Im Namen der Fritte in Rumänien

In jener Nacht, während er tief ins Herz der Südkarpaten vordrang, wusste Professor Ambronsius noch nicht, dass er nahe daran war, das Ziel seiner geheimnisvollen Forschung zu erreichen.

So beginnt der Polanski-Klassiker Tanz der Vampire, den ich seit Kindertagen mitsprechen kann und der vielleicht mein prägendster Bezug zu Rumänien war. Ryanair sollte dies ändern. Mit der neuen Flugverbindung überzeugte ich den Pommesluv Head of Fashion Rita und Auslandskorrespondenten Maximilian von einem gemeinsamen Wochenende in Bukarest. Die Südkarpaten waren immer noch zu weit weg und so beschlossen wir unsere geheimnisvolle Forschung im Gebiet gepflegter Drinks und frittierter Kartoffeln voranzutreiben.

 

Wir schlenderten durch das kontrastreiche Stadtbild vorbei an kleinen neoklassizistischen verfallenen Villen, imposanten Protz-Kommunisten-Bauten und modernen Glaskästen. Die Straßenschilder gleichen denen in Paris und als wir auf unserer Terrasse in der Sonne über die Dächer Bukarest blickten, musste ich zwangsläufig daran denken, dass dies hier vielleicht sogar das bessere, in jedem Falle entspanntere, Paris sei.

 

Nun galt es noch herauszufinden wie die Rumänen es mit den Pommes halten – Etwa französisch und dünn geschnitten? Oder russisch an Bratkartoffeln orientiert?  An der ein oder anderen Imbissbude sahen wir schon das knusprige Gold bruzzeln. Ein gutes Zeichen. Der Local unseres Vertrauens empfahl uns ein Burger-Restaurant im Norden namens Biutiful, direkt an einem überdimensionalen Tümpel gelegen. Wir liefen in der Mittagssonne am Ufer entlang und bogen neben dem Tennisclub in das Restaurant ein.

 

 

Wir wurden begrüßt von einem Kellner in einer seltsamen blau-grauen Uniform. Was wohl im Rahmen des maritimen Konzepts des Laden, wie zwei Schichten Wasser aussehen sollte, wirkte am Leib der männlichen Mitarbeiter eher wie ein merkwürdiges Korsett. Rita versuchte kurz ihr Handy an der Starkstrombüchse zu laden, bis der Kellner uns eine Powerbank brachte. Am Tisch setzte Erleichterung ein, Rita könnte weiter jede Sekunde unseres Aufenthaltes per Snapchat live in die Welt übertragen.

Wir bestellten Pommes und Burger und warteten gespannt. Neben uns kamen und gingen Familien und Freundesgruppen. Eine hochgewachsene Frau trug einen silbernen, glänzenden Lederminirock auf den Rita neidisch schielte. Maximilian merkte an, dass der Rock eine umgedrehte Riesen-Caprisonnen-Verpackung sei. Er hatte nicht unrecht, aber die merkwürdige Feststellung war bestimmt auch auf seinen Spritz zum Mittag zurückzuführen.

In der leichten Brise wog sich das Holzmobile über der Bar, die Leuchtschrift der Toiletten blitze auf und erlosch aufs Neue. In den tiefen, gut gepolsterten Bänke ließ es sich gut lungern. Es dauerte eine Zeit bis unser Essen kam, umso gieriger stürzten wir uns darauf.

Die Fritten waren mittelbreit geschnitten, mit Kräutern bestreut und goldgelb frittiert. An der knusprigen Haut waren sie sofort als handgemacht zu erkennen. Ästhetisch hatten wir im Prinzip nichts auszusetzen, wobei die Kräuternummer schon eine Geschmacksfrage ist.

Wir waren allerdings positiv überrascht,  denn die Kräuterpanade war dezenter Natur. Neulich hatte ich in Berlin schrecklich viel Oregano auf den Pommes, das war ein billiger-Pizza-Alptraum in Frittengestalt. Nicht so jedoch unsere Fritten im Biutiful. Sie waren gut gesalzen und hatten eine angenehme Kartoffeligkeit. Der Crunch war überwiegend gut, ab und an habe ich mal eine leicht wabbelige Fritte erwischt. Wir waren uns einig, dass wenn man die Fritten extra knusprig bestellte, eine aussergewöhnlich-gute Pommes erhalten würde.

Processed with VSCO with 4 preset

 

Saucentechnisch griff man hier auf altbewährte Heinz-Saucen zurück. Solide, aber nicht überragend. Besonders stark war Ritas knoblauchige Joghurt-Paste, die die perfekte Ergänzung zur krossen Pommes abgab. Die Burger und Hänchenspieße waren saftig und die Drinks erfrischend. Wir konnten uns kaum beklagen!

 

Während wir entspannt snackten und loungten , mussten wir wieder die unheimliche Veränderung von Maximilian feststellen. Sobald bei ihm eine gewisse Grunderholung einsetzte, lag sein Haar auf einmal in schleimig-provokanter Pose, welches er mit einer lässigen Handbewegung noch weiter in Form brachte, sein Lächeln überzog sein ganzes Gesicht, der Blick wurde unangenehm hypnotisch. Auf einmal war Max: …

ein Urlaubs-David-Garett!

Maximilian stellt sich vor diese Fritte wäre eine Geige!

 

Bei 30 Grad lagen wir im Foodkoma und besprachen die Wertung: Wegen dem noch ausbaufähigen Crunch und der eingeschränkten Saucen Auswahl entschieden wir uns für eine solide Wertung von 3,5 von 5 möglichen Fritten! Der Schuppen ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

P.S.: Max hat sich in der Heimat und dem Sog des Alltags wieder gefangen. Ein wenig bangt es uns aber schon vor den nächsten freien Tagen mit ihm 😉

 

Biutiful by the Lake

7-9 Nordului Street,

Bucharest, ROMANIA

Bitcoins und Paprika Pommes im Room 77

An einem sonnigen Maiwochenende kann man sich wahrlich nichts Schlimmeres vorstellen, als inmitten Kreuzköllns, der Reuterstraße nämlich, einen ruhigen Patz in einem Café zu ergattern – Kinderwägen und Nachbarn, die innig miteinander auf dem Bürgersteig plauschen, so den Weg versperren und mit ihren selbstausgerichteten Blasmusikkonzerten (Ja, das sahen wir wirklich!) ihre dörflich-spießige Idylle mit Filzpantoffeln an den Füßen in Kreuzberg leben.

Ih, Zottelkissen!

Ih, Zottelkissen!

Welch‘ Glück, da kommt uns der Rebell dieses Paradieses, das amerikanische Restaurant Room 77 (Untertitel: Restaurant at the end of capitalism: warm beer, cold women and fast food made slow)  mit anmutendem Raucherbereich innen und außen und der wirklich großartigen Bezahlungsoption Bitcoins doch gerade recht!

Nachdem unnötiges und hinderliches Dekor (ein verfilztes Zottelkissen) entfernt wurde, folgt ein Blick auf die Speisekarte:

Es offenbart sich zunächst eine große Bier- und Softdrinkauswahl.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Saucenauswahl: Mit hausgemachter Knoblauch Mayo, Sour Cream, Ketchup ( wir ließen ihn auf der Zunge zergehen und sagten beide im Chor „Heinz!“) und Salsa als Auswahl kann man nichts falsch machen. Uns ist klar: Der Stellenwert der Pommes wird durch die Saucen unterstrichen.

IMG_3974

„Tiefsinnige“ Systemkritik an der Wand

Auch neben den (oft auch gelobten) Burgern des Hauses, drängen sich besonders die hausgemachten Potato Wedges des Room 77 in den Vordergrund der nicht geringen Essensauswahl. Schön, dass ein Restaurant die sonst oft als Beilage abgetane Kartoffel noch schätzt. Unschön hingegen, dass es nur Potato Wedges (obwohl sie wie Pommes aussehen) gibt und keine normalen Pommes Frites.

Mehr Pommesvielfalt wäre wünschenswert.

IMG_3942

Zwei Berge „Wedges“


Der Burger - Fantastico!

Der Burger – Fantastico!

Nun zur nahen Verwandten der Pommes an sich: Die Optik lässt schnell erkennen, dass diese Wedges in der Tat selbstgemacht sind – variantenreich in ihrer Form, schmücken sie den wirklich großen Teller. Die Kartoffel kommt hier mit Schale, was uns auch gefällt. Leider sticht bereits auf den ersten Blick der überaus großzügige Umgang mit dem Paprikagewürz ins Auge. Orange bis feuerrot- nicht goldgelb leuchtet es.

IMG_3945

IMG_3956

IMG_3943

Zum Geschmack sei zu sagen, dass die Kartoffel authentisch, kartoffelig daherkommt, im Geschmack wirklich nicht falsch, im Crunch allerdings nur mittelmäßig. Allerdings mag dieser bei einem Wedge auch schwerer zu erreichen sein. Der Salzgrad ist vollkommen in Ordnung.

Nach dem Teller ist uns ein wenig schlecht – vielleicht lag es an der signalfarbenen Ton und der Überwürzung der Wedges.

IMG_3966IMG_3963

Pommes oder Wedge? Das ist hier die Frage!

Unser Urteil: Alles in allem sind wir zufrieden und geben den Wedges des Room 77 2 1/2 Pommes von 5.
(Die Burger waren, wie eben oft von anderen beschworen, sehr gut.)

IMG_3977

Room 77

Graefestraße 77

10967 Berlin

030 31102260