Im Grunewald ist Pommes Auktion

Zugegeben ein ziemlich hanebüchener Griff der Überschrift nach dem Gassenhauer Im Grunewald ist Holzauktion Der Leser möge Gnade walten lassen. Wir hatten eine lange Pommes-Berichterstattungs-Abstinenz und müssen uns wohl erst einmal wieder in den frittig-fettigen Jargon reinfinden.

Ich hatte jüngst einen schweren Anfall von Prokrastination (die Klausuren nahen und andere Deadlines sitzen mir auch im Nacken) und so entschied ich mich schlechten Gewissens für einen Tagesausflug zum Grunewaldsee. Den Dackel unter den Arm geklemmt, stieg ich in den Bus und fuhr vorbei an schönen Stadtvillen und teuren 1960er Jahre Bunkern zum Roseneck. Diesem verschlafenen Seniorenidyll mit hervorragendem Tortenangebot kann ich einiges abgewinnen. Früher gab es dort direkt am Platz auch so eine Luxus-Bude, die Currywurst, Scampi und Schampus vereinen wollte. Das konnte sich wohl selbst im goldensten Westen nicht durchsetzen. So blieben die Luxus-Preise der Bude, aber die Pommes können mich bis heute nicht überzeugen.

Viel besser ist es direkt eine Bude am Grunewaldsee aufzusuchen. In meinen Kindertagen gab es immer urige Buden direkt am Hundestrand, die für 50 Pfennige Tee und Kaffee, für eine Mark runzelige Bratwurst anboten und stets schlecht gelaunt waren. Ob der Euro oder der Wandel zur Service Mentalität die Ursache ihres Verschwindens waren, lässt sich heute wohl nicht mehr zurückverfolgen.

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Die gepflegte Pommeshütte

Deshalb war ich natürlich misstrauisch als ich das gepflegte Holzhäuschen mit Pommesangebot vor dem Jagdhaus Paulsborn erspähte. Das gute alte Verschlafene sucht man in Berlin zunehmend vergebens.

Neben der Pommeshütte steht auch noch eine weitere Hütte, die Delikatess-Hundefutter verscherbelt. Als Berliner „kricht man da natürlich nen Föhn“ und fragt sich, ob das nun endgültig München ist. Aber kein Hund trug MCM oder Moncler.

Ein trüber Januartag – zum Glück gibt es Pommes!

Genug des Hates – das Jagdhaus ist wirklich ein schönes Restaurant und auch der Hof ist gepflegter als in den guten alten Zeiten.

Ich bestellte einmal Pommes mit Bratwurst, während mein Dackel Frieda damit beschäftigt war drei Terrier gleichzeitig zu belästigen. Im Rückblick (auch in Anbetracht der Preistafeln) kann ich mir nicht erklären, weshalb ich für eine Pommes, eine Bratwurst und einen Kaffee zusammen nur fünf Euro gezahlt habe. Es war jedenfalls ein Schnäppchen und das Service Personal war nett.

Sehr positiv fiel mir auch auf, dass Ketchup und Mayo zur freien Verfügung angeboten werden. Diese Eine-Sauce-kostet 50-Cent-Politik nervt mich ohnehin. Ich habe einfach eine Schwäche für Mayo und deckte mich dementsprechend großzügig ein.

Welch hervorragendes Pommesgelb!

Die Pommes machten schon rein äußerlich viel her. Ein perfektes Frittengelb, ein guter Salzgrad und eine gleichmäßige Form. Der Kenner weiß dementsprechend sofort: es handelt sich um Industriefritten. Das muss allerdings nichts schlechtes sein. Eine gute, knackige Industriefritte kann 1000 mal besser sein, als eine wabbelige Ökofritte. Und so war es dann auch. Die Pommes konnten geschmacklich überzeugen. Der kartoffelige Geschmack mischte sich mit frischem Fett und einer knusprig-crunchigen Konsistenz.

Der Ketchup schmeckte klassisch nach Heinz. Bei der Mayo handelte es sich um eine Mischung aus der bewährten Schwimmbad-Mayonnaise und McDonalds-Mayo. Ein Mix, der mir persönlich sehr gut mundet.

Mayo – doppelt hält besser!

Hier muss ich noch ein paar Worte zu der Bratwurst verlieren. Die war wirklich gut gewürzt. Ein feiner Kümmelgeschmack durchzog die knusprige Wurst. Das war der perfekte Begleiter zur Portion Pommes!

Auch die Wurstqualität überzeugt- hier der Kümmel in Nahaufnahme

 

Salzige Pommes – ein Traum

Dünne Beine zum Beweis, dass ich trotz der Pommesliebe nicht dick bin

Unser Urteil: 3 1/2 von 5 Fritten. Ich empfehle die Bude. Selbst als nörgeliger Berliner kann ich mich diesen Pommes nicht entziehen. Was nun noch fehlt sind nasty Extrasaucen (die auch einen extra Preisaufschlag rechtfertigen) und noch frische Pommes als Zusatzangebot.

Unser Urteil: Geile Fritten

 

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Der ultimative „Kann ich Pommes in dem Irish Pub um die Ecke essen?“ Test

Es war einmal ein verkaterter Samstag Mittag, Stefan aka DJ Frank Freshness kündigte sich in Charlottenburg als Pommestester Assistant an und weigerte sich diese eine berüchtigte Taxifahrer-Wurstbude zu testen, die ich schon seit langem auf der Agenda habe.

Seine langjährige Arbeit im White Trash mache aus ihm einen Pommes-Burgerexperten, deshalb sollten wir nach einem Burger Ausschau halten. Natürlich habe ich die Burgerbuden in meinem direkten Umfeld schon abgegrast, er schlug vor das Experiment zu wagen und Pommes bei dem Irish Pub um die Ecke zu essen. Ich bin kritisch, aber auch verdammt hungrig. Wir setzten uns in den Vorgarten des Irish Harp (wie könnte der Schuppen auch anders heißen?).

Wir sitzen relativ einsam in der Herbstsonne, nur zwei andere Gäste warten ebenfalls auf das Mittagsmenü. Stefan und ich fachsimpeln über die beste Zeit um Essen zu gehen. Ich denke, jetzt dürfte in der Küche nicht so viel los sein, unser Burger und Pommes also besondere Aufmerksamkeit des Kochs genießen. Der Gastroprofi Stefan ernüchtert mich mit seinen Ausführungen wie es in Burger-Küchen zugeht. Bestellungen über den Tag nerven eher das Küchenpersonal, da sie bereits alles für den Abend schnippeln und vorbereiten wollen. Daher gäbe es das beste Essen, wenn die Küche abends auf Hochtouren läuft und jeder seine gekonnte Routine abspielt. Klingt plausibel.

Stefan spielt den Vorfall nach – immer noch traumatisiert vom Food-Blog-Horror

In der Vergangenheit hat Stefan eher schlechte Erfahrungen mit Bloggern gemacht. Nach einem geschäftigen Abend und mit dem Service unzufriedenen internetaffinen Gästen, brach ein regelrechter Shitstorm über ihn hinein. Seine Geschichte erinnert mich ein wenig an diese mega gelungene letzte Southparkfolge zum Thema Yelping.  Er versichert mir, dass dies sein einziges Food-Blog-Gastspiel wird. Ich fühle mich geehrt.

Wir bestellen einen Cheese-Burger, einen Gravy Roasted Burger, Pommes und viel Cola. Die Bedienung ist freundlich. Wir beginnen ein tiefgründiges Gespräch über Pommes. Was versteht Stefan unter der perfekten Fritte? Gleichmässig geschnitten und kross sollen sie sein. Er lässt sich auch zu einem überraschenden Geständnis zu Tiefkühlfritten hinreissen (schaut euch das Video an):

Endlich kommen unsere Fritten und Burger. Das Küchenpersonal scheint doch hauptsächlich am Vorbereiten für den Abend gewesen zu sein 😉

Die Portion ist ordentlich und die Pommes leuchten goldgelb. Die Optik ist schon mal spitze. Der Ketchup ist klassisch von Heinz, das erschmecken wir beide gleichzeitig.

Doch wir vermissen Mayo und bestellen diese nach. Die Bedienung bringt eine Sauce und fügt hinzu „nicht wundern wegen der Farbe. Die Mayo ist selbstgemacht.“. Wir werfen einen Blick auf den Saucentopf und erschaudern tatsächlich.

Was ist das? Die sonst weiß-creme-gelbliche Farbe der Mayonnaise wurde hier mit einem stechenden Kurkuma-Senfton vertauscht. Auch der Geschmack ist so gar nicht Mayonnaisig und ähnelt ebenfalls keiner mir bekannten Pommessauce.

Nun ja zurück zu den Pommes. Wir sind uns beide einig, dass wir stark nach salzen müssen. Stefan hebt den natürlichen Geschmack der Pommes hervor. Ich finde sie zu hart und irgendwie einfach fad. Der Burger ist auch nur so lala und so wird die anfängliche Freude über die Portion zum Fluch. Ich schaffe es kaum, Stefan verputzt seinen Teller und schmiert sich noch einmal extra viel von der gelben Mayo ins Gesicht für das Foto:

Unsere Wertung: 2 1/2 von 5 Pommes! Naja also man kann schon im Irish Pub um die Ecke Fritten essen. Aber so ein richtiges Feuerwerk der Sinne war es nicht. Höchstens diese quitschgelbe „Mayo“ – aber auch eher im negativen „mir-fällt-in-Kreuzberg-ein-Böller-auf-den-Kopf“-Sinn. Stefan hat sich dennoch als super Test Begleitung erwiesen. Wir kommen bestimmt noch einmal auf seine Expertise zurück!

The Harp

Giesebrechtstraße 15

10629 Berlin

Fernsehempfehlung: Reisen für Genießer – Die belgische Fritte

An dieser Stelle möchten wir gerne auf ein aktuelles Fundstück aus der Arte Mediathek hinweisen: Es geht (worum auch sonst) um die FRITTE!

Genauer gesagt um belgische Fritten und um die Nationalkultur der frittierten Kartoffel. In Belgien gibt es nicht nur die traditionellen Buden namens „Fritkot“, sondern auch eine eigene von Pommes inspirierte Kunstschule und die passende Wanderausstellung. Wir wünschen viel Vergnügen auf diesem Ausflug zum Herz der Pommeskultur!

http://www.arte.tv/guide/de/048561-015/reisen-fuer-geniesser

Kollektive Meinungsfindung an Tom’s Fritten oder der erste Berliner Pommesluvstammtisch

Für den ersten Berliner Pommesluvstammtisch luden wir an einem sonnigen Spätsommer Samstag (seit der neuen Staffel Schwiegertochter gesucht bin ich süchtig nach Alliterationen)  zu einem denkwürdigen Ort: Tom´s Fritten an der Oranienburger Straße. In Berlin Mitte, genauer zwischen Tacheles, Synagoge und Straßenstrich liegt hier ein Kleinod der hauptstädtischen Pommesszene.

Hintergrund des Treffens war ein im Sommer entbrannter Streit im Pommesluv Team über Tom’s Kartoffelkunst. Nikolas, ein externer Tester, bewertete sie mit ganzen 4 1/2 Pommes, die eine Hälfte der Korrespondenten protestierte und behauptete es seien die schlechtesten Pommes überhaupt. Die andere Hälfte betonte den kultigen Charakter der Traditionsbude und die Frische der Kartoffeln. Ratlos vereinbarten wir diesen Fall vorerst auf die Bank zu schieben und zu einem späteren Zeitpunkt zu Tom zurückzukehren.

Kommt Zeit, kommt Rat: Warum nicht die Pommescrowd zum Testen einladen und online geheim abstimmen? Idee für gut befunden, Pommesluver eingeladen, online Questionnaire aufgesetzt, Tischwipfel gebastelt, Dackelwelpen eingesteckt – Los ging das kulinarische Abenteuer!

Dackelwelpe und Tischwipfel – Wer kann da dem Pommestest widerstehen?

Um den traditionsreichen Food-Truck herum befindet sich mittlerweile eine kleine Garten- und Pavillionlandschaft, die uns zum gemütlichen Verzehr einlud. Nach und nach trudelten unsere Pommestester (n=13 + zwei, die sich der online Abstimmung entzogen haben) ein und bestellten unterschiedlichste Frittenvarianten à la carte.

Pommesluverin Marlene und die Qual der Wahl der Pommessauce

Nun endlich zu der FRITTE und den Ergebnissen der Abstimmung:

Der Geschmack der Fritte (also Intensität, Frische und Salzgrad) wurde von der Crowd mit 3,6 Pommes (auf einer Skala von 1 sehr schlecht und 5 sehr gut) bewertet. Die Fritten wurden aus frischen Kartoffeln gemacht, das war sofort ersichtlich. Doch zwei Pommesluver wiesen darauf hin, dass das Frittierfett noch etwas frischer sein könnte. Grundsätzlich gilt bei diesem Ergebnis im guten Mittelfeld jedoch auch, dass innerhalb des Testes die Fritten sehr unterschiedlicher Qualität waren.

Wer die Kartoffel nicht ehrt, ist die Fritte nicht wert!

Pommesluverin X: „Köstliches Produkt!

Etwas schlechter schnitten Tom’s Fritten in der Kategorie Aussehen ab. Nur 3,3 Pommes für Form und Farbe. Dieses Ergebnis ist ebenfalls der großen Varianz zu zurechnen. Mal gab es sehr krosse, braune Pommeskrümel, mal schöne goldgelbe Frittenstangen.

Ein goldgelber Traum!

Krosse, krümelige Kartoffelreste

Ein hervorragendes Ergebnis erzielten die Fritten mit 4,5 Pommes im Crunch. Eine labbrige Pommes ward von keinem unserer Tester gesichtet!

Auch die Saucen- und Getränkeauswahl wurde mit 4,5 Pommes sehr geschätzt! Probiert wurden von uns Chili-Hot, Indisch Curry, Sambal Hot Mayo, Knoblauch Mayo (sehr empfehlenswert!), holländische Frittensauce (sehr gut!), Kartoffelcreme (die Metaebene unter den Pommessaucen), Grüne Oliven Mayo, Barbecue Mayo, Spezial (leider mit zuwenig Zwiebeln) und Oorlog. Mit anderen Worten: Ein Feuerwerk der Sinne und eine Reise um die Welt der Frittensaucen. Herrlich!

Oorlog – niederländisch für Krieg – bedeutet auf der Fritte Mayo + Zwiebeln + Erdnusssauce!

Große Portion Pommes mit Chili- Hot Sauce

Die Metabebene für Kartoffelfans: Kartoffelcreme

Frites Speciaal -doch nur ein kleiner Zwiebelhauch 😦

Geheimtip: scharfe Mayo

Der Service konnte an diesem Nachmittag leider nicht punkten. Zwar war der Profi-Fritteur vorher informiert, doch ging es ihm nach eigenen Angaben nicht so gut. Der Frittenansturm konnte dementsprechend nicht in der üblichen Geschwindigkeit abgewickelt werden. Das kostete Tom`s Fritten eine Wertung von 3,2 Fritten für den Service. Ich konnte ihm die Verpeiltheit mit seiner Entschuldigung verzeihen, andere gingen härter ins Gericht:

„Uncharmante Bedienung, wirkt teils sehr gestresst!“

„Servierdauer zu lang!“

Prominente Fans vertrauen auf Tom’s Fritten!

Bernhard Hoecker und Ralf Bauer sind ebenfalls Fans der Bude

Das Preis-Leistungsverhältnis liegt mit 3,6 Pommes im Mittelfeld. Eine kleine Portion Pommes kostete 2,00€, eine große 3,00€. Saucen variieren zwischen 30 Cent und 70 Cent.

Besonders positive Erwähnung fanden noch: die „berliner“ Atmosphäre und charmante Lage  (das wurde von einem anderen Tester ebenfalls positiv bewertet jedoch ausgedrückt als „die Nähe zum Straßenstrich„) sowie das nette Publikum.

Pommesluverin Diana im Partnerlook mit Tom’s Maskottchen.

Ein Ambiente indem man gemütlich hitzige Debatten über Pommes führen kann!

Der Fritte auf der Spur – die Crowd.

Negativ fielen auf: „Zu viele Mittehipster„, Touristen und das Nichtvorhandensein eines WCs (das indische Restaurant daneben kann jedoch mit recht attraktiven Pissoirs aufwarten, erzählte sich die männliche Testerschaft am Tisch).

Alles in allem stellt Tom`s Fritten eine solide Pommesstation in Berlin dar. Für die Saucenauswahl und die Atmosphäre lohnt sich ein gelegentlicher Besuch. Die Gesamtwertung lautet: 3,9 Pommes! 

 

Was denkt ihr? Habt ihr andere Erfahrungen mit Tom´s Fritten gemacht? Oder stimmt ihr uns zu? Schreibt es in die Kommentare!

Tom’s Fritten

Oranienburger Str. 43a

10117 Berlin (Mitte)

Öffungszeiten: So-Do 12-1 Uhr, Fr, Sa 12-4 Uhr


Für alle, die jetzt nicht genug der Fritten haben, haben wir noch ein kleines Special über die Beschaffenheit der Pommescrowd vorbereitet:

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Einen ehemaligen Tom´s Fritten Fan konnten wir auch für den Test zurückgewinnen. Bereits vor zehn Jahren war er dort nächtlicher Stammkunde. Er konnte natürlich mit sehr guten Insights aufwarten! Sein Tip: die Sambal Hot Mayo Sauce!

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Unsere Pommescrowd war weiblich dominiert. Leider haben wir zu wenige Informationen über den Frittengeschmack von anders-geschlechtlichen. Wir suchen diesbezüglich weiter und planen ein investigatives Special (evt. in Kooperation mit der Fachschaft für Gender Studies an der HU)…

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Mehrheitliche Pommes-Profis…

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… mit Herz für die Fritte!

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Klarer Favorit: Belgien

Die Jupperia – Ein kulinarischer Ausflug ins Münsterland

Bereits Wochen im Voraus bereitete mich meine Reisebegleitung auf das versprochene Pommes-Highlight des Münsterlands, die Juppschale, vor.

Er, aufgewachsen im Münsterland und seines Zeichens ebenfalls Frittenliebhaber, konnte mir zwar nicht genau erklären, was sich in einer Juppschale verbarg, doch sehr gute Pommes und Gyros seien Bestandteile. Ich war vorfreudig-gespannt, aber auch kritisch. Die Anreise verzögerte sich durch eingeschlafene Ortskenntnisse meines Locals (wir machten zwischendurch noch auf einem Flugplatz halt, doch das war ein falscher Imbiss, der statt Pommes überwiegend Blechkuchen führte) und den Umzug des Treckeberg Grills von Haltern am See nach Lüdinghausen nun Jupperia.

Angelos Vorgarten ist besonders im Sommer ein netter Ort um nach der Jupp Schale noch auf ein, zwei Bierchen zu bleiben. Stammgäste, Camper und Biker geben sich hier die Klinke in die Hand. Eine lebendige Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Ich hakte noch einmal nach „Pizzeria? Sind wir wirklich richtig hier?“. Bereits etwas entnervt wurde mir versichert, dass Frittenspezialitäten und Pizza sich nicht ausschließen. Ich konterte damit, dass „internationale Spezialitäten“ nie etwas Gutes verheißen würden. Ich riss mich zusammen und betrat das charmant-rustikal eingerichtete Lokal.


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Wir wurden in Windeseile  von der Wirtin (Angelos Frau) begrüßt und mit Speisekarten ausgestattet. Hinter den Salaten verbarg sich der versprochene Insider die Jupp Schale  und die Django Schale. Ich wählte die Jupp Schale also Pommes, Gyros, Krautsahne und Mayo. Meine Begleitung entschied sich für Django mit Chili-sauce und Tzatziki. Als wir die Berge auf den Tellern sahen, war klar der Preis von  4€-4,50€ ist mehr als fair!

  

Nach dem ersten Biss konnte die Euphorie für diese Frittenode nur teilen. Diese Komposition funktioniert wirklich ganz wunderbar: der knuspriger Gyros, das frische aber sahnige Kraut, bissfeste Pommes und viel cremige Mayo. Wenn ich davon schreibe, bekomme ich glatt wieder Appetit.

Die Portion ist riesig und doch möchte man den ganzen Teller leeren. Zugegeben danach setzte ein Gefühl zwischen unendlicher Glückseligkeit und einer ad-hoc Herzverfettung ein. Dies würde mich jedoch nie von noch einer erneuten Portion abhalten! Von der Django Schale wurde ebenfalls in höchsten Tönen geschwärmt. Doch hier sei der Pommesliebhaber gewarnt: Es ist sehr scharf! 

Die Django Schale – ein feuriges Vergnügen!

Mhmmm… Eine Jupp Schale aus nächster Nähe! 


Nach den getanem Werk haben wir noch ein wenig mit der herzlichen Wirtin geplaudert. Eigentlich wollten sie bereits in den Ruhestand gehen, doch Angelo juckt es einfach immer wieder in den Fingern. Deshalb haben sie ihren neuen Laden eröffnet. Wir finden, das ist eine sehr gute Entscheidung. Die Jupp Schalen sollten der Pommeswelt nicht vorenthalten werden!

Unser Urteil: Insgesamt echt stark! Super Atmosphäre und allein die Komposition muss belohnt werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch kaum zu überbieten. Der Pommesexperte muss trotz alledem etwas Abzug für die Industriefritten und -mayo geben. Daher 3 1/2 Pommes für die Jupperia – die Empfehlung dort unbedingt hinzugehen gilt dennoch uneingeschränkt!

Jupperia bei Angelo

17:00-22.00

Leversum 85

58349 Lüdinghausen

Pommes selber machen – Teil 2

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Zehn Kartoffeln warten auf ihre Verwandlung in Pommes frites. Vergangene Woche hatte ich sie bei den Schmidts auf dem Markt am Maybachufer gekauft. Alle vorwiegend festkochend, alle regional, alle in verschiedenen Farben. Irgendwie hip diese Kartoffeln. Ich bin versucht, das Wort Kartoffel nur noch im Zusammenhang mit einer Raute zu schreiben. ###

Kartoffel-Shopping für die perfekten homemade Pommes

Kartoffel-Shopping für die perfekten homemade Pommes

Die Mission lautet, Pommes selber zu machen. Doch das droht schon gleich daran zu scheitern, dass sich in ganz Berlin keine Friteuse findet. Sicher, jeder Elektronikmarkt bietet sie an: Mit Doppelsieb, mit Selbstreinigung, mit Hitzeregulierung, von „Maxifry“ bis „Snackeasy“ ist alles dabei. Aber in meiner sieben Quadratmeter großen Küche ist nun weiß Gott kein Platz für ein Gerät, das ein gefühltes Drittel dieser Fläche einnehmen wird. Hilferuf also an die Facebook-Crowd:

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Eine Verabredung am Sonntag in Berlin? Schlechte Idee. 

Doch es zeigt sich wieder einmal, wie unverbindlich Facebook und wie unverbindlich auch diese Stadt ist. Auf meinen Post meldet sich ein Bekannter, wir tauschen uns weiter über What’s App aus und verabreden einen Tag, an dem ich das Gerät abholen kann. Aber ich bin ja selbst schuld, die Verabredung auf einen Sonntag zu legen! Sonntags, wo doch Berlin kollektiv auskatert, noch im Berghain abhängt oder auf dem Mauerpark-Flohmarkt an veganen Kräuterschnittchen schnuppert.

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  Die Friteusen-Herberge ist vermietet

Aus der Friteuse wird jedenfalls nichts, denn einen Tag später ist die Friteusen-Herberge schon über Air B’n’B vermietet. Da kann man natürlich nicht stören. Nun gut, ich will nicht übertreiben. Pommes sind zwar meine Leidenschaft, aber trotz Stäbchenform auch nicht die Schwungachsen der Welt und ich schon gar nicht der Nabel letzterer. Aber, Hand aufs Herz, dieser Berliner Lifestyle (den ich natürlich oft genauso lebe) kotzt mich bisweilen an. Das ist meine Alltags-Schizophrenie. Oder das Paradigma für die gesellschaftliche Fragmentierung, unser wannabe-individuelles Leben, auf Kosten beispielsweise von Verlässlichkeit.

Schwarz und weiß lässt sich dieses Phänomen natürlich nicht betrachten und so steht einen Tag später ein guter Freund vor der Tür, sein japanisches Küchenmesser unter dem Arm und ausgestattet mit einem Leben lang Frittiererfahrung. In Atlanta sei es geradezu ein Sport, die unmöglichsten Dinge ins Fett zu werfen. Alljährlich gipfelt diese Marotte in einem nachbarschaftlichen Wettkampf, wer den größten Truthahn zu Thanksgiving frittiert.

Wenn schon kalorienreich, dann bitte mit Ansage

Außerdem gesellt sich ein Glas allerfeinste hausgemachte Rindersauce zu den Kartoffeln sowie geriebener Käse. Wenn schon kalorienreich, dann bitte mit Ansage. Übersetzt in den terminus technicus der angewandten Pommeswissenschaften heißt das: Wir machen Poutine. Eine Nationalspeise aus Quebec. Pommes mit schwerer Sauce und Käse gibt es dort, wie bei uns die Currywurst. Woher der Name kommt, bleibt uns allerdings schleierhaft. Alle Übersetzungen zu Poutine geben nur an, dass Präsident Putin so im Französischen geschrieben wird, damit die Franzosen den Präsidenten nicht als Schlampe bezeichnen.

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Poutine-Sauce in der Mitte, darüber Bier: Basis-Elemente des Frittenvergnügens.

Küchenschizophrenie

Wir gießen also 2, 5 Liter Öl in einen sehr großen Topf (Öl dehnt sich unglaublich aus). Erdnussöl würde sich laut meines amerikanischen Frittenexperten am besten eignen. Die günstige Variante ist aber Rapsöl und so nehmen wir die (auch so eine Schizophrenie: Kartoffeln vom Markt, Billigöl von ganz unten aus dem Supermarktregal). Die Lauras, Berbers und die blauen Anneliesen schneiden wir zu Pommesstreifen und schmeißen sie in kaltes Wasser, damit die überschüssige Stärke verloren geht. Die erste Pommes geht natürlich schief.

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Die erste Test-Pommes eignet sich eher als Moustache. Total labberig.

Was ist das Geheimnis? Zweimal frittieren! Das erste Mal nur etwa dreißig Sekunden. In einem Sieb oder auf Küchenkrepp müssen sich die Pommes nach diesem ersten Fettbad kurz ausruhen. Dann wieder hinein und jetzt so lange, bis sie oben schwimmen, plus zirka zwei extra Minuten, je nachdem wie kross und goldig man die Fritten gerne mag.

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Das soll schmecken? Hell yeah!

Kommen die Pommes aus dem Öl, sofort salzen und die ersten fünf in den Mund wandern lassen. Dann mit dem geriebenen Käse bestreuen, damit er noch leicht anschmelzen kann. Zum Schluss mit der Sauce besprenkeln. Als Mäkler vom Dienst war ich ziemlich skeptisch. Poutine hörte sich in meinen Ohren eher wie ein fettes Resteessen an, klischeehaft amerikanisch, ungesund, übertrieben.

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links Poutine, rechts plain and simple

Doch ich bin begeistert. Die Sauce harmoniert mit den Kartoffeln, am besten sogar mit den süßeren Kartoffelvarianten, sprich der blauen Anneliese und der Süßkartoffel. Hier kommen süß und salzig, mürbe Kartoffeln und cremige Sauce zusammen. Eine Fritten-Synthese. Die Sauce basiert auf einer Mehlschwitze, aufgegossen mit dem Fond ausgekochter Rinderknochen und Gemüse. An und für sich schon ein Hochgenuss. Mit den Pommes ein echtes Vergnügen.

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Fritten-Synthese mit der Kartoffelkönigin Laura.

Der Käse ist für meinen Geschmack gar nicht unbedingt notwendig, gibt dem Gericht aber noch etwas mehr Würze und einen cremigen Touch. Unser Kartoffelfavorit sind am Ende die roten Lauras. Sie haben genau die richtige Konsistenz, innen fluffig, außen kross und etwas nussiger als die Berbers.

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Die blaue Anneliese schmeckt zwar köstlich, sieht frittiert aber nicht mehr so schön aus.

Enttäuschend dagegen die Blauen Anneliesen, auch wenn sie gut schmecken. Ihr schönes lila im rohen Zustand wird zu einem grauen dunkelblau. Außerdem sind sie zu weich und werden nicht richtig crunchy. Überraschend gut sind aber die Süßkartoffelpommes. Sie leuchten orange, liegen nicht ganz so schwer im Magen und nehmen die Sauce gut auf. Sie werden allerdings viel schneller gar als die anderen Kartoffeln, also schnell raus aus der Friteuse.

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Außen kross, innen fluffig. Süßkartoffelpommes olé!

Am Ende gehen nur noch Schnaps und Kippen. Es zeigt sich: Friteusen sind überflüssig und Ärger über eine versprochene auch.

 

Pommes unter Denkmalschutz im Ruhrpott-Biotop Dorsten

Nach der letzten pommesluv Ausgabe über das Bochumer Bratwursthaus geht es in der heutigen Ruhrpott-Edition in den Norden des Ruhrgebiets – nach Dorsten. 1911 begann der Kohleabbau und somit die industrielle Entwicklung der knapp 80.000 Einwohnerstadt und endete nur 90 Jahre später mit der Schließung der Zeche Fürst Leopold im Jahr 2001. Doch Dorsten ist weit davon entfernt sich des tristen Schicksals vieler Ruhrgebietsstädte anzunehmen und findet seine Bestimmung in der – kein Witz – gehobenen Gastronomie. Der 2-Sterne und Fernsehkoch Frank Rosin betreibt in Dorsten ein Restaurant, genauso wie sein Fernsehkochkollege und WDR-Vorkoster Björn Freitag. Und eben jener Frank Rosin führt mich heute an den Glückauf-Grill nach Dorsten-Hervest.


Kult ist der Hervester GlückAuf-Grill allemal. 1976 übernahm die Mutter Rosins die ehemalige Milchbude und eröffnete dort eine Pommesbude. In den 1980er Jahren wird das Gebäude als Teil der Zechensiedlung unter Denkmalschutz gestellt und gehört damit bis heute wohl zu einer der wenigen denkmalgeschützten Pommesbuden Deutschlands!

Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Man muss sich den Glückauf-Grill, seine Bewohner, seinen Mikrokosmos wie ein scheues Reh vorstellen: Versucht man diesen Kosmos in einem Photokompositum einzufangen, verfliegt das Bild, und die Atmosphäre ist nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Hier ist noch nichts gentrifiziert, die Pommes noch nicht kommodifiziert oder Teil einer Hipsterkultur, hier ist noch alles echt; der Grill als realer Treffpunkt von Freunden, Familien, Nachbarn. Man möchte das Spektakel nicht stören. Deswegen – liebe Leserin, lieber Leser – kann kein Photo dieses Zusammenwirken wiedergeben; es muss vor Ort erlebt werden.

Von außen ist der Grill eigentlich recht unauffällig. Zur rechten Seite hängt noch einer dieser kultigen Zigarettenautomaten, die es eigentlich schon gar nicht mehr gibt, „so zum Zigaretten ziehen“. An der linken Seite sitzen zwei Männer bei einem Pils, nur durch einen grünen Stuhl voneinander getrennt, und starren in die Ferne. Rechts daneben eine handbeschriebene Aktionstafel: Zwiebelschnitzel und Pommes für sieben Euro. Wir treten ein.


Vor uns eröffnet sich das konservierte Ruhrgebiet: der Bestelltresen, dahinter die Frittier- und Grillutensilien, darüber eine handgeschriebene Menükarte. Pommes für 1,60 € und Mayo für 0,40 €  –  das ist mehr als akzeptabel. Links neben dem Tresen befindet sich die Theke mit hausgemachten Frikadellen und selbstgeschnittenem Krautsalat. Die Wände sind bescheiden holzvertäfelt, ein Wimpel zum Gedenken an den glorreichen UEFA-Cup Sieg des FC Schalke 04 1997 hängt an der Seite. Im Halbdunkel erblicken wir einen dieser fast ausgestorbenen, wild blinkenden Spieleautomaten. Schnell wird klar: Für die Kunden des Glückauf-Grills, so scheint es, ist Pommes essen kein postmodernes Hobby, sondern wichtiger Bestandteil ihres Lebens, down-to-earth, quasi wie die Kneipe ums Eck, dafür aber mit frisch gemachten Frikadellen und natürlich Pommes.

Die Bedienung mit ihrer freundlichen und strahlenden Art macht selbst die schwärzesten Tage ihrer Kunden heiter. Sie lacht, macht „Späßken“ und schäkert mit ihrer an diesem Tag aus jung und alt bestehenden Kundschaft. Sich der Bestellung vergewissernd und die Mayonnaise umtopfend, ruft sie charmant-entwaffnend: „Sie waren jetzt die Currywurst plus Doppel-Mayo und Sie nur die Pommes-Mayo, ne?“ Nein, das ist kein Imbiß-Deutsch-Sketch, sondern die pure Realität. Wir setzen uns in den Außenbereich und bekommen die Pommes sogar „nach draußen gebracht“.

Der Eindruck


Serviert wird die Pommes-Mayo in einem tiefen Suppenteller, untypisch, aber okay. Vor uns eröffnet sich ein Anblick aus schöner, goldgelben Pommes und Mayonnaise. Die Pommes sind nicht fettig, sondern à point. Beim ersten Bissen wird klar: Alter, diese Pommes! Unser Kollege DaymDrops würde es mit dem Satz beschreiben: „You bite the fry, the fry bites back“. Sie ist von außen auf den Punkt frittiert, von innen noch schön saftig und einen guten Kartoffelgeschmack. Keine schwarzen Flecke, sondern perfekt in der Farbgebung. Im Gegensatz zu Bochum ist sie hier größer, die Crunchiness bleibt aber solide, auch die Ränder sind nicht hart, sondern geben beim Beißen zart nach. Die filigrane Salzung holt nochmal alles aus dem Geschmackserlebnis raus.


Jetzt die Kombination: Die Mayonnaise ist zu fettig, man muss nachspülen. Leider nimmt sie das Geschmackerlebnis und zwar big time. Sie ist zu dickflüssig, zu präsent. Auch nach dem Verlassen des Lokals bleibt sie noch etwas cremig im Mund. Schade eigentlich.

Verdict.

 

Das Ambiente und die Pommes sind einzigartig und das konservierte Ruhrgebiet rundet den Eindruck ab. Dazu der unschlagbare Preis. Das wären ganz lockere 4 Sterne – wenn, ja wenn nicht diese Mayonnaise wäre. Die ist leider zu fetthaltig und zu präsent. Und Pommes in Suppentellern? Naja. Man muss hier Abzug in der B-Note geben. Deswegen gibt es insgesamt für die denkmalgeschützten Pommes im Glückauf-Grill eine solide und mayonaisige 3,5 Pommes-Wertung mit der ausdrücklichen Empfehlung, selber einmal vor Ort vorbeizuschauen – gerne dann mit weniger Mayo.
Glückauf-Grill
Glück-Auf-Straße 89a
46284 Dorsten

Pommes selbst gemacht – Teil 1

Noch drei Monate bis zu meinem Umzug nach Brügge in Belgien: Um mich auf meine Auslandskorrespondenz vorzubereiten ist klar: Wenn ich belgische (!) Pommes qualifiziert bewerten können will, muss ich mir ein Maß aneignen. Einen Fritten-Standpunkt gewissermaßen, von dem aus ich Vergleiche in Sachen Pommes anstellen kann. Also zurück zur Basis: Erstmal selber Pommes machen. Bevor ich über andere herziehen und in Fritten-Flöckchen zerreißen oder die Fritte des Jahres ausrufen kann, muss ich nachvollziehen, wie viel Mühe in einer Pommes steckt.

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Die Probleme fangen sofort an. Um Himmels Willen, welche Sorte Kartoffeln brauche ich denn, um Pommes herzustellen? Mehlig? Festkochend? Bio oder lieber nicht? Man sollte meinen, es müsste mit jeder Sorte gehen. Auf dem Teppich bleiben, denke ich mir, Pommes sind jetzt auch nicht Sushi. Doch ich habe Zweifel. Als Pommes-Gourmet soll nicht irgendeine Kartoffel bei mir unter’s Messer, sondern eben eine gute. Oder sogar die perfekte.

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Ich brauche Expertise. Also ab auf den Markt am Maybach-Ufer, wo jeden Dienstag und Freitag Sybille und Michael Schmidt Kartoffeln verkaufen. Nur Kartoffeln. In einem flüchtigen Gedanken stelle ich mir vor, die perfekte Pommes-Kartoffel zu finden, alles hinzuschmeißen und eine neue DeLuxe-Fritten-Bude aufzumachen. Ganz nach dem Geschmack verhipsterter Pommes-Liebhaber. Aber, nun ja, der Ehrlichkeit halber muss ich gestehen: Ich habe in meinem Leben noch keine einzige Fritte selber produziert.

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Ich tippe mal, dass ich festkochende Kartoffeln brauche, um gute Pommes herzustellen. Falsch, sagt Michael Schmidt, der zusammen mit seiner Frau schon in der dritten Generation Kartoffeln verkauft. Die besten Ergebnisse habe man mit vorwiegend festkochenden Kartoffeln. „Dann werden die nämlich außen kross und bleiben innen schön fluffig.“

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Viele Kunden fragten nach der perfekten Pommes-Kartoffel, es gebe viele, die gern selber kochen. Doch insgesamt seien ihre Verkaufszahlen rückläufig, sagt Sybille Schmidt. Das komme nicht nur durch das ganze Fast-Food. „Früher haben die Leute einmal pro Woche gleich einen Zehnkilo-Sack Kartoffeln gekauft, für die ganze Familie. Heute verkaufen wir Kartoffeln einzeln. Die Leute wollen zwei oder drei Kartoffeln. Mehr nicht!“

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Aber sie wollten sich nicht beklagen, sagen die Schmidts. Ihr Beruf mache ihnen Spaß und sie haben viele Stammkunden. Die schätzen nicht nur die große Auswahl und dass alle Sorten aus der Region kommen. „Viele kommen auch mit einem konkreten Rezept und brauchen dann Beratung, welche Kartoffeln zum Beispiel am besten zu Spargel passen“, sagt Schmidt.

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Oder eben, welche Sorte man für Fritten braucht. Eine hervorragende Bio-Pommes-Kartoffel sei Agria, sagt Schmidt. Aber auch Süßkartoffeln würden sich gut eignen. Ich will auf jeden Fall welche von den lila Kartoffeln haben, die sollen sich nämlich den Experten zufolge auch gut eignen. Und sogar Krebs vorbeugen, weil die lila Farbe der selbe gesunde Farbstoff sei, der auch in Roten Beeten steckt. Na ja, wegen der Gesundheit esse ich eigentlich keine Pommes, denke ich mir. Aber wenn ich mein Guilty Pleasure plötzlich gesund um-etikettieren kann, warum nicht.

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Die „Blaue Anneliese“ kommt also mit. Dazu ein paar Lauras, die sind von außen leicht rötlich und haben innen schon ein wunderbares pommesgelb. Eine Bilderbuch-Kartoffel in vorwiegend festkochend. Die Süßkartoffel, die ich noch mitnehme, ist dagegen geradezu hässlich. Schrumpelig, überdimensioniert, rau. Aber die Aussicht auf Süßkartoffel-Pommes überzeugt mich dann doch. Schließlich wandern auch noch vier Berber-Kartoffeln auf die Waage. Ganz schuppig sind die, irgendwie erdig. Eher so die Trucker-Pommes-Kartoffel: ganz bodenständig, sympathisch und unprätentiös. Ich bin zufrieden, Schritt eins auf dem Weg zur Pommes-Benchmark ist geschafft.

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Dann kommt die Hiobs-Botschaft: „Aber bloß nicht versuchen, die Pommes im Ofen zu machen“, sagt Sybille Schmidt. „Ist zwar gesünder, aber echte Pommes müssen nun mal doppelt in Fett frittiert werden.“ Verdammt. Wo kriege ich jetzt eine Friteuse her?

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LGBT-Fritten am Wittenbergplatz

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Pommes testen will gelernt sein.

Es ist Freitag, Dienstschluss – ich streife mit Pommesluv-Mitgründerin Skrollan die Urania runter, vorbei an der Landeszentrale für politische Bildung Berlin.

Der Bildungsgott ist mit uns – an diesem Tag sind alle Bücher kostenlos zur Mitnahme. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass mein erster Beitrag für pommesluv ins Haus steht. Wir schlagen ein in Richtung Kurfürstenstraße. Skrollan schaut mich an. Ich schlage vor, man könne am Wittenbergplatz doch was essen – eine Portion Pommes bei Witty’s. Sie winkt ab:

„Nee, nee, daraus machen wir direkt n neuen Beitrag!“

und steuert auf die mit Regenbogen gezierte Pommesbude namens ‚Fritz & Co.‚ gegenüber zu.

Jetzt erklärt sich der Titel des Posts

Zehn Minuten später stehe ich, genau wie sie, vor einer Portion Pommes, meine in süß-saurer Chilisoße (er)tränkt, ihre begraben unter hausgemachter Knoblauchmayonnaise. Die Pommesfrau hat nicht gespart bei den Soßen, das fällt sofort auf. Schnell wird mir nun auch klar, dass die Currywurst, die ich mir dazu bestellt habe, nur zu einem Nebenschauplatz wird.

Die Soßenvielfalt

Ich will zum Pommesspieß greifen, da sehe ich, dass es hier nicht nur um Geschmacklichkeiten geht. Das iPhone in mehreren Abständen über die Frittenportion schwenkend, sehe ich Skrollan dabei zu, wie man Pommes richtig in Szene setzt. Auch ich greife fachmännisch zum Handy, knall den HDR Filter drauf und ab geht die Knipserei.

Drei Minuten später geht es endlich ans Eingemachte. Die Pommes kommen im natürlichen Look daher, mit Schalenelementen, wie Skrollan vermerkt. Die Portion ist nicht zu groß, nicht zu klein, gesundes Mittelmaß. Kostenpunkt: Mit Soße landet man bei 3 Euronen und 10 Cent.

Die bunten Farben der Pommesbude lenken uns nicht von unserer eigentlichen Arbeit ab.

Der Salzgrad stimmt. Das Meersalz, auch wenn man den Unterschied zum normalen Salz hier nicht schmeckt, gibt der Fritte einen angenehmen Geschmack – das gefällt. Der Crunch jedoch kommt nur bei Eckstücken der selbstgeschälten Pommes wirklich durch, und lässt ansonsten zu Wünschen übrig. „Zu wenig Unterschied zwischen Außen- und Innentextur“ bemängelt Skrollan mit kritischen Blick. Bei mir macht sich die Vermutung breit, es handelt sich bei den Kartoffeln um die Gattung „vorwiegend festkochend„.

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Sowohl Chili- als auch Knoblauchsoße sind in rauen Mengen auf dem gelben Gold vorhanden.

Die Soßen überdecken, wie eingangs erwähnt, den Großteil der Pommes. Im Verlauf und mit fortschreitendem Rückgang des Pommesbestandes auf meiner Pappe wird klar, dass die unteren Pommes der süß-sauren Chilisoße aus der Tube erlegen sind. Skrollan sieht in der hausgemachten Knoblauchsoße eher eine Remoulade mit starkem Dill-Einschlag. Ich find’s lecker und klaue weiter von ihrer Portion. Skrollan bemerkt, dass sich die LGBT-Fritten und die Pommes bei Witty’s gegenüber kaum unterscheiden. Hier wäre investigatives Nachhaken gefragt gewesen.

Ich schaue auf den ertränkten Rest meiner Frittenportion und stelle klar fest – den Soßenpunkt kann ich hier leider gar nicht geben. Auch beim Crunch gibt es Abzug. 45 Sekunden länger in der Fritteuse hätten hier schon einen Unterschied bewirkt. Der gute Salzgrad und der Verzicht auf Paprikagewürz können diesen Manko nicht mehr wirklich aufwiegen.
Das Personal ist freundlich, Portion und Preis stimmen.

Aus diesem Grunde landen die LGBT-Fritten bei 3 von 5 Pommes.

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Drei von fünf – grundsolides Mitelmaß

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Auch wenn’s nich so dolle war – pommesluver Skrollan zufrieden mit der Fritte und einem Neuzugang für die pommesluv-crew

Fritz & Co.
Wittenbergplatz
10789 Berlin (Schöneberg)
Öffnungszeiten:

Mo-Sa 11-24 Uhr, So 12-24 Uhr
Mittagszeiten: durchgehend

Ein bisschen Belgien in Paris?

Wenn man Franzosen über Belgien befragt, werden den meisten schlechte Witze über den wallonischen Akzent einfallen und der ein oder andere wird sich daran erinnern, dass er eine Leonidas Filiale neben seinem Supermarkt hat. Es werden jedoch Wenige dem Nachbarn kulinarische Kultur bescheinigen.

Doch, wie wir bereits in früheren Beiträgen festgestellt haben, ist Belgien ohne Zweifel das momentane Epizentrum europäischer Frittenkultur. Seit einiger Zeit macht sich die Frittenbudenkette De Clercq- Les Rois de la Frite als Botschafter von belgischen Fritten einen Namen in Paris. Als erweiterter Teil der EU Bubble, treibt es mich zwar öfters nach Brüssel, Hauptstadt Europas und der Fritte, aber leider bleibt selten Zeit meiner Leidenschaft für belgische Pommes nachzukommen. Der Gedanke, eine belgische Pommesbude vor der Haustür zu haben, katapultierte mich umgehend über die Spitze meiner maslowschen Pyramide hinweg.

IMG_20150410_194311_hdrDe Clercq hat in Paris drei Standorte: Im 5e, um hungrige Sorbonnestudenten ohne strikten Diätplan abzugreifen, im 13e für alle Bewohner, die nicht schon wieder Wok-to-go aus Chinatown wollen und im 2e, in der Nähe des Boulevard Montmatre, für after-Bar Heißhungerattacken. Es ist ein lauer Frühlingsabend und wir entscheiden uns für die Bude 2e, um die Fritten anschließend am Fuß von Montmatre zu verköstigen. Als Unterstützung für diesen Test kann ich diesmal auf Leah, US-Ostküstenexpertin mit einer Schwäche für Curly Fries, zählen.

Beim betreten von De Clercq wird deutlich, dass in diesem Etablissement keine Kompromisse gemacht werden. Rot-schwarze Wände, gelbe Stehtische, eine offene Frittierküche. Die meisten Belgier würden sich hier dennoch eher unwohl fühlen. Dies liegt weniger an den nicht vorhandenen Sitzmöglichkeiten, sondern an der komplizierten Beziehung der Belgier zu ihrer Identität und ihren Nationalfarben. Dem fortwährenden Zwist zwischen Wallonen und Flamen fällt häufig auch die Fritte zum Opfer, denn beide Seiten reklamieren die bessere Machart für sich. Solche Konflikte versteht aber nicht wirklich jemand außerhalb des Landes und deshalb kann man das Interieur als zweckmäßig und passend beschreiben. An der Kasse werden sämtliche französischen Vorurteile über den kleinen Nachbarn bestätigt: Eine rundliche Frau mit roter Kappe rechnet betont unfreundlich ab, entlarvt sich, durch ihr französisches „quatre-vingt-dix centimes“ (anstatt des belgischen „nonantes“),  allerdings nur als Belgien-Attrappe.

IMG_20150410_194613Wir bestellen zwei Portionen Pommes mit zwei Mal Sauce Andalouse, eine Frikandel und Croquette. Mit 2,90€ für eine Portion ist die Bude zwar ein wenig teurer, als in Belgien, aber für Pariser Verhältnisse erschwinglich. De Clercq überzeugt mit einem Menü für Experten: 3 verschiedene Portionsgrößen( von 300 Gramm bis zu einem vollen Kilo), eine reiche Auswahl an originalgetreuen Saucen und Beilagen, die jedes Frittologenherz höher schlagen lassen: Frikandel, Croquettes und Gehaktballen. Ebenfalls verfügbar ist ein Burgermenü, aber das ist Nebensache. Burger kriegt man heutzutage ja überall.

Ausgestattet mit einer großen, fettigen Frittentüte machen wir uns per Fahrrad auf den Weg zu einer bequemen Parkbank mit Blick. Unsere Erwartungen sind hoch; die Ernüchterung folgt auf den Punkt. Beim Blick in die Tüte wird deutlich, dass De Clercq offensichtlich Croquettes für Cheese Fingers hält. Aus frittiertechnischer Sicht ein absoluter Fauxpas. Geschmacklich sind sie zwar in Ordnung, jedoch kostet die falsche Etikettierung Punkte. Auch unsere Frikandelbeilage kann nicht überzeugen. Obwohl die Würze in Ordnung ist, ist die frittierte Gehacktwurst (manche munkeln das Geheimnis sei ein 50/50 Anteil aus Pferde- und Eselfleisch) zu trocken. Ein solcher Fehler entsteht, wenn der Fritteur, unter Druck von Kunden mit schlechtem Gewissen, die Frikandel nach dem Frittieren zu lange von heißem Fett abklopft.

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Die Fritten sind geschmacklich ohne Zweifel nach belgischer Machart. Das doppelte Frittierverfahren und das klassische Rindernierenfett hinterlassen ihren markanten Geschmack. Auch die Form und Farbe überzeugt: Dick und dunkelgelb, wie man es bei gehobener Frittenkunst in Belgien finden sollte. Jedoch wird bei der Frittierung der Pommes deutlich, das Amateure am Werk waren. Außen labbrig, innen zu kross: Ein klassischer Fehler, durch zu lange Pausen zwischen den Frittergängen. Auch mehr Salz hätte den Pommes gut getan.

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So müssen wir abschließend feststellen, dass De Clercq zwar das Beste tut, um belgische Frittenkultur in Paris zu etablieren. Dennoch wäre das Angebot nicht mal in kulinarischen Internierungslagern, wie Chaleroi, wettbewerbsfähig. Zu schwach die Frittierleistung, zu eklatant der Verstoß gegen die Croquetten-Etikette. Für Pariser Standards ist De Clercq dennoch ein kleiner Schritt nach vorne. Deshalb gibt es am Ende 2.5 von 5 Pommes.

De Clercq- Les Rois de la Frite

169 Rue Montmatre

75002 Paris

http://www.lesroisdelafrite.com/