Im Grunewald ist Pommes Auktion

Zugegeben ein ziemlich hanebüchener Griff der Überschrift nach dem Gassenhauer Im Grunewald ist Holzauktion Der Leser möge Gnade walten lassen. Wir hatten eine lange Pommes-Berichterstattungs-Abstinenz und müssen uns wohl erst einmal wieder in den frittig-fettigen Jargon reinfinden.

Ich hatte jüngst einen schweren Anfall von Prokrastination (die Klausuren nahen und andere Deadlines sitzen mir auch im Nacken) und so entschied ich mich schlechten Gewissens für einen Tagesausflug zum Grunewaldsee. Den Dackel unter den Arm geklemmt, stieg ich in den Bus und fuhr vorbei an schönen Stadtvillen und teuren 1960er Jahre Bunkern zum Roseneck. Diesem verschlafenen Seniorenidyll mit hervorragendem Tortenangebot kann ich einiges abgewinnen. Früher gab es dort direkt am Platz auch so eine Luxus-Bude, die Currywurst, Scampi und Schampus vereinen wollte. Das konnte sich wohl selbst im goldensten Westen nicht durchsetzen. So blieben die Luxus-Preise der Bude, aber die Pommes können mich bis heute nicht überzeugen.

Viel besser ist es direkt eine Bude am Grunewaldsee aufzusuchen. In meinen Kindertagen gab es immer urige Buden direkt am Hundestrand, die für 50 Pfennige Tee und Kaffee, für eine Mark runzelige Bratwurst anboten und stets schlecht gelaunt waren. Ob der Euro oder der Wandel zur Service Mentalität die Ursache ihres Verschwindens waren, lässt sich heute wohl nicht mehr zurückverfolgen.

Processed with VSCOcam with 4 preset

Die gepflegte Pommeshütte

Deshalb war ich natürlich misstrauisch als ich das gepflegte Holzhäuschen mit Pommesangebot vor dem Jagdhaus Paulsborn erspähte. Das gute alte Verschlafene sucht man in Berlin zunehmend vergebens.

Neben der Pommeshütte steht auch noch eine weitere Hütte, die Delikatess-Hundefutter verscherbelt. Als Berliner „kricht man da natürlich nen Föhn“ und fragt sich, ob das nun endgültig München ist. Aber kein Hund trug MCM oder Moncler.

Ein trüber Januartag – zum Glück gibt es Pommes!

Genug des Hates – das Jagdhaus ist wirklich ein schönes Restaurant und auch der Hof ist gepflegter als in den guten alten Zeiten.

Ich bestellte einmal Pommes mit Bratwurst, während mein Dackel Frieda damit beschäftigt war drei Terrier gleichzeitig zu belästigen. Im Rückblick (auch in Anbetracht der Preistafeln) kann ich mir nicht erklären, weshalb ich für eine Pommes, eine Bratwurst und einen Kaffee zusammen nur fünf Euro gezahlt habe. Es war jedenfalls ein Schnäppchen und das Service Personal war nett.

Sehr positiv fiel mir auch auf, dass Ketchup und Mayo zur freien Verfügung angeboten werden. Diese Eine-Sauce-kostet 50-Cent-Politik nervt mich ohnehin. Ich habe einfach eine Schwäche für Mayo und deckte mich dementsprechend großzügig ein.

Welch hervorragendes Pommesgelb!

Die Pommes machten schon rein äußerlich viel her. Ein perfektes Frittengelb, ein guter Salzgrad und eine gleichmäßige Form. Der Kenner weiß dementsprechend sofort: es handelt sich um Industriefritten. Das muss allerdings nichts schlechtes sein. Eine gute, knackige Industriefritte kann 1000 mal besser sein, als eine wabbelige Ökofritte. Und so war es dann auch. Die Pommes konnten geschmacklich überzeugen. Der kartoffelige Geschmack mischte sich mit frischem Fett und einer knusprig-crunchigen Konsistenz.

Der Ketchup schmeckte klassisch nach Heinz. Bei der Mayo handelte es sich um eine Mischung aus der bewährten Schwimmbad-Mayonnaise und McDonalds-Mayo. Ein Mix, der mir persönlich sehr gut mundet.

Mayo – doppelt hält besser!

Hier muss ich noch ein paar Worte zu der Bratwurst verlieren. Die war wirklich gut gewürzt. Ein feiner Kümmelgeschmack durchzog die knusprige Wurst. Das war der perfekte Begleiter zur Portion Pommes!

Auch die Wurstqualität überzeugt- hier der Kümmel in Nahaufnahme

 

Salzige Pommes – ein Traum

Dünne Beine zum Beweis, dass ich trotz der Pommesliebe nicht dick bin

Unser Urteil: 3 1/2 von 5 Fritten. Ich empfehle die Bude. Selbst als nörgeliger Berliner kann ich mich diesen Pommes nicht entziehen. Was nun noch fehlt sind nasty Extrasaucen (die auch einen extra Preisaufschlag rechtfertigen) und noch frische Pommes als Zusatzangebot.

Unser Urteil: Geile Fritten

 

Der ultimative „Kann ich Pommes in dem Irish Pub um die Ecke essen?“ Test

Es war einmal ein verkaterter Samstag Mittag, Stefan aka DJ Frank Freshness kündigte sich in Charlottenburg als Pommestester Assistant an und weigerte sich diese eine berüchtigte Taxifahrer-Wurstbude zu testen, die ich schon seit langem auf der Agenda habe.

Seine langjährige Arbeit im White Trash mache aus ihm einen Pommes-Burgerexperten, deshalb sollten wir nach einem Burger Ausschau halten. Natürlich habe ich die Burgerbuden in meinem direkten Umfeld schon abgegrast, er schlug vor das Experiment zu wagen und Pommes bei dem Irish Pub um die Ecke zu essen. Ich bin kritisch, aber auch verdammt hungrig. Wir setzten uns in den Vorgarten des Irish Harp (wie könnte der Schuppen auch anders heißen?).

Wir sitzen relativ einsam in der Herbstsonne, nur zwei andere Gäste warten ebenfalls auf das Mittagsmenü. Stefan und ich fachsimpeln über die beste Zeit um Essen zu gehen. Ich denke, jetzt dürfte in der Küche nicht so viel los sein, unser Burger und Pommes also besondere Aufmerksamkeit des Kochs genießen. Der Gastroprofi Stefan ernüchtert mich mit seinen Ausführungen wie es in Burger-Küchen zugeht. Bestellungen über den Tag nerven eher das Küchenpersonal, da sie bereits alles für den Abend schnippeln und vorbereiten wollen. Daher gäbe es das beste Essen, wenn die Küche abends auf Hochtouren läuft und jeder seine gekonnte Routine abspielt. Klingt plausibel.

Stefan spielt den Vorfall nach – immer noch traumatisiert vom Food-Blog-Horror

In der Vergangenheit hat Stefan eher schlechte Erfahrungen mit Bloggern gemacht. Nach einem geschäftigen Abend und mit dem Service unzufriedenen internetaffinen Gästen, brach ein regelrechter Shitstorm über ihn hinein. Seine Geschichte erinnert mich ein wenig an diese mega gelungene letzte Southparkfolge zum Thema Yelping.  Er versichert mir, dass dies sein einziges Food-Blog-Gastspiel wird. Ich fühle mich geehrt.

Wir bestellen einen Cheese-Burger, einen Gravy Roasted Burger, Pommes und viel Cola. Die Bedienung ist freundlich. Wir beginnen ein tiefgründiges Gespräch über Pommes. Was versteht Stefan unter der perfekten Fritte? Gleichmässig geschnitten und kross sollen sie sein. Er lässt sich auch zu einem überraschenden Geständnis zu Tiefkühlfritten hinreissen (schaut euch das Video an):

Endlich kommen unsere Fritten und Burger. Das Küchenpersonal scheint doch hauptsächlich am Vorbereiten für den Abend gewesen zu sein 😉

Die Portion ist ordentlich und die Pommes leuchten goldgelb. Die Optik ist schon mal spitze. Der Ketchup ist klassisch von Heinz, das erschmecken wir beide gleichzeitig.

Doch wir vermissen Mayo und bestellen diese nach. Die Bedienung bringt eine Sauce und fügt hinzu „nicht wundern wegen der Farbe. Die Mayo ist selbstgemacht.“. Wir werfen einen Blick auf den Saucentopf und erschaudern tatsächlich.

Was ist das? Die sonst weiß-creme-gelbliche Farbe der Mayonnaise wurde hier mit einem stechenden Kurkuma-Senfton vertauscht. Auch der Geschmack ist so gar nicht Mayonnaisig und ähnelt ebenfalls keiner mir bekannten Pommessauce.

Nun ja zurück zu den Pommes. Wir sind uns beide einig, dass wir stark nach salzen müssen. Stefan hebt den natürlichen Geschmack der Pommes hervor. Ich finde sie zu hart und irgendwie einfach fad. Der Burger ist auch nur so lala und so wird die anfängliche Freude über die Portion zum Fluch. Ich schaffe es kaum, Stefan verputzt seinen Teller und schmiert sich noch einmal extra viel von der gelben Mayo ins Gesicht für das Foto:

Unsere Wertung: 2 1/2 von 5 Pommes! Naja also man kann schon im Irish Pub um die Ecke Fritten essen. Aber so ein richtiges Feuerwerk der Sinne war es nicht. Höchstens diese quitschgelbe „Mayo“ – aber auch eher im negativen „mir-fällt-in-Kreuzberg-ein-Böller-auf-den-Kopf“-Sinn. Stefan hat sich dennoch als super Test Begleitung erwiesen. Wir kommen bestimmt noch einmal auf seine Expertise zurück!

The Harp

Giesebrechtstraße 15

10629 Berlin

Das „Burgers Berlin“ und die vernachlässigte Pommes

Freitag Abend 21:30 in Charlottenburg

An der Pestalozzistraße, einer Seitenstraße der Einkaufsmeile und Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße, steht eine Traube junger Menschen vor einem Lokal mit Bierbänken, witziger Tafelspeisekarten und hippen Limos.

Um was könnte es sich anderes handeln als um einen Burgerschuppen?

In Hoffnung auf einen guten Pommesfang gesellen wir uns dazu. Atmosphärisch ist das Burgers Berlin im Industrie//Amerika- bei Westwing-eingekauft-Stil gehalten. Die Wände sind mit „lustigen Sprüchen“ in unterschiedlichen Schriftarten und kurioser Orthografie bemalt. Da ich mich ein wenig geniert habe den Spruch „Burger statt Bourgeoisie“ zu fotografieren, gibt es hier kein Bild davon.  Mit Blick auf das bruzzelnde Rindfleisch bestellen wir am Tresen.

Die Karte macht sofort klar: Pommes sind hier nur ein „Xtra“. Wir bestellen dem Cheesy Cheese und Beef & Bacon Burger und dazu Fries mit Mayo und die Chilli-Cheese-Fries (3€), die nicht auf der Karte, dafür aber auf der Tafel stehen.

Die Wartezeit von 20 Minuten (es war wohl Burger-Rush-Hour) vertreiben wir uns mit einem kühlen Augustiner. Eigentlich wäre es auch nett in so einem Laden mal zu Schultheiss oder einem Berliner Kindl gezwungen zu werden. Immer diese bayrischen Etepetete-Importe…

    

Pommes und Burger werden in kleinen, roten Plastikkörben serviert. Als Kind der 90er Jahre habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Plastikerzeugnissen. Der frühere Stoff der Zukunft hat heute den Beigeschmack von fadem Konsumismus.  Also wenn ich die Wahl habe, darf es für mich doch klassisch der Porzellan oder Keramikteller sein.

Die Pommes haben einen goldgelben Ton, der könnte allerdings noch etwas dunkler sein. Die Form der Fritte verrät das Industrieerzeugnis. Diese Pommes sind definitiv nicht selbstgemacht. Der Biss ist hart, jedoch nicht knusprig. Von einem Crunch kann kaum die Rede sein. Leider ist auch der Geschmack fad und sie sind nicht ausreichend gesalzen. Erschwerend kommt noch das Preis-Leistungs-Verhältnis hinzu: Der Preis von 2€ bzw. 3€ für die Chilli-Cheese-Fries ist üppig für dieses Häufchen Pommes.

Die Mayo hat eine cremige Konsistenz und schimmert in einem schönen Cremeweiß. Doch auch sie schmeckt süßlich und konservig, leider nicht frisch. Der Ketchup schmeckt ebenfalls nach dem 10-Liter-Eimer-Klassiker aus der Metro. Hier noch ein preisliches Kuriosum: Wohingegen der Ketchup auf dem Tisch zur freien Verfügung steht, zahlt man für die Portion Mayo extra 30 Cent. Die Chilli-Cheese-Sauce ist nasty-käsig-scharf aber auch nicht frisch. Die frischen Jalapeños fallen dazwischen positiv auf.

Im Gegensatz zu den vernachlässigten Beilagenpommes konnten die Burger wirklich punkten. Die Brötchen hatten eine perfekte Konsistenz, sind beim Essen nicht zerbröselt und waren knursprig. Das Rindfleisch schien manchmal noch zartrosa durch (mhmmm) und spielte saftig mit dem frischen Salat zusammen. Die Burger zählen definitiv zu den besten Berlins.

  

Unser Fazit: Leider nur 2 von 5 möglichen Pommes. Das Burgers Berlin ist – nomen est omen- eine mehr als solide Adresse für Burger. Doch leider nicht für Pommes. Hier ist definitiv noch Luft nach oben!

Burgers
Pestalozzistrasse 25
10627 Berlin

Pommesjenuss im Goldenen Westen

Wir starten heute unser Pommesuniversum mit einem Ausflug an den Wittenbergplatz, neben das Kadewe, in den goldenen Westen.

Unser Ziel: Die goldgelb frittierten Erdäpfel der Qualitäts-Bio-Bude Witty’s.

IMG_1169

Witty's Saucenvielfalt

IMG_1107

Glückliches Nachsalzen

Knoblauch-Dill-Mayo mit Kleks scharfem Asiazeugs

IMG_1110

IMG_1149

Unter Touristen wie Ortsansässigen gleichermaßen beliebt, befindet sich stets eine kleine Traube Menschen vor der Bude. Im Wind spielten die Servietten, hefteten sich an Seniorensohlen und wurden davon getragen. Auch uns spielte das graue, windige Regenwetter in die Karten, so mussten wir nicht lange anstehen.

Der Laden führt eine große Auswahl an Bio Limonaden, die mir alle zu kalt für das Wetter waren. Ein Glühwein wäre wohl das Richtige gewesen. Besonders erwähnenswerte ist die Saucenvielfalt der Bude. Wir überzeugten uns von der frischen Knoblauch-Dill-Majo („Natürlich nur empfehlenswert wenn man nicht mehr knutschen will.“ – Ein Evergreen-Spruch aller Döner- und Imbissbudenverkäufer…) und der regulären frischen Majo.

Die bio Pommes plus Sauce kosteten jeweils 3,50€ also Premiumsegment. Was kann man gegenüber vom Kadewe anderes erwarten? Die Pommes sahen sehr gut aus und geschmacklich waren sie auch eine Freude. Ein bisschen knuspriger hätten sie noch sein können und salziger. Das nahm ich dann selbst in die Hand.

Abzug gab es ebenfalls für die skurrilen Illustrationen auf der Budenverkleidung. Verzerrte Fratzen, aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Unser Urteil: 

3 1/2 von 5 Pommes

IMG_1133

Witty’s

Wittenbergplatz (Ecke Ansbacher Straße, gegenüber dem KaDeWe)
Montag bis Samstag von 11:00 bis 24:00 Uhr Sonn- und Feiertags von 12:00 bis 24:00 Uhr

http://wittys-berlin.de/