Der ultimative „Kann ich Pommes in dem Irish Pub um die Ecke essen?“ Test

Es war einmal ein verkaterter Samstag Mittag, Stefan aka DJ Frank Freshness kündigte sich in Charlottenburg als Pommestester Assistant an und weigerte sich diese eine berüchtigte Taxifahrer-Wurstbude zu testen, die ich schon seit langem auf der Agenda habe.

Seine langjährige Arbeit im White Trash mache aus ihm einen Pommes-Burgerexperten, deshalb sollten wir nach einem Burger Ausschau halten. Natürlich habe ich die Burgerbuden in meinem direkten Umfeld schon abgegrast, er schlug vor das Experiment zu wagen und Pommes bei dem Irish Pub um die Ecke zu essen. Ich bin kritisch, aber auch verdammt hungrig. Wir setzten uns in den Vorgarten des Irish Harp (wie könnte der Schuppen auch anders heißen?).

Wir sitzen relativ einsam in der Herbstsonne, nur zwei andere Gäste warten ebenfalls auf das Mittagsmenü. Stefan und ich fachsimpeln über die beste Zeit um Essen zu gehen. Ich denke, jetzt dürfte in der Küche nicht so viel los sein, unser Burger und Pommes also besondere Aufmerksamkeit des Kochs genießen. Der Gastroprofi Stefan ernüchtert mich mit seinen Ausführungen wie es in Burger-Küchen zugeht. Bestellungen über den Tag nerven eher das Küchenpersonal, da sie bereits alles für den Abend schnippeln und vorbereiten wollen. Daher gäbe es das beste Essen, wenn die Küche abends auf Hochtouren läuft und jeder seine gekonnte Routine abspielt. Klingt plausibel.

Stefan spielt den Vorfall nach – immer noch traumatisiert vom Food-Blog-Horror

In der Vergangenheit hat Stefan eher schlechte Erfahrungen mit Bloggern gemacht. Nach einem geschäftigen Abend und mit dem Service unzufriedenen internetaffinen Gästen, brach ein regelrechter Shitstorm über ihn hinein. Seine Geschichte erinnert mich ein wenig an diese mega gelungene letzte Southparkfolge zum Thema Yelping.  Er versichert mir, dass dies sein einziges Food-Blog-Gastspiel wird. Ich fühle mich geehrt.

Wir bestellen einen Cheese-Burger, einen Gravy Roasted Burger, Pommes und viel Cola. Die Bedienung ist freundlich. Wir beginnen ein tiefgründiges Gespräch über Pommes. Was versteht Stefan unter der perfekten Fritte? Gleichmässig geschnitten und kross sollen sie sein. Er lässt sich auch zu einem überraschenden Geständnis zu Tiefkühlfritten hinreissen (schaut euch das Video an):

Endlich kommen unsere Fritten und Burger. Das Küchenpersonal scheint doch hauptsächlich am Vorbereiten für den Abend gewesen zu sein 😉

Die Portion ist ordentlich und die Pommes leuchten goldgelb. Die Optik ist schon mal spitze. Der Ketchup ist klassisch von Heinz, das erschmecken wir beide gleichzeitig.

Doch wir vermissen Mayo und bestellen diese nach. Die Bedienung bringt eine Sauce und fügt hinzu „nicht wundern wegen der Farbe. Die Mayo ist selbstgemacht.“. Wir werfen einen Blick auf den Saucentopf und erschaudern tatsächlich.

Was ist das? Die sonst weiß-creme-gelbliche Farbe der Mayonnaise wurde hier mit einem stechenden Kurkuma-Senfton vertauscht. Auch der Geschmack ist so gar nicht Mayonnaisig und ähnelt ebenfalls keiner mir bekannten Pommessauce.

Nun ja zurück zu den Pommes. Wir sind uns beide einig, dass wir stark nach salzen müssen. Stefan hebt den natürlichen Geschmack der Pommes hervor. Ich finde sie zu hart und irgendwie einfach fad. Der Burger ist auch nur so lala und so wird die anfängliche Freude über die Portion zum Fluch. Ich schaffe es kaum, Stefan verputzt seinen Teller und schmiert sich noch einmal extra viel von der gelben Mayo ins Gesicht für das Foto:

Unsere Wertung: 2 1/2 von 5 Pommes! Naja also man kann schon im Irish Pub um die Ecke Fritten essen. Aber so ein richtiges Feuerwerk der Sinne war es nicht. Höchstens diese quitschgelbe „Mayo“ – aber auch eher im negativen „mir-fällt-in-Kreuzberg-ein-Böller-auf-den-Kopf“-Sinn. Stefan hat sich dennoch als super Test Begleitung erwiesen. Wir kommen bestimmt noch einmal auf seine Expertise zurück!

The Harp

Giesebrechtstraße 15

10629 Berlin

Paris Bar – Die beste Frittenbude Berlins?

Die legendäre Paris Bar ist vor allem für drei Dinge bekannt:

  1. Als „Institution und Treffpunkt der erfolgreichen Kunst- und Filmszene“ mit exzentrischem Künstler-Wirt
  2. Die mal mehr, mal minder prominenten Gäste
  3. Der rau-schnoddrige Ton des Personals

Doch Kenner wissen: Es gibt noch eine vierte Dimension.

     4.  Pommes. Manch einer behauptet, es seien die besten der Stadt.

Das prüfe ich heute gemeinsam mit meiner charmanten Pommes-Test-Assistentin Luna. Als gebürtige Westkids haben wir beide natürlich eine gemeinsame Vergangenheit mit diesem Lokal. Auch wenn die Gäste mehrheitlich aus betuchten Best-Agern bestehen, kann man hier, vielleicht besonders als junger Mensch, sehr unterhaltsame Abende verbringen. Garant für solche Nächte sind kulturelle Ereignisse im Einzugsgebiet (bspw. Berlinale) oder wenn Wirt und Künstler Michel bei guter Laune das gesamte Restaurant bis in die späten Morgenstunden unterhält.

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Den Pommestest führen wir an dem kleinen, „loungigen“ Katzentisch neben den Toiletten durch. Das mag sich erst einmal nicht besonders vorteilhaft anhören, doch der Tisch ist einer meiner Lieblingsplätze. Zwangsläufig kommt jeder Gast wie Mitarbeiter an einem vorbei, man hat einen guten Überblick über das Geschehen und sitzt gemütlich auf der tiefen Ledercouch. Neben uns hängt ein überdimensionales Portrait von Yves Saint Laurent, darüber schmuddelig-ordinäre Mangakunst. In jeder Ecke hängt und steht irgendein skurriles Werk, ist man gefangen in einer langweiligen Konversation, kann man sich damit herrlich die Zeit vertreiben…

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Wir bestellen also Pommes mit Sauce Béarnaise und Ketchup. Und sie sind tatsächlich vorzüglich. Eine perfekte Salzung, strahlendes goldgelb und ein guter Crunch. Die Holzpiekser verleihen dem ganzen die wahre Pommesatmosphäre. Wir merken sofort: Wir haben es hier mit Profi-Friteuren zu tun. Auffällig ist, dass die Paris Bar ihre französichen Anteile hochhält und dünne Streifenpommes serviert, wie sie normalerweise westlich des Rheins zu finden ist.  Maximilians Geschichte von dem Untergang der französischen Fritte können wir hier ganz und gar nicht bestätigen.

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Nun zu den Saucen: Die Sauce Béarnaise ist definitiv die beste Berlins und damit auch den stattlichen Preis von 3,50€ wert! Ein Zaubertrank aus Butter, Weißwein und Estragon. Auch die Konsistenz überzeugt. Ganz groß!!! Dagegen bleibt der Ketchup leider eher durchschnittlich. Zwar tomatig, aber da ist geschmacklich noch Platz nach oben.

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Luna

Unser Urteil: Die Paris Bar rangiert ganz sicher unter den besten Frittenbuden Berlins. Der Crunch war gut, aber es geht noch knuspriger. Unsere Empfehlung ist sie daher „extra knusprig“ zu bestellen. In der Sauce Béarnaise könnten wir baden, der Ketchup bleibt nur leider enttäuschend. Daher vergeben wir 4 von 5 Pommes.

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Paris Bar

Kantstr.152

10623 Berlin

Tel. +49 (30) 313 80 52

Hausgemachter Frittengenuss im Windburger 

Es gibt Tage, an denen man sich einfach mal von den Strapazen des Alltags erholen muss:

Einen Tag im Bett verbringen, Serien streamen, das Haus nur in der Jogginghose und vorallem nur für die Pommesration ums Eck verlassen.

Mein lokaler Pommesversorger liegt am Stuttgarter Platz. Noch in den 90ern galt die Gegend als übles Pflaster: Spielhallen, Prostitution und eine schmuddelige Drogenszene prägten das Straßenbild. „Deine Mutti steht am Stutti!“ ist jedoch weitestgehend ein Diss aus vergangenen Zeiten. Heute ist das Gebiet um die Leonhardt- und Windscheidstraße ein gemütliches Biotop für spätgebärende, westdeutsche Akademikerpaare, die bereit sind 14€ kalt den Quadratmeter zu zahlen.

Positiver Nebeneffekt dieser Entwicklung ist auch mein Lieblingsburgerschuppen Windburger. Dem habe an einem solchen Bett-Tag einen Besuch abgestattet und die Pommes auf Herz und Nieren geprüft!

Der Windburger wartet mit einem großen Burger- und noch wichtiger Pommes-Sortiment auf. Die Grundsatzentscheidung zwischen Tiefkühl und hausgemachten Pommes kann natürlich nur in finanziellen Engpässen auf erstere fallen. Es ist Monatsanfang- Ich bestelle eine kleine Portion der Hausgemachten.

Sehr zu empfehlen ist ebenfalls die Käsesoße, die allerdings recht mächtig ist und wie American, Veggie oder Mexican Fries die Pommes zu einem reichhaltigen Hauptgericht werden lässt. Gemessen am Sättegrad sind die Preise ebenfalls verhältnismässig.

Diese frischen Pommes brillierten durch eine hervorragende Knusprigkeit. Chrunchiges Highlight und Beweis, dass es sich tatsächlich um ein Kartoffelprodukt handelt, ist die bewusst belassene Kartoffelschale. Die verstärkt in jedem Falle noch einmal den intensiven Geschmack und das perfekte Verhältnis von Aussen- und Innentextur.

Positiv aufgefallen sind ebenfalls die freiverfügbaren Ketchup- und  Mayospender. So muss man sich als souveräner Pommeskonsument nicht mehr auf das kleinliche Saucendiktat der Bedienung verlassen. Qualitativ sind beide Saucen solide, aber nicht herausragend.

Falsche Schärfe – aber geiler Burger

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Eigentlich glücklich mit der Pommes, aber leider zu sehr im Gammelmode für emotionale Bilder. Daher nur ein gequältes. Aber Pommes waren super!

Auch der Cheeseburger (zugegeben mir war nicht nach Experimenten zu Mute) konnte überzeugen: Saftiges-sauciges Inneres, gutes Fleisch, knuspriges Brötchen. Ich war mehr als satt nach Burger und kleiner Portion Pommes.

Auch die Getränkeauswahl wartet mit ein paar Specials auf. Ganz im Stil der benachbarten, überteuerten Kinderausstattern werden hier den Finns, Almas und Maximilians etliche Biolimonaden und Säfte angeboten. Meine Favoriten liegen beim Almdudler, der Orangina und der klassischen Coca-Cola (die in einem solchen Umfeld generell unterschätzt wird und in zu kleiner Flaschengröße auftritt).

Unsere Wertung: 4 von 5 Pommes. Sehr geil, aber bei den Saucen ist noch Luft nach oben.

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Windburger

Mo. bis Sa. 12.00 – 22.00
Windscheidstraße 26
10627 Berlin
Tel: (030) 43727177

Auch die „Leipziger Ladys“ (vermutlich der unabhängige Kegeltrupp) feiern den Windburger. Ob der Koch auch eine Postkarte von der Mallorca Fahrt bekommt? 

Hasenecke – Champagner und Pommes am Savignyplatz

Wir sind wieder im goldenen Westen unterwegs. Diesmal hat uns die investigative Pommes-Recherche an den Savignyplatz zur Hasenecke geführt. Direkt zwischen Kiffer-Grünanlage und der viel befahrenen Lebensader Charlottenburgs, der Kantstraße, steht der kleine Pommes-Pavillon. Das Häuschen war vermutlich mal eine öffentliche Toilette bevor die neokapitalistischen 90er Jahre mit der City Toilette die allermenschlichsten Bedürfnisse kommerzialisierten. In diesem Falle soll es uns Recht sein, denn diese urige Bude hat durchaus Charme.

Update: Wir haben das mit der vermeintlichen Toiletten-Vergangenheit recherchiert und fanden heraus: Nein. Die Bude war kein Klo – Sie ist sogar denkmalgeschützt und von 1907.

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Die patente „Curry Mamsell“ bedient seit Jahrzenten mit erprobter Berliner Schnauze. Es geht raubeinig zu, aber dafür mit einem großen Herz für die Frittierwaren. Ganz City-West ist natürlich nicht nur die Coca-Cola im Angebot, sondern auch der Piccolo Champagner. Von Jaques Quart Champagner hat zwar noch nicht mal Google gehört, aber ist die Marke auf dieser Verkehrsinsel wirklich von Bedeutung? Wir finden: Hauptsache es prickelt!

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Wir bestellen eine Portion Pommes mit Mayo und ne Currywurst. „Mit Darm oder ohne?“ – Die Curry Mamsell schaut uns kritisch an. „Mit!“ Keine halben Sachen…

Nun zu den Pommes: Unser erster Eindruck war, dass sie sehr blass sind. Es war sofort klar, dass wir es hier nicht mit dem klassischen Eckbuden Paprika-Pommes Gewürz zu tun hatten. Stattdessen lautete die Devise: Weniger ist mehr und normales Salz reicht auch.

Processed with VSCOcam with c1 presetProcessed with VSCOcam with g3 presetProcessed with VSCOcam with c1 presetGeschmacklich wurden Kindheitserinnerungen wach. Es handelte sich um die klassische Freibad-Pommes. Eins zu eins. Auch die Mayo zu hell, frisch, aber ohne jeden Geschmack. Machten wir die Augen zu, roch es nach einer Mischung aus Chlor, Sonnencreme und Schweiß von dicken Männern in zu engen Speedo-Buchsen und die Füße brannten auf dem heißen Asphalt der Pommes-Schlange des Prinzenbades. Das war atemberaubend.

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Leider waren die Pommes nicht so spektakulär wie die Erinnerungen, die sie weckten. Der Crunch war in Ordnung, kein ausgeprägter Kartoffel oder sonstiger Geschmack. Die Wurst schnitt eigentlich sogar besser ab als die Pommes.

Unsere Wertung deshalb: 2 1/2 von möglichen 5 Pommes. Kann man mal im Vorübergehen machen, muss man aber nicht.

Processed with VSCOcam with c1 preset Zwei unerwartete Highlights gab es dann allerdings doch noch:

1. Was sind aufblasbare Bärchen und warum verkauft die Pommesbude Holzfiguren?

2. Kann man „Curry-Mamsell“ – Imbiss-Fachverkäuferin Nachwuchskraft werden. Aber nur auf deutsch und mit „berlinerischem Verkaufstalent“. Teilzeit oder Mehr… – Jetzt oder Nie!

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