Gemischte Gefühle und geile Aioli im Soho House Berlin

Die Hotel und Membership-Kette „Soho House“ unterhält seit 2011 auch eine Filiale in Berlin Mitte.

Ideologisch gibt man sich als exklusiver Ort der Coolen und Kreativen. In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Westdeutsche privilegierte Kids treffen hier auf alteingesessene Mitte-Urgesteine, die sich schon seit 20 Jahren mit vielen Parties und Projekten über Wasser halten. Mir wurde auch berichtet, dass in der letzten Zeit die Zahl von Büromäusen (auf der Suche nach dem großen Fang) extrem zugenommen habe: „Stichwort: Samenraub„. Ich nickte verständnisvoll…

Eine weitere Zumutung ist das seit vier Jahren konstant inkompetente Personal. Nie ist jemand zuständig. Ich bestelle zwei Mal den gleichen Drink (Moscow Mule), bei zwei unterschiedlichen Barmännern und bekomme den zweiten mit Aperol (Irks) als „britische Version“ verkauft.

Auch das Essen ist seit jeder ein Streitpunkt im Soho House. Früher galt die Regel- umso gesünder desto schlimmer. Salate, jegliches Grün und Fisch galten als ungenießbar. Ein sicherer Hafen war damals Macaroni and Cheese. Ansonsten waren meine Favoriten alle Arten von Pizza, der Burger, das Clubsandwich und Pommes. Mittlerweile hat sich die Qualität eingependelt, auch der Fisch ist wieder bestellbar. Mein Steak Tartar war auch so, wie es sein sollte…

Die Pommes gehörten schon immer zu den positiv auffallenden Speisen auf der Karte. Und sie sind noch besser geworden. Ein knusprig-krosser Härtegrad, richtig gesalzen in perfekter Form.

Ein Insidertipp kam von meinem Tischnachbarn:“ Bestell extra Aioli!“. An dieser knoblauchigen Traumsauce stimmte einfach alles! Die Konsistenz, der Geschmack- fantastisch. Ich muss wirklich sagen, diese Geschmacksfeuerwerk war eine Überraschung.

Deshalb bemerkte ich leider auch erst, als ich schon alle Pommes aufgegessen hatte, dass mir vier Pommes für die Wertung fehlten.

Unser Urteil (deshalb ohne Bild): 4 von 5 Pommes!

Es gibt im Übrigen auch nicht nur Contra-Argumente für eine Mitgliedschaft im Soho House (ich habe selbst schon oft darüber nachgedacht):

  1. Schönes Kino im Keller (sonntags wird dort Tatort gezeigt)
  2. Die Dachterrasse mit Pool im Sommer
  3. Die Sauna im Winter
  4. Das geschmackvolle Fitnessstudio (ich halte mich jedoch strikt an No Sports )
  5. Die Preisreduktion für U-27 Mitglieder (Sonntag-Montag)
  6. Und jetzt geile Aioli.

Pommes in Paris: Bouillon Chartier

Paris ist die Stadt der Liebe, doch auch der Pommes? Das war die Leitfrage meines Ausfluges in die französische Hauptstadt. Um dieser auf den Grund zu gehen, traf ich mich mit Pommes-Experte Maximilian Foppe im 9. Arrondissement im Traditionslokal Bouillon Chartier. Das Restaurant lockt bereits seit 1896 hungrige Gäste in seine Art Déco-Halle. Die über das letzte Jahrhundert angesammelten Sticker an der Tür beweisen die anhaltende Popularität des Lokals. Neben seiner schönen Einrichtung und dem umtriebigen Bahnhofshallen-Flair ist es auch eins der preiswertesten Lokale der Stadt. Die perfekte Station für unseren Test der Pariser Pommes also. Wir kamen um kurz vor zehn, hatten Glück und wurden als letztes noch in die Warteschlange für einen Tisch gelassen. Das Publikum ist bunt gemischt: Französischen Banker sitzen hier neben besungenen Geburtstagskindern und Touristen aus aller Welt. IMG_0146IMG_0147 Maximilian glänzte in seiner Expertenrolle durch die profunde Kenntnis der Speisekarte. Während er die Weinbergschnecken als Vorspeise wählte, setzte ich mich gegen seinen Rat (seine Empfehlung war der Specksalat) durch und bestellte einen grünen Salat. Welch eine Fehlentscheidung! Die grünen Blättchen trieften vor scharfer Mayo. Ich hatte mir eher ein frisches Entree für das Pommesvergnügen gewünscht. So löffelte ich widerwillig den Mayosalat und tunkte ab und an Brot in die Knoblauchsauce der Weinbergschnecken. Die war vorzüglich. Weintechnisch empfahl Maximilian den ehrlichen Hauswein – ein Glück war der gekühlt und so trotz der zusammengepanschten Weinreben genießbar und nach dem zweiten Glas sogar recht ansprechend. Der gestresst aber herzlich wirkende Kellner kritzelte unsere Bestellung auf die Tischdecke und wuselte durch die Tischlandschaft. Als er das Steak Tartare mit Pommes brachte, fehlte natürlich die Mayo (die war wohl schon aus Versehen im Salat gelandet). Sehr zu meinem Ärger ist die Mayo-Kultur in Frankreich unterentwickelt. Wir bestellten sie daher extra und bekamen eine geschmacklose Butter-Pampe. Auch die Pommes waren leider weit entfernt von den flämischen Exemplaren. Zwar betonte Maximilian das ausgewogene Verhältnis von knuspriger Hülle und weichem Kern, doch dies konnte nicht über die gesamte geschmackliche Neutralität hinwegtrösten. Verzweifelt über den fehlenden Geschmack von Sauce und Pommes experimentierten wir ebenfalls mit einem Klecks scharfem Senf. Doch auch dies führte zu keinen empfehlenswerten Ergebnissen. Im Kontrast dazu konnte das Steak Tartare durchaus überzeugen. Die rohe Fleischigkeit mit Zwiebelkrone hielt was sie versprach.

IMG_0149 IMG_0151IMG_0152IMG_0153IMG_0154IMG_0155IMG_0156 Unser Urteil:  In Anbetracht der Butter-Mayo und fehlenden Würze der Pommes vergeben wir leider nur 2 von 5 Pommes. Das Chartier empfehlen wir zwar nicht für Pommes, aber grundsätzlich lohnt sich ein Besuch. IMG_0157 IMG_0150 Bouillon Chartier  7 rue du Faubourg Montmartre | 75009 Paris Offen jeden Tag von 11:30-22:00 Es gibt keine Reservierungsmöglichkeit