Die Jupperia – Ein kulinarischer Ausflug ins Münsterland

Bereits Wochen im Voraus bereitete mich meine Reisebegleitung auf das versprochene Pommes-Highlight des Münsterlands, die Juppschale, vor.

Er, aufgewachsen im Münsterland und seines Zeichens ebenfalls Frittenliebhaber, konnte mir zwar nicht genau erklären, was sich in einer Juppschale verbarg, doch sehr gute Pommes und Gyros seien Bestandteile. Ich war vorfreudig-gespannt, aber auch kritisch. Die Anreise verzögerte sich durch eingeschlafene Ortskenntnisse meines Locals (wir machten zwischendurch noch auf einem Flugplatz halt, doch das war ein falscher Imbiss, der statt Pommes überwiegend Blechkuchen führte) und den Umzug des Treckeberg Grills von Haltern am See nach Lüdinghausen nun Jupperia.

Angelos Vorgarten ist besonders im Sommer ein netter Ort um nach der Jupp Schale noch auf ein, zwei Bierchen zu bleiben. Stammgäste, Camper und Biker geben sich hier die Klinke in die Hand. Eine lebendige Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Ich hakte noch einmal nach „Pizzeria? Sind wir wirklich richtig hier?“. Bereits etwas entnervt wurde mir versichert, dass Frittenspezialitäten und Pizza sich nicht ausschließen. Ich konterte damit, dass „internationale Spezialitäten“ nie etwas Gutes verheißen würden. Ich riss mich zusammen und betrat das charmant-rustikal eingerichtete Lokal.


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Wir wurden in Windeseile  von der Wirtin (Angelos Frau) begrüßt und mit Speisekarten ausgestattet. Hinter den Salaten verbarg sich der versprochene Insider die Jupp Schale  und die Django Schale. Ich wählte die Jupp Schale also Pommes, Gyros, Krautsahne und Mayo. Meine Begleitung entschied sich für Django mit Chili-sauce und Tzatziki. Als wir die Berge auf den Tellern sahen, war klar der Preis von  4€-4,50€ ist mehr als fair!

  

Nach dem ersten Biss konnte die Euphorie für diese Frittenode nur teilen. Diese Komposition funktioniert wirklich ganz wunderbar: der knuspriger Gyros, das frische aber sahnige Kraut, bissfeste Pommes und viel cremige Mayo. Wenn ich davon schreibe, bekomme ich glatt wieder Appetit.

Die Portion ist riesig und doch möchte man den ganzen Teller leeren. Zugegeben danach setzte ein Gefühl zwischen unendlicher Glückseligkeit und einer ad-hoc Herzverfettung ein. Dies würde mich jedoch nie von noch einer erneuten Portion abhalten! Von der Django Schale wurde ebenfalls in höchsten Tönen geschwärmt. Doch hier sei der Pommesliebhaber gewarnt: Es ist sehr scharf! 

Die Django Schale – ein feuriges Vergnügen!

Mhmmm… Eine Jupp Schale aus nächster Nähe! 


Nach den getanem Werk haben wir noch ein wenig mit der herzlichen Wirtin geplaudert. Eigentlich wollten sie bereits in den Ruhestand gehen, doch Angelo juckt es einfach immer wieder in den Fingern. Deshalb haben sie ihren neuen Laden eröffnet. Wir finden, das ist eine sehr gute Entscheidung. Die Jupp Schalen sollten der Pommeswelt nicht vorenthalten werden!

Unser Urteil: Insgesamt echt stark! Super Atmosphäre und allein die Komposition muss belohnt werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch kaum zu überbieten. Der Pommesexperte muss trotz alledem etwas Abzug für die Industriefritten und -mayo geben. Daher 3 1/2 Pommes für die Jupperia – die Empfehlung dort unbedingt hinzugehen gilt dennoch uneingeschränkt!

Jupperia bei Angelo

17:00-22.00

Leversum 85

58349 Lüdinghausen

Pommes unter Denkmalschutz im Ruhrpott-Biotop Dorsten

Nach der letzten pommesluv Ausgabe über das Bochumer Bratwursthaus geht es in der heutigen Ruhrpott-Edition in den Norden des Ruhrgebiets – nach Dorsten. 1911 begann der Kohleabbau und somit die industrielle Entwicklung der knapp 80.000 Einwohnerstadt und endete nur 90 Jahre später mit der Schließung der Zeche Fürst Leopold im Jahr 2001. Doch Dorsten ist weit davon entfernt sich des tristen Schicksals vieler Ruhrgebietsstädte anzunehmen und findet seine Bestimmung in der – kein Witz – gehobenen Gastronomie. Der 2-Sterne und Fernsehkoch Frank Rosin betreibt in Dorsten ein Restaurant, genauso wie sein Fernsehkochkollege und WDR-Vorkoster Björn Freitag. Und eben jener Frank Rosin führt mich heute an den Glückauf-Grill nach Dorsten-Hervest.


Kult ist der Hervester GlückAuf-Grill allemal. 1976 übernahm die Mutter Rosins die ehemalige Milchbude und eröffnete dort eine Pommesbude. In den 1980er Jahren wird das Gebäude als Teil der Zechensiedlung unter Denkmalschutz gestellt und gehört damit bis heute wohl zu einer der wenigen denkmalgeschützten Pommesbuden Deutschlands!

Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Man muss sich den Glückauf-Grill, seine Bewohner, seinen Mikrokosmos wie ein scheues Reh vorstellen: Versucht man diesen Kosmos in einem Photokompositum einzufangen, verfliegt das Bild, und die Atmosphäre ist nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Hier ist noch nichts gentrifiziert, die Pommes noch nicht kommodifiziert oder Teil einer Hipsterkultur, hier ist noch alles echt; der Grill als realer Treffpunkt von Freunden, Familien, Nachbarn. Man möchte das Spektakel nicht stören. Deswegen – liebe Leserin, lieber Leser – kann kein Photo dieses Zusammenwirken wiedergeben; es muss vor Ort erlebt werden.

Von außen ist der Grill eigentlich recht unauffällig. Zur rechten Seite hängt noch einer dieser kultigen Zigarettenautomaten, die es eigentlich schon gar nicht mehr gibt, „so zum Zigaretten ziehen“. An der linken Seite sitzen zwei Männer bei einem Pils, nur durch einen grünen Stuhl voneinander getrennt, und starren in die Ferne. Rechts daneben eine handbeschriebene Aktionstafel: Zwiebelschnitzel und Pommes für sieben Euro. Wir treten ein.


Vor uns eröffnet sich das konservierte Ruhrgebiet: der Bestelltresen, dahinter die Frittier- und Grillutensilien, darüber eine handgeschriebene Menükarte. Pommes für 1,60 € und Mayo für 0,40 €  –  das ist mehr als akzeptabel. Links neben dem Tresen befindet sich die Theke mit hausgemachten Frikadellen und selbstgeschnittenem Krautsalat. Die Wände sind bescheiden holzvertäfelt, ein Wimpel zum Gedenken an den glorreichen UEFA-Cup Sieg des FC Schalke 04 1997 hängt an der Seite. Im Halbdunkel erblicken wir einen dieser fast ausgestorbenen, wild blinkenden Spieleautomaten. Schnell wird klar: Für die Kunden des Glückauf-Grills, so scheint es, ist Pommes essen kein postmodernes Hobby, sondern wichtiger Bestandteil ihres Lebens, down-to-earth, quasi wie die Kneipe ums Eck, dafür aber mit frisch gemachten Frikadellen und natürlich Pommes.

Die Bedienung mit ihrer freundlichen und strahlenden Art macht selbst die schwärzesten Tage ihrer Kunden heiter. Sie lacht, macht „Späßken“ und schäkert mit ihrer an diesem Tag aus jung und alt bestehenden Kundschaft. Sich der Bestellung vergewissernd und die Mayonnaise umtopfend, ruft sie charmant-entwaffnend: „Sie waren jetzt die Currywurst plus Doppel-Mayo und Sie nur die Pommes-Mayo, ne?“ Nein, das ist kein Imbiß-Deutsch-Sketch, sondern die pure Realität. Wir setzen uns in den Außenbereich und bekommen die Pommes sogar „nach draußen gebracht“.

Der Eindruck


Serviert wird die Pommes-Mayo in einem tiefen Suppenteller, untypisch, aber okay. Vor uns eröffnet sich ein Anblick aus schöner, goldgelben Pommes und Mayonnaise. Die Pommes sind nicht fettig, sondern à point. Beim ersten Bissen wird klar: Alter, diese Pommes! Unser Kollege DaymDrops würde es mit dem Satz beschreiben: „You bite the fry, the fry bites back“. Sie ist von außen auf den Punkt frittiert, von innen noch schön saftig und einen guten Kartoffelgeschmack. Keine schwarzen Flecke, sondern perfekt in der Farbgebung. Im Gegensatz zu Bochum ist sie hier größer, die Crunchiness bleibt aber solide, auch die Ränder sind nicht hart, sondern geben beim Beißen zart nach. Die filigrane Salzung holt nochmal alles aus dem Geschmackserlebnis raus.


Jetzt die Kombination: Die Mayonnaise ist zu fettig, man muss nachspülen. Leider nimmt sie das Geschmackerlebnis und zwar big time. Sie ist zu dickflüssig, zu präsent. Auch nach dem Verlassen des Lokals bleibt sie noch etwas cremig im Mund. Schade eigentlich.

Verdict.

 

Das Ambiente und die Pommes sind einzigartig und das konservierte Ruhrgebiet rundet den Eindruck ab. Dazu der unschlagbare Preis. Das wären ganz lockere 4 Sterne – wenn, ja wenn nicht diese Mayonnaise wäre. Die ist leider zu fetthaltig und zu präsent. Und Pommes in Suppentellern? Naja. Man muss hier Abzug in der B-Note geben. Deswegen gibt es insgesamt für die denkmalgeschützten Pommes im Glückauf-Grill eine solide und mayonaisige 3,5 Pommes-Wertung mit der ausdrücklichen Empfehlung, selber einmal vor Ort vorbeizuschauen – gerne dann mit weniger Mayo.
Glückauf-Grill
Glück-Auf-Straße 89a
46284 Dorsten