Im Namen der Fritte in Rumänien

In jener Nacht, während er tief ins Herz der Südkarpaten vordrang, wusste Professor Ambronsius noch nicht, dass er nahe daran war, das Ziel seiner geheimnisvollen Forschung zu erreichen.

So beginnt der Polanski-Klassiker Tanz der Vampire, den ich seit Kindertagen mitsprechen kann und der vielleicht mein prägendster Bezug zu Rumänien war. Ryanair sollte dies ändern. Mit der neuen Flugverbindung überzeugte ich den Pommesluv Head of Fashion Rita und Auslandskorrespondenten Maximilian von einem gemeinsamen Wochenende in Bukarest. Die Südkarpaten waren immer noch zu weit weg und so beschlossen wir unsere geheimnisvolle Forschung im Gebiet gepflegter Drinks und frittierter Kartoffeln voranzutreiben.

 

Wir schlenderten durch das kontrastreiche Stadtbild vorbei an kleinen neoklassizistischen verfallenen Villen, imposanten Protz-Kommunisten-Bauten und modernen Glaskästen. Die Straßenschilder gleichen denen in Paris und als wir auf unserer Terrasse in der Sonne über die Dächer Bukarest blickten, musste ich zwangsläufig daran denken, dass dies hier vielleicht sogar das bessere, in jedem Falle entspanntere, Paris sei.

 

Nun galt es noch herauszufinden wie die Rumänen es mit den Pommes halten – Etwa französisch und dünn geschnitten? Oder russisch an Bratkartoffeln orientiert?  An der ein oder anderen Imbissbude sahen wir schon das knusprige Gold bruzzeln. Ein gutes Zeichen. Der Local unseres Vertrauens empfahl uns ein Burger-Restaurant im Norden namens Biutiful, direkt an einem überdimensionalen Tümpel gelegen. Wir liefen in der Mittagssonne am Ufer entlang und bogen neben dem Tennisclub in das Restaurant ein.

 

 

Wir wurden begrüßt von einem Kellner in einer seltsamen blau-grauen Uniform. Was wohl im Rahmen des maritimen Konzepts des Laden, wie zwei Schichten Wasser aussehen sollte, wirkte am Leib der männlichen Mitarbeiter eher wie ein merkwürdiges Korsett. Rita versuchte kurz ihr Handy an der Starkstrombüchse zu laden, bis der Kellner uns eine Powerbank brachte. Am Tisch setzte Erleichterung ein, Rita könnte weiter jede Sekunde unseres Aufenthaltes per Snapchat live in die Welt übertragen.

Wir bestellten Pommes und Burger und warteten gespannt. Neben uns kamen und gingen Familien und Freundesgruppen. Eine hochgewachsene Frau trug einen silbernen, glänzenden Lederminirock auf den Rita neidisch schielte. Maximilian merkte an, dass der Rock eine umgedrehte Riesen-Caprisonnen-Verpackung sei. Er hatte nicht unrecht, aber die merkwürdige Feststellung war bestimmt auch auf seinen Spritz zum Mittag zurückzuführen.

In der leichten Brise wog sich das Holzmobile über der Bar, die Leuchtschrift der Toiletten blitze auf und erlosch aufs Neue. In den tiefen, gut gepolsterten Bänke ließ es sich gut lungern. Es dauerte eine Zeit bis unser Essen kam, umso gieriger stürzten wir uns darauf.

Die Fritten waren mittelbreit geschnitten, mit Kräutern bestreut und goldgelb frittiert. An der knusprigen Haut waren sie sofort als handgemacht zu erkennen. Ästhetisch hatten wir im Prinzip nichts auszusetzen, wobei die Kräuternummer schon eine Geschmacksfrage ist.

Wir waren allerdings positiv überrascht,  denn die Kräuterpanade war dezenter Natur. Neulich hatte ich in Berlin schrecklich viel Oregano auf den Pommes, das war ein billiger-Pizza-Alptraum in Frittengestalt. Nicht so jedoch unsere Fritten im Biutiful. Sie waren gut gesalzen und hatten eine angenehme Kartoffeligkeit. Der Crunch war überwiegend gut, ab und an habe ich mal eine leicht wabbelige Fritte erwischt. Wir waren uns einig, dass wenn man die Fritten extra knusprig bestellte, eine aussergewöhnlich-gute Pommes erhalten würde.

Processed with VSCO with 4 preset

 

Saucentechnisch griff man hier auf altbewährte Heinz-Saucen zurück. Solide, aber nicht überragend. Besonders stark war Ritas knoblauchige Joghurt-Paste, die die perfekte Ergänzung zur krossen Pommes abgab. Die Burger und Hänchenspieße waren saftig und die Drinks erfrischend. Wir konnten uns kaum beklagen!

 

Während wir entspannt snackten und loungten , mussten wir wieder die unheimliche Veränderung von Maximilian feststellen. Sobald bei ihm eine gewisse Grunderholung einsetzte, lag sein Haar auf einmal in schleimig-provokanter Pose, welches er mit einer lässigen Handbewegung noch weiter in Form brachte, sein Lächeln überzog sein ganzes Gesicht, der Blick wurde unangenehm hypnotisch. Auf einmal war Max: …

ein Urlaubs-David-Garett!

Maximilian stellt sich vor diese Fritte wäre eine Geige!

 

Bei 30 Grad lagen wir im Foodkoma und besprachen die Wertung: Wegen dem noch ausbaufähigen Crunch und der eingeschränkten Saucen Auswahl entschieden wir uns für eine solide Wertung von 3,5 von 5 möglichen Fritten! Der Schuppen ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

P.S.: Max hat sich in der Heimat und dem Sog des Alltags wieder gefangen. Ein wenig bangt es uns aber schon vor den nächsten freien Tagen mit ihm 😉

 

Biutiful by the Lake

7-9 Nordului Street,

Bucharest, ROMANIA

Kapitalismuskritik und koreanische Pommes

Ich habe Besuch und wir haben Pläne gemacht für Freitagabend. Federico, mein Kumpan aus Pariser Zeiten ist in der Stadt und möchte Bilderbuch-Amerika kennenlernen. Ihn hat es, genauso wie mich, zu Beginn des Jahres auf die andere Seite des Atlantiks getrieben. Auch wenn es ihm in Washington D.C. gefällt, irgendwie hat er noch keine Wolkenkratzer und Leuchtreklamen gefunden. Das kann ich bieten und deshalb habe ich ihn nach New York eingeladen.

Um ihn direkt in die richtige Stimmung zu bringen, haben wir einen Termin im Herzen der freien Welt und eigentlich der gänzlichen Galaxie (vorausgesetzt die Amis kriegen jetzt mal langsam ihre Fahne auf den Mars): Wir haben Broadway Tickets für eine Show unweit des Time Squares. Die Bedeutung dieses Ortes steht in direkter Linie mit anderen historischen Plätzen der westlichen Welt: Olymp- Forum Romanum- Concorde- Times Square. Alles was Amerika überlegen macht an einem Platz: Der Disney Flagship Store, die Rekrutierungsstation der US Armee und Boobie Girls, auch wenn denen um diese Jahreszeit ein bisschen zu kalt ist.

All das eingerahmt in ein Meer von Licht und Glitzer. Während dieser Ort alle Errungenschaften des Kapitalismus zum Besten gibt, ist er auch Sinnbild für sein eigenes Scheitern: Wer sich hier auf die Suche nach einer vernünftigen Fritte macht, wird sich mit blassen, labbrigen und ungesalzenen Magerstangen in einem der unzähligen Kettenrestaurants abgeben müssen. Wir sind hungrig vorm Theater aber beim Anblick der Pommes rund um den Times Square werden wir schnell zu Kapitalismuskritikern. Wie in früheren Posts bereits erwähnt, sollte sich eine Kultur immer daran messen lassen, wie sie mit ihren Fritten umgeht. Im Sinne des amerkanischen Vorwahlkampfes wird uns deutlich: The system is broken!“

12242971_10208701059833765_1033153668_o

Wir haben noch ein wenig Zeit vor Beginn der Show und entfliehen ins nahgelegene K-Town. Wir sind nicht wirklich in der Stimmung auf Kimchi und oder koreanisches BBQ. Zwei Blocks vom Empire State Building entfernt stoßen wir auf eine Lokalität, die unserem frittierten Appetit gerecht wird: Turntable Chicken&Jazz. Die Karte verspricht ein gewagtes Crossover, aus amerikanischen Klassikern (verschiedenste Varianten von fried Chicken) und koreanischer Küche. Versteckt im ersten Stock, über einem 99ct Pizza Shop, befindet sich Turntable Chicken&Jazz. Der Barbereich ist überfüllt mit hippen Anzugträgern aus Midtown, die während des Afterwork-Drinks über ihre 75 Stunden Woche klagen. Es ist dunkel und aus den Lautsprechern dröhnt ein Crossover von Elektromusik und Chartsmusik. Bis zum Ende unseres Besuchs werden wir uns fragen, was der Jazz im Namen verloren hat. Wir werden von einer professionell, schlecht gelaunten Kellnerin an einen Tisch gelotst und bestellen koreanisches Lagerbier.

Nach einer Weile beobachten wir, wie eine Gruppe neben uns durchsichtige Bierfässer mit wahlweise pinker, hellblauer oder grüner LED-Beleuchtung auf den Tisch gestellt bekommt. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, was das Highlight jeder koreanischen Kegelparty sein muss.12751707_10208701059553758_1151890328_o Unsere Entscheidung fällt schnell auf eine mittlere Portion Chicken Wings und Fritten. Wir werden vorgewarnt, es könne bis zu 40 Minuten dauern- alles sei frisch. Wir finden das nicht okay, nehmen es aber in Kauf bei einem Kurs von $10 für Chicken Wings und Fritten pro Person. Am Nachbartisch sitzt ein Date. Es ist definitiv ein Date, denn er weiß viele essentials noch nicht über sie. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie diesen Ort für das Treffen ausgewählt hat, denn sie erklärt ihm die Karte in allen Details und einer Lautstärke, dass ich Material für einen neuen Blogpost hätte. Unser Essen kommt früher als erwartet und ab diesem Punkt spielen die Gespräche am Nebentisch keine Rolle mehr. Ich kann nicht wirklich viel sehen, aber was ich schmecke ist unerwartet, aber sehr überzeugend. 12751896_10208692157211205_995535418_oDie Pommes sind selbstgemachte, geschnittene Kartoffeln mit einer erstaunlichen Präzision in ihrer Machart. Außen sehr kross, innen immer noch eine ganze Kartoffel. Selten gab es eine hausgemachte Fritte mit einem solchen effait.

12528583_10208692171051551_553341240_o12776928_10208701060953793_50760115_o   Wie sich beim Photo herrausstellt, ist auch die Farbe mehr als gekonnt- ein goldbrauner Genuss. Amerika ist bekannt als Land der Mayo-Verächter, nicht so bei Turntable Chicken&Jazz, denn es gibt ungefragt Trüffelmayonnaise zu den Pommes. So etwas passiert selten und verdient Pluspunkte. Ein paar Worte sollten auch über die Chicken Wings verloren werden. Diese sind ebenfalls sehr gut frittiert äußerst scharf und werden mit koreanischen Kohl begleitet, der zur Milderung der Schärfe beiträgt.

12767865_10208692153691117_1756719421_o

Insofern sei geschlussfolgert, unerwartet, aber verdient: K-Town in New York produziert nicht nur scharfes aus Fernost, sondern hat auch Pommes zu bieten, die Standards setzen. Die Fritten selber verdienen 4 von 5 Pommes, es gibt jedoch Abzüge für die Chartsmusik (-0.5) und für den mittelmäßigen Service (-0.5). Dafür gibt es jedoch einen Extrapunkt für die komplementäre Trüffelmayonnaise. Also 4 von 5. Was lernen wir aus diesen Test?- Sauce does matter. A lot!

 

Turntable Chicken&Jazz

314 5th Avenue

10001 New York, NY

http://www.turntablenyc.com/

 

 

Im Grunewald ist Pommes Auktion

Zugegeben ein ziemlich hanebüchener Griff der Überschrift nach dem Gassenhauer Im Grunewald ist Holzauktion Der Leser möge Gnade walten lassen. Wir hatten eine lange Pommes-Berichterstattungs-Abstinenz und müssen uns wohl erst einmal wieder in den frittig-fettigen Jargon reinfinden.

Ich hatte jüngst einen schweren Anfall von Prokrastination (die Klausuren nahen und andere Deadlines sitzen mir auch im Nacken) und so entschied ich mich schlechten Gewissens für einen Tagesausflug zum Grunewaldsee. Den Dackel unter den Arm geklemmt, stieg ich in den Bus und fuhr vorbei an schönen Stadtvillen und teuren 1960er Jahre Bunkern zum Roseneck. Diesem verschlafenen Seniorenidyll mit hervorragendem Tortenangebot kann ich einiges abgewinnen. Früher gab es dort direkt am Platz auch so eine Luxus-Bude, die Currywurst, Scampi und Schampus vereinen wollte. Das konnte sich wohl selbst im goldensten Westen nicht durchsetzen. So blieben die Luxus-Preise der Bude, aber die Pommes können mich bis heute nicht überzeugen.

Viel besser ist es direkt eine Bude am Grunewaldsee aufzusuchen. In meinen Kindertagen gab es immer urige Buden direkt am Hundestrand, die für 50 Pfennige Tee und Kaffee, für eine Mark runzelige Bratwurst anboten und stets schlecht gelaunt waren. Ob der Euro oder der Wandel zur Service Mentalität die Ursache ihres Verschwindens waren, lässt sich heute wohl nicht mehr zurückverfolgen.

Processed with VSCOcam with 4 preset

Die gepflegte Pommeshütte

Deshalb war ich natürlich misstrauisch als ich das gepflegte Holzhäuschen mit Pommesangebot vor dem Jagdhaus Paulsborn erspähte. Das gute alte Verschlafene sucht man in Berlin zunehmend vergebens.

Neben der Pommeshütte steht auch noch eine weitere Hütte, die Delikatess-Hundefutter verscherbelt. Als Berliner „kricht man da natürlich nen Föhn“ und fragt sich, ob das nun endgültig München ist. Aber kein Hund trug MCM oder Moncler.

Ein trüber Januartag – zum Glück gibt es Pommes!

Genug des Hates – das Jagdhaus ist wirklich ein schönes Restaurant und auch der Hof ist gepflegter als in den guten alten Zeiten.

Ich bestellte einmal Pommes mit Bratwurst, während mein Dackel Frieda damit beschäftigt war drei Terrier gleichzeitig zu belästigen. Im Rückblick (auch in Anbetracht der Preistafeln) kann ich mir nicht erklären, weshalb ich für eine Pommes, eine Bratwurst und einen Kaffee zusammen nur fünf Euro gezahlt habe. Es war jedenfalls ein Schnäppchen und das Service Personal war nett.

Sehr positiv fiel mir auch auf, dass Ketchup und Mayo zur freien Verfügung angeboten werden. Diese Eine-Sauce-kostet 50-Cent-Politik nervt mich ohnehin. Ich habe einfach eine Schwäche für Mayo und deckte mich dementsprechend großzügig ein.

Welch hervorragendes Pommesgelb!

Die Pommes machten schon rein äußerlich viel her. Ein perfektes Frittengelb, ein guter Salzgrad und eine gleichmäßige Form. Der Kenner weiß dementsprechend sofort: es handelt sich um Industriefritten. Das muss allerdings nichts schlechtes sein. Eine gute, knackige Industriefritte kann 1000 mal besser sein, als eine wabbelige Ökofritte. Und so war es dann auch. Die Pommes konnten geschmacklich überzeugen. Der kartoffelige Geschmack mischte sich mit frischem Fett und einer knusprig-crunchigen Konsistenz.

Der Ketchup schmeckte klassisch nach Heinz. Bei der Mayo handelte es sich um eine Mischung aus der bewährten Schwimmbad-Mayonnaise und McDonalds-Mayo. Ein Mix, der mir persönlich sehr gut mundet.

Mayo – doppelt hält besser!

Hier muss ich noch ein paar Worte zu der Bratwurst verlieren. Die war wirklich gut gewürzt. Ein feiner Kümmelgeschmack durchzog die knusprige Wurst. Das war der perfekte Begleiter zur Portion Pommes!

Auch die Wurstqualität überzeugt- hier der Kümmel in Nahaufnahme

 

Salzige Pommes – ein Traum

Dünne Beine zum Beweis, dass ich trotz der Pommesliebe nicht dick bin

Unser Urteil: 3 1/2 von 5 Fritten. Ich empfehle die Bude. Selbst als nörgeliger Berliner kann ich mich diesen Pommes nicht entziehen. Was nun noch fehlt sind nasty Extrasaucen (die auch einen extra Preisaufschlag rechtfertigen) und noch frische Pommes als Zusatzangebot.

Unser Urteil: Geile Fritten

 

Der ultimative „Kann ich Pommes in dem Irish Pub um die Ecke essen?“ Test

Es war einmal ein verkaterter Samstag Mittag, Stefan aka DJ Frank Freshness kündigte sich in Charlottenburg als Pommestester Assistant an und weigerte sich diese eine berüchtigte Taxifahrer-Wurstbude zu testen, die ich schon seit langem auf der Agenda habe.

Seine langjährige Arbeit im White Trash mache aus ihm einen Pommes-Burgerexperten, deshalb sollten wir nach einem Burger Ausschau halten. Natürlich habe ich die Burgerbuden in meinem direkten Umfeld schon abgegrast, er schlug vor das Experiment zu wagen und Pommes bei dem Irish Pub um die Ecke zu essen. Ich bin kritisch, aber auch verdammt hungrig. Wir setzten uns in den Vorgarten des Irish Harp (wie könnte der Schuppen auch anders heißen?).

Wir sitzen relativ einsam in der Herbstsonne, nur zwei andere Gäste warten ebenfalls auf das Mittagsmenü. Stefan und ich fachsimpeln über die beste Zeit um Essen zu gehen. Ich denke, jetzt dürfte in der Küche nicht so viel los sein, unser Burger und Pommes also besondere Aufmerksamkeit des Kochs genießen. Der Gastroprofi Stefan ernüchtert mich mit seinen Ausführungen wie es in Burger-Küchen zugeht. Bestellungen über den Tag nerven eher das Küchenpersonal, da sie bereits alles für den Abend schnippeln und vorbereiten wollen. Daher gäbe es das beste Essen, wenn die Küche abends auf Hochtouren läuft und jeder seine gekonnte Routine abspielt. Klingt plausibel.

Stefan spielt den Vorfall nach – immer noch traumatisiert vom Food-Blog-Horror

In der Vergangenheit hat Stefan eher schlechte Erfahrungen mit Bloggern gemacht. Nach einem geschäftigen Abend und mit dem Service unzufriedenen internetaffinen Gästen, brach ein regelrechter Shitstorm über ihn hinein. Seine Geschichte erinnert mich ein wenig an diese mega gelungene letzte Southparkfolge zum Thema Yelping.  Er versichert mir, dass dies sein einziges Food-Blog-Gastspiel wird. Ich fühle mich geehrt.

Wir bestellen einen Cheese-Burger, einen Gravy Roasted Burger, Pommes und viel Cola. Die Bedienung ist freundlich. Wir beginnen ein tiefgründiges Gespräch über Pommes. Was versteht Stefan unter der perfekten Fritte? Gleichmässig geschnitten und kross sollen sie sein. Er lässt sich auch zu einem überraschenden Geständnis zu Tiefkühlfritten hinreissen (schaut euch das Video an):

Endlich kommen unsere Fritten und Burger. Das Küchenpersonal scheint doch hauptsächlich am Vorbereiten für den Abend gewesen zu sein 😉

Die Portion ist ordentlich und die Pommes leuchten goldgelb. Die Optik ist schon mal spitze. Der Ketchup ist klassisch von Heinz, das erschmecken wir beide gleichzeitig.

Doch wir vermissen Mayo und bestellen diese nach. Die Bedienung bringt eine Sauce und fügt hinzu „nicht wundern wegen der Farbe. Die Mayo ist selbstgemacht.“. Wir werfen einen Blick auf den Saucentopf und erschaudern tatsächlich.

Was ist das? Die sonst weiß-creme-gelbliche Farbe der Mayonnaise wurde hier mit einem stechenden Kurkuma-Senfton vertauscht. Auch der Geschmack ist so gar nicht Mayonnaisig und ähnelt ebenfalls keiner mir bekannten Pommessauce.

Nun ja zurück zu den Pommes. Wir sind uns beide einig, dass wir stark nach salzen müssen. Stefan hebt den natürlichen Geschmack der Pommes hervor. Ich finde sie zu hart und irgendwie einfach fad. Der Burger ist auch nur so lala und so wird die anfängliche Freude über die Portion zum Fluch. Ich schaffe es kaum, Stefan verputzt seinen Teller und schmiert sich noch einmal extra viel von der gelben Mayo ins Gesicht für das Foto:

Unsere Wertung: 2 1/2 von 5 Pommes! Naja also man kann schon im Irish Pub um die Ecke Fritten essen. Aber so ein richtiges Feuerwerk der Sinne war es nicht. Höchstens diese quitschgelbe „Mayo“ – aber auch eher im negativen „mir-fällt-in-Kreuzberg-ein-Böller-auf-den-Kopf“-Sinn. Stefan hat sich dennoch als super Test Begleitung erwiesen. Wir kommen bestimmt noch einmal auf seine Expertise zurück!

The Harp

Giesebrechtstraße 15

10629 Berlin

Kollektive Meinungsfindung an Tom’s Fritten oder der erste Berliner Pommesluvstammtisch

Für den ersten Berliner Pommesluvstammtisch luden wir an einem sonnigen Spätsommer Samstag (seit der neuen Staffel Schwiegertochter gesucht bin ich süchtig nach Alliterationen)  zu einem denkwürdigen Ort: Tom´s Fritten an der Oranienburger Straße. In Berlin Mitte, genauer zwischen Tacheles, Synagoge und Straßenstrich liegt hier ein Kleinod der hauptstädtischen Pommesszene.

Hintergrund des Treffens war ein im Sommer entbrannter Streit im Pommesluv Team über Tom’s Kartoffelkunst. Nikolas, ein externer Tester, bewertete sie mit ganzen 4 1/2 Pommes, die eine Hälfte der Korrespondenten protestierte und behauptete es seien die schlechtesten Pommes überhaupt. Die andere Hälfte betonte den kultigen Charakter der Traditionsbude und die Frische der Kartoffeln. Ratlos vereinbarten wir diesen Fall vorerst auf die Bank zu schieben und zu einem späteren Zeitpunkt zu Tom zurückzukehren.

Kommt Zeit, kommt Rat: Warum nicht die Pommescrowd zum Testen einladen und online geheim abstimmen? Idee für gut befunden, Pommesluver eingeladen, online Questionnaire aufgesetzt, Tischwipfel gebastelt, Dackelwelpen eingesteckt – Los ging das kulinarische Abenteuer!

Dackelwelpe und Tischwipfel – Wer kann da dem Pommestest widerstehen?

Um den traditionsreichen Food-Truck herum befindet sich mittlerweile eine kleine Garten- und Pavillionlandschaft, die uns zum gemütlichen Verzehr einlud. Nach und nach trudelten unsere Pommestester (n=13 + zwei, die sich der online Abstimmung entzogen haben) ein und bestellten unterschiedlichste Frittenvarianten à la carte.

Pommesluverin Marlene und die Qual der Wahl der Pommessauce

Nun endlich zu der FRITTE und den Ergebnissen der Abstimmung:

Der Geschmack der Fritte (also Intensität, Frische und Salzgrad) wurde von der Crowd mit 3,6 Pommes (auf einer Skala von 1 sehr schlecht und 5 sehr gut) bewertet. Die Fritten wurden aus frischen Kartoffeln gemacht, das war sofort ersichtlich. Doch zwei Pommesluver wiesen darauf hin, dass das Frittierfett noch etwas frischer sein könnte. Grundsätzlich gilt bei diesem Ergebnis im guten Mittelfeld jedoch auch, dass innerhalb des Testes die Fritten sehr unterschiedlicher Qualität waren.

Wer die Kartoffel nicht ehrt, ist die Fritte nicht wert!

Pommesluverin X: „Köstliches Produkt!

Etwas schlechter schnitten Tom’s Fritten in der Kategorie Aussehen ab. Nur 3,3 Pommes für Form und Farbe. Dieses Ergebnis ist ebenfalls der großen Varianz zu zurechnen. Mal gab es sehr krosse, braune Pommeskrümel, mal schöne goldgelbe Frittenstangen.

Ein goldgelber Traum!

Krosse, krümelige Kartoffelreste

Ein hervorragendes Ergebnis erzielten die Fritten mit 4,5 Pommes im Crunch. Eine labbrige Pommes ward von keinem unserer Tester gesichtet!

Auch die Saucen- und Getränkeauswahl wurde mit 4,5 Pommes sehr geschätzt! Probiert wurden von uns Chili-Hot, Indisch Curry, Sambal Hot Mayo, Knoblauch Mayo (sehr empfehlenswert!), holländische Frittensauce (sehr gut!), Kartoffelcreme (die Metaebene unter den Pommessaucen), Grüne Oliven Mayo, Barbecue Mayo, Spezial (leider mit zuwenig Zwiebeln) und Oorlog. Mit anderen Worten: Ein Feuerwerk der Sinne und eine Reise um die Welt der Frittensaucen. Herrlich!

Oorlog – niederländisch für Krieg – bedeutet auf der Fritte Mayo + Zwiebeln + Erdnusssauce!

Große Portion Pommes mit Chili- Hot Sauce

Die Metabebene für Kartoffelfans: Kartoffelcreme

Frites Speciaal -doch nur ein kleiner Zwiebelhauch 😦

Geheimtip: scharfe Mayo

Der Service konnte an diesem Nachmittag leider nicht punkten. Zwar war der Profi-Fritteur vorher informiert, doch ging es ihm nach eigenen Angaben nicht so gut. Der Frittenansturm konnte dementsprechend nicht in der üblichen Geschwindigkeit abgewickelt werden. Das kostete Tom`s Fritten eine Wertung von 3,2 Fritten für den Service. Ich konnte ihm die Verpeiltheit mit seiner Entschuldigung verzeihen, andere gingen härter ins Gericht:

„Uncharmante Bedienung, wirkt teils sehr gestresst!“

„Servierdauer zu lang!“

Prominente Fans vertrauen auf Tom’s Fritten!

Bernhard Hoecker und Ralf Bauer sind ebenfalls Fans der Bude

Das Preis-Leistungsverhältnis liegt mit 3,6 Pommes im Mittelfeld. Eine kleine Portion Pommes kostete 2,00€, eine große 3,00€. Saucen variieren zwischen 30 Cent und 70 Cent.

Besonders positive Erwähnung fanden noch: die „berliner“ Atmosphäre und charmante Lage  (das wurde von einem anderen Tester ebenfalls positiv bewertet jedoch ausgedrückt als „die Nähe zum Straßenstrich„) sowie das nette Publikum.

Pommesluverin Diana im Partnerlook mit Tom’s Maskottchen.

Ein Ambiente indem man gemütlich hitzige Debatten über Pommes führen kann!

Der Fritte auf der Spur – die Crowd.

Negativ fielen auf: „Zu viele Mittehipster„, Touristen und das Nichtvorhandensein eines WCs (das indische Restaurant daneben kann jedoch mit recht attraktiven Pissoirs aufwarten, erzählte sich die männliche Testerschaft am Tisch).

Alles in allem stellt Tom`s Fritten eine solide Pommesstation in Berlin dar. Für die Saucenauswahl und die Atmosphäre lohnt sich ein gelegentlicher Besuch. Die Gesamtwertung lautet: 3,9 Pommes! 

 

Was denkt ihr? Habt ihr andere Erfahrungen mit Tom´s Fritten gemacht? Oder stimmt ihr uns zu? Schreibt es in die Kommentare!

Tom’s Fritten

Oranienburger Str. 43a

10117 Berlin (Mitte)

Öffungszeiten: So-Do 12-1 Uhr, Fr, Sa 12-4 Uhr


Für alle, die jetzt nicht genug der Fritten haben, haben wir noch ein kleines Special über die Beschaffenheit der Pommescrowd vorbereitet:

Screen Shot 2015-10-02 at 15.06.12

Einen ehemaligen Tom´s Fritten Fan konnten wir auch für den Test zurückgewinnen. Bereits vor zehn Jahren war er dort nächtlicher Stammkunde. Er konnte natürlich mit sehr guten Insights aufwarten! Sein Tip: die Sambal Hot Mayo Sauce!

Screen Shot 2015-10-02 at 15.10.02

Unsere Pommescrowd war weiblich dominiert. Leider haben wir zu wenige Informationen über den Frittengeschmack von anders-geschlechtlichen. Wir suchen diesbezüglich weiter und planen ein investigatives Special (evt. in Kooperation mit der Fachschaft für Gender Studies an der HU)…

Screen Shot 2015-10-02 at 15.13.29

Mehrheitliche Pommes-Profis…

Screen Shot 2015-10-02 at 15.14.27

… mit Herz für die Fritte!

Screen Shot 2015-10-02 at 15.15.28

Klarer Favorit: Belgien

Philip im Pommesglück

Mittagszeit – das Ende der Sommerpause – das Ende einer Zeit vollkommen bewertungsloser Hingabe zur frittierten Kartoffel.
Nun jedoch von Oben die Anweisung – ‚get back in the game, content digga, wir brauchen content!‘

Mir war klar – die Frittenbude am Eck würde es diesmal nicht tun. Bis hierhin war mir noch nicht klar, dass ich auf einen kartoffeligen Hochgenuss treffen sollte. Ich ließ den Unikram ruhen und machte mich auf zum Hans im Glück in der Friedrichstrasse. Ja, richtig, Münch’ner Burgerkette – die Skepsis groß, erfahren doch die Pommes in solch Läden meist nicht so viel luv wie der fleischige Gegenpart.
Ich trete ein. Birkenstämme und schmale Bänke, gesprächiges Treiben, Szenemitte trifft auf Businessmitte.

Da ist das Ding - Mittagslunch

Fairer Deal – Mittagslunch im Hans im Glück

Sogleich am Platz, werden wir vom Kellner angewiesen, das Lunch Menu zu nehmen – „it’s just better“. Burger, Pommes, Getränk und Espresso zur Verdauung, zu einem fairen Preis – ich bin angetan.
Nach guten 15 Minuten (bei vollem Haus) kommen die Burger. Die Schale Pommes hat eine gute Größe, die Pommes strahlen mich goldgelb an – could this be it?
Lecker Pommes

Der Burger macht keine sonderlich gute Figur – ok das Ding. Aber die Pommes…
Ich beiße rein. Kross außen, innen mehlig, und mit einem wahnsinnigen Kartoffelaroma. Der Salzungsgrad ist zart, eine Komplementierung zur Kartoffel – so wie es sein sollte. Es stimmt einfach alles – wow, was für eine Fritte.
Zweite, dritte, vierte. Ich greife zur Hausmayo, und in meinem Mund spielt sich ein kartoffeliges Geschmacksinferno ab. Ich entleere die Schale ohne dem Burger groß Beachtung zu schenken. Meine Pommessucht befriedigt, widme ich mich dem Burger – ok, aber keine Überraschung.
Nun da ich diesen Text tippe, ist alles was mir bleibt, die Erinnerung an den ersten Bissen in den Kartoffelstab.
Vielleicht war meine Schale nicht wie jede andere, vielleicht der Sommer zu lang, um den harten Pommesluvbewertungsmaßstab aufrecht zu erhalten.
Fest steht, ich werde wiederkommen, um mich zu vergewissern, dass dies kein Zufall war.
Bis dahin gibt es von mir dafür 4 von 5 zu diesem Zeitpunkt bereits verputzte Fritten und das Gütesiegel – Philip im Pommesglück im Hans in Glück.

Pommesglück im Hans im Glück

Pommesglück im Hans im Glück

Hans im Glück
Mo – So: 11:00 – Ende offen
Friedrichstraße 101
10117 Berlin

Die Jupperia – Ein kulinarischer Ausflug ins Münsterland

Bereits Wochen im Voraus bereitete mich meine Reisebegleitung auf das versprochene Pommes-Highlight des Münsterlands, die Juppschale, vor.

Er, aufgewachsen im Münsterland und seines Zeichens ebenfalls Frittenliebhaber, konnte mir zwar nicht genau erklären, was sich in einer Juppschale verbarg, doch sehr gute Pommes und Gyros seien Bestandteile. Ich war vorfreudig-gespannt, aber auch kritisch. Die Anreise verzögerte sich durch eingeschlafene Ortskenntnisse meines Locals (wir machten zwischendurch noch auf einem Flugplatz halt, doch das war ein falscher Imbiss, der statt Pommes überwiegend Blechkuchen führte) und den Umzug des Treckeberg Grills von Haltern am See nach Lüdinghausen nun Jupperia.

Angelos Vorgarten ist besonders im Sommer ein netter Ort um nach der Jupp Schale noch auf ein, zwei Bierchen zu bleiben. Stammgäste, Camper und Biker geben sich hier die Klinke in die Hand. Eine lebendige Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Ich hakte noch einmal nach „Pizzeria? Sind wir wirklich richtig hier?“. Bereits etwas entnervt wurde mir versichert, dass Frittenspezialitäten und Pizza sich nicht ausschließen. Ich konterte damit, dass „internationale Spezialitäten“ nie etwas Gutes verheißen würden. Ich riss mich zusammen und betrat das charmant-rustikal eingerichtete Lokal.


Processed with VSCOcam with a6 preset

Wir wurden in Windeseile  von der Wirtin (Angelos Frau) begrüßt und mit Speisekarten ausgestattet. Hinter den Salaten verbarg sich der versprochene Insider die Jupp Schale  und die Django Schale. Ich wählte die Jupp Schale also Pommes, Gyros, Krautsahne und Mayo. Meine Begleitung entschied sich für Django mit Chili-sauce und Tzatziki. Als wir die Berge auf den Tellern sahen, war klar der Preis von  4€-4,50€ ist mehr als fair!

  

Nach dem ersten Biss konnte die Euphorie für diese Frittenode nur teilen. Diese Komposition funktioniert wirklich ganz wunderbar: der knuspriger Gyros, das frische aber sahnige Kraut, bissfeste Pommes und viel cremige Mayo. Wenn ich davon schreibe, bekomme ich glatt wieder Appetit.

Die Portion ist riesig und doch möchte man den ganzen Teller leeren. Zugegeben danach setzte ein Gefühl zwischen unendlicher Glückseligkeit und einer ad-hoc Herzverfettung ein. Dies würde mich jedoch nie von noch einer erneuten Portion abhalten! Von der Django Schale wurde ebenfalls in höchsten Tönen geschwärmt. Doch hier sei der Pommesliebhaber gewarnt: Es ist sehr scharf! 

Die Django Schale – ein feuriges Vergnügen!

Mhmmm… Eine Jupp Schale aus nächster Nähe! 


Nach den getanem Werk haben wir noch ein wenig mit der herzlichen Wirtin geplaudert. Eigentlich wollten sie bereits in den Ruhestand gehen, doch Angelo juckt es einfach immer wieder in den Fingern. Deshalb haben sie ihren neuen Laden eröffnet. Wir finden, das ist eine sehr gute Entscheidung. Die Jupp Schalen sollten der Pommeswelt nicht vorenthalten werden!

Unser Urteil: Insgesamt echt stark! Super Atmosphäre und allein die Komposition muss belohnt werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch kaum zu überbieten. Der Pommesexperte muss trotz alledem etwas Abzug für die Industriefritten und -mayo geben. Daher 3 1/2 Pommes für die Jupperia – die Empfehlung dort unbedingt hinzugehen gilt dennoch uneingeschränkt!

Jupperia bei Angelo

17:00-22.00

Leversum 85

58349 Lüdinghausen

Pommes unter Denkmalschutz im Ruhrpott-Biotop Dorsten

Nach der letzten pommesluv Ausgabe über das Bochumer Bratwursthaus geht es in der heutigen Ruhrpott-Edition in den Norden des Ruhrgebiets – nach Dorsten. 1911 begann der Kohleabbau und somit die industrielle Entwicklung der knapp 80.000 Einwohnerstadt und endete nur 90 Jahre später mit der Schließung der Zeche Fürst Leopold im Jahr 2001. Doch Dorsten ist weit davon entfernt sich des tristen Schicksals vieler Ruhrgebietsstädte anzunehmen und findet seine Bestimmung in der – kein Witz – gehobenen Gastronomie. Der 2-Sterne und Fernsehkoch Frank Rosin betreibt in Dorsten ein Restaurant, genauso wie sein Fernsehkochkollege und WDR-Vorkoster Björn Freitag. Und eben jener Frank Rosin führt mich heute an den Glückauf-Grill nach Dorsten-Hervest.


Kult ist der Hervester GlückAuf-Grill allemal. 1976 übernahm die Mutter Rosins die ehemalige Milchbude und eröffnete dort eine Pommesbude. In den 1980er Jahren wird das Gebäude als Teil der Zechensiedlung unter Denkmalschutz gestellt und gehört damit bis heute wohl zu einer der wenigen denkmalgeschützten Pommesbuden Deutschlands!

Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Man muss sich den Glückauf-Grill, seine Bewohner, seinen Mikrokosmos wie ein scheues Reh vorstellen: Versucht man diesen Kosmos in einem Photokompositum einzufangen, verfliegt das Bild, und die Atmosphäre ist nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Hier ist noch nichts gentrifiziert, die Pommes noch nicht kommodifiziert oder Teil einer Hipsterkultur, hier ist noch alles echt; der Grill als realer Treffpunkt von Freunden, Familien, Nachbarn. Man möchte das Spektakel nicht stören. Deswegen – liebe Leserin, lieber Leser – kann kein Photo dieses Zusammenwirken wiedergeben; es muss vor Ort erlebt werden.

Von außen ist der Grill eigentlich recht unauffällig. Zur rechten Seite hängt noch einer dieser kultigen Zigarettenautomaten, die es eigentlich schon gar nicht mehr gibt, „so zum Zigaretten ziehen“. An der linken Seite sitzen zwei Männer bei einem Pils, nur durch einen grünen Stuhl voneinander getrennt, und starren in die Ferne. Rechts daneben eine handbeschriebene Aktionstafel: Zwiebelschnitzel und Pommes für sieben Euro. Wir treten ein.


Vor uns eröffnet sich das konservierte Ruhrgebiet: der Bestelltresen, dahinter die Frittier- und Grillutensilien, darüber eine handgeschriebene Menükarte. Pommes für 1,60 € und Mayo für 0,40 €  –  das ist mehr als akzeptabel. Links neben dem Tresen befindet sich die Theke mit hausgemachten Frikadellen und selbstgeschnittenem Krautsalat. Die Wände sind bescheiden holzvertäfelt, ein Wimpel zum Gedenken an den glorreichen UEFA-Cup Sieg des FC Schalke 04 1997 hängt an der Seite. Im Halbdunkel erblicken wir einen dieser fast ausgestorbenen, wild blinkenden Spieleautomaten. Schnell wird klar: Für die Kunden des Glückauf-Grills, so scheint es, ist Pommes essen kein postmodernes Hobby, sondern wichtiger Bestandteil ihres Lebens, down-to-earth, quasi wie die Kneipe ums Eck, dafür aber mit frisch gemachten Frikadellen und natürlich Pommes.

Die Bedienung mit ihrer freundlichen und strahlenden Art macht selbst die schwärzesten Tage ihrer Kunden heiter. Sie lacht, macht „Späßken“ und schäkert mit ihrer an diesem Tag aus jung und alt bestehenden Kundschaft. Sich der Bestellung vergewissernd und die Mayonnaise umtopfend, ruft sie charmant-entwaffnend: „Sie waren jetzt die Currywurst plus Doppel-Mayo und Sie nur die Pommes-Mayo, ne?“ Nein, das ist kein Imbiß-Deutsch-Sketch, sondern die pure Realität. Wir setzen uns in den Außenbereich und bekommen die Pommes sogar „nach draußen gebracht“.

Der Eindruck


Serviert wird die Pommes-Mayo in einem tiefen Suppenteller, untypisch, aber okay. Vor uns eröffnet sich ein Anblick aus schöner, goldgelben Pommes und Mayonnaise. Die Pommes sind nicht fettig, sondern à point. Beim ersten Bissen wird klar: Alter, diese Pommes! Unser Kollege DaymDrops würde es mit dem Satz beschreiben: „You bite the fry, the fry bites back“. Sie ist von außen auf den Punkt frittiert, von innen noch schön saftig und einen guten Kartoffelgeschmack. Keine schwarzen Flecke, sondern perfekt in der Farbgebung. Im Gegensatz zu Bochum ist sie hier größer, die Crunchiness bleibt aber solide, auch die Ränder sind nicht hart, sondern geben beim Beißen zart nach. Die filigrane Salzung holt nochmal alles aus dem Geschmackserlebnis raus.


Jetzt die Kombination: Die Mayonnaise ist zu fettig, man muss nachspülen. Leider nimmt sie das Geschmackerlebnis und zwar big time. Sie ist zu dickflüssig, zu präsent. Auch nach dem Verlassen des Lokals bleibt sie noch etwas cremig im Mund. Schade eigentlich.

Verdict.

 

Das Ambiente und die Pommes sind einzigartig und das konservierte Ruhrgebiet rundet den Eindruck ab. Dazu der unschlagbare Preis. Das wären ganz lockere 4 Sterne – wenn, ja wenn nicht diese Mayonnaise wäre. Die ist leider zu fetthaltig und zu präsent. Und Pommes in Suppentellern? Naja. Man muss hier Abzug in der B-Note geben. Deswegen gibt es insgesamt für die denkmalgeschützten Pommes im Glückauf-Grill eine solide und mayonaisige 3,5 Pommes-Wertung mit der ausdrücklichen Empfehlung, selber einmal vor Ort vorbeizuschauen – gerne dann mit weniger Mayo.
Glückauf-Grill
Glück-Auf-Straße 89a
46284 Dorsten

Bitcoins und Paprika Pommes im Room 77

An einem sonnigen Maiwochenende kann man sich wahrlich nichts Schlimmeres vorstellen, als inmitten Kreuzköllns, der Reuterstraße nämlich, einen ruhigen Patz in einem Café zu ergattern – Kinderwägen und Nachbarn, die innig miteinander auf dem Bürgersteig plauschen, so den Weg versperren und mit ihren selbstausgerichteten Blasmusikkonzerten (Ja, das sahen wir wirklich!) ihre dörflich-spießige Idylle mit Filzpantoffeln an den Füßen in Kreuzberg leben.

Ih, Zottelkissen!

Ih, Zottelkissen!

Welch‘ Glück, da kommt uns der Rebell dieses Paradieses, das amerikanische Restaurant Room 77 (Untertitel: Restaurant at the end of capitalism: warm beer, cold women and fast food made slow)  mit anmutendem Raucherbereich innen und außen und der wirklich großartigen Bezahlungsoption Bitcoins doch gerade recht!

Nachdem unnötiges und hinderliches Dekor (ein verfilztes Zottelkissen) entfernt wurde, folgt ein Blick auf die Speisekarte:

Es offenbart sich zunächst eine große Bier- und Softdrinkauswahl.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Saucenauswahl: Mit hausgemachter Knoblauch Mayo, Sour Cream, Ketchup ( wir ließen ihn auf der Zunge zergehen und sagten beide im Chor „Heinz!“) und Salsa als Auswahl kann man nichts falsch machen. Uns ist klar: Der Stellenwert der Pommes wird durch die Saucen unterstrichen.

IMG_3974

„Tiefsinnige“ Systemkritik an der Wand

Auch neben den (oft auch gelobten) Burgern des Hauses, drängen sich besonders die hausgemachten Potato Wedges des Room 77 in den Vordergrund der nicht geringen Essensauswahl. Schön, dass ein Restaurant die sonst oft als Beilage abgetane Kartoffel noch schätzt. Unschön hingegen, dass es nur Potato Wedges (obwohl sie wie Pommes aussehen) gibt und keine normalen Pommes Frites.

Mehr Pommesvielfalt wäre wünschenswert.

IMG_3942

Zwei Berge „Wedges“


Der Burger - Fantastico!

Der Burger – Fantastico!

Nun zur nahen Verwandten der Pommes an sich: Die Optik lässt schnell erkennen, dass diese Wedges in der Tat selbstgemacht sind – variantenreich in ihrer Form, schmücken sie den wirklich großen Teller. Die Kartoffel kommt hier mit Schale, was uns auch gefällt. Leider sticht bereits auf den ersten Blick der überaus großzügige Umgang mit dem Paprikagewürz ins Auge. Orange bis feuerrot- nicht goldgelb leuchtet es.

IMG_3945

IMG_3956

IMG_3943

Zum Geschmack sei zu sagen, dass die Kartoffel authentisch, kartoffelig daherkommt, im Geschmack wirklich nicht falsch, im Crunch allerdings nur mittelmäßig. Allerdings mag dieser bei einem Wedge auch schwerer zu erreichen sein. Der Salzgrad ist vollkommen in Ordnung.

Nach dem Teller ist uns ein wenig schlecht – vielleicht lag es an der signalfarbenen Ton und der Überwürzung der Wedges.

IMG_3966IMG_3963

Pommes oder Wedge? Das ist hier die Frage!

Unser Urteil: Alles in allem sind wir zufrieden und geben den Wedges des Room 77 2 1/2 Pommes von 5.
(Die Burger waren, wie eben oft von anderen beschworen, sehr gut.)

IMG_3977

Room 77

Graefestraße 77

10967 Berlin

030 31102260