Was die Berliner Politik und Fritten gemeinsam haben

Beide sind gerade in aller Munde.

Puh, üble Einleitung. Aber tatsächlich war die Berliner Politik lange nicht mehr so präsent in der bundesweiten Presse wie aktuell.

Zuerst hielten uns die ewig neuen Details und gruseligen Hintergründe des Piratenpolitikers Gerwald Claus-Brunner alias der „seelenlose Stahlbolzen“ von 15-km-Sackkarren-Leichen-Transport über das Ludendorff-Gesellschafts-Camp im elterlichen Vorgarten, in voyeuristisch-schauriger Spannung und Entsetzen. Gleichzeitig regte Jenna Behrends, neugewähltes BVV-Mitglied der CDU im Kreisverband Mitte, mit ihrem offenen Brief eine Debatte über Sexismus in der Politik an. Statt der inhaltlichen Debatte folgten leider aus etlichen Ecken private Beschuldigungen und eidesstattliche Versicherungen.

Wir wenden heute den Blick ab von den Boulevard Themen und nehmen unser politisches Format der Zukunft ins Visier. Vor den Wahlen haben wir uns in der Moabiter Arminiushalle gemeinsam mit drei Kandidaten für das Abgeordnetenhaus getroffen, um ins Gespräch zu kommen und die Fritten vor Ort zu testen.

Für die Ungeduldigen gibt es hier die Snapchataufnahme, unserer Investigativ-Reporterin Lovely Rita:

Wer steckt eigentlich hinter der politischen Fritte?

Mit nur einer Woche Planungshorizont waren wir uns nicht sicher, ob wir am Wahlwochenende überhaupt jemanden für dieses Format gewinnen konnten. Doch es entwickelte sich anders und nachdem wir erst CDU- und Grüne-Kandidaten eingeladen hatten, folgte auf einmal auf Facebook ein Mini-Shitstorm, weshalb die anderen Parteien nicht eingeladen seien.

Plötzlich kam auch die Aluhutfraktion zu Wort und erkundigte sich, welcher Zweck eigentlich hinter der politischen Fritte stecke. Hier noch einmal ganz deutlich: Mit Politikern Fritten zu essen! Nicht ersichtlich war uns auch die Annahme, ein Pommesblog müsse politisch unabhängig sein und dürfe niemanden bevorteilen.

Solange wir nicht von der Bundesregierung finanziert werden (Whatever will be, will be The future’s not ours to see), können wir uns auch als Frittenpresse politisch positionieren. Aus ganz anderen Gründen haben wir uns jedoch dagegen und für die politische Unabhängigkeit entschieden: Auch unser Team ist parteiübergreifend, wir streiten oft darüber, wie die Politik der Zukunft aussehen sollte, und ohne Reibung in der Monokultur-Partei-Suppe ist das doch witzlos. Daher haben wir auch noch die restlichen Kandidaten herzlich eingeladen sich der Frittenverkostung anzuschließen.

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Vor der Arminiusmarkthalle! (Foto: Marc Urbatsch)

Mit dabei waren dann  Marc Urbatsch von Bündnis 90/Die Grünen mit seinem sehr sympathischen und frittenenthusiastischen Wahlkampfteam. Stephan Rauhut von der Linken samt Unterstützung und Florian Nöll von der CDU, der uns mit seinem engagierten und hungrigen Team in der Halle empfing. Trotz der Top-Kandidaten-Besetzung und einer Traube von versammelten Pommesstestern schien unsere Veranstaltung frittentechnisch anfangs unter einem schlechten Stern zu stehen. Bei der urigen Imbissbude „Drei Damen am Grill“ am Ende der Halle waren die Pommes schon ausverkauft. Zum Glück konnten wir auf den Burgerladen Pignut BBQ zurückgreifen.

Dort nahm ein zuvorkommender junger Mann unsere Bestellungen auf und brachte die Pommesportionen anschließend an die Tafel. Mit 4 von 5 möglichen Punkten, vergaben die Pommestester hier Höchstpunkte für Freundlichkeit, Kompetenz & Charme! Vielleicht hatte das auch etwas mit seiner Wirkung auf die Frauenwelt zu tun. Unter dem Punkt, das gefällt dir, wurde der „Der sehr nette Pommes-Macher, der sie auch gebracht hat“ noch einmal extra erwähnt.

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Wo ist die Tagesordnung?

Während ich die hand-made Pommes-Namensschilder verteilte, war noch Aufklärung zu dem Format nötig, – gibt es jetzt noch formelle Redeteile? Eine moderierte Diskussion? Tagesordnung? Ich kräuselte meine Stirn und tat meiner Verwunderung über diesen formalisierten Zwang bei allem, was das Wort politisch im Titel trägt, kund, kam dann aber final doch dem mehrmals geäußerten Wunsch einer Ansprache nach. Ablauf war also  Pommes essen, bewerten und dabei die Kandidaten kennenlernen und ihnen die Fragen stellen, die man schon immer einmal stellen wollte.

„Mich nervt diese Erwartungshaltung, man müsste das Pommes essen moderieren.“

Pommestester

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Nöll hängt Plakate an der Turmstraße gegenüber von der Quelle (Kneipe mit starker Jukebox) (Foto: Florian Nöll)

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Das Plakat gibt es übrigens auch noch einmal in einer künstlerischen Nacktversion hier (Foto: Stephan Rauhut)

 

 

 

 

 

Spielen statt Dealen

Ich setzte mich mit meinem Weißbier (es gab eine große Bierauswahl bei Pignut) in eine Ecke bei Nöll und Urbschat und schnitt das Thema kleiner Tiergarten an. Denn dort sieht man, ob bei Tage oder Nacht die dubiosesten Gestalten. Nöll warb mit dem eingängigen Vers „spielen statt dealen“ für mehr Sicherheit im kleinen Tiergarten. Das brachte mich gleich dazu Urbatsch zu fragen, ob die grüne Lösung für den Schmuddelpark die gleiche sei wie im Görlitzer Park, man also lästige Dealer und Konsumenten durch die kontrollierte staatliche Abgabe von Cannabis vertreiben wolle. Er wehrte lächelnd ab und erklärte, dass dort schlicht Polizei von Nöten sei. Nöll warf ein, man müsste doch nur das Grillverbot aufheben, denn da wo viele Leute sind, werden kriminelle Machenschaften gleich ungemütlicher. Das klang zumindest für den Sommer plausibel. Nöll und Urbschat sprachen weiter über Detailfragen und zum Ende des Wahlkampf war ich fast überrascht von der schwarz-grünen Harmonie am Tisch.

Hier die Ergebnisse unseres Kummerkastens: „Was nervt dich richtig an Berliner Politik“:

„Bürokratisierung, überladene Ämter, lange Wartezeiten, Marijuhana ist leider immer noch illegal, HOMOS Dürfen nicht heiraten!!!!!“

„Die vielen AfD-Wähler“

„Schönefeld“

„Viele Berufspolitiker, deren Karriere in der BVV angefangen hat“

„Die Fritte ist der Kleber, der dit janze hier zusammenhält, ihr muss mehr Andacht geschenkt werden.“

Durch die letzten Wochen auf der Straße hatten auch die Wahlkämpfer um uns herum interessante Einwürfe und komische Geschichten zu dem Kiezgeschehen beizutragen. Während die Grünen von unangenehmen „Ey ihr Pädos“-Anfeindungen berichteten, behauptete das CDU-Team keine größeren negativen Erfahrungen der Art gemacht zu haben. Das könnte allerdings auch mit Nölls Wahlkampf zu tun haben, der sich grafisch als auch konzeptionell deutlich von dem Nilpferdgetragenem Wahlkampf der Berliner Mutterpartei abhob. Mit klaren Botschaften, Selbstverteidigungskursen und türkischen Plakaten stellte er sich auf die Moabiter Wähler ein. Auch auf Snapchat sei er aktiv gewesen, aber das habe sich langfristig nicht als richtiges Medium herausgestellt.

Empfehlung einer Testers: Das Schremser Bier von „Habe die Ehre“

Zur Fritte: 

Endlich kommen unsere Fritten, in den Händen der sympathischen Bedienung. Klares Downside des Ladens: Die Saucenauswahl. Mayo und Ketchup. Wenn die beiden nicht top sind, reicht das heutzutage einfach nicht mehr. Auch kritisch angemerkt hat ein Tester die Menge der Mayo, die einfach nicht ausreichend war. Daher gab es von der Crowd wohl auch nur 2,6 Punkte für die Saucenauswahl.

In den roten Plastikkörben liegen mitteldicke, goldgelbe Pommes. Genau so sollten sie aussehen. Kein Kräuter-Firlefanz, nicht zu dunkel, nicht zu hell. Es ging ganz offensichtlich nicht nur mir so, das Äußere der Fritte gefiel mit fast vier Frittenpunkten.

Nur ein Tester urteilte negativ über die Aufmachung der Fritten:

„Das Plastikpommesservice hat enttäuscht“

Ob dieses Urteil aus ästhetischen oder ökologischen Gründen entstanden ist, wir wissen es leider nicht.

Der erste Biss in die Pommes offenbarte gleich den richtigen Pommescrunch. Aussen hart und kräftig, innen zart, so muss eine gute Pommes beschaffen sein. Hier machte sich allerdings auch ein weit verbreitetes Problem bemerkbar. Der unterschiedliche Crunch je nach Portion. Ich aß aus unterschiedlichen Schälchen und hatte nicht immer Glück. Mal war auch eine Wabbel-Fritte dabei. Mit einer Wertung von 3,67 ist ein gutes Ergebnis erzielt.

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Und hier liegt der Hase im Pfeffer oder der Hund begraben, der Geschmack der Pommes. Sehr unterschiedlicher Salzgrad, nach nichts schmeckend, pappig. Es eröffneten sich schlicht keine neuen Geschmackswelten.

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Unausweichlich ist somit eine Gesamtwertung von 2,78 Fritten von möglichen 5.

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Woran hat es gelegen?

Wahrscheinlich an der Mittelmässigkeit der Fritten. Schlecht waren se nicht, aber da ist noch Luft nach oben! Mit 3 Euro pro Portion waren es nun auch nicht die günstigsten Pommes. Nichtsdestotrotz empfehlen wir einen Besuch in der Markthalle! Die ist schön und dort gibt es ja mehr als nur einen Frittenstand. Wir haben von einem Geheimtip gehört, den Fritten am Fischstand!

Wir danken an dieser Stelle noch einmal Florian Nöll und seinem Team für nette Atmosphäre und Marc Urbatsch samt Team für die Fritteneuphorie und Stephan Rauhut und Verstärkung fürs Mitmachen und Rita Antwort und Rede stehen!

 

Arminiusmarkthalle 

08:00 bis 22:00 geöffnet

Arminiusstraße 2-4

10551 Berlin

 

Wer ist nun ins Abgeordnetenhaus eingezogen?

Abschließend wollen wir Euch die Wahlergebnisse für Moabit nicht vorenthalten:

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Wir gratulieren Marc Urbatsch zum Einzug in das Abgeordnetenhaus!

Ein bisschen gruselig ist, dass die AfD-Kandidatin auch ohne großartig sichtbaren Wahlkampf 8,4% erreicht hat.

 

Hier noch als extra Schmankerl etwas Hintergrundinformation zu unseren Testern:

2/3 waren schon einmal in der Arminiusmarkthalle. Ich gehöre zu dem 1/3, das noch nie hier war. Fazit: Charmante Halle. Ein Besuch lohnt sich!

Bildschirmfoto 2016-10-06 um 17.48.11.pngGanz offensichtlich handelte es sich mehrheitlich um politisierte Gelegenheitspommesesser: „BEILAGE“- Könnt ihr es glauben?!?

Bildschirmfoto 2016-10-06 um 18.24.05.pngBildschirmfoto 2016-10-06 um 18.24.11.pngBildschirmfoto 2016-10-06 um 18.23.59.pngBildschirmfoto 2016-10-06 um 18.23.43.pngBildschirmfoto 2016-10-06 um 18.23.37.png

Die politische Fritte

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Wir freuen uns euch mitteilen zu können, dass wir am Freitag dem 16.09.2016 zu einem Abgeordnetenhauswahlen-Special laden. Gemeinsam mit den Kandidaten Florian Noell (CDU) und Marc Urbatsch (Bündnis90/Die Grünen) treffen wir uns in der Arminiusmarkthalle – Markthalle Moabit auf ne Portion Pommes!

Hier zum Facebook Event.

Wir freuen uns schon riesig!

P.S. Sonntag Wahlen nicht verschlafen!

 

Gentri-Schnipo-Stammtisch im Beuster

Zugegeben, unser Schnipo-Special im Beuster ist schon länger her. Die Verzögerung hat folgende Gründe:

  1. die Lichtverhältnisse sind in dem Laden so schrecklich, dass jedes Foto nach Sonnenuntergang eine Zumutung ist (meine Instagram-Recherche bewies das).Deshalb haben wir nun improvisiert mit der Darstellung des Testerlebnisses…
  2. die Fritten waren einfach nicht so geil.

Der Beuster (oder auch die Beuster Bar) wurde seit Eröffnung als DER neue gepflegte Ort für Essen, Treffen und überkandidelte Drinks in Neukölln, genauer Weserstraße gehandelt („The place to Be(uster) in Berlin„).

Auch die Kunde von den guten Pommes wurde weit über die Grenze des Kottbusser Tors in die Reststadt getragen. Per Abstimmung auf unsere Seite wurde es zur Schnipo-Special-Stammtisch-Location gekürt. Und so versammelte sich die Pommescrowd zum gesetzten Dîner an einer langen Tafel. Die Mehrzahl unserer Tester ist (wie ich) das erste Mal hier. Von zirka 15 Gästen, nehmen neun als aktive Pommestester an unserer Verköstigung teil. Die Nachzügler saßen an einer kleinen Tischecke bei sich gegenseitig auf dem Schoß. Der Laden brechend voll. Die Mitarbeiter etwas ratlos. 

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So ungefähr sah es an unserer Tafel aus

Um uns herum ist Trubel. Ich habe das Gefühl der Laden ist besonders beliebt für „Mädelsabende“ von coolen Girls, die es sich in Neukölln jetzt auch mal gut gehen lassen. Toll, jetzt muss man für teures Essen und Heititei-Drinks nicht mal mehr nach Mitte fahren.

In meiner schwarzen Lederleggings, geschmückt mit einem opulenten Fellkragen und Dackelwelpen, hielten mich einige der Rennrad-Damen für einen Teil ihrer nicht assimilierten Peergroup, vor der sie vor zwei Jahren aus Städten wie Düsseldorf oder München geflohen sind. Dieser lächerliche Trugschluss manifestierte sich in tödlichen Blicken. Ich ignorierte dies in der Gewissheit, dass es sich hier um nasenberingte Kidz in prekären Arbeitsverhältnissen mit gutem Draht zu Mami und Papi, welche die kostspielige Lifestyle-Zeche noch weit in die 30er zahlen, handelt und ihre spießige Piefigkeit in ihrem Erbgut bestimmt seit drei Generationen Kirche, Küche, Eigenheim tief verwurzelt ist (aka #richkidsofneukoelln).

Die Fritte & die Sauce

Wir bestellen kollektiv Schnipo und sind überrascht, dass alle Teller ziemlich zeitgleich kommen. Nun mal inhaltlich zur Fritte: Der Geschmack, also Frische, Salzgrad und Intensität, wurden eher mittelmässig bewertet: 2,78 Fritten von 5 möglichen. Es handelte sich um dünne Fritten französischer Art aus frischer Kartoffel. Ich probierte etwas herum auf den Tellern meiner Mittester und muss sagen, dass die Qualität sehr schwankte. Von dem perfekten Crunch über wabbelige Pommes bis hin zu verkohlten Ecken war alles dabei. Anlass zum Tratsch gab auch die Form immer wieder. Bei jedem Tester versteckten sich unter einem Pommeshaufen zwei halbe frittierte Kartoffeln (wohl die Endstücke). Gleichzeitig hatte man auch oft so krümmelige Mini-Fritten auf dem Teller.

 

Die förmliche Frittenvielfalt. 

Insgesamt machte das einen unausgewogenen Eindruck. Deshalb schnitt wohl das Aussehen mit 2,78 Punkten auch nur im Mittelfeld ab. Der Crunch wurde mit 3,0 Pommes etwas höher bewertet. Die Knoblauch-Mayo war zwar sehr lecker, aber die Portion hätte noch ein wenig größer sein können.  Auch wurde grundsätzlich eine größere Saucenauswahl um die Pommes herum vermisst.

Traurige Mayoflasche als Symbol für kleine Saucenauswahl. 

 Das Schnitzel

Das Schnitzel konnte eine 3,0 auf der Bewertungsskala erreichen. Es war hoffentlich Kalb, dünn und RIESIG. Kaum ein Tester am Tisch hat sowohl Pommes als auch den riesen Fladen Schnitzel ganz geschafft. Kritik musste das Schnitzel einstecken, weil es für manche Tester zu trocken war und die Panade zu dominant.

Der Laden & das Personal

Die Bewertung des Ambientes sorgte für Zwiespalt im Testerstab. Manche erwähnten sie positiv : „Tolle Kerzen“, „Schönes Lokal“, „Atmo ist ein Pluspunkt“. Andere sahen klare Minuspunkte: „schlechte Lichtsituation“, „zu fancy Hipster überladen“. Oder „Es ist kein Zusatztisch möglich, die Teller sind nicht vorgewärmt und die Musik zu peppig für Restaurant.“Zu peppig – vernichtend- hehe ;).

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Meine künstlerische Verarbeitung des Beusters: Zu dunkel für Fotos und grüne Fliesen. 

 

Gemütlich isses!

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Die Bedienung war höflich und bemüht. Man hatte nicht wirklich den Eindruck, dass dort alles unter Kontrolle ist, aber es war ok. Für Kompetenz, Charme und Schnelligkeit erhielten sie eine Bewertung von 3,11.

Die Kellnerin ist ne süße Maus!

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Der vermutlich sensibelste Teil des Tests war das Preis-Leistungs-Verhältnis. 
Dies wurde am schlechtesten bewertet mit 2,54 Pommes. Auch wenn wir einen lustigen Abend hatten, waren wir uns doch alle einig, mit dem nächsten Stammtisch wieder in eine Bude zu gehen. In Anbetracht des Preises waren die Fritten nicht der Oberkracher und das wahre vereinigende Potenzial einer Portion Pommes kann sich doch nur an einer charmanten Imbissbude voll entfalten.

Wenn Edeka gut und günstig ist, dann ist Beuster schlecht und teuer!

anonymer Pommestester

Fazit

Wer seine Eltern aus Westdeutschland zu Besuch hat und ihnen mal zeigen will, dass Berlin Neukölln „echt nicht mehr nur Rütli-Schule ist“, der kann auf ihre Kosten bestimmt einen netten Abend im Beuster haben. Pommesmässig hat das leider keine neuen Standards gesetzt. Die Gesamtbewertung liegt bei 2,78 Pommes von möglichen 5. Wer weiß, vielleicht hatten sie auch nur einen schlechten Tag. Schreibt uns doch wenn ihr ganz andere Erfahrungen gemacht habt!


Beuster Bar

Weserstraße 32

12045 Berlin

Wir danken dem Beuster, allen Pommestestern und Annabel für den kreativen Einsatz und bereiten nun die Frühlingsedition des Stammtischs vor. Dann wieder ganz klassisch wie Horst Schimanski Fritten genießen würde, mit einem fuseligen Bier und ehrlichen Leuten an einem kleinen Imbissbüdchen.

 

Auf eine isländische Fritte in Tommis Burger Joint

Auf der Suche nach den besten Fritten der Hauptstadt hat es uns an einem nasskalten Februarsonntag nach BerlinMitte verschlagen.

Genauer in den Teil zwischen Rosenthaler Platz, Nordbahnhof und Hauptbahnhof auf die Invalidenstraße. Irgendwie ist das schon seit 10 Jahren eine komische Ecke: früher leer und irgendwie verschlafen, wehte dort der traurige Wind der Grenze durch die Gassen und sie war zumindest gefühlt mehrheitlich  besiedelt durch Ostrentner, die sich von ihrer kleinen Rente fleischige Schlemmerwaren im Angebot des Metzgers der Ackerhalle kauften. Dann kamen etliche Baustellen und die Ecke Berlins war kaum mehr zu erreichen.

  

Es gab allerdings auch keinen Grund dazu. Nun stehen dort einige Luxusbüros, die nach 18.00 Uhr die Gegend wieder leer stehen lassen. In den neuen Urban Loft Living Eigentumswohnungen wohnen Neureiche, die ihre Kinder auf multilinguale Privatschulen schicken und in hippen Restaurants essen. Dort vermischen sie sich mit den alteingessesenen Berlin-Mitte-Gammlern, die mal kamen um sich  selbst zu verwirklichen, nach Jahrzehnten auf mehr oder minder große Erfolge zurückblicken können und ihren Lebensstil vor Ort durch alte Mietverträge und ein geschäftige Airbnbverwaltung derer erhalten. Ihre Mieter frequentieren ebenso die hippen Restaurants. Und so gesellten wir uns zu dieser Mischung dazu um, jaja schon gut, von der Hater- Sozialstudie abzurücken und die Fritten in Tommis Burger Joint auf Herz und Nieren zu testen.

Es handelt sich um eine Filiale einer isländischen Burger-Kette mit einem bärtigen Gründer. Als Testteam habe ich Diana, ihrerseits politischer Pommes Profi und Mitte Jünger J. (Er wünscht nicht namentlich erwähnt zu werden) gewinnen können. Beide sind vom Samstag noch etwas angeschlagen, aber dafür umso hungriger. Wie legen also los mit einer Bestellung, die die halbe Speisekarte umfasst. Burger, Pommes, extra Béarnaise (wow) und extra Chipotle Sauce.  
Die Getränkeauswahl ist ok, ich genehmige mir ein Bier zum späten Nachmittag, die anderen beiden trinken Cola und einen mega mächtigen Milkshake (Alter Schwede – ein ausgewachsenes Dessert. Da hatte sich J. etwas überschätzt. Die Hälfte blieb zurück).

Wir setzten uns an einen Tisch am Fenster und liessen unseren Blick schweifen. Dunkelgrau gestrichene Wände und Decken, alte Fliesen und Holzvertäfelung treffen auf einen leicht gammeligen Studentenlook. Angepinnte Poster mit Fettflecken, Lichterketten und Sticker erinnern an die erste WG-Küche.
  
Und wir stellen begeistert fest: Ein Trivial Pursuit Spiel gibts hier auch. Ernüchterung setzt ein als wir sehen, dass das ne englische Ausgabe ist. Nee, das ist uns jetzt doch zu anstrengend, obwohl wir drei eigentlich keine Gelegenheit auslassen um Recht zu haben und in Spielen zu gewinnen.

Wir werden gerufen und holen unser Essen. Ich stelle mäkelnd fest:“Es gibt hier aber nur Ketchup auf den Tischen und die Mayo ist hier so unprofessionell im Korb gelandet.“
J. gesteht „Das mit der Mayo war ich. Die Mitarbeiter haben mich auch abschätzig abgeschaut. Da hinten ist so eine Saucen-Selbstbedienungsbar.“

   

Meine Augen werden groß, ich gebe die Aufsicht über den Dackel ab und eile zur Saucenstation. Dieser Überfluss – ich bin begeistert und unentschlossen zugleich. Heinz, Knorr, Kühne, Asiasauce, Essiggurken,  Röstzwiebeln.

 Was brauche ich denn für den perfekte Pommesgenuss?

Während ich mir diese riesen Auswahl so betrachtete, dachte ich „eigentlich nur sine gute Mayo und ne gelungene Béarnaise“. Unverricheter Dinge ging ich zurück an den Tisch und verputze meine Fritten mit eben diesen. Die Mayo war allerdings durchschnittlich und in der Béarnaise fehlte irgendwas. Auch die Chipotle Sauce war nicht so, dass ich jetzt sagen würde „mega geil“.


Bei den Pommes handelt es sich nach der Form zu urteilen um dünne Tiefkühlfritten. Die Farbe war gelb knusprig, der Crunch leider ungleich verteilt. Zwar gab es einige Fritten mit Bestnoten jedoch waren andere wabbelig. J. merkte sofort nach dem ersten Bissen an, dass sie nicht salzig genug seien und griff zum Salzstreuer. Ich fand den Salzgrad ok, aber insgesamt waren wir uns einig, dass es sich bei Tommis Fritten um eine Wertung im Mittelfeld handelt.


Daher erhält Tommis Burger Joint 3 von 5 Fritten als Wertung. Geile Aktion mit der Saucenbar. Die Burger in Rosinenbrötchen-Bun waren auch lecker. Gemütliche Atmosphäre, aber die Pommes sind eben nur so lala.
Tommi’s Burger Joint  
Invalidenstr.160

10115 Berlin

Offen von 12:00 bis 22:00

Im Grunewald ist Pommes Auktion

Zugegeben ein ziemlich hanebüchener Griff der Überschrift nach dem Gassenhauer Im Grunewald ist Holzauktion Der Leser möge Gnade walten lassen. Wir hatten eine lange Pommes-Berichterstattungs-Abstinenz und müssen uns wohl erst einmal wieder in den frittig-fettigen Jargon reinfinden.

Ich hatte jüngst einen schweren Anfall von Prokrastination (die Klausuren nahen und andere Deadlines sitzen mir auch im Nacken) und so entschied ich mich schlechten Gewissens für einen Tagesausflug zum Grunewaldsee. Den Dackel unter den Arm geklemmt, stieg ich in den Bus und fuhr vorbei an schönen Stadtvillen und teuren 1960er Jahre Bunkern zum Roseneck. Diesem verschlafenen Seniorenidyll mit hervorragendem Tortenangebot kann ich einiges abgewinnen. Früher gab es dort direkt am Platz auch so eine Luxus-Bude, die Currywurst, Scampi und Schampus vereinen wollte. Das konnte sich wohl selbst im goldensten Westen nicht durchsetzen. So blieben die Luxus-Preise der Bude, aber die Pommes können mich bis heute nicht überzeugen.

Viel besser ist es direkt eine Bude am Grunewaldsee aufzusuchen. In meinen Kindertagen gab es immer urige Buden direkt am Hundestrand, die für 50 Pfennige Tee und Kaffee, für eine Mark runzelige Bratwurst anboten und stets schlecht gelaunt waren. Ob der Euro oder der Wandel zur Service Mentalität die Ursache ihres Verschwindens waren, lässt sich heute wohl nicht mehr zurückverfolgen.

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Die gepflegte Pommeshütte

Deshalb war ich natürlich misstrauisch als ich das gepflegte Holzhäuschen mit Pommesangebot vor dem Jagdhaus Paulsborn erspähte. Das gute alte Verschlafene sucht man in Berlin zunehmend vergebens.

Neben der Pommeshütte steht auch noch eine weitere Hütte, die Delikatess-Hundefutter verscherbelt. Als Berliner „kricht man da natürlich nen Föhn“ und fragt sich, ob das nun endgültig München ist. Aber kein Hund trug MCM oder Moncler.

Ein trüber Januartag – zum Glück gibt es Pommes!

Genug des Hates – das Jagdhaus ist wirklich ein schönes Restaurant und auch der Hof ist gepflegter als in den guten alten Zeiten.

Ich bestellte einmal Pommes mit Bratwurst, während mein Dackel Frieda damit beschäftigt war drei Terrier gleichzeitig zu belästigen. Im Rückblick (auch in Anbetracht der Preistafeln) kann ich mir nicht erklären, weshalb ich für eine Pommes, eine Bratwurst und einen Kaffee zusammen nur fünf Euro gezahlt habe. Es war jedenfalls ein Schnäppchen und das Service Personal war nett.

Sehr positiv fiel mir auch auf, dass Ketchup und Mayo zur freien Verfügung angeboten werden. Diese Eine-Sauce-kostet 50-Cent-Politik nervt mich ohnehin. Ich habe einfach eine Schwäche für Mayo und deckte mich dementsprechend großzügig ein.

Welch hervorragendes Pommesgelb!

Die Pommes machten schon rein äußerlich viel her. Ein perfektes Frittengelb, ein guter Salzgrad und eine gleichmäßige Form. Der Kenner weiß dementsprechend sofort: es handelt sich um Industriefritten. Das muss allerdings nichts schlechtes sein. Eine gute, knackige Industriefritte kann 1000 mal besser sein, als eine wabbelige Ökofritte. Und so war es dann auch. Die Pommes konnten geschmacklich überzeugen. Der kartoffelige Geschmack mischte sich mit frischem Fett und einer knusprig-crunchigen Konsistenz.

Der Ketchup schmeckte klassisch nach Heinz. Bei der Mayo handelte es sich um eine Mischung aus der bewährten Schwimmbad-Mayonnaise und McDonalds-Mayo. Ein Mix, der mir persönlich sehr gut mundet.

Mayo – doppelt hält besser!

Hier muss ich noch ein paar Worte zu der Bratwurst verlieren. Die war wirklich gut gewürzt. Ein feiner Kümmelgeschmack durchzog die knusprige Wurst. Das war der perfekte Begleiter zur Portion Pommes!

Auch die Wurstqualität überzeugt- hier der Kümmel in Nahaufnahme

 

Salzige Pommes – ein Traum

Dünne Beine zum Beweis, dass ich trotz der Pommesliebe nicht dick bin

Unser Urteil: 3 1/2 von 5 Fritten. Ich empfehle die Bude. Selbst als nörgeliger Berliner kann ich mich diesen Pommes nicht entziehen. Was nun noch fehlt sind nasty Extrasaucen (die auch einen extra Preisaufschlag rechtfertigen) und noch frische Pommes als Zusatzangebot.

Unser Urteil: Geile Fritten

 

Der ultimative „Kann ich Pommes in dem Irish Pub um die Ecke essen?“ Test

Es war einmal ein verkaterter Samstag Mittag, Stefan aka DJ Frank Freshness kündigte sich in Charlottenburg als Pommestester Assistant an und weigerte sich diese eine berüchtigte Taxifahrer-Wurstbude zu testen, die ich schon seit langem auf der Agenda habe.

Seine langjährige Arbeit im White Trash mache aus ihm einen Pommes-Burgerexperten, deshalb sollten wir nach einem Burger Ausschau halten. Natürlich habe ich die Burgerbuden in meinem direkten Umfeld schon abgegrast, er schlug vor das Experiment zu wagen und Pommes bei dem Irish Pub um die Ecke zu essen. Ich bin kritisch, aber auch verdammt hungrig. Wir setzten uns in den Vorgarten des Irish Harp (wie könnte der Schuppen auch anders heißen?).

Wir sitzen relativ einsam in der Herbstsonne, nur zwei andere Gäste warten ebenfalls auf das Mittagsmenü. Stefan und ich fachsimpeln über die beste Zeit um Essen zu gehen. Ich denke, jetzt dürfte in der Küche nicht so viel los sein, unser Burger und Pommes also besondere Aufmerksamkeit des Kochs genießen. Der Gastroprofi Stefan ernüchtert mich mit seinen Ausführungen wie es in Burger-Küchen zugeht. Bestellungen über den Tag nerven eher das Küchenpersonal, da sie bereits alles für den Abend schnippeln und vorbereiten wollen. Daher gäbe es das beste Essen, wenn die Küche abends auf Hochtouren läuft und jeder seine gekonnte Routine abspielt. Klingt plausibel.

Stefan spielt den Vorfall nach – immer noch traumatisiert vom Food-Blog-Horror

In der Vergangenheit hat Stefan eher schlechte Erfahrungen mit Bloggern gemacht. Nach einem geschäftigen Abend und mit dem Service unzufriedenen internetaffinen Gästen, brach ein regelrechter Shitstorm über ihn hinein. Seine Geschichte erinnert mich ein wenig an diese mega gelungene letzte Southparkfolge zum Thema Yelping.  Er versichert mir, dass dies sein einziges Food-Blog-Gastspiel wird. Ich fühle mich geehrt.

Wir bestellen einen Cheese-Burger, einen Gravy Roasted Burger, Pommes und viel Cola. Die Bedienung ist freundlich. Wir beginnen ein tiefgründiges Gespräch über Pommes. Was versteht Stefan unter der perfekten Fritte? Gleichmässig geschnitten und kross sollen sie sein. Er lässt sich auch zu einem überraschenden Geständnis zu Tiefkühlfritten hinreissen (schaut euch das Video an):

Endlich kommen unsere Fritten und Burger. Das Küchenpersonal scheint doch hauptsächlich am Vorbereiten für den Abend gewesen zu sein 😉

Die Portion ist ordentlich und die Pommes leuchten goldgelb. Die Optik ist schon mal spitze. Der Ketchup ist klassisch von Heinz, das erschmecken wir beide gleichzeitig.

Doch wir vermissen Mayo und bestellen diese nach. Die Bedienung bringt eine Sauce und fügt hinzu „nicht wundern wegen der Farbe. Die Mayo ist selbstgemacht.“. Wir werfen einen Blick auf den Saucentopf und erschaudern tatsächlich.

Was ist das? Die sonst weiß-creme-gelbliche Farbe der Mayonnaise wurde hier mit einem stechenden Kurkuma-Senfton vertauscht. Auch der Geschmack ist so gar nicht Mayonnaisig und ähnelt ebenfalls keiner mir bekannten Pommessauce.

Nun ja zurück zu den Pommes. Wir sind uns beide einig, dass wir stark nach salzen müssen. Stefan hebt den natürlichen Geschmack der Pommes hervor. Ich finde sie zu hart und irgendwie einfach fad. Der Burger ist auch nur so lala und so wird die anfängliche Freude über die Portion zum Fluch. Ich schaffe es kaum, Stefan verputzt seinen Teller und schmiert sich noch einmal extra viel von der gelben Mayo ins Gesicht für das Foto:

Unsere Wertung: 2 1/2 von 5 Pommes! Naja also man kann schon im Irish Pub um die Ecke Fritten essen. Aber so ein richtiges Feuerwerk der Sinne war es nicht. Höchstens diese quitschgelbe „Mayo“ – aber auch eher im negativen „mir-fällt-in-Kreuzberg-ein-Böller-auf-den-Kopf“-Sinn. Stefan hat sich dennoch als super Test Begleitung erwiesen. Wir kommen bestimmt noch einmal auf seine Expertise zurück!

The Harp

Giesebrechtstraße 15

10629 Berlin

Kollektive Meinungsfindung an Tom’s Fritten oder der erste Berliner Pommesluvstammtisch

Für den ersten Berliner Pommesluvstammtisch luden wir an einem sonnigen Spätsommer Samstag (seit der neuen Staffel Schwiegertochter gesucht bin ich süchtig nach Alliterationen)  zu einem denkwürdigen Ort: Tom´s Fritten an der Oranienburger Straße. In Berlin Mitte, genauer zwischen Tacheles, Synagoge und Straßenstrich liegt hier ein Kleinod der hauptstädtischen Pommesszene.

Hintergrund des Treffens war ein im Sommer entbrannter Streit im Pommesluv Team über Tom’s Kartoffelkunst. Nikolas, ein externer Tester, bewertete sie mit ganzen 4 1/2 Pommes, die eine Hälfte der Korrespondenten protestierte und behauptete es seien die schlechtesten Pommes überhaupt. Die andere Hälfte betonte den kultigen Charakter der Traditionsbude und die Frische der Kartoffeln. Ratlos vereinbarten wir diesen Fall vorerst auf die Bank zu schieben und zu einem späteren Zeitpunkt zu Tom zurückzukehren.

Kommt Zeit, kommt Rat: Warum nicht die Pommescrowd zum Testen einladen und online geheim abstimmen? Idee für gut befunden, Pommesluver eingeladen, online Questionnaire aufgesetzt, Tischwipfel gebastelt, Dackelwelpen eingesteckt – Los ging das kulinarische Abenteuer!

Dackelwelpe und Tischwipfel – Wer kann da dem Pommestest widerstehen?

Um den traditionsreichen Food-Truck herum befindet sich mittlerweile eine kleine Garten- und Pavillionlandschaft, die uns zum gemütlichen Verzehr einlud. Nach und nach trudelten unsere Pommestester (n=13 + zwei, die sich der online Abstimmung entzogen haben) ein und bestellten unterschiedlichste Frittenvarianten à la carte.

Pommesluverin Marlene und die Qual der Wahl der Pommessauce

Nun endlich zu der FRITTE und den Ergebnissen der Abstimmung:

Der Geschmack der Fritte (also Intensität, Frische und Salzgrad) wurde von der Crowd mit 3,6 Pommes (auf einer Skala von 1 sehr schlecht und 5 sehr gut) bewertet. Die Fritten wurden aus frischen Kartoffeln gemacht, das war sofort ersichtlich. Doch zwei Pommesluver wiesen darauf hin, dass das Frittierfett noch etwas frischer sein könnte. Grundsätzlich gilt bei diesem Ergebnis im guten Mittelfeld jedoch auch, dass innerhalb des Testes die Fritten sehr unterschiedlicher Qualität waren.

Wer die Kartoffel nicht ehrt, ist die Fritte nicht wert!

Pommesluverin X: „Köstliches Produkt!

Etwas schlechter schnitten Tom’s Fritten in der Kategorie Aussehen ab. Nur 3,3 Pommes für Form und Farbe. Dieses Ergebnis ist ebenfalls der großen Varianz zu zurechnen. Mal gab es sehr krosse, braune Pommeskrümel, mal schöne goldgelbe Frittenstangen.

Ein goldgelber Traum!

Krosse, krümelige Kartoffelreste

Ein hervorragendes Ergebnis erzielten die Fritten mit 4,5 Pommes im Crunch. Eine labbrige Pommes ward von keinem unserer Tester gesichtet!

Auch die Saucen- und Getränkeauswahl wurde mit 4,5 Pommes sehr geschätzt! Probiert wurden von uns Chili-Hot, Indisch Curry, Sambal Hot Mayo, Knoblauch Mayo (sehr empfehlenswert!), holländische Frittensauce (sehr gut!), Kartoffelcreme (die Metaebene unter den Pommessaucen), Grüne Oliven Mayo, Barbecue Mayo, Spezial (leider mit zuwenig Zwiebeln) und Oorlog. Mit anderen Worten: Ein Feuerwerk der Sinne und eine Reise um die Welt der Frittensaucen. Herrlich!

Oorlog – niederländisch für Krieg – bedeutet auf der Fritte Mayo + Zwiebeln + Erdnusssauce!

Große Portion Pommes mit Chili- Hot Sauce

Die Metabebene für Kartoffelfans: Kartoffelcreme

Frites Speciaal -doch nur ein kleiner Zwiebelhauch 😦

Geheimtip: scharfe Mayo

Der Service konnte an diesem Nachmittag leider nicht punkten. Zwar war der Profi-Fritteur vorher informiert, doch ging es ihm nach eigenen Angaben nicht so gut. Der Frittenansturm konnte dementsprechend nicht in der üblichen Geschwindigkeit abgewickelt werden. Das kostete Tom`s Fritten eine Wertung von 3,2 Fritten für den Service. Ich konnte ihm die Verpeiltheit mit seiner Entschuldigung verzeihen, andere gingen härter ins Gericht:

„Uncharmante Bedienung, wirkt teils sehr gestresst!“

„Servierdauer zu lang!“

Prominente Fans vertrauen auf Tom’s Fritten!

Bernhard Hoecker und Ralf Bauer sind ebenfalls Fans der Bude

Das Preis-Leistungsverhältnis liegt mit 3,6 Pommes im Mittelfeld. Eine kleine Portion Pommes kostete 2,00€, eine große 3,00€. Saucen variieren zwischen 30 Cent und 70 Cent.

Besonders positive Erwähnung fanden noch: die „berliner“ Atmosphäre und charmante Lage  (das wurde von einem anderen Tester ebenfalls positiv bewertet jedoch ausgedrückt als „die Nähe zum Straßenstrich„) sowie das nette Publikum.

Pommesluverin Diana im Partnerlook mit Tom’s Maskottchen.

Ein Ambiente indem man gemütlich hitzige Debatten über Pommes führen kann!

Der Fritte auf der Spur – die Crowd.

Negativ fielen auf: „Zu viele Mittehipster„, Touristen und das Nichtvorhandensein eines WCs (das indische Restaurant daneben kann jedoch mit recht attraktiven Pissoirs aufwarten, erzählte sich die männliche Testerschaft am Tisch).

Alles in allem stellt Tom`s Fritten eine solide Pommesstation in Berlin dar. Für die Saucenauswahl und die Atmosphäre lohnt sich ein gelegentlicher Besuch. Die Gesamtwertung lautet: 3,9 Pommes! 

 

Was denkt ihr? Habt ihr andere Erfahrungen mit Tom´s Fritten gemacht? Oder stimmt ihr uns zu? Schreibt es in die Kommentare!

Tom’s Fritten

Oranienburger Str. 43a

10117 Berlin (Mitte)

Öffungszeiten: So-Do 12-1 Uhr, Fr, Sa 12-4 Uhr


Für alle, die jetzt nicht genug der Fritten haben, haben wir noch ein kleines Special über die Beschaffenheit der Pommescrowd vorbereitet:

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Einen ehemaligen Tom´s Fritten Fan konnten wir auch für den Test zurückgewinnen. Bereits vor zehn Jahren war er dort nächtlicher Stammkunde. Er konnte natürlich mit sehr guten Insights aufwarten! Sein Tip: die Sambal Hot Mayo Sauce!

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Unsere Pommescrowd war weiblich dominiert. Leider haben wir zu wenige Informationen über den Frittengeschmack von anders-geschlechtlichen. Wir suchen diesbezüglich weiter und planen ein investigatives Special (evt. in Kooperation mit der Fachschaft für Gender Studies an der HU)…

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Mehrheitliche Pommes-Profis…

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… mit Herz für die Fritte!

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Klarer Favorit: Belgien

Philip im Pommesglück

Mittagszeit – das Ende der Sommerpause – das Ende einer Zeit vollkommen bewertungsloser Hingabe zur frittierten Kartoffel.
Nun jedoch von Oben die Anweisung – ‚get back in the game, content digga, wir brauchen content!‘

Mir war klar – die Frittenbude am Eck würde es diesmal nicht tun. Bis hierhin war mir noch nicht klar, dass ich auf einen kartoffeligen Hochgenuss treffen sollte. Ich ließ den Unikram ruhen und machte mich auf zum Hans im Glück in der Friedrichstrasse. Ja, richtig, Münch’ner Burgerkette – die Skepsis groß, erfahren doch die Pommes in solch Läden meist nicht so viel luv wie der fleischige Gegenpart.
Ich trete ein. Birkenstämme und schmale Bänke, gesprächiges Treiben, Szenemitte trifft auf Businessmitte.

Da ist das Ding - Mittagslunch

Fairer Deal – Mittagslunch im Hans im Glück

Sogleich am Platz, werden wir vom Kellner angewiesen, das Lunch Menu zu nehmen – „it’s just better“. Burger, Pommes, Getränk und Espresso zur Verdauung, zu einem fairen Preis – ich bin angetan.
Nach guten 15 Minuten (bei vollem Haus) kommen die Burger. Die Schale Pommes hat eine gute Größe, die Pommes strahlen mich goldgelb an – could this be it?
Lecker Pommes

Der Burger macht keine sonderlich gute Figur – ok das Ding. Aber die Pommes…
Ich beiße rein. Kross außen, innen mehlig, und mit einem wahnsinnigen Kartoffelaroma. Der Salzungsgrad ist zart, eine Komplementierung zur Kartoffel – so wie es sein sollte. Es stimmt einfach alles – wow, was für eine Fritte.
Zweite, dritte, vierte. Ich greife zur Hausmayo, und in meinem Mund spielt sich ein kartoffeliges Geschmacksinferno ab. Ich entleere die Schale ohne dem Burger groß Beachtung zu schenken. Meine Pommessucht befriedigt, widme ich mich dem Burger – ok, aber keine Überraschung.
Nun da ich diesen Text tippe, ist alles was mir bleibt, die Erinnerung an den ersten Bissen in den Kartoffelstab.
Vielleicht war meine Schale nicht wie jede andere, vielleicht der Sommer zu lang, um den harten Pommesluvbewertungsmaßstab aufrecht zu erhalten.
Fest steht, ich werde wiederkommen, um mich zu vergewissern, dass dies kein Zufall war.
Bis dahin gibt es von mir dafür 4 von 5 zu diesem Zeitpunkt bereits verputzte Fritten und das Gütesiegel – Philip im Pommesglück im Hans in Glück.

Pommesglück im Hans im Glück

Pommesglück im Hans im Glück

Hans im Glück
Mo – So: 11:00 – Ende offen
Friedrichstraße 101
10117 Berlin

Pommes selber machen – Teil 2

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Zehn Kartoffeln warten auf ihre Verwandlung in Pommes frites. Vergangene Woche hatte ich sie bei den Schmidts auf dem Markt am Maybachufer gekauft. Alle vorwiegend festkochend, alle regional, alle in verschiedenen Farben. Irgendwie hip diese Kartoffeln. Ich bin versucht, das Wort Kartoffel nur noch im Zusammenhang mit einer Raute zu schreiben. ###

Kartoffel-Shopping für die perfekten homemade Pommes

Kartoffel-Shopping für die perfekten homemade Pommes

Die Mission lautet, Pommes selber zu machen. Doch das droht schon gleich daran zu scheitern, dass sich in ganz Berlin keine Friteuse findet. Sicher, jeder Elektronikmarkt bietet sie an: Mit Doppelsieb, mit Selbstreinigung, mit Hitzeregulierung, von „Maxifry“ bis „Snackeasy“ ist alles dabei. Aber in meiner sieben Quadratmeter großen Küche ist nun weiß Gott kein Platz für ein Gerät, das ein gefühltes Drittel dieser Fläche einnehmen wird. Hilferuf also an die Facebook-Crowd:

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Eine Verabredung am Sonntag in Berlin? Schlechte Idee. 

Doch es zeigt sich wieder einmal, wie unverbindlich Facebook und wie unverbindlich auch diese Stadt ist. Auf meinen Post meldet sich ein Bekannter, wir tauschen uns weiter über What’s App aus und verabreden einen Tag, an dem ich das Gerät abholen kann. Aber ich bin ja selbst schuld, die Verabredung auf einen Sonntag zu legen! Sonntags, wo doch Berlin kollektiv auskatert, noch im Berghain abhängt oder auf dem Mauerpark-Flohmarkt an veganen Kräuterschnittchen schnuppert.

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  Die Friteusen-Herberge ist vermietet

Aus der Friteuse wird jedenfalls nichts, denn einen Tag später ist die Friteusen-Herberge schon über Air B’n’B vermietet. Da kann man natürlich nicht stören. Nun gut, ich will nicht übertreiben. Pommes sind zwar meine Leidenschaft, aber trotz Stäbchenform auch nicht die Schwungachsen der Welt und ich schon gar nicht der Nabel letzterer. Aber, Hand aufs Herz, dieser Berliner Lifestyle (den ich natürlich oft genauso lebe) kotzt mich bisweilen an. Das ist meine Alltags-Schizophrenie. Oder das Paradigma für die gesellschaftliche Fragmentierung, unser wannabe-individuelles Leben, auf Kosten beispielsweise von Verlässlichkeit.

Schwarz und weiß lässt sich dieses Phänomen natürlich nicht betrachten und so steht einen Tag später ein guter Freund vor der Tür, sein japanisches Küchenmesser unter dem Arm und ausgestattet mit einem Leben lang Frittiererfahrung. In Atlanta sei es geradezu ein Sport, die unmöglichsten Dinge ins Fett zu werfen. Alljährlich gipfelt diese Marotte in einem nachbarschaftlichen Wettkampf, wer den größten Truthahn zu Thanksgiving frittiert.

Wenn schon kalorienreich, dann bitte mit Ansage

Außerdem gesellt sich ein Glas allerfeinste hausgemachte Rindersauce zu den Kartoffeln sowie geriebener Käse. Wenn schon kalorienreich, dann bitte mit Ansage. Übersetzt in den terminus technicus der angewandten Pommeswissenschaften heißt das: Wir machen Poutine. Eine Nationalspeise aus Quebec. Pommes mit schwerer Sauce und Käse gibt es dort, wie bei uns die Currywurst. Woher der Name kommt, bleibt uns allerdings schleierhaft. Alle Übersetzungen zu Poutine geben nur an, dass Präsident Putin so im Französischen geschrieben wird, damit die Franzosen den Präsidenten nicht als Schlampe bezeichnen.

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Poutine-Sauce in der Mitte, darüber Bier: Basis-Elemente des Frittenvergnügens.

Küchenschizophrenie

Wir gießen also 2, 5 Liter Öl in einen sehr großen Topf (Öl dehnt sich unglaublich aus). Erdnussöl würde sich laut meines amerikanischen Frittenexperten am besten eignen. Die günstige Variante ist aber Rapsöl und so nehmen wir die (auch so eine Schizophrenie: Kartoffeln vom Markt, Billigöl von ganz unten aus dem Supermarktregal). Die Lauras, Berbers und die blauen Anneliesen schneiden wir zu Pommesstreifen und schmeißen sie in kaltes Wasser, damit die überschüssige Stärke verloren geht. Die erste Pommes geht natürlich schief.

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Die erste Test-Pommes eignet sich eher als Moustache. Total labberig.

Was ist das Geheimnis? Zweimal frittieren! Das erste Mal nur etwa dreißig Sekunden. In einem Sieb oder auf Küchenkrepp müssen sich die Pommes nach diesem ersten Fettbad kurz ausruhen. Dann wieder hinein und jetzt so lange, bis sie oben schwimmen, plus zirka zwei extra Minuten, je nachdem wie kross und goldig man die Fritten gerne mag.

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Das soll schmecken? Hell yeah!

Kommen die Pommes aus dem Öl, sofort salzen und die ersten fünf in den Mund wandern lassen. Dann mit dem geriebenen Käse bestreuen, damit er noch leicht anschmelzen kann. Zum Schluss mit der Sauce besprenkeln. Als Mäkler vom Dienst war ich ziemlich skeptisch. Poutine hörte sich in meinen Ohren eher wie ein fettes Resteessen an, klischeehaft amerikanisch, ungesund, übertrieben.

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links Poutine, rechts plain and simple

Doch ich bin begeistert. Die Sauce harmoniert mit den Kartoffeln, am besten sogar mit den süßeren Kartoffelvarianten, sprich der blauen Anneliese und der Süßkartoffel. Hier kommen süß und salzig, mürbe Kartoffeln und cremige Sauce zusammen. Eine Fritten-Synthese. Die Sauce basiert auf einer Mehlschwitze, aufgegossen mit dem Fond ausgekochter Rinderknochen und Gemüse. An und für sich schon ein Hochgenuss. Mit den Pommes ein echtes Vergnügen.

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Fritten-Synthese mit der Kartoffelkönigin Laura.

Der Käse ist für meinen Geschmack gar nicht unbedingt notwendig, gibt dem Gericht aber noch etwas mehr Würze und einen cremigen Touch. Unser Kartoffelfavorit sind am Ende die roten Lauras. Sie haben genau die richtige Konsistenz, innen fluffig, außen kross und etwas nussiger als die Berbers.

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Die blaue Anneliese schmeckt zwar köstlich, sieht frittiert aber nicht mehr so schön aus.

Enttäuschend dagegen die Blauen Anneliesen, auch wenn sie gut schmecken. Ihr schönes lila im rohen Zustand wird zu einem grauen dunkelblau. Außerdem sind sie zu weich und werden nicht richtig crunchy. Überraschend gut sind aber die Süßkartoffelpommes. Sie leuchten orange, liegen nicht ganz so schwer im Magen und nehmen die Sauce gut auf. Sie werden allerdings viel schneller gar als die anderen Kartoffeln, also schnell raus aus der Friteuse.

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Außen kross, innen fluffig. Süßkartoffelpommes olé!

Am Ende gehen nur noch Schnaps und Kippen. Es zeigt sich: Friteusen sind überflüssig und Ärger über eine versprochene auch.

 

Pommes selbst gemacht – Teil 1

Noch drei Monate bis zu meinem Umzug nach Brügge in Belgien: Um mich auf meine Auslandskorrespondenz vorzubereiten ist klar: Wenn ich belgische (!) Pommes qualifiziert bewerten können will, muss ich mir ein Maß aneignen. Einen Fritten-Standpunkt gewissermaßen, von dem aus ich Vergleiche in Sachen Pommes anstellen kann. Also zurück zur Basis: Erstmal selber Pommes machen. Bevor ich über andere herziehen und in Fritten-Flöckchen zerreißen oder die Fritte des Jahres ausrufen kann, muss ich nachvollziehen, wie viel Mühe in einer Pommes steckt.

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Die Probleme fangen sofort an. Um Himmels Willen, welche Sorte Kartoffeln brauche ich denn, um Pommes herzustellen? Mehlig? Festkochend? Bio oder lieber nicht? Man sollte meinen, es müsste mit jeder Sorte gehen. Auf dem Teppich bleiben, denke ich mir, Pommes sind jetzt auch nicht Sushi. Doch ich habe Zweifel. Als Pommes-Gourmet soll nicht irgendeine Kartoffel bei mir unter’s Messer, sondern eben eine gute. Oder sogar die perfekte.

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Ich brauche Expertise. Also ab auf den Markt am Maybach-Ufer, wo jeden Dienstag und Freitag Sybille und Michael Schmidt Kartoffeln verkaufen. Nur Kartoffeln. In einem flüchtigen Gedanken stelle ich mir vor, die perfekte Pommes-Kartoffel zu finden, alles hinzuschmeißen und eine neue DeLuxe-Fritten-Bude aufzumachen. Ganz nach dem Geschmack verhipsterter Pommes-Liebhaber. Aber, nun ja, der Ehrlichkeit halber muss ich gestehen: Ich habe in meinem Leben noch keine einzige Fritte selber produziert.

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Ich tippe mal, dass ich festkochende Kartoffeln brauche, um gute Pommes herzustellen. Falsch, sagt Michael Schmidt, der zusammen mit seiner Frau schon in der dritten Generation Kartoffeln verkauft. Die besten Ergebnisse habe man mit vorwiegend festkochenden Kartoffeln. „Dann werden die nämlich außen kross und bleiben innen schön fluffig.“

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Viele Kunden fragten nach der perfekten Pommes-Kartoffel, es gebe viele, die gern selber kochen. Doch insgesamt seien ihre Verkaufszahlen rückläufig, sagt Sybille Schmidt. Das komme nicht nur durch das ganze Fast-Food. „Früher haben die Leute einmal pro Woche gleich einen Zehnkilo-Sack Kartoffeln gekauft, für die ganze Familie. Heute verkaufen wir Kartoffeln einzeln. Die Leute wollen zwei oder drei Kartoffeln. Mehr nicht!“

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Aber sie wollten sich nicht beklagen, sagen die Schmidts. Ihr Beruf mache ihnen Spaß und sie haben viele Stammkunden. Die schätzen nicht nur die große Auswahl und dass alle Sorten aus der Region kommen. „Viele kommen auch mit einem konkreten Rezept und brauchen dann Beratung, welche Kartoffeln zum Beispiel am besten zu Spargel passen“, sagt Schmidt.

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Oder eben, welche Sorte man für Fritten braucht. Eine hervorragende Bio-Pommes-Kartoffel sei Agria, sagt Schmidt. Aber auch Süßkartoffeln würden sich gut eignen. Ich will auf jeden Fall welche von den lila Kartoffeln haben, die sollen sich nämlich den Experten zufolge auch gut eignen. Und sogar Krebs vorbeugen, weil die lila Farbe der selbe gesunde Farbstoff sei, der auch in Roten Beeten steckt. Na ja, wegen der Gesundheit esse ich eigentlich keine Pommes, denke ich mir. Aber wenn ich mein Guilty Pleasure plötzlich gesund um-etikettieren kann, warum nicht.

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Die „Blaue Anneliese“ kommt also mit. Dazu ein paar Lauras, die sind von außen leicht rötlich und haben innen schon ein wunderbares pommesgelb. Eine Bilderbuch-Kartoffel in vorwiegend festkochend. Die Süßkartoffel, die ich noch mitnehme, ist dagegen geradezu hässlich. Schrumpelig, überdimensioniert, rau. Aber die Aussicht auf Süßkartoffel-Pommes überzeugt mich dann doch. Schließlich wandern auch noch vier Berber-Kartoffeln auf die Waage. Ganz schuppig sind die, irgendwie erdig. Eher so die Trucker-Pommes-Kartoffel: ganz bodenständig, sympathisch und unprätentiös. Ich bin zufrieden, Schritt eins auf dem Weg zur Pommes-Benchmark ist geschafft.

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Dann kommt die Hiobs-Botschaft: „Aber bloß nicht versuchen, die Pommes im Ofen zu machen“, sagt Sybille Schmidt. „Ist zwar gesünder, aber echte Pommes müssen nun mal doppelt in Fett frittiert werden.“ Verdammt. Wo kriege ich jetzt eine Friteuse her?

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