Die beste Fritte Brüssels- Die Entscheidung

Brüssel ist eine geteilte Stadt. Abgesehen davon, dass es zwei offizielle Sprachen, 4 Parlamente und 19 Bürgermeister gibt, sind bei der Frage, wo der besten Fritten Brüsseler gespaltener als Amerika nach den Wahlen. Traditionell verläuft die Frontlinie dabei zwischen Maison Antoine am Place Jourdan und Frit Flagey am gleichnamigen Place Flagey. Die Konkurrenz zwischen beiden Etablissements ist so hoch, dass sich der Brüsseler Rundfunk im Jahr 2014 entschied ein jährlichen „Fritometre“ zu publizieren. Die erste Frittenkrone ging mit klarem Abstand an Maison Antoine, jedoch lag im folgenden Jahr Flagey vorne. 2016 zeigte, der Kampf gegen das Establishment macht auch vor der Fritte nicht Halt. Ein  Underdog aus dem nördlichen Stadtteil Randbeek schaffte es auf den ersten Platz.

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Dennoch: Bei der Frage, ob Flagey oder Antoine geht es um mehr als Pommes. Es ist eine Identitätsfrage. Am Place Flagey, gelegen im mondänen Teil des Viertels Ixelles, trifft man solche, die immer schon lieber Jacques Brel als Stromae gehört haben und gerade dabei sind ihre Art Nouveau Wohnung zu renovieren. Der Place Jourdan mit seiner Brüsseler Mischung aus grauen 70er Jahre Bauten, Parkplatz und etwas heruntergekommenen Bars bewirtschaftet eine Mischung aus lokalen Urgensteinen, Touristen, Eurokraten und Regierungschefinnen, denen der Magen während des Europäischen Rates knurrt.

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Nach unserem Test bei Antoine hatten die Fritten neue Maßstäbe für unser Bewertungsschema gesetzt. Um das Duell der Brüsseler Pommestitanen neu anzuheizen legt Pommesluv nun nach. Wir testeten die Pommes am Place Flagey. Dabei war klar, dass nur die höchsten Teststandards genügen würden.  Unterstützt wurde Pommesluv diesmal von einer Ikone der skandinavischen Frittierkultur.20161104_140649.jpg Alva, die selbst jahrelange Erfahrung mit der Brüsseler Pommesszene hat, fühlte sich äußerst geehrt als Expertin konsultiert zu werden: „Dieser Test wird alles ändern. Diese Entscheidung wird Generationen von Pommesluvern nachhaltig beeinflussen und wahrscheinlich unsere Sicht auf die Fritte neu definieren.“ Um den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden, erlaubten wir Alva vor dem Test keine Zeit in Brüssel, zu groß war die Gefahr den Test  durch den Geschmack anderer Frittenbuden zu verzerren. Deshalb sparte Pommesluv keinen Kosten und Mühen.
Wir flogen Alva, die eigentlich gerade als Sprecherin der schwedischen Pommes die verkorkste Frittenkultur Dänemarks aufrüttelt, direkt aus Kopenhagen ein. Dass es ihr ernst war, wurde uns klar, als wir sie am Place Flagey mit Rollkoffer trafen: „Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen, so kann ich mich jeder Fritte individuell widmen.“ Ganz im Sinne der alten frittologischen Weisheit „Eine Frittentüte muss dich bei jeder Pommes neu gewinnen.“

Wir schritten also zur Tat und freuten uns, dass für die Mittagszeit eine nicht zu lange Schlange vor der Bude stand.20161104_140641.jpg Ganz im Kontrast zum Place Jourdan, wo bereits ein findiger EU-Lobbyist den Spruch prägte: „Die echten Deals werden in der Schlange bei Antoine gemacht.“  Wir entscheiden uns für eine große Portion mit klassischer Sauce Andalouse. Preislich ähnlich zum Place Jourdan. Auch die Größe der Portion scheint mit der Konkurrenz koordiniert.

Die Fritten an sich präsentierten sich einem satten Goldton, der seinesgleichen sicherlich nur in den Wandapplikationen des Trump-Towers findet. Beim ersten Biss wird uns klar, dass es ein enges Rennen werden wird. Der satte Geschmack der doppelten Frittierveredelung ist auf den Punkt, die Pommes haben ein exzellentes Verhältnis zwischen äußerem Crunch und weichem Innenleben. Die Würzung ist schlicht perfekt, vielleicht sogar perfekter als bei Antoine. Die Flagey-Pommes haben jedoch einen minimal geringeren Fettanteil. Der Fettungsgrad der Pommes ist eine bis heute höchst umstrittene Kategorie. Zwar kann ein Hauch mehr Fett der Pommes einen volleren Geschmack geben. Doch bei geringem Abschütteln der Fritten droht die Gefahr, dass die Pommes zu labbrig werden. Das perfekte Verhältnis des Fettes in den Pommes beim Schütteln zu entwickeln ist ein Spiel mit dem Feuer. Zwar sollte sorgfältiges Abschütteln das Gebot der Stunde bei den meisten Buden sein, doch bei diesem Duell kostet es Flagey einen leichten Abzug.received_10154737537840280.jpeg

Zur Sauce ist zu sagen, dass die Andalouse wohlschmeckend pikant ist und das Verhältnis vom Mayonnaise und Gewürzen auf den Punkt sind. Ebenfalls wichtig: Der Klecks reicht für eine ganze Portion. So schließen die Pommes bei der Sauce leicht wieder auf. Jedoch ist zu bemerken, dass Frites Flagey nur 15 Saucen im Angebot hat im Kontrast zu Antoine mit 28. Klar ist: Die Extras zur Fritte werden den Unterschied machen. Als Beilage wählen wir eine Frikandel- geschmacklich und frittiertechnisch zwar einwandfrei, jedoch bietet Flagey keine Spieße auch Brochette genannt. Diese dürfen normalerweise bei einem Besuch am Place Jourdan nicht fehlen. Besonders dann nicht, wenn man sich in einem der umliegenden Bars zu einem Bier niederlässt. Und wo sind eigentlich die pommesfreundlichen Bars hier?

Wir müssen mit einer Parkbank vorliebnehmen und an diesem Punkt entscheidet sich auch unser Test.20161104_142027.jpg Frit Flagey liefert eine beeindruckende Fritte die mit 4,5/5 Pommes viele Konkurrenten in den Schatten stellt. Im entscheidenden Stadtduell aber zieht sie den Kürzeren.

 

Frit Flagey

Place Eugène Flagey

1050 Ixelles

Hauptstadregion Brüssel

 

 

Das „Burgers Berlin“ und die vernachlässigte Pommes

Freitag Abend 21:30 in Charlottenburg

An der Pestalozzistraße, einer Seitenstraße der Einkaufsmeile und Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße, steht eine Traube junger Menschen vor einem Lokal mit Bierbänken, witziger Tafelspeisekarten und hippen Limos.

Um was könnte es sich anderes handeln als um einen Burgerschuppen?

In Hoffnung auf einen guten Pommesfang gesellen wir uns dazu. Atmosphärisch ist das Burgers Berlin im Industrie//Amerika- bei Westwing-eingekauft-Stil gehalten. Die Wände sind mit „lustigen Sprüchen“ in unterschiedlichen Schriftarten und kurioser Orthografie bemalt. Da ich mich ein wenig geniert habe den Spruch „Burger statt Bourgeoisie“ zu fotografieren, gibt es hier kein Bild davon.  Mit Blick auf das bruzzelnde Rindfleisch bestellen wir am Tresen.

Die Karte macht sofort klar: Pommes sind hier nur ein „Xtra“. Wir bestellen dem Cheesy Cheese und Beef & Bacon Burger und dazu Fries mit Mayo und die Chilli-Cheese-Fries (3€), die nicht auf der Karte, dafür aber auf der Tafel stehen.

Die Wartezeit von 20 Minuten (es war wohl Burger-Rush-Hour) vertreiben wir uns mit einem kühlen Augustiner. Eigentlich wäre es auch nett in so einem Laden mal zu Schultheiss oder einem Berliner Kindl gezwungen zu werden. Immer diese bayrischen Etepetete-Importe…

    

Pommes und Burger werden in kleinen, roten Plastikkörben serviert. Als Kind der 90er Jahre habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Plastikerzeugnissen. Der frühere Stoff der Zukunft hat heute den Beigeschmack von fadem Konsumismus.  Also wenn ich die Wahl habe, darf es für mich doch klassisch der Porzellan oder Keramikteller sein.

Die Pommes haben einen goldgelben Ton, der könnte allerdings noch etwas dunkler sein. Die Form der Fritte verrät das Industrieerzeugnis. Diese Pommes sind definitiv nicht selbstgemacht. Der Biss ist hart, jedoch nicht knusprig. Von einem Crunch kann kaum die Rede sein. Leider ist auch der Geschmack fad und sie sind nicht ausreichend gesalzen. Erschwerend kommt noch das Preis-Leistungs-Verhältnis hinzu: Der Preis von 2€ bzw. 3€ für die Chilli-Cheese-Fries ist üppig für dieses Häufchen Pommes.

Die Mayo hat eine cremige Konsistenz und schimmert in einem schönen Cremeweiß. Doch auch sie schmeckt süßlich und konservig, leider nicht frisch. Der Ketchup schmeckt ebenfalls nach dem 10-Liter-Eimer-Klassiker aus der Metro. Hier noch ein preisliches Kuriosum: Wohingegen der Ketchup auf dem Tisch zur freien Verfügung steht, zahlt man für die Portion Mayo extra 30 Cent. Die Chilli-Cheese-Sauce ist nasty-käsig-scharf aber auch nicht frisch. Die frischen Jalapeños fallen dazwischen positiv auf.

Im Gegensatz zu den vernachlässigten Beilagenpommes konnten die Burger wirklich punkten. Die Brötchen hatten eine perfekte Konsistenz, sind beim Essen nicht zerbröselt und waren knursprig. Das Rindfleisch schien manchmal noch zartrosa durch (mhmmm) und spielte saftig mit dem frischen Salat zusammen. Die Burger zählen definitiv zu den besten Berlins.

  

Unser Fazit: Leider nur 2 von 5 möglichen Pommes. Das Burgers Berlin ist – nomen est omen- eine mehr als solide Adresse für Burger. Doch leider nicht für Pommes. Hier ist definitiv noch Luft nach oben!

Burgers
Pestalozzistrasse 25
10627 Berlin

Koschere Fritten im Marais

Als Rabbi Jacob 1973 von New York nach Paris aufbrach, war der cheese cake sicherlich nicht die einzige kulinarische Herausforderung, die er seiner französischen Mischpoke präsentiert haben muss.

Fakt ist: Amerikanische Esskultur ist heutzutage fester Bestandteil der Pariser Küche.

Der Leser wird jetzt vielleicht einen Aufsatz über die brutale Verdrängung traditionellen französischen Bistros und kulinarischer Vielfalt durch imperialistische Big Macs, Whopper und Chicken Wings erwarten. Aber weit gefehlt, die Résistance steht. Keine Neueröffnung einer Fastfoodfiliale mit Spielzeugkollektion vergeht, ohne den Widerstand von besorgten Müttern eines Nachbarschaftskommittees und massiven Protesten, die das Ende der französischen Republik vorhersagen. Diese Abneigung ist jedoch eher geprägt von der drohenden Amerikanisierung durch menschenverachtende Großkonzerne. Denn eigentlich wissen die Franzosen Berge von Fleisch mit einer guten Portion Kohlehydrate und Sauce in ihrer Küche sehr wohl zu schätzen. So ist es also auch kein Wunder, dass in den letzten Jahren in Paris exquisite Burgerrestaurants aus dem Boden sprießen.  Regionale Zutaten, Biofleisch, handgemachte Saucen und wenigstens 10 Jedermann unbekannten Biermarken sind das Standardprogramm. Nicht, dass die Pariser damit einen grundlegend exquisiteren Geschmack hätten, die selben Komponenten sind heute die Erfolgsfaktoren für jeden Burgershop in den globalen Gentrifizierungsepizentren.

Das alte jüdische Viertel Marais, hat sich in den letzten Jahren auch auf die Seite der globalen cool kids geschlagen und bietet heute alles, was das Yuppie Herz begehrt. Mitterweile macht der Spruch die Runde, das einzig jüdische, was dem Marais geblieben sei, wären die Sonntagsöffnungszeiten der Modeketten. Dennoch ist auf der Rue des Rosiers nach wie vor das Herz von jüdischer Kultur in Paris zu finden.

Einer der alteingesessenen Lokalitäten des Marais ist Mickey’s Deli. Seit 5755 (oder auch 1995) ist Mickey’s eine gefragte Adresse für koschere Fastfoodkultur. Dabei hat sich der Deli dem zeitgenössischen Trend angepasst und jeder anspruchsvolle Fastfoodkenner wird sich zwischen den standardmäßigen Backsteinwänden und der offenen Küche sehr wohlfühlen. Zur Abwechslung zu anderen Gentrifizierungsschuppen, wird man jedoch beim Essen von Portraits mit grimmigen Rabbis beobachtet und es finden sich geschmackvolle Retro-Reklamen oder Hygienehinweise auf Hebräisch.

Nun aber zum Essentiellen: Ich habe das Glück heute von Jonathan, einem der kritischsten Kritiker der westfälischen Fastfoodgemeinde begleitet zu werden. Beim Blick auf die Karte stellen wir beide fest, dass sich nicht nur das Interieur dem Publikum angepasst hat, sondern auch der Preis im Marais Mittelmaß liegt. Für 15€ -19€ gibt es einen Burger mit Fritten.  Wir entscheiden uns für einen spicy Hamburger und einen Mickey’s Burger. Dazu gibt es israelisches Maccabee Bier, welches seine französischen Konkurrenz ziemlich alt aussehen lässt und Mickey’s schon mal seinen ersten Pluspunkt beschert.

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Als unsere Burger kommen, relativiert sich der Preis: Vor uns liegt ein Zentralmassiv von Pommes und ein äußerst saftiger Burger mit Spiegelei und Gurke als extra. Als der Kellner realisiert, dass wir uns im Besonderen für das Frittierte des Hauses interessieren, wird uns schnell deutlich gemacht, dass diese Fritten „homemade“ sein. Ein wichtiges Qualitätsschlagwort für den geneigten Yuppie. Es besteht kein Zweifel, dass es sich tatsächlich um solche handelt. Als langjähriger Selbstfrittierer weiß ich, dass der schnellste und faulste Weg zur Fritte darin besteht ungeschälte Kartoffeln in Streifen zu schneiden und diese so wie sie sind in die Friteuse zu befördern. Nur so entsteht die unverwechselbare „homemade“ Fritte mit ihrem besonders braunen Ton, sehr kartoffeligen Geschmack und schimmernder Kartoffelschale unter der Fettversiegelung. Diese Fritte hat zwar bei weitem nichts mit den sauber geschnittenen, mehrfach frittierten Pommes der hohen Schule zu tun, aber geschmacklich ist sie trotzdem ein Hit und ein wenig Nostalgie zu meiner alten Black Princess weckt sie auch in mir. Abgesehen vom Geschmack besteht die Kür bei dieser Art von Fritten darin, einen akzeptablen Knuspergrad zu erreichen. Die einmalige Frittierung macht dies meist sehr schwer. In dieser Hinsicht schaffen es Mickey’s Fritten nicht besonders weit, was nicht weiter erstaunlich ist, denn „homemade fries“ ist in vielen Institutionen leider auch ein Synonym für einen faulen oder unerfahrenen Friteur. Das wirkliche Highlight dieser koscheren Fritten findet sich allerdings in einem kleinen Klecks zwischen Burger und Frittenberg: Eine Auberginencreme-Mayomischung, auch als Baba Ghanouj bekannt. Im Zusammenspiel mit den Pommes ergibt dies eine äußerst abwechslungsreiche Variation. Bei dieser Sauce vergisst man, dass auf dem Tisch sowohl richtige Mayo, als auch eine große Flasche Ketchup verfügbar sind.

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Außer Frage steht, dass man Mickey’s Deli hungrig verlassen wird. Der leckere Burger und die etwas schlabbrigen „homemade“ Fritten das wunderbare Baba Ghanouj sind ein stabiles und leckeres Gesamtkonzept, um einen Kater zu überwinden oder ungesund in den Abend zu starten.

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Aus frittologischer Sicht sind Mickey’s Fritten zwar durchaus lecker und ergeben zusammen mit der orientalischen Sauce ein stimmiges Konzept, jedoch kann man nicht über die technischen Mängel der Fritte hinwegsehen: Mit einer höheren Crunchyness würden es diese Pommes auf jeden Fall auf eine Spitzenwertung bringen, aber in ihrer aktuellen Verfassung schaffen sie es nur auf 3,5 von 5 Fritten.

Mickey’s Deli

23 bis Rue des Rosiers

75004 Paris

Öffnungszeiten: 12:00- 23:00 Uhr

Pommes in Paris: Bouillon Chartier

Paris ist die Stadt der Liebe, doch auch der Pommes? Das war die Leitfrage meines Ausfluges in die französische Hauptstadt. Um dieser auf den Grund zu gehen, traf ich mich mit Pommes-Experte Maximilian Foppe im 9. Arrondissement im Traditionslokal Bouillon Chartier. Das Restaurant lockt bereits seit 1896 hungrige Gäste in seine Art Déco-Halle. Die über das letzte Jahrhundert angesammelten Sticker an der Tür beweisen die anhaltende Popularität des Lokals. Neben seiner schönen Einrichtung und dem umtriebigen Bahnhofshallen-Flair ist es auch eins der preiswertesten Lokale der Stadt. Die perfekte Station für unseren Test der Pariser Pommes also. Wir kamen um kurz vor zehn, hatten Glück und wurden als letztes noch in die Warteschlange für einen Tisch gelassen. Das Publikum ist bunt gemischt: Französischen Banker sitzen hier neben besungenen Geburtstagskindern und Touristen aus aller Welt. IMG_0146IMG_0147 Maximilian glänzte in seiner Expertenrolle durch die profunde Kenntnis der Speisekarte. Während er die Weinbergschnecken als Vorspeise wählte, setzte ich mich gegen seinen Rat (seine Empfehlung war der Specksalat) durch und bestellte einen grünen Salat. Welch eine Fehlentscheidung! Die grünen Blättchen trieften vor scharfer Mayo. Ich hatte mir eher ein frisches Entree für das Pommesvergnügen gewünscht. So löffelte ich widerwillig den Mayosalat und tunkte ab und an Brot in die Knoblauchsauce der Weinbergschnecken. Die war vorzüglich. Weintechnisch empfahl Maximilian den ehrlichen Hauswein – ein Glück war der gekühlt und so trotz der zusammengepanschten Weinreben genießbar und nach dem zweiten Glas sogar recht ansprechend. Der gestresst aber herzlich wirkende Kellner kritzelte unsere Bestellung auf die Tischdecke und wuselte durch die Tischlandschaft. Als er das Steak Tartare mit Pommes brachte, fehlte natürlich die Mayo (die war wohl schon aus Versehen im Salat gelandet). Sehr zu meinem Ärger ist die Mayo-Kultur in Frankreich unterentwickelt. Wir bestellten sie daher extra und bekamen eine geschmacklose Butter-Pampe. Auch die Pommes waren leider weit entfernt von den flämischen Exemplaren. Zwar betonte Maximilian das ausgewogene Verhältnis von knuspriger Hülle und weichem Kern, doch dies konnte nicht über die gesamte geschmackliche Neutralität hinwegtrösten. Verzweifelt über den fehlenden Geschmack von Sauce und Pommes experimentierten wir ebenfalls mit einem Klecks scharfem Senf. Doch auch dies führte zu keinen empfehlenswerten Ergebnissen. Im Kontrast dazu konnte das Steak Tartare durchaus überzeugen. Die rohe Fleischigkeit mit Zwiebelkrone hielt was sie versprach.

IMG_0149 IMG_0151IMG_0152IMG_0153IMG_0154IMG_0155IMG_0156 Unser Urteil:  In Anbetracht der Butter-Mayo und fehlenden Würze der Pommes vergeben wir leider nur 2 von 5 Pommes. Das Chartier empfehlen wir zwar nicht für Pommes, aber grundsätzlich lohnt sich ein Besuch. IMG_0157 IMG_0150 Bouillon Chartier  7 rue du Faubourg Montmartre | 75009 Paris Offen jeden Tag von 11:30-22:00 Es gibt keine Reservierungsmöglichkeit

Reise zur Wiege der Pommes Teil II

Nach meinem Liège Debakel nahm ich mir fest vor in Maastricht mein Pommesglück zu versuchen. Maastricht liegt in Limburg, dem südlichen Teil der Niederlande, zwischen Deutschland und Belgien.  Diese Region ist nicht nur bekannt als Keimzelle des Populisten Geerd Wilders, sondern auch als  international geschätzte Frittenhochburg. Mancheiner behauptet Kanye West sei wegen der Tefaf (einer Millionärskunstmesse) in die beschauliche Stadt gekommen, in Expertenkreisen ist jedoch klar: Es war die Pommes, die ihn anzog!

Wo gibt es die besten Pommes in Maastricht? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Zu den besten zählt aber in jedem Falle Reitz am Markt. Direkt neben der McDonalds Filiale gelegen, ziehen sich oft weite Kundenschlangen um die Pommesausgabe. Auch ich konnte nach meinen Verpflichtungen noch fix Pommes to Go bestellen. Ein gegelter Niederänder hinter dem Tresen empfahl mir erst „Frites speciaal“ um mich dann nach einem Date für morgen zu fragen. Ich wägte ab: Intime Einsichten ins Pommesbusiness wären sich wertvoll,  aber diese gegelten Haare…

Ein kurzer Exkurs zur männlichen Haarkultur der Niederlande: Ihre Liebe zur Frittierkultur tragen die Holländer auch gerne stolz in ihren Haaren zur Schau. So munkelt man der glänzende, fest betonierte Haarhelm käme nicht durch das Zutun von Styling Produkten, sondern durch einen beherzten Kopfsprung in die hauseigene Fritteuse zu Stande.

Ich lehnte höflich ab.

Nun zu den Pommes: Für 2,50€ erwarb ich eine kleine Tüte Pommes, die doch recht groß war. „Frites speciaal“ ist der Königsweg unter den Pommesvariationen: Ketchup, Mayo gekrönt von einer ordentlichen Portion rohen Zwiebeln. Yummi! Knusprige Pommes mit ein wenig Curry/Paprikagewürz mit viel Soße und frischem Gemüse vereint Was kann es Schöneres geben? Einfach nur ein snacking Traum.  Ich sprintete mit meinen Pommes zum Bahnhof und passierte so noch ein letzes mal die Maas. Nun schien das warme Licht des Sonnenuntergangs auf Pommes und Maas – Die Wiege der Pommes!

Unser Urteil: 3,5 von 5 Pommes und sehr nah an einer 4.

Friture Reitz

Markt 756211 CL Maastricht, Niederlande

Jeden Tag geöffnet von 11:00-19:00

(Donnerstags bis 21:15)

+31 43 321 5706