gut, von der Hater- Sozialstudie abzurücken und die Fritten in Tommis Burger Joint auf Herz und Nieren zu testen.

Es handelt sich um eine Filiale einer isländischen Burger-Kette mit einem bärtigen Gründer. Als Testteam habe ich Diana, ihrerseits politischer Pommes Profi und Mitte Jünger J. (Er wünscht nicht namentlich erwähnt zu werden) gewinnen können. Beide sind vom Samstag noch etwas angeschlagen, aber dafür umso hungriger. Wie legen also los mit einer Bestellung, die die halbe Speisekarte umfasst. Burger, Pommes, extra Béarnaise (wow) und extra Chipotle Sauce.  
Die Getränkeauswahl ist ok, ich genehmige mir ein Bier zum späten Nachmittag, die anderen beiden trinken Cola und einen mega mächtigen Milkshake (Alter Schwede – ein ausgewachsenes Dessert. Da hatte sich J. etwas überschätzt. Die Hälfte blieb zurück).

Wir setzten uns an einen Tisch am Fenster und liessen unseren Blick schweifen. Dunkelgrau gestrichene Wände und Decken, alte Fliesen und Holzvertäfelung treffen auf einen leicht gammeligen Studentenlook. Angepinnte Poster mit Fettflecken, Lichterketten und Sticker erinnern an die erste WG-Küche.
  
Und wir stellen begeistert fest: Ein Trivial Pursuit Spiel gibts hier auch. Ernüchterung setzt ein als wir sehen, dass das ne englische Ausgabe ist. Nee, das ist uns jetzt doch zu anstrengend, obwohl wir drei eigentlich keine Gelegenheit auslassen um Recht zu haben und in Spielen zu gewinnen.

Wir werden gerufen und holen unser Essen. Ich stelle mäkelnd fest:“Es gibt hier aber nur Ketchup auf den Tischen und die Mayo ist hier so unprofessionell im Korb gelandet.“
J. gesteht „Das mit der Mayo war ich. Die Mitarbeiter haben mich auch abschätzig abgeschaut. Da hinten ist so eine Saucen-Selbstbedienungsbar.“

   

Meine Augen werden groß, ich gebe die Aufsicht über den Dackel ab und eile zur Saucenstation. Dieser Überfluss – ich bin begeistert und unentschlossen zugleich. Heinz, Knorr, Kühne, Asiasauce, Essiggurken,  Röstzwiebeln.

 Was brauche ich denn für den perfekte Pommesgenuss?

Während ich mir diese riesen Auswahl so betrachtete, dachte ich „eigentlich nur sine gute Mayo und ne gelungene Béarnaise“. Unverricheter Dinge ging ich zurück an den Tisch und verputze meine Fritten mit eben diesen. Die Mayo war allerdings durchschnittlich und in der Béarnaise fehlte irgendwas. Auch die Chipotle Sauce war nicht so, dass ich jetzt sagen würde „mega geil“.


Bei den Pommes handelt es sich nach der Form zu urteilen um dünne Tiefkühlfritten. Die Farbe war gelb knusprig, der Crunch leider ungleich verteilt. Zwar gab es einige Fritten mit Bestnoten jedoch waren andere wabbelig. J. merkte sofort nach dem ersten Bissen an, dass sie nicht salzig genug seien und griff zum Salzstreuer. Ich fand den Salzgrad ok, aber insgesamt waren wir uns einig, dass es sich bei Tommis Fritten um eine Wertung im Mittelfeld handelt.


Daher erhält Tommis Burger Joint 3 von 5 Fritten als Wertung. Geile Aktion mit der Saucenbar. Die Burger in Rosinenbrötchen-Bun waren auch lecker. Gemütliche Atmosphäre, aber die Pommes sind eben nur so lala.
Tommi’s Burger Joint  
Invalidenstr.160

10115 Berlin

Offen von 12:00 bis 22:00

Paris Bar – Die beste Frittenbude Berlins?

Die legendäre Paris Bar ist vor allem für drei Dinge bekannt:

  1. Als „Institution und Treffpunkt der erfolgreichen Kunst- und Filmszene“ mit exzentrischem Künstler-Wirt
  2. Die mal mehr, mal minder prominenten Gäste
  3. Der rau-schnoddrige Ton des Personals

Doch Kenner wissen: Es gibt noch eine vierte Dimension.

     4.  Pommes. Manch einer behauptet, es seien die besten der Stadt.

Das prüfe ich heute gemeinsam mit meiner charmanten Pommes-Test-Assistentin Luna. Als gebürtige Westkids haben wir beide natürlich eine gemeinsame Vergangenheit mit diesem Lokal. Auch wenn die Gäste mehrheitlich aus betuchten Best-Agern bestehen, kann man hier, vielleicht besonders als junger Mensch, sehr unterhaltsame Abende verbringen. Garant für solche Nächte sind kulturelle Ereignisse im Einzugsgebiet (bspw. Berlinale) oder wenn Wirt und Künstler Michel bei guter Laune das gesamte Restaurant bis in die späten Morgenstunden unterhält.

IMG_0231

Den Pommestest führen wir an dem kleinen, „loungigen“ Katzentisch neben den Toiletten durch. Das mag sich erst einmal nicht besonders vorteilhaft anhören, doch der Tisch ist einer meiner Lieblingsplätze. Zwangsläufig kommt jeder Gast wie Mitarbeiter an einem vorbei, man hat einen guten Überblick über das Geschehen und sitzt gemütlich auf der tiefen Ledercouch. Neben uns hängt ein überdimensionales Portrait von Yves Saint Laurent, darüber schmuddelig-ordinäre Mangakunst. In jeder Ecke hängt und steht irgendein skurriles Werk, ist man gefangen in einer langweiligen Konversation, kann man sich damit herrlich die Zeit vertreiben…

11169057_10204353751587153_20705689_n

Wir bestellen also Pommes mit Sauce Béarnaise und Ketchup. Und sie sind tatsächlich vorzüglich. Eine perfekte Salzung, strahlendes goldgelb und ein guter Crunch. Die Holzpiekser verleihen dem ganzen die wahre Pommesatmosphäre. Wir merken sofort: Wir haben es hier mit Profi-Friteuren zu tun. Auffällig ist, dass die Paris Bar ihre französichen Anteile hochhält und dünne Streifenpommes serviert, wie sie normalerweise westlich des Rheins zu finden ist.  Maximilians Geschichte von dem Untergang der französischen Fritte können wir hier ganz und gar nicht bestätigen.

FullSizeRender (10)PommesFullSizeRender (5)

Nun zu den Saucen: Die Sauce Béarnaise ist definitiv die beste Berlins und damit auch den stattlichen Preis von 3,50€ wert! Ein Zaubertrank aus Butter, Weißwein und Estragon. Auch die Konsistenz überzeugt. Ganz groß!!! Dagegen bleibt der Ketchup leider eher durchschnittlich. Zwar tomatig, aber da ist geschmacklich noch Platz nach oben.

PommesBearnaiseKunst1FullSizeRender (8)

Luna

Unser Urteil: Die Paris Bar rangiert ganz sicher unter den besten Frittenbuden Berlins. Der Crunch war gut, aber es geht noch knuspriger. Unsere Empfehlung ist sie daher „extra knusprig“ zu bestellen. In der Sauce Béarnaise könnten wir baden, der Ketchup bleibt nur leider enttäuschend. Daher vergeben wir 4 von 5 Pommes.

FullSizeRender (6)

Paris Bar

Kantstr.152

10623 Berlin

Tel. +49 (30) 313 80 52