Pommes selbst gemacht – Teil 1

Noch drei Monate bis zu meinem Umzug nach Brügge in Belgien: Um mich auf meine Auslandskorrespondenz vorzubereiten ist klar: Wenn ich belgische (!) Pommes qualifiziert bewerten können will, muss ich mir ein Maß aneignen. Einen Fritten-Standpunkt gewissermaßen, von dem aus ich Vergleiche in Sachen Pommes anstellen kann. Also zurück zur Basis: Erstmal selber Pommes machen. Bevor ich über andere herziehen und in Fritten-Flöckchen zerreißen oder die Fritte des Jahres ausrufen kann, muss ich nachvollziehen, wie viel Mühe in einer Pommes steckt.

IMG_0484

Die Probleme fangen sofort an. Um Himmels Willen, welche Sorte Kartoffeln brauche ich denn, um Pommes herzustellen? Mehlig? Festkochend? Bio oder lieber nicht? Man sollte meinen, es müsste mit jeder Sorte gehen. Auf dem Teppich bleiben, denke ich mir, Pommes sind jetzt auch nicht Sushi. Doch ich habe Zweifel. Als Pommes-Gourmet soll nicht irgendeine Kartoffel bei mir unter’s Messer, sondern eben eine gute. Oder sogar die perfekte.

DSCF5984

Ich brauche Expertise. Also ab auf den Markt am Maybach-Ufer, wo jeden Dienstag und Freitag Sybille und Michael Schmidt Kartoffeln verkaufen. Nur Kartoffeln. In einem flüchtigen Gedanken stelle ich mir vor, die perfekte Pommes-Kartoffel zu finden, alles hinzuschmeißen und eine neue DeLuxe-Fritten-Bude aufzumachen. Ganz nach dem Geschmack verhipsterter Pommes-Liebhaber. Aber, nun ja, der Ehrlichkeit halber muss ich gestehen: Ich habe in meinem Leben noch keine einzige Fritte selber produziert.

DSCF5953

Ich tippe mal, dass ich festkochende Kartoffeln brauche, um gute Pommes herzustellen. Falsch, sagt Michael Schmidt, der zusammen mit seiner Frau schon in der dritten Generation Kartoffeln verkauft. Die besten Ergebnisse habe man mit vorwiegend festkochenden Kartoffeln. „Dann werden die nämlich außen kross und bleiben innen schön fluffig.“

DSCF5984

Viele Kunden fragten nach der perfekten Pommes-Kartoffel, es gebe viele, die gern selber kochen. Doch insgesamt seien ihre Verkaufszahlen rückläufig, sagt Sybille Schmidt. Das komme nicht nur durch das ganze Fast-Food. „Früher haben die Leute einmal pro Woche gleich einen Zehnkilo-Sack Kartoffeln gekauft, für die ganze Familie. Heute verkaufen wir Kartoffeln einzeln. Die Leute wollen zwei oder drei Kartoffeln. Mehr nicht!“

Pommesluv_Shopp

Aber sie wollten sich nicht beklagen, sagen die Schmidts. Ihr Beruf mache ihnen Spaß und sie haben viele Stammkunden. Die schätzen nicht nur die große Auswahl und dass alle Sorten aus der Region kommen. „Viele kommen auch mit einem konkreten Rezept und brauchen dann Beratung, welche Kartoffeln zum Beispiel am besten zu Spargel passen“, sagt Schmidt.

DSCF5972

Oder eben, welche Sorte man für Fritten braucht. Eine hervorragende Bio-Pommes-Kartoffel sei Agria, sagt Schmidt. Aber auch Süßkartoffeln würden sich gut eignen. Ich will auf jeden Fall welche von den lila Kartoffeln haben, die sollen sich nämlich den Experten zufolge auch gut eignen. Und sogar Krebs vorbeugen, weil die lila Farbe der selbe gesunde Farbstoff sei, der auch in Roten Beeten steckt. Na ja, wegen der Gesundheit esse ich eigentlich keine Pommes, denke ich mir. Aber wenn ich mein Guilty Pleasure plötzlich gesund um-etikettieren kann, warum nicht.

DSCF5973

Die „Blaue Anneliese“ kommt also mit. Dazu ein paar Lauras, die sind von außen leicht rötlich und haben innen schon ein wunderbares pommesgelb. Eine Bilderbuch-Kartoffel in vorwiegend festkochend. Die Süßkartoffel, die ich noch mitnehme, ist dagegen geradezu hässlich. Schrumpelig, überdimensioniert, rau. Aber die Aussicht auf Süßkartoffel-Pommes überzeugt mich dann doch. Schließlich wandern auch noch vier Berber-Kartoffeln auf die Waage. Ganz schuppig sind die, irgendwie erdig. Eher so die Trucker-Pommes-Kartoffel: ganz bodenständig, sympathisch und unprätentiös. Ich bin zufrieden, Schritt eins auf dem Weg zur Pommes-Benchmark ist geschafft.

DSCF5975

Dann kommt die Hiobs-Botschaft: „Aber bloß nicht versuchen, die Pommes im Ofen zu machen“, sagt Sybille Schmidt. „Ist zwar gesünder, aber echte Pommes müssen nun mal doppelt in Fett frittiert werden.“ Verdammt. Wo kriege ich jetzt eine Friteuse her?

DSCF5998

Der „stay-at-home-have-some-fries“ Test am Sonntag

Oder aber: Existiert die perfekte TK Pommes denn überhaupt?

Es ist ein verregneter und kalter Dienstagabend, als ich zwei meiner Kolleginnen dazu überreden kann, mir als „offizielle Testerinnen für die beste tiefgefrorene Pommes“ behilflich zu sein – so fahren wir nach 18 Uhr zu dem unterirdischen REWE an der Friedrichstraße, um ganze 4 Kilo gefrorene Kartoffelstäbchen zum Testen zu kaufen.

IMG_3021

Unser Ziel

Die Erkundung eben der Weiten, die oft unterschätzt werden. Die Tiefe ausfindig machen, die sich vielleicht finden lässt, wenn man Pommes will, sich aber gleichzeitig nicht unnötig bewegen mag.

Denn mal ehrlich: Wer schätzt sie nicht? Diese Abende, meist Sonntage oder Feiertage, an denen man nichts unternehmen kann, als einen Ofen auf 180° vorzuheizen.Wir nahmen uns vor, die Tiefkühlpommes in seiner klassischsten Form zu untersuchen.

Unsere Auswahl

Die (von uns geschätzt) Meistgekaufte-, die Bio-, die Deluxe- und die Discounterpommes. Um genauer zu sein:

  1. McCain 1 2 3 Originals
  2. REWE Bio Pommes Frites für den Backofen
  3. McCain Frites Deluxe
  4. Ja! Pommes Frites für Backofen und Fritteuse

IMG_3022

Inhaltsstoffe

Erstaunlich ist, dass sowohl Ja! als auch REWE Bio und McCain Original nur mit den zwei Inhaltsstoffen Kartoffel und pflanzlichem Öl auskommen. Bei den Deluxe Fries von McCain, die ja nun vorgeben so zu schmecken „wie aus der Friteuse“ (Kenner wissen, dass das nie möglich sein wird. Trotzdem wollten wir dem ganzen eine Chance geben.), waren wir von der Anzahl an Inhaltsstoffen für eine bloße Pommes ganz perplex:

Kartoffeln, Sonnenblumenöl (6 %), Knuspermantel (5 %): Weizenmehl, Reismehl, Maisstärke, Kartoffeldextrin, Salz, Backtriebmittel Natriumcarbonat, Verdickungsmittel Xanthan, Farbstoffe (Paprikaextrakt, Kurkurm (aus Kurkurminextrakt)). Enthält Gluten. Ohne Zusatz von Erdnussöl hergestellt. (Quelle: http://testexemplar.blogspot.de)

(Sicherlich kann jeder Leser selbst entscheiden, wie seine Pommes aufgebaut sein sollte. Meine Kolleginnen schworen der Deluxe Variante schon bei diesen Zeilen ab, ich hingegen war nicht sonderlich abgeschreckt, eher interessiert.)

Preis 

Auch preislich variierten die Sorten. Bei einer Menge von 600g kosten die Deluxe Fries von McCain ganze 1,89€, für REWE Bio zahlt man dasselbe für 750g, die Originals kosten 1,69€ bei 750g Füllmenge und die Ja! Pommes Frites schlagen jeden Billigpreis mit 0,79€ für ein ganzes Kilo Pommes.

Zubereitung

Die Zubereitungsart war bei allen vier Pommestestmarken ähnlich, 180°-200°, 22-24 Minuten, jedoch gibt McCain noch den Tip, nach der Hälfte der Zeit zu wenden, während REWE Bio und Ja! auf das Wissen des Pommes-Zubereiters zählen und die Zeit des Wendens offen lässt.

Auf dem Backblech selbst offenbarte sich uns nun nach Öffnen und Einteilen der Testexemplare ein erstaunliches Bild:

IMG_3027

Von links oben im Uhrzeigersinn: Deluxe, Ja!, Bio, Originals

Was hier sicherlich als erstes heraussticht, ist die unglaubliche Blässe der Ja! Pommes Frites. Diese sollte sich bis zur Wendung nach 11 Minuten auch leider überhaupt nicht verändern. In Punkto Knusprigkeit die selbe Enttäuschung: Noch immer waren die Pommes sehr hart, wirkten so steif, als könne Hitze ihnen nichts anhaben.

Die Deluxe Fries boten hingegen ein sehr schönes Bild: Bereits tiefgekühlt braun, boten sie einen sehr leckeren Anblick. Nach der ersten Wendung wurden die noch güldener in der Färbung. Bereits nach Hälfte der Backzeit ertastete man eine Crunchyness, die sich gewiss noch mehr entfalten würde.

Die REWE Bio Pommes kam ein wenig wild daher und überraschte mit vielfältigen Formen. Die Pommes bot hier das wohl natürlichste Bild einer tiefgefrorenen Kartoffelfarbe. Nach 12 Minuten war die Pommes zwar noch stabil, aber mit der Knusprigkeit schien sich die Bio Pommes noch Zeit zu lassen.

Die McCain Originals enttäuschten alle Tester sowohl in Farbe, als auch in Knusprigkeitsgrad nach der ersten Halbzeit: keine große farbliche Veränderung bis auf einen kleinen Gelbstich, keine sonderliche Knusprigkeit, eher eine Art von „Lappigkeit“.

Nach 24 Minuten versuchten wir uns an einer ersten Runde Testpommes und mussten nach den ersten Bissen feststellen, dass bei allen Pommes die Zeitangaben abweichen – jede einzelne musste erneute 5 (REWE Bio, Deluxe) oder 7 Minuten (Originals, Ja!) im Ofen gebacken werden, um im Gaumen erträglich und nicht noch etwas roh zu schmecken.

IMG_3028

Unser Urteil

Ja!

Nein! Die Pommes schmeckte nach nichts! Alle Tester zweifeln noch immer klar an, dass es sich bei der Tiefkühlpommes von Ja! um eine wahre Kartoffel handelt. Der Crunch der blassen Stäbchen war nicht vorhanden, die Pommes schmeckten sehr nach Mehl, so als seien sie damit „gestreckt“ worden.

REWE Bio

Die Tester sind geteilter Meinung: Während eine Kollegin und ich den sehr kartoffeligen Geschmack der Pommes positiv hervorhoben, erwähnte Testerin 3 allerdings, dass der Crunch zu wünschen übrig ließe. Im Geschmack eine solide Pommes, allerdings ein wenig zu hart im Kern und außen dafür zu weich.

McCain Originals

Das Erste, was alle Teserinnen husteten, war: Trocken! Eine Eigenschaft, die leider für mich ein absolutes Ausschlusskriterium ist. Zwar schmeckten die Originals auch mehr nach Kartoffel als die Ja! Pommes Frites, aber das ist auch nicht schwer. Eine Testerin meinte sogar, sie seien ihr zu hart im Kern. Der Crunch war zwar anständig, aber wenn die Mitte versagt, dann rettet das auch nichts mehr.

McCain Deluxe

Die Deluxe-Pommes weist eine starke Knusprigkeit vor – nicht umsonst heisst es ja, sie schmecke nach frittierter Pommes. Das ist allerdings nicht wahr. Trotzdem waren wir von dem Ergebnis beeindruckt, das durch den Kartoffelkern nur noch bestärkt wurde: Dieser strotzte nämlich nur so vor Cremigkeit. Urteil: Eher eine Krokette in Form einer Pommes als eine wahre Fritte! Die Füllung wirkte luftig und locker, fast püriert.

IMG_3030

Danach verteilten wir die Schulnoten 1 bis 6 für die folgenden Kritierien:

  • Konsistenz
  • Crunch
  • Aussehen
  • Geschmack

(Anhand dieser objektiven Einschätzungen soll sich der Leser natürlich nicht davon abbringen lassen, die eine oder andere Sorte der oben genannten Pommes Frites nicht zu kaufen – schließlich gehen Geschmäcker auseinander. Auch ist uns bewusst, dass dieser Test nur eine kleine Menge der riesigen unerforschten Auswahl von TK Pommes Frites zeigt.)

IMG_3111 IMG_3112 IMG_3113

Dennoch muss ich in meinem Fazit schreiben, dass ich von allen ausgewählten Sorten einigermaßen enttäuscht war. Keine der Pommes Frites aus dem Ofen ließ sich im Ansatz mit einer durchschnittlichen Budenpommes gleichsetzen. Neben dem Komplettreinfall der Ja! Pommes und McCain Originals, entscheidet natürlich bei den McCain Deluxe das individuelle Bedürfnis: Wenn man eine Pommes will – ist man dann mit dem Geschmack einer Krokette zufrieden? Und nimmt man dafür auch einen höheren Preis und immerhin 9 (!) weitere Inhaltsstoffe hin?

Im Großen und Ganzen gewinnt also überraschenderweise die REWE Bio Pommes Frites für den Backofen, weil sie die Kriterien einer einfachen Ofenpommes erfüllt: Die Knusprigkeit ist okay, das Aussehen passabel, der Kartoffelgeschmack ist da.

Trotzdem hat mich der Test nur mehr angespornt, das Sortiment weiter zu durchforschen auf der Suche nach der perfekten Sonntagspommes…

Uns interessiert eure Meinung zum Thema TK Fritten:

 

IMG_3036

 

Pommesjenuss im Goldenen Westen

Wir starten heute unser Pommesuniversum mit einem Ausflug an den Wittenbergplatz, neben das Kadewe, in den goldenen Westen.

Unser Ziel: Die goldgelb frittierten Erdäpfel der Qualitäts-Bio-Bude Witty’s.

IMG_1169

Witty's Saucenvielfalt

IMG_1107

Glückliches Nachsalzen

Knoblauch-Dill-Mayo mit Kleks scharfem Asiazeugs

IMG_1110

IMG_1149

Unter Touristen wie Ortsansässigen gleichermaßen beliebt, befindet sich stets eine kleine Traube Menschen vor der Bude. Im Wind spielten die Servietten, hefteten sich an Seniorensohlen und wurden davon getragen. Auch uns spielte das graue, windige Regenwetter in die Karten, so mussten wir nicht lange anstehen.

Der Laden führt eine große Auswahl an Bio Limonaden, die mir alle zu kalt für das Wetter waren. Ein Glühwein wäre wohl das Richtige gewesen. Besonders erwähnenswerte ist die Saucenvielfalt der Bude. Wir überzeugten uns von der frischen Knoblauch-Dill-Majo („Natürlich nur empfehlenswert wenn man nicht mehr knutschen will.“ – Ein Evergreen-Spruch aller Döner- und Imbissbudenverkäufer…) und der regulären frischen Majo.

Die bio Pommes plus Sauce kosteten jeweils 3,50€ also Premiumsegment. Was kann man gegenüber vom Kadewe anderes erwarten? Die Pommes sahen sehr gut aus und geschmacklich waren sie auch eine Freude. Ein bisschen knuspriger hätten sie noch sein können und salziger. Das nahm ich dann selbst in die Hand.

Abzug gab es ebenfalls für die skurrilen Illustrationen auf der Budenverkleidung. Verzerrte Fratzen, aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Unser Urteil: 

3 1/2 von 5 Pommes

IMG_1133

Witty’s

Wittenbergplatz (Ecke Ansbacher Straße, gegenüber dem KaDeWe)
Montag bis Samstag von 11:00 bis 24:00 Uhr Sonn- und Feiertags von 12:00 bis 24:00 Uhr

http://wittys-berlin.de/